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Miscellen.
Kcnerak Kcinrick de ka Motte -Aouqus (mit Portrait). De la
Motte-Fouque gehörte zu de» nächsten Vertrauten Friedrichs II., de» dieser
schon ziemlich srüh in Küstrin kennen gelernt hatte und später in Rheins-
berg gerne um sich sah. Fouqus war am 4. Februar 1698 im Haag ge
boren, kam 1706 als Page zum Fürsten Leopold von Anhalt, avancirte
iin Pommerschen Feldzuge (1715) bis zum Capitän und erhielt 1725 den
Orden de la generosite. In Folge eines Mißverständnisies nahm er
1739 seinen Abschied, trat in dänische Dienste, wurde aber schon im Juli
des folgenden Jahres zum Kommandeur des Camas'schen Füsilierregiinents
Nr. 37 ernannt und wurde fernerhin durch den Orden pour le merite
ausgezeichnet. Im Jahre 1742 ward er Kommandant von Glatz, 1744
aber Chef des Bredow'schen Füsilierregiments Nr. 33, 1745 General
major, 1751 Generallieutenant; am 2. September des letztgenannten
Jahres legte ihm der König persönlich den schwarzen Adlerorden an. In
der Schlacht bei Prag (1757) wurde er verwundet; 1759 wurde er
General der Infanterie, und in dem Treffen bei Landshut (23. Juli
1760) vertheidigte er sich heldeirmüthig gegen ein viermal stärkeres Corps,
so daß Friedrich seine That der des Leonidas gleich stellte. Er wurde
indessen überwältigt und gefangen fortgeführt. Erst 1763 kehrte er nach
Glatz heim, begab sich dann zum Könige nach Sanssouci und zog sich
alsbald nach Brandenburg zurück, wo er auch am 3. Mai 1774 verstorben
ist. Sein Enkel ist der Dichter der
„Undine" Friedrich Heinrich Carl de la
Motte-Fouque (f 1843).
Jas Jagdzeit des Kaisers (mit
Abb.). In einem früheren Aufsatz des
„Bär" ist Kaiser Wilhelm als Jäger
geschildert, und Manches von seinen waid-
männischen Gepflogenheiten und von seiner
Schußgewandtheit mitgetheilt. Die Ab-
bildung des kaiserlichen JagdzelteS,
welches bei Frühstückspausen sowie zur
Einnahme von Erfrischungen am Abend
oftmals in Gebrauch kommt, lvird in
Anbetracht der herannahenden Jagdzeit
Vielen eine gewiß willkommene Ergänzung
jenes Aufsatzes geboten. Die Verviel
fältigung im „Bär" erfolgte nach einer
Originalzeichnung von Wilh. Geißler.
Aricdrich Wilhelm, Kaiser
Alerander und Königin Louise am
Sarge Friedrichs des Kroßen (mit
Abb.) Am 4. November 1805 öffnete
sich die Gruft der Garnisonkirche in
Potsdain zu später Stunde einem hohen
und seltenen Besuch. Friedrich Wil
helm III., begleitet von seiner vergötterten
Gemahlin, betrat den geweihten Ort in
Gemeinschaft mit seinen: Verbündeten, dem
Kaiser Alexander von Rußland. Dort
haben die beiden Monarchen zum Abschied
in heiligem Eide sich gegenseitig Beistand
gegen den übermüthigen Erbfeind ge
schworen und die erhabene Königin, als
die würdigste Zeugin eines solchen Bundes,
hat ihre Herzen zusammengeführt und durch
Gottvertrauen erhoben. Sie war die Seele
dieses Bundes, der über ihr Grab hinaus
währte, und der Europa endlich den er
sehnten Frieden brachte. Als 1818 die
Kaiserin Mutter Marie Feodorowna den
König besuchte, führte er auch sie an
den Sarg Friedrichs II. und gedachte
Stunde.
Ncichstagsabgcordncter Ludwig Löwe f (mit Porträt). Die Ge
meindeverwaltung der Reichshauptstadt hat nach dem erst kürzlich erfolgten
Heimgänge des vr. Wolfgang Straßmann und des Eisenbahndirektors
a. D. Büchtemann abernials einen schweren Verlust erlitten durch den
ain Morgen des 11. September erfolgten Tod des Reichstags- und Land
tagsabgeordneten Ludwig Löwe, der seit langen Jahren seine Zeit und
seine Kraft für die Durchführung großer gemeinnütziger Aufgaben erfolg
reich eingesetzt hat.
Löwe, am 27. November 1837 in Heiligenstadt geboren, ist in der
Vollkraft seines Lebens einer weiten und reich gesegneten Thätigkeit ent
rissen worden. Ende der fünfziger Jahre kam er nach Berlin und be
gründete hier zuerst eine Verkaufsstelle für landwirthschastliche Maschinen,
später eine Nähmaschinensabrik, aus welcher sich 1870 in großem Maß
stabe eine Waffenfabrik nach amerikanischein System entwickelte, die sich
zu ungewöhnlicher Bedeutung emporgeschwungen hat. Kaufmännisch und
technisch vorzüglich geschult, betrieb er sein Geschäft in der Hollmann-
straße zusammen mit seinem Bruder I. Löwe. Es wird dem Verstorbenen
nachgerühmt, daß er zu seinen vielen hundert Arbeiterir jederzeit in guten
Beziehungen gestanden hat und ein wohlwollender Fabrikherr gewesen ist.
So sehr nun auch die geschäftliche Thätigkeit ihn in Anspruch nahm, so
stellte er sich doch früh mit großer Liebe in den Dienst der Berliner
Gemeindeverwaltung. In dem Stadtbezirk Alt - Kölln trat er zuerst als
wehmüthig jener heiligen
Redner und Nathgebcr auf, und die Frische seines Wesens, seine schlag
fertige Beredtsanikeit, die Sicherheit des Urtheils und die Festigkeit seines
Charakters schafften ihm früh Freunde und Parteigenossen. Er gehörte
seit 1865 der Berliner Stadtverordneten - Versammlung an, und zwar
zählte er ununterbrochen zu deren rührigstcir Mitgliedern. Er hat un
leugbare Verdienste um das Berliner Volksschulwescn, um unsere
Waisenpflege, und um die Finanzverwaltung der Stadt sich er
worben. Wie sehr ihn seine Mitbürger achteten, dafür spricht seine Wahl
in das Abgeordnetenhaus, dem er seit 1877 zugchörtc, wie seine Wahl
für den Reichstag, in den er 1878 eintrat. Für jede neue Legislatur
periode wurde er regelmäßig vom 1. Berliner Wahlkreis wiedergelvählt,
und in beiden gesetzgebenden Körpern hat er sich durch SachkiNide, lvie
Beredtsainkcit hervorgethan. An den Berathungen über das Unfallvcr-
sicherungsgesetz und die Zolltarife ist er in hervorragender Weise be
theiligt gewesen.
Zur Wiederbelebung historischer Zieste. Während der Negierungs
zeit Rudolfs von Habsburg erfolgte von den in Sachsen regierenden an-
haltinischen Herzögen die Gründung der Städte Wittenberg, Kemberg und
Schmiedeberg im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen. Noch
jetzt ist ein Bildniß von Schmiedeberg aus jener ersten Zeit seines Be
stehens vorhanden, das in der dortigen Stadtkirche aufbewahrt wird.
Aber nur kurze Zeit durfte sich Schmiede-
berg seines Daseins freuen; in dem mit
großer Grausanikeit geführten Hussiten
kriege wurde es nebst Kemberg und sämmt
lichen Dörfern der Umgegend verbrannt.
Aus dieser Zeit rührt auch die Mehrzahl
der sogenannten „wüsten Marken" (zer
störten Dorfstätteii) her. Durch eine Schen
kung des Kaisers Sigismund kam der
sächsische Kurkrcis an Friedrich den Streit
baren von Meißen und Thüringen, der
denselben als Belohnung für die im
Hussitenkriege geleisteten Dienste erhielt.
Mit dem neuen Herrscherhause bekam der
sächsische Kurkreis auch neues Leben ilnd
neue Stärke; denn unter Friedrich dem
Sanftmüthigen, dem Sohne des vorge
nannten Fürsten, erstand auch Schmiede
berg wieder aus seiner Asche, bis es im
Jahre 1632, während des dreißigjährigen
Krieges, aberinals zerstört wurde. Aus
der Zeit vor dieser zweiten Zerstörung ist
ebenfalls ein Bildniß Schmiedcberg's vor
handen, das in dem Sessionszimmer der
Stadlvcrordneten aufbewahrt wird. Das
selbe zeigt im Vordergründe ein bekränztes
Bürgermädchen, das einen Bierpokal dar
reicht. Dieses Bildniß erinnert an die
schönste Zeit aus Friedrichs Leben, an
seine Verheirathnng mit Margaretha, der
Tochter des Erzherzogs Ernst des Eisernen
von Oesterreich. Der festliche Aufzug, der
später aus Anlaß dieser Begebenheit in
Schmiedeberg stattfand, wurde zugleich
Veranlassung zu dem „Margarethcn-
fest", das seit 1874 als ein Volksfest in
Schmiedeberg wieder gefeiert wird, nach
dem es 400 Jahre lang in Vergessenheit
geblieben lvar. Ueber den Festzug aus
jener alten Zeit lvird uns folgendes mit
getheilt. — Die Vermählung Friedrichs des'
Sanftmüthigen mit Margaretha erfolgte am 3. J>nii 1431; die Hochzeits
reise ging über Leipzig nach Wittenberg. Auf den besonderen Wunsch
des Kurfürsten wurde aber nicht die alte, damals sehr belebte Heerstraße
über Eisenhainmer, Wachtmeister und das Kuplitzhaus eingeschlagen,
sondern man wählte den Weg, der über Schmiedeberg und Kemberg nach
Wittenberg führte. Bei den Bergkellern von Schniiedcberg ivurde der
Kurfürst mit seiner jungen Gemahlin von der Bürgerschaft und dem Rathe
der Stadt festlich empfangen, nachdem sie von der Schützengilde und von
den mit ihren Jnnungszeichen erschienenen Gewerken festlich eingeholt
worden waren. Die Schuljugend hatte sich unter Führung der Geistlich
keit und der Lehrer ebenfalls dem Zuge angeschlossen. Die Bürgerstöchter
erschienen in weißen Kleidern mit Kränzen geschmückt; eine derselben über
reichte der Kurfürstin den Chrentrunk. Nachdem der Becher geleert war,
füllte ihn der Kurfürst mit Dukaten, und dieses Geldgeschenk wurde das
Stiftungskapital zu dein Volksfeste, das heut noch den Namen „Marga
rethenfest" führt. Dieses Fest, das jährlich gefeiert wurde, kanr jedoch
später, und wahrscheinlich während der Schrecken des dreißigjährigen
Krieges, die den Untergang Schmiedebergs herbeiführten, in Vergeffenheit. .
Erst im Jahre 1872 bildete sich in Schmiedeberg ein Verein, der sich der
„Margarethen-Verein" nannte; dieser machte es sich zur Aufgabe, den in
Vergeffenheit gerathenen Margarethenfestzug wieder in's Leben zu rufen.
Dieses Unternehmen kam jedoch erst nach vielen Vorbereitungen im Jahre
1874 zur Ausführung. Dieser neue Margarethenfestzug sollte aber nicht
den soeben geschilderten Hochzeitszug,dcs fürstlichen Paares darstellen,
Ucichstagsnögcordncter Ludwig Löwe.
II. September 1886).