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Periodical volume 6. October 1888 Nr, 1

Full text: Der Bär Issue 15.1889

f) 
Veranlassung zu jenem Schritt, und drastisch spann nun die 
Sage jenen Gedanken ans. 
Man flüsterte nicht blos von einer Sitzung der Loge zu 
den drei Weltkugeln zu Berlin, in der die Sache zum Ausbruch 
gekommen, sondern wollte genau den Vorgang kennen. Der 
König sei, hieß es, von Jemandem aus seiner Umgebung, der 
aucs; Freimaurer gewesen, gröblich hintergangen worden. Er 
hätte feierlich in der betr. Loge den Vertrauensbruch zur 
Sprache gebracht und volle Verzeihung der Schuld zugesichert, 
wenn der Betreffende sie offen bekenne. Aber vergeblich. Da 
hätte er erklärt, nach solchem schmählichen Verrath sage er sich 
von dem Bunde los und lege den Hammer, den er bisher als 
Meister geführt, nieder. 
Mit der Zeit bezeichnete man als den Schuldigen den 
General Walravc, dem der König die Vervollständigung der 
Festung Neiße übertragen und 
der die Pläne derselben an die 
Oesterreicher verkauft haben sollte. 
Immer weiter wurde dann die 
Geschichte literarisch ausgebeutet, 
immer voller entfaltete sich die 
Scenerie. In einer anonymen 
Broschüre, die im Jahre 1833 
erschien, heißt es in voller Breite 
folgendermaßen: 
Der König habe, nachdem 
er feierlich als Ordensmeister 
die Loge eröffnet und mit großer 
Wärme von den Pflichteir eines 
Maurers gegen sein Vaterland, 
den Staat, den Orden und die 
Brüder gesprochen, in feierlichem 
Tone zum Erstaunen Aller so 
fortgefahren: 
„Einer unter den versam 
melten Brüdern hat sich an den 
Gesetzen des Ordens, seiner 
Pflicht gegen den Staat, seinem 
Eide, seiner Treue und Dankbar 
keit gegen mich, als Vorsitzenden 
Meister und seinen König schwer 
und todesstrafbar vergangen." 
„Als König will ich cs nicht wissen, als Meister vom 
Stuhl ihm verzeihen, als Bruder biete ich ihm die Haud, von 
seinem Falle ihn wieder aufzurichten und als Mensch will ich 
das Geschehene vergessen." 
„Ich verlange nur, er soll sein Verbrechen hier gestehen, 
in sich gehen und sich bessern; in diesem Falle bleibt Alles 
unter uns und nie soll davon wieder Erwähnung geschehen." 
„Schweigt er aber und nimmt die ihm dargebotene Ver 
zeihung nicht an, so muß ich als Meister ihm andeuten, daß 
zu vermitteln, was dann auch „in aller Stille" schon auf der Rückreise von 
Holland in Braunschweig geschah. Denn auch den fremden Freimaurern, 
die dazu von Hamburg herübergekommen, war dabei etwas unheimlich 
zu Muth. Sie beschleunigten auch rasch wieder ihre Abreise, weil, wie 
der dabei betheiligte Baron v. Bielefeld erzählt, sie nicht Lust hatten, 
lange da zu bleiben. „Es ist," schreibt er in seinen vertrauten Briefen, 
„ein gekröntes Haupt da (der König), das von der Aufnahme seines 
Sohnes Nachricht bekommen und in einer hitzigen Minute die Achtung 
gegen unsere ehrwürdigen Brüder leicht aus den Augen setzen könnte." 
ich gezwuilgen bin auf immer die Loge zu verlassen und ihn 
als Herr und König, als erster Beamter im Staate, dem Aus 
spruch des Gerichts zu übergeben." 
Die Scene hat ein gewiffes Pathos, wie cs das Volk 
packt, ist aber leider — nicht wahr. 
Man braucht, um dies zu eriveisen, nicht die Sache 
psychologisch zu erörtern, inwiefern sic zum Charakter Friedrichs 
paßt, wie derselbe sich inzwischen schon als König unter der 
harten Schule der beiden schlesischen Kriege entwickelt hatte, — 
die Geschichte wird nämlich in das Jahr 1746 versetzt, — 
bestimmte Thatsachen stehen ihr entgegen. 
Es ist ein Verdienst des Generals O'Etzel, dieselben bei 
gebracht zu haben. Als nämlich im Jahre 1838 die Loge 
zu den drei Weltkugeln in Berlin das Säkularfest der 
Aufnahme Friedrichs des Großen in den Freimaurerbund 
feierte, veröffentlichte O'Etzel als 
National-Großmeister eine Fest 
schrift über Friedrichs des Großen 
Theilnahme an den Bestrebungen 
der Loge. Neben vielem In 
teressanten über die heimliche 
Aufnahme Friedrichs in die Loge 
im Jahre 1738 zu Braunschweig 
im Korn'schen Gasthof, welcher 
Schild und Namen „zum Schloß 
Salzdahlum" führte, — woraus 
dann die Sage entstand, die 
Aufnahme habe in dem gleich 
namigen herzoglichen Schlosse 
stattgefunden, — erörtert O'Etzel 
eingehend den angeblichen Aus 
tritt Friedrichs aus der Loge im 
Anschluß an die crivähnte Dar 
stellung und führt dann folgende 
schlagende Beweise dagegen an. 
Erstens stimmen die Zeitver 
hältnisse nicht. Die entscheidende 
Sitzung nämlich soll also an 
geblich im Jahre 1746 gewesen 
sein. Friedrich hat aber nur 
der sogenannten Hofloge, 
die in Charlottenburg abgehalten 
wurde, präsidirt, und diese hat sich schon 1743, also 3 Jahre 
früher, aufgelöst, wie auch umgekehrt Walrave nicht 1746, 
sondern erst 1748 und wahrscheinlich wegen Gelddefraudationen 
verhaftet und nach Magdeburg abgeführt wurde. Dann hat 
weder Walrave Neiße erbaut, noch wird sein Name über 
haupt — was das Durchschlagendste ist, — jemals in 
den Verzeichnissen und Akten der Hofloge wie der 
übrigen hiesigen Logen genannt, sodaß nach Allem nur 
angenommen werden kann, daß er überhaupt nicht Mit 
glied der hiesigen Logen gewesen ist. 
So wird der Sache jeder Halt entzogen, zumal in 
Friedrichs späterem Verhalten zu der Berliner und überhaupt 
zur Loge sich keine Spur einer persönlichen Verstimmung 
gegen dieselbe findet, sondern überall eine Billigung ihrer 
Tendenzen und ein gewisses Wohlwollen für dieselbe hin 
durchblickt, wenngleich natürlich je länger je mehr ihm eine 
Schwärmerei für eine persönliche Logenthätigkeit und der
        
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