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Periodical volume 8. November 1884, Nr. 6

Full text: Der Bär Issue 11.1885

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 50 Pf. 
XI. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm Postzcitungs-Latalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. deir z. November 
Nr. S. Verlag von Gebrüder Pactel in Berlin W. 1884. 
Ephraim und Gohkowsky. 
Historischer Roman in drei Bänden von ZU. Kcyerging. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Ge!«» v. 11. VI. 70. 
VI. 
Der Frühling scheint gekommen mit seinen wärmeren 
Tagen, mit seinen Hoffnungen, seinem Sonnenschein- 
Noch hat er freilich die Knospen nicht sprengen, kaum 
sie hervorlocken mögen aus 
Baum und Strauch, nur 
dicht am Erdboden beginnt 
cs, hciinlich zu grünen, und 
Schritt für Schritt mag das 
lichte Grün bald aufwärts 
steigen, bis cs, immer tiefer 
nachdunkelnd, die Wipfel der 
Bäume schattig zusammcn- 
wölbt. 
Im Hofe des Ephraim- 
schcn Hauses herrscht wieder 
ein reges Treiben, und doch 
ist das Passahfcst mit seinem 
Seder-Abcnd, den Daniel 
Zacharias für sich und Ine 
herbeiwünschte, noch nicht 
gekommen, und bis zum 
Laubhüttenfcste ist noch ein 
voller Frühling und Sommer 
zu durchlebe». Wieder wird 
gehämmert und gebaut, wie 
damals zum Laubhüttenfestc. 
Grüne Tannenzweige ver 
kleiden das graue Gemäuer 
des Hofes; überall aus den 
Winkeln schaut grünes Ge 
zweig hervor, das Beitel mit manchen Kosten aus Forsten und 
Treibhäusern von fern und nah hat herbeischaffen laffcn. Sorg 
lich überwacht er alle Anordnungen in eigener Person, heißt 
zwischen dem Grün Hunderte von Lampen befestigen und 
über den Boden echte Brabantcr Teppiche breiten. Giebt er 
Professor Ludwig Äurgcr. 
Originalzeichnung. (S. Seite 93.) 
ein Fest, so soll es auch ein Fest sein, von dem '"***'♦ 
und Hof noch lange, lange sprechen. 
Um den Vater hat er rechtschaffen getrauert; 
üblichen elf Trauermonde kann und will er nicht inne halten. 
Des Königs Befehl — doch 
schwerlich würde gerade jetzt 
derselbe an ihn ergangen 
sein, wenn er selbst nicht 
allzu bereit gewesen, zu der 
gewünschten Hochzeitsfeier zu 
rüsten, — überredet er sich 
und nur allzu gebieterisch 
Frau Sarah und die wider 
strebende Ine, fordere Ge 
horsam. Nicht nur die eigene 
Klugheit, selbst ihr Gesetz 
gebiete, dem Könige zu ge 
horchen. Welche geheimen, 
viel schwerer wiegenden 
Gründe ihn bewegen. Ine 
zu der Heirath zu drängen, 
wird nie Jemand von ihm 
erfahren. Nur Mann und 
Weib gestatte ihr Gesetz, um 
einander zu trauern, und 
den Kindern um die leib 
lichen Eltern, zürnt er mit 
Ine, wenn er sie dennoch 
die bunten Farben meiden 
sieht, die sie so viel beffer 
kleiden, als das unheim 
lich gespenstische Weiß, in dem sie, nach mittelalter 
lichem Brauche, um den Vater trällert; und er drängt 
sie, das kostbare Brautkleid zu versuchen, daS er selbst für sie 
ausgewählt hat, und den Perlenschmuck, der längst für sie be 
reit liegt, anzulegen. Ine nur scheint taub für alle seine
        
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