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Periodical volume 8. November 1884, Nr. 6

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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Bestimmte Nachricht davon giebt die im Jahre 1685 erfolgte 
Schenkung des ganzen Pfauenwerders bei Potsdam, welche sich 
im Originale im König!. Geheimen Staats-Archive noch vorfindet. 
Kunkel scheint bei der umfangreichen Glasfabrikation weder mit 
seinem Hause in Berlin noch mit der Glashütte auf dem Haken 
damm ausgereicht zu haben, wollte auch wohl alle seine Experi 
mente nicht sofort dem Jobst Ludewig mittheilen, und mag 
Wohl den Kurfürsten um ein möglichst abgelegenes und schwer zu 
gängliches Plätzchen gebeten haben. Als im Allgemeinen die Ge 
währung ausgesprochen war, mußte Kunkel eine Punktation auf 
setzen, was er denn eigentlich Alles wünsche, und diese Punktation, 
Von Kunkel selbst geschrieben, wurde an den Geheimen Rath 
v. Cnyphausen gerichtet, der bis zum letzten Augenblicke ein 
Gönner Kunkel's blieb. Die Schenkung erfolgte denn auch genau 
nach dieser Punktation, abermals ein Beweis vollkommener Zu 
friedenheit des Kurfürsten mit seinem Diener. Sie übereignet ihm 
erb- und eigenthümlich die ganze Insel, giebt ihm das Recht des 
freien Brauens, Backens und Branntweinbrennens, befreit ihn und 
seine Leute von allen Abgaben und Diensten (Onera), berechtigt 
ihn zum Bau einer Windmühle, damit er sein Korn zum Backen 
und Brauen selbst mahlen und schroten könne, und seine Leute die 
Insel deswegen nicht zu verlasien brauchen, sagt, daß Kunkel sich 
in der Fabrikation rarer Gläser und des Krystalls bewährt und 
verleiht ihm deshalb das Privilegium, daß Niemand im ganzen 
Lande, außer ihm und dem Glasmacher Jobst Ludewig, Krystall 
glas machen oder aus fremden Ländern einführen dürfe. Was 
das Rubinglas betrifft, so sollte dies für Kunkel allein bleiben. 
Wer sich unterstehe, Rubinglas zu machen, solle 100 Thaler Strafe 
zahlen, von denen die Hälfte der Fiskus, die andere Hälfte das 
Potsdamsche Armenhaus erhalten solle. Auch für Glas-Korallen 
wurde er privilegirt. Für Alles dies soll er jährlich für 50 Thaler 
Krystall- und andere Gläser an die Kurfürstliche Kellerei abliefern. 
Die Korallen darf er nur an die Guinea'sche Kompagnie ver 
kaufen. An andere Leute nur, wenn diese Kompagnie sie nicht kaufen 
will, und auch dann nicht ohne Borwiffen des Kurfürsten. Dieses 
gewiß merkwürdige Privilegium ist in Potsdam am 27. Oktober 
1685 ausgestellt. 
Auf der Karte von Suchodoletz aus dem Jahre 1683 sehen 
wir den Pfauenwerder noch ganz unbewohnt und mit Wald be 
standen. Nur an der Stelle des jetzigen Schlößchens zeigt sich 
ein steinernes Kaninchenhegerhaus, wahrscheinlich die Garenne, 
welche der Kurfürst von einem besonders aus Frankreich berufenen 
Garennier bewirthschaften ließ. An der nordöstlichen Seite der 
Insel, zwischen dem jetzigen Jagdschirm und der Meierei, dicht 
am Ufer, legte nun Kunkel seine Glashütte an, deren schwarze 
Rauchwolken der stillen Havel-Insel ein so unheimliches Ansehen 
gaben, daß der Kurfürstliche Kammerdiener in Potsdam und 
der ganzen Umgegend für einen Schwarzkünstler und Zauberer 
galt, der entsetzliche Dinge treiben müffe, da er absolut Niemanden 
auf die Insel und keinen seiner Leute von der Insel laffe. Er 
erbaute besondere Oefen, um die beste Art der Kondensirung des 
Feuers zu ermitteln und der Kurfürst besuchte ihn wiederholt, um 
seine ganze Anlage, sowie den Kunstbetrieb kennen zu lernen. Die 
Sage, daß unter dem Großen Kurfürsten auf der Pfaueninsel ein 
Zauberer und Wundermann gewohnt, hat sich bis auf den heutigen 
Tag in der Umgegend Potsdam's erhalten und läßt sich wohl mit 
Gewißheit auf Kunkel zurückführen. Der schwunghafte Betrieb seiner 
Fabrikation trieb ihn an, sich auch anderweitig zu vergrößern. Er 
bat daher den Kurfürsten im Oktober 1685 um die Verleihung des 
Lehnschulzen-Gerichts in dem Dorfe Cladow, welches dem Pfauen 
werder gegenüber, auf dem rechten Havelufer liegt und der Kurfürst 
schenkte ihm daffelbe am 19. November dieses Jahres. 
Auch sonst bewies der Kurfürst sich bei jeder Gelegenheit 
gnädig gegen ihn, wie aus der 1685 geschehenen Ernennung 
Albrecht Kunkel's, Sohnes unsers Geheimen Kammerdieners, 
zum Verwalter der Kunst- und Raritäten-Kammer hervorgeht, bei 
welcher Johann Kunkel sich, wie es scheint, auch persönlich eine 
Wirksamkeit vorbehalten wollte, da er bei der Uebergabe des In 
ventars an seinen Sohn betheiligt zu sein wünscht. 
Bei alledem scheint kein unverhältnißmäßiger Gewinn bei 
seinen Unternehmungen gewesen zu sein. Was er gewonnen, steckte 
er sofort wieder in neue Experimente und als der Große Kurfürst 
starb, befand sich Kunkel keineswegs in einer glänzenden Lage. 
Der neue Herr muß wohl nicht viel von dem Günstling seines 
Vaters gehalten haben, wenigstens hörte alle Beziehung des Hofes 
zu ihm auf, und Kunkel fühlte sich auf seiner Insel vergeffen. 
Da brannte ihm im Anfange des Jahres 1689 sein ganzes 
Etablissement auf dem Pfauenwerder ab, und wenige Tage vor 
her war auch in der Glashütte auf dem Hakendamm eine Feuer- 
anlegung in einem Stalle bemerkt worden. Verfolgung und bösen 
Willen vermuthend, wandte sich Kunkel nun in seiner Noth an 
den erst wenige Monate regierenden Kurfürsten Friedrich Hl. 
und klagte ihm sein Unglück. Seiner auf einem Stempelbogen 
von 4 Pfennigen geschriebenen Eingabe ist auch eine Abschrift 
des Kurfürstlichen Privilegiums und Schenkungsbriefes beigelegt, 
um die Bitte durch einen Beweis zu unterstützen. Nach dem Tode 
des Großen Kurfürsten hatte ein Holzschreiber Lauer wahrschein 
lich geglaubt, daß auch das Kunkel'sche Privilegium erloschen 
sei, oder wenigstens keinen Schutz mehr finden werde, und daher 
angefangen, ebenfalls Krystall- und anderes Luxusglas zu machen. 
Die Glashütten in der Grimnitz und zu Liebenwalde hatten das 
selbe gethan und von den Erfindungen Kunkel's möglichsten Nutzen 
gezogen. Nun meldete Kunkel dem Kurfürsten, daß er seine ab 
gebrannte Glashütte nur dann wieder aufbauen und weiter so 
rare Gläser für den Kurfürstlichen Hof liefern werde, wenn sein 
Privilegium erneuet und jene Nachahmer verhindert würden, ihn 
zu beschädigen. Der Kurfürst war bereits zu Anfang dieses 
Jahres*) an den Rhein gegangen, um den Feldzug gegen die 
Franzosen zu beginnen. Es erfolgte daher keine Antwort auf diese 
Eingabe und da auch das Haus in der Klosterstraße nach und 
nach so baufällig geworden war, daß Kunkel, in Berlin wenig 
stens, fast kein Obdach mehr hatte, so drängte er bei der Hof 
kammer auf eine Entscheidung und sein Gönner v. Cnyphausen 
berichtete deshalb an den Kurfürsten, man könne den „armen 
Mann, der sich in Chimischen Operationm ruinirt", wohl eine 
Gnade zukommen laßen. 
Diese Bitte und Befürwortung scheint aber auf den im Felde 
beschäftigten Kurfürsten gerade den entgegengesetzten Eindruck ge 
macht und der Abneigung deffelben gegen den Laboranten seines 
Vaters eine Veranlassung zu dem nun beginnenden Verfahren 
gegeben zu haben. In der Umgebung des Kurfürsten müßen wohl 
Personen gewesen sein, die dem ehemals vielleicht einflußreichen 
Geheimen Kammerdiener nicht wohl wollten und den schon gegen 
ihn eingenommenen Kurfürstlichen Herrn bestimmten, die folgende 
Ordre zu erlaßen: 
„Friedrich III. Churfürst rc. 
U. g. g. z. l. Veste, hochgelahrte Räthe, und Liebe getrewe. 
Wir vernehmen, was gestalt der gewesene Cammerdiener Kunkel, 
so wohl aus den Zenoral Oowaioeinkunften, als auch aus den 
Handgeldern Rentey und Obatonlgefällen 26,749 tal. worunter 
4,240 tal. banco gelber gewesen, empfangen haben soll. Alldieweil 
wir nun zu wißen verlangen, wohin sotbane von ihm gehobene 
gelber verwand und was er Uns daran schuldig verbleibet, auch 
wie er Uns der schuld halber zu beftiedigen gedenket. So be 
fehlen Wir euch hermit gdst. gedachten Kunkel vor euch zu for 
dern, dieser von ihm empfangenen Gelder halber genawe Rechnung 
*) König, Historische Schilderung von Berlin, III. Seite 16.
        
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