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Volume Nr. 52, 25.09.1886

Full text: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 12.1886 (Public Domain)

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Miscellen. 
Kcnerak Kcinrick de ka Motte -Aouqus (mit Portrait). De la 
Motte-Fouque gehörte zu de» nächsten Vertrauten Friedrichs II., de» dieser 
schon ziemlich srüh in Küstrin kennen gelernt hatte und später in Rheins- 
berg gerne um sich sah. Fouqus war am 4. Februar 1698 im Haag ge 
boren, kam 1706 als Page zum Fürsten Leopold von Anhalt, avancirte 
iin Pommerschen Feldzuge (1715) bis zum Capitän und erhielt 1725 den 
Orden de la generosite. In Folge eines Mißverständnisies nahm er 
1739 seinen Abschied, trat in dänische Dienste, wurde aber schon im Juli 
des folgenden Jahres zum Kommandeur des Camas'schen Füsilierregiinents 
Nr. 37 ernannt und wurde fernerhin durch den Orden pour le merite 
ausgezeichnet. Im Jahre 1742 ward er Kommandant von Glatz, 1744 
aber Chef des Bredow'schen Füsilierregiments Nr. 33, 1745 General 
major, 1751 Generallieutenant; am 2. September des letztgenannten 
Jahres legte ihm der König persönlich den schwarzen Adlerorden an. In 
der Schlacht bei Prag (1757) wurde er verwundet; 1759 wurde er 
General der Infanterie, und in dem Treffen bei Landshut (23. Juli 
1760) vertheidigte er sich heldeirmüthig gegen ein viermal stärkeres Corps, 
so daß Friedrich seine That der des Leonidas gleich stellte. Er wurde 
indessen überwältigt und gefangen fortgeführt. Erst 1763 kehrte er nach 
Glatz heim, begab sich dann zum Könige nach Sanssouci und zog sich 
alsbald nach Brandenburg zurück, wo er auch am 3. Mai 1774 verstorben 
ist. Sein Enkel ist der Dichter der 
„Undine" Friedrich Heinrich Carl de la 
Motte-Fouque (f 1843). 
Jas Jagdzeit des Kaisers (mit 
Abb.). In einem früheren Aufsatz des 
„Bär" ist Kaiser Wilhelm als Jäger 
geschildert, und Manches von seinen waid- 
männischen Gepflogenheiten und von seiner 
Schußgewandtheit mitgetheilt. Die Ab- 
bildung des kaiserlichen JagdzelteS, 
welches bei Frühstückspausen sowie zur 
Einnahme von Erfrischungen am Abend 
oftmals in Gebrauch kommt, lvird in 
Anbetracht der herannahenden Jagdzeit 
Vielen eine gewiß willkommene Ergänzung 
jenes Aufsatzes geboten. Die Verviel 
fältigung im „Bär" erfolgte nach einer 
Originalzeichnung von Wilh. Geißler. 
Aricdrich Wilhelm, Kaiser 
Alerander und Königin Louise am 
Sarge Friedrichs des Kroßen (mit 
Abb.) Am 4. November 1805 öffnete 
sich die Gruft der Garnisonkirche in 
Potsdain zu später Stunde einem hohen 
und seltenen Besuch. Friedrich Wil 
helm III., begleitet von seiner vergötterten 
Gemahlin, betrat den geweihten Ort in 
Gemeinschaft mit seinen: Verbündeten, dem 
Kaiser Alexander von Rußland. Dort 
haben die beiden Monarchen zum Abschied 
in heiligem Eide sich gegenseitig Beistand 
gegen den übermüthigen Erbfeind ge 
schworen und die erhabene Königin, als 
die würdigste Zeugin eines solchen Bundes, 
hat ihre Herzen zusammengeführt und durch 
Gottvertrauen erhoben. Sie war die Seele 
dieses Bundes, der über ihr Grab hinaus 
währte, und der Europa endlich den er 
sehnten Frieden brachte. Als 1818 die 
Kaiserin Mutter Marie Feodorowna den 
König besuchte, führte er auch sie an 
den Sarg Friedrichs II. und gedachte 
Stunde. 
Ncichstagsabgcordncter Ludwig Löwe f (mit Porträt). Die Ge 
meindeverwaltung der Reichshauptstadt hat nach dem erst kürzlich erfolgten 
Heimgänge des vr. Wolfgang Straßmann und des Eisenbahndirektors 
a. D. Büchtemann abernials einen schweren Verlust erlitten durch den 
ain Morgen des 11. September erfolgten Tod des Reichstags- und Land 
tagsabgeordneten Ludwig Löwe, der seit langen Jahren seine Zeit und 
seine Kraft für die Durchführung großer gemeinnütziger Aufgaben erfolg 
reich eingesetzt hat. 
Löwe, am 27. November 1837 in Heiligenstadt geboren, ist in der 
Vollkraft seines Lebens einer weiten und reich gesegneten Thätigkeit ent 
rissen worden. Ende der fünfziger Jahre kam er nach Berlin und be 
gründete hier zuerst eine Verkaufsstelle für landwirthschastliche Maschinen, 
später eine Nähmaschinensabrik, aus welcher sich 1870 in großem Maß 
stabe eine Waffenfabrik nach amerikanischein System entwickelte, die sich 
zu ungewöhnlicher Bedeutung emporgeschwungen hat. Kaufmännisch und 
technisch vorzüglich geschult, betrieb er sein Geschäft in der Hollmann- 
straße zusammen mit seinem Bruder I. Löwe. Es wird dem Verstorbenen 
nachgerühmt, daß er zu seinen vielen hundert Arbeiterir jederzeit in guten 
Beziehungen gestanden hat und ein wohlwollender Fabrikherr gewesen ist. 
So sehr nun auch die geschäftliche Thätigkeit ihn in Anspruch nahm, so 
stellte er sich doch früh mit großer Liebe in den Dienst der Berliner 
Gemeindeverwaltung. In dem Stadtbezirk Alt - Kölln trat er zuerst als 
wehmüthig jener heiligen 
Redner und Nathgebcr auf, und die Frische seines Wesens, seine schlag 
fertige Beredtsanikeit, die Sicherheit des Urtheils und die Festigkeit seines 
Charakters schafften ihm früh Freunde und Parteigenossen. Er gehörte 
seit 1865 der Berliner Stadtverordneten - Versammlung an, und zwar 
zählte er ununterbrochen zu deren rührigstcir Mitgliedern. Er hat un 
leugbare Verdienste um das Berliner Volksschulwescn, um unsere 
Waisenpflege, und um die Finanzverwaltung der Stadt sich er 
worben. Wie sehr ihn seine Mitbürger achteten, dafür spricht seine Wahl 
in das Abgeordnetenhaus, dem er seit 1877 zugchörtc, wie seine Wahl 
für den Reichstag, in den er 1878 eintrat. Für jede neue Legislatur 
periode wurde er regelmäßig vom 1. Berliner Wahlkreis wiedergelvählt, 
und in beiden gesetzgebenden Körpern hat er sich durch SachkiNide, lvie 
Beredtsainkcit hervorgethan. An den Berathungen über das Unfallvcr- 
sicherungsgesetz und die Zolltarife ist er in hervorragender Weise be 
theiligt gewesen. 
Zur Wiederbelebung historischer Zieste. Während der Negierungs 
zeit Rudolfs von Habsburg erfolgte von den in Sachsen regierenden an- 
haltinischen Herzögen die Gründung der Städte Wittenberg, Kemberg und 
Schmiedeberg im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen. Noch 
jetzt ist ein Bildniß von Schmiedeberg aus jener ersten Zeit seines Be 
stehens vorhanden, das in der dortigen Stadtkirche aufbewahrt wird. 
Aber nur kurze Zeit durfte sich Schmiede- 
berg seines Daseins freuen; in dem mit 
großer Grausanikeit geführten Hussiten 
kriege wurde es nebst Kemberg und sämmt 
lichen Dörfern der Umgegend verbrannt. 
Aus dieser Zeit rührt auch die Mehrzahl 
der sogenannten „wüsten Marken" (zer 
störten Dorfstätteii) her. Durch eine Schen 
kung des Kaisers Sigismund kam der 
sächsische Kurkrcis an Friedrich den Streit 
baren von Meißen und Thüringen, der 
denselben als Belohnung für die im 
Hussitenkriege geleisteten Dienste erhielt. 
Mit dem neuen Herrscherhause bekam der 
sächsische Kurkreis auch neues Leben ilnd 
neue Stärke; denn unter Friedrich dem 
Sanftmüthigen, dem Sohne des vorge 
nannten Fürsten, erstand auch Schmiede 
berg wieder aus seiner Asche, bis es im 
Jahre 1632, während des dreißigjährigen 
Krieges, aberinals zerstört wurde. Aus 
der Zeit vor dieser zweiten Zerstörung ist 
ebenfalls ein Bildniß Schmiedcberg's vor 
handen, das in dem Sessionszimmer der 
Stadlvcrordneten aufbewahrt wird. Das 
selbe zeigt im Vordergründe ein bekränztes 
Bürgermädchen, das einen Bierpokal dar 
reicht. Dieses Bildniß erinnert an die 
schönste Zeit aus Friedrichs Leben, an 
seine Verheirathnng mit Margaretha, der 
Tochter des Erzherzogs Ernst des Eisernen 
von Oesterreich. Der festliche Aufzug, der 
später aus Anlaß dieser Begebenheit in 
Schmiedeberg stattfand, wurde zugleich 
Veranlassung zu dem „Margarethcn- 
fest", das seit 1874 als ein Volksfest in 
Schmiedeberg wieder gefeiert wird, nach 
dem es 400 Jahre lang in Vergessenheit 
geblieben lvar. Ueber den Festzug aus 
jener alten Zeit lvird uns folgendes mit 
getheilt. — Die Vermählung Friedrichs des' 
Sanftmüthigen mit Margaretha erfolgte am 3. J>nii 1431; die Hochzeits 
reise ging über Leipzig nach Wittenberg. Auf den besonderen Wunsch 
des Kurfürsten wurde aber nicht die alte, damals sehr belebte Heerstraße 
über Eisenhainmer, Wachtmeister und das Kuplitzhaus eingeschlagen, 
sondern man wählte den Weg, der über Schmiedeberg und Kemberg nach 
Wittenberg führte. Bei den Bergkellern von Schniiedcberg ivurde der 
Kurfürst mit seiner jungen Gemahlin von der Bürgerschaft und dem Rathe 
der Stadt festlich empfangen, nachdem sie von der Schützengilde und von 
den mit ihren Jnnungszeichen erschienenen Gewerken festlich eingeholt 
worden waren. Die Schuljugend hatte sich unter Führung der Geistlich 
keit und der Lehrer ebenfalls dem Zuge angeschlossen. Die Bürgerstöchter 
erschienen in weißen Kleidern mit Kränzen geschmückt; eine derselben über 
reichte der Kurfürstin den Chrentrunk. Nachdem der Becher geleert war, 
füllte ihn der Kurfürst mit Dukaten, und dieses Geldgeschenk wurde das 
Stiftungskapital zu dein Volksfeste, das heut noch den Namen „Marga 
rethenfest" führt. Dieses Fest, das jährlich gefeiert wurde, kanr jedoch 
später, und wahrscheinlich während der Schrecken des dreißigjährigen 
Krieges, die den Untergang Schmiedebergs herbeiführten, in Vergeffenheit. . 
Erst im Jahre 1872 bildete sich in Schmiedeberg ein Verein, der sich der 
„Margarethen-Verein" nannte; dieser machte es sich zur Aufgabe, den in 
Vergeffenheit gerathenen Margarethenfestzug wieder in's Leben zu rufen. 
Dieses Unternehmen kam jedoch erst nach vielen Vorbereitungen im Jahre 
1874 zur Ausführung. Dieser neue Margarethenfestzug sollte aber nicht 
den soeben geschilderten Hochzeitszug,dcs fürstlichen Paares darstellen, 
Ucichstagsnögcordncter Ludwig Löwe. 
II. September 1886).
	        
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