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Volume 6. October 1888 Nr, 1

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

wiesen, wie insonderheit auch gedachter vnser Hauptmann, 
Otto Hake und seine Brüder jetzt noch thun und solches fort 
hin bei Unserm Hause Brandenburg wohl thun können, so 
haben Wir ihm und seinen Brüdern und deren männlichen 
Leibes-Lehns-Erben der Bergischen Linie das Erbschcnken-Amt 
der Chur Brandenburg verschrieben und verliehen, verschreiben 
und verleihen ihnen solches hiermit in Kraft lind Macht dieses 
Brieses, daß nach gänzlichem Abgänge derer von Lützendorf 
das Geschlecht der Haken das Erbschenken-Amt der Chur 
Braildenblirg haben und sich dessen in allein, was zu dein 
Erbschenken-Amt gehörig, auch dessen genießen und erfreuen 
solle und von männiglichen für Erbschenken der Chur Branden 
burg erkannt, genannt, geehrt und gehalteil werden sollen." 
Es wird daun weiter noch bestimmt, daß zuerst Otto und 
feine Nachkommen und nach deren etwaigem Ausstcrben seine 
Brüder und deren Nachkommeil lind zwar immer der älteste 
von ihnen iil den Besitz des Erbschenken-Aints gelangen sollte. 
Diese BerschreiblUlg bestätigten Kurfürst JoachimFriedrich 
am 10. Juni 1598 und Kurfürst I o h a n u S i g i s m u n d am 14. No 
vember 1609. Iil letzterem Jahre waren von den 8 Brüdern, 
Söhnen Wichmanns v. Hake und seiner Gattin, Ilse von 
Drott aus Badingcn, die drei ältesten bereits verstorben; es 
waren diesLudwig, der zwei Söhne, Wichmann und Caspar 
Ludwig, hinterlassen hatte, Adam, Amtshauptniann zu 
Lehnin und Ziesar und der oben genannte Otto, letztere beide, 
ohne Söhne hinterlassen zu haben. Es lebten demnach und 
lvurden mit der Anwartschaft auf das Scheilkcn-Anlt im Jahre 
t609 bcliehen: Christoph zu Schönborn, Herr Friedrich, 
Senior der Stiftskirche zil Brandenburg, auf Autheil Uetz gesessen, 
Wigand zu Briefen, Botho zu Berge, Wolf Dietrich zu 
Berge uild Großkreuz und die beiden Söhne Ludwigs. 
Als nun, lvie erwähnt, Daniel v. Lützendorf im Jahre 1614 
verstorben war, erbaten die Gebrüder v. Hake im darauffolgenden 
Jahre vom Kurstirsten die Ansetzung eines Termins zur Empfang- 
nahme der Belehnung mit dem eröffneten Erbamte. Durch 
Reskript vom 26. Januar 1616 wurden die Brüder v. Hake, von 
denen inzwischen auch der Doinherr Friedrich verstorben war, 
und ihre beiden Vettern auf den 5. März zur Belehnung nach 
Berlin berufen. Da indeß an diesem Tage Christoph und 
Wigand nicht erschienen, so wurde der Belchnungsakt auf 
14 Tage verschoben, worauf denn am 18 März 1616 die 
Belehnung erfolgte. Von demselben Tage datirt anest der 
betreffende Lehnbrief. 
In unllnterbrochencr Folge ist dann, der kurfürstlichen 
Verschreibung gcinäß, das Erbschenken-Amt in der Fanlilic von 
Hake auS dem Hause Berge stets auf das älteste Glied der 
selben vererbt worden bis auf Carl Botho Gottfried v. H. 
auf Großkreuz, mit dessen am 23. Juni 1801 erfolgten 
Tode diese Liilie, die auch die rothe genanilt wird, erlosch. 
Sein Bcsttz, Großkreuz, Hakenhausen, Bliescndorf u. s. w., ging 
auf seinen Schwiegersohn, Carl August Adam v. Arnstedt, über; 
das Erbschenken-Amt aber wurde im Jahre 1804 an Wilhelm 
Joachim Friedrich v. Hake aus dem Hause Genshagen 
und der schwarzen Linie des Geschlechts angehörig verliehen. 
Gegenwärtig ist der Enkel desselben, Curt Joachim August 
v. Hake, Oberstlieutenant und Commandeur des westfälischen 
Jäger-Bataillons, Träger des Erbschenken-Amts der Kurmark 
Brandenburg. 
_ 
Ein Berliner Strohdach. / 
Von Ernst Friedet. (Mit 2 Abbildungen.) 
Giebt cs in Berlin, dem stolzen Vorort des Deutschen 
Reiches, der in baulicher Entwickelung an der Spitze nicht blos 
der deutschen Städte, sondern der gesammten europäischen 
''Metropolen marschirendcn deutschen Kaiserstadt mit ihren fast 
1 400 000 Seelen noch ein Haus, welches nach der primitivsten 
Bauart unserer Altvordcren noch mit Stroh, Rohr oder Schilf, 
wie es unsere Aecker und die Gelände unserer Landseen liefern, 
eingedeckt ist? 
Schon die nackte Frage möchte manchem unserer spree 
athenischen Mitbürger als ein Frevel, als eine prähistorische 
Verirrung, wie sie nur einem Vorzeit-Buddler zuzutrauen, er 
scheinen, und die Wenigsten, wenn sie die Frage auch dem 
Alterthüinler verzeihen, werden es für möglich halten, daß sie 
bejahend zu beantworten sei. 
Trotzdem muß ich der Frage affirmativ begegnen: ja, es 
giebt in Berlin noch ein altes Haus mit dem primitiven 
Strohdach, trotzdem die Feuerlösch- und Bauordnungen für 
Berlin schon zur Zeit Friedrich Wilhelins des Großen Kurfürsten 
im 17. Jahrhundert die Strohdächer verboten haben. 
Wie ist es möglich gewesen, dies Strohdach trotzdem und 
trotz Scabell und Witte und der gestrengen General-Feuerherreu 
des hauptstädtischen Magistrats zu erhalten? Das Rezept, wie 
man dergleichen macht, hat schon der alte Rath Göthe, des 
großeil Dichters Vater, genau gewußt und mit Erfolg ange 
wendet. Das beweist noch jetzt das alte Göthe-Stammhaus 
am Hirschgraben in Frankfurt mit seinem über dem Erdgeschoß 
vorspringenden oberen Stockwerk. Dies Vorspringen war dem 
lveiseil Stadtbauamt citt Greuel geworden und allgeinein für 
die alte Reichsstadt am Main verboten ivorden, so zwar, daß 
bei Neubauten die oberen Stockwerke in die Straßenfluchtlinie 
zurückgezogen werden mußten. Wie wir nun aus „Wahrheit 
lind Dichtung" erfahren, umging Rath Göthe diese Vorschrift 
dadurch, daß er das Obergeschoß von unten absteifte und 
ivährend dessen das Untergeschoß neu auMhrte; alsdann wurde 
am Obergeschoß das Meiste umgebaut lind so mit Grazie in 
infinitum weiter: das Haus blieb scheinbar das alte, in 
Wirklichkeit wurde es aber mit seinen baupolizeilichen Unvor- 
schriftsmäßigkeiten allmählich so gut wie neu wieder aufgebaut. 
So hat sich das von mir „entdeckte" Haus mit verbrenu- 
lichenl Dach auS der dörfischen Urzeit bis in die Gegenwart 
erhalten; heut ward ein Bischen ain Fachwerk geflickt, morgen 
an den Lehmstaken, übermorgen ein Bischen an der Dachbc- 
dcckung u. s. w. Daß die Besitzer von dem klassischen Göthe'schen 
Vorbilde etwas gewußt hätten, daran ist Wohl nicht zu 
denken, dazu waren unsere Moabitischen Kolonisten zu einfach; 
andererseits aber tvaren sie vollkomnlen ländlich-pfiffig genug, 
um von selbst auf dasselbe Auskunftsinittel zu verfallen. Als 
der Kolonistenort im Jahre 1862 zum Weichbilde Berlins ge 
schlagen wlirde, hielten es die neuen großstädtischen Besitzer 
ebenfalls in ihrem Interesse, das Strohdach beizubehalten, 
und so ist denn das eigenthümliche bäurische Bauwerk wie eine 
wohlerhaltene architektonische Mumie zum Staunen der Jetztzeit 
in diese hineingerettet worden. 
Wir haben schon verrathen, in welchem Stadttheil Berlins 
!das seltsame Hausgewächs der heimischen Scholle entsprossen sei. 
In dem stattlich erblühenden MW Berlins, in dem
	        
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