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Volume Nr. 38, 19.06.1886

Full text: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 12.1886 (Public Domain)

Line Chronik für's Haus 
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Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zcitungsspcditionen und postanstaltcn für 2 Mark 50 Pf. 
XII. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. — Im Postzeitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 24ZZ. den IS. Juni 
Nr. 38. 
Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 
1886. 
19. Juni 1650. 
20. Juni 1530. 
20. * Juni 1816. 
21. Juni 1786. 
21. Juni 1829. 
22. Juni 1767. 
Gedenktage. 
Mathäus Merlan, Kupferstecher und Zeichner +. 
Eröffnung des Reichstages zu Augsburg. 
Cabinetsordre betr. die Justizorganisation in Preußen. 
General Carl Friedrich Wilhelm v. Reyher * (f 1857). 
Professor Carl Philipp Buttmann f Berlin. 
Wilhelm v. Humboldt * Potsdam. 
23. Juni 1775. 
23. Juni 1804. 
23. Juni 1805. 
24. Juni 1704. 
25. Juni 1675. 
25. Juni 1822. 
- Nachdruck verboten. 
Gesetz v. II. VI. 70. 
Freiherr Carl Ludwig v. Pöllnitz P (* 25. Febr. 1692). 
Joh. Carl Friedr. August Borsig * (j- 6. Juli 1854). 
Bildhauer Friedrich Drake * Detmold (f 1882 April). 
Marquis d'Argens * Aix (Provence) -f 11. Jan. 1771. 
Siegreicher Ueberfall bei der Stadt Rathenow. 
E. T. A. Hoffmann f (* 24. Jan. 1776). 
„Versestet!" 
Eine Berliner Geschichte aus dem Jabre 1380 von Oskar Schwebe!. 
(viii.) Seitwärts vom Wege lag ein Berg mit unbewaldeter 
Kuppe. Bon ihm aus überblickten die Geächteten ein Schau 
spiel von grausiger Erhabenheit. Fast 
tageshell wurde es in der Spandauer 
Haide, und Männer von Spandau 
ritten nach Berlin, aus dessen Mtte 
die Kirchthürmc gleich gewaltigen, in 
Flammen stehenden Kerzen empor 
ragten. Ein Meer von Gluth wogte 
und wallte über der Stadt. 
„Nie hab' ich solch' eine Feuers 
brunst gesehen," sprach Erich Falke 
tiefernst; „Nikolaus Hundewerper hat 
seine fürchterlichen Schwüre gehalten! 
Berlin ist vernichtet; — wir können in 
Ruhe nach Schloß Saarmund ziehen!" 
„Nikolaus Hundewerper," fragte 
Koppen, „ist er nicht bei uns?" 
„Nein, ich entließ ihn!" er 
widerte der Ritter. „Ich vermuthe, 
er hat's gethan! Eine furchtbare 
That für einen Priester!" 
„Der Thurm von St. Nikolai 
ragt nicht mehr empor!" fügte Koppen 
Richard hinzu. „O, ein furchtbares Kiedrich der Große 
Todtenopfer wird jenem Grabe dargc- Gfstzier 
bracht, das sich einsam dort drüben 
erhebt!" — 
Immer gewaltiger und immer majestätischer wurde der 
Anblick des brennenden Berlin. Sie harrten lange auf der 
Höhe, den Brand der Stadt beobachtend. Endlich befahl 
| Erich Falke den Reitern, nach Potsdam aufzubrechen. 
„Kommet, Koppen Mchard!" 
sprach er zu dem ausgestoßenen Sohne 
der Stadt Berlin. „Das Bild ist 
allzu grausig, als daß ein rechter 
Reitersmann an ihm sich länger 
weiden könnte! Zu schrecklich ist diese 
Vergeltung! Aber freilich; — ge 
schunden und gedrückt haben die 
Männer von Berlin jedweden iin 
Lande: den Fürsten und den Edel 
mann, den Priester und den Bauer, 
— ja, selbst die Armen ihrer Stadt 
und den Juden, der mit seinem 
Bündel demüthig seiner Straße zog! 
Kommet, Koppen; — es ist ein 
Gottesgericht, über welches zu sprechen 
uns nicht geziemt." — 
Langsam ritten sic von der An 
höhe in den Wald hinab; — heller 
Feuerschein geleitete sie. 
ladet einen französischen 
zu Tische. 
IX. 
Nie ist seit ihrem Bestehen bis 
auf den heutigen Tag die Stadt 
Berlin von einem Unglücke be 
troffen worden, welches an furcht 
barer Größe dem des 10. August 1380, des St. Laurentius 
tages, geglichen hätte. Unsere Erzählung aber versetzt uns
	        
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