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Periodical volume 5. September 1885, Nr. 49

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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am Eingänge lehnte und durch den grauen Tag zum Schlöffe 
hinüberblickte. 
„Nachgeben? Ich kann nicht nachgeben, wenn ich nicht 
zum bloßen Spielball seiner Launen werden soll. Wohin 
aber mit mir, wenn ich nicht beim Bruder in Berlin eine 
Zufluchtsstätte finde?" 
„Nur das nicht, Hoheit! Der Bruch würde nur größer, 
vielleicht unheilbar! Schon um der lieben jungen Prinzessinnen 
willen werden Hoheit an dergleichen nicht denken." 
Die Markgräfin hatte kein Wort der Erwiderung. „Es 
sind uns in den letzten Tagen keine Nachrichten vom Schloß 
gekommen," sagte sie endlich, „und ich kann meiner Unruhe 
nicht länger Herr bleiben. Mich verlangt, von den Meinen 
zu hören. Wenn eines der Kinder erkrankt wäre, und ich 
könnte nicht dort sein, es zu pflegen!" 
Mignon schickte sich zu einem Trostworte an, als plötzlich 
in nächster Nähe Hufschläge erschallten, und aufblickend sah sie 
den Junker von Scydlitz vom Pferde steigen. Sie merkte es 
nicht, daß ein verrätherisches Roth ihre Wangen überflog, — 
war sie sich doch nicht einmal des Grundes bewußt, weshalb 
vor allen Herren des Hofes und den ritterlichen Offizieren, 
die der Licblingsdame der Markgräfin willig ihre Huldigung 
darbrachten, der einfache Junker ihr besonderes Jntereffe weckte. 
Einer der Gärtnerburschen, den Seydlitz herbeigewinkt. 
führte das Pferd auf und ab, während er selber in unge 
wohnter Schwerfälligkeit sich den Damen näherte. 
„AI> voilä, notre Chevalier sans peur et sans rc- 
proehe!“ begrüßte ihn lächelnd die Markgräfin. 
„Heute vielmehr ein Ritter von der traurigen Gestalt," 
gab der junge Mann scherzend zurück, nachdem er die hohe 
Dame ehrfurchtsvoll begrüßt hatte. 
„Sie kommen hoffentlich nicht als Ueberbringcr trau 
riger Kunde?" fragte die Markgräfin. „Die Unsrigen sind 
wohl?" 
„Seine Hoheit sind leicht erkältet, und die Gegenwart 
unserer gnädigsten Frau dürfte das beste Heilmittel sein." 
„Mein Gemahl erkrankt?" Die Markgräfin schien alle 
Vorsätze des Widerstandes, alle Demüthigungen vergeffen zu 
haben. „Nicht ernstlich, hoffe ich!" 
„Eure Hoheit dürfen ohne Sorge sein- Ein wenig 
Schonung und Pflege, und die Erkältung ist schnell gewichen." 
„Und mein Gemahl wünscht solche Pflege von mir?" 
Ohne eine Antwort abzuwarten, eilte sie in's Jagdschlößchen 
zurück, sofort die nöthigen Befehle zur Abreise zu geben. 
„Nach innerer Erkältung muß eine Erkältung von außen 
den Anlaß zur Aussöhnung bieten," scherzte Mignon und 
schickte sich an, der Gebieterin nachzueilen. „Seine Hoheit hat 
doch ein weiches Herz." 
stabt Juris diction wie auch von allen oneribus und in specie von 
dem Grundzins, dergestalt und also; daß er solchen sofort in Be 
sitz nehmen, seinem Gefallen nach nutzen, aptiren und bebauen, 
ganz oder stückweise an andere verhandeln und damit als mit 
seinem Eigenthum, ohne Jemands auch ohne Unsers Admiralitaet 
und marinen CoUegii Beeinträchtigung schalten und walten möge, 
Gestalt Wir ihn auffordernden Fall dabei jederzeit gnädigst schützen und 
handhaben, auch wider Allen An- und Einspruch mit Nachdruck vertreten 
wollen. Wonach sich Unser Kammergericht wie auch der Magistrat auf 
der Dorotheenstadt und sonsten männiglich in unterthänigstem Gehorsam 
zu achten. Uhrkundlich unter Unserer eigenhändigen Unterschrift So ge 
schehen und gegeben zu Cölln an der Spree, den 10. Julii 1696. 
II. 
Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden, König in Preußen, 
Markgraf zu Brandenburg rc. bekennen rc. Als hiebevor mit Unsers in 
Gott ruhenden Herrn Vaters König Friederich Majestät, Christseeligsten 
Andenkens hinzugekommcnen allergnädigstcn Consensu und confinnation 
vom 26 April anno 1712. der Edle Unser wirklicher Geheimter Etats- 
Rath, des Preußischen schwarzen Adlerordens Ritter, Präsident des General 
Finanz-Directorii, General Postmeister, General Chatoul-Director, Haupt 
mann und Burgrichter zu Bublitz und lieber Getreuer, Ernst Bogislav 
von Kamecke auf Hohenfelde und Cordeshagen, von des weyland wirk 
lichen Geheimten Raths und General Kriegs Commissarii Freiherrn von 
Danckelmanns nachgelassenen Erben, den Garten aus der Dorotheenstadt, 
so vor diesem ein Schiffbauhof gewesen und von höchstgedachten Unsers 
Herrn Vaters, Königlichen Majestät gedachten dem von Danckelmann, 
Inhalts Verschreibung vom 10 Julii anno 1696 vor zwölshundert Thaler 
überlassen, auch zugleich von des Magistrats Jurisdiktion von Grundzins 
und allen anderen oneribus befreiet worden, vor und um zweitausend 
Fünfhundert Thaler Kaussumma besage eontraotus de dato Berlin den 
29 Januar anno 1711 erb und eigenthümlich an sich gebracht und er 
kaufet, derselbe auch demselben zu solchem Garten nach einen von ihm 
ausgefülleten Platz nach der Spreewärts, so in der Breite sechs und 
fünfzig Fuß hält, vermöge der unterm 6ten November anno 1711 au 
unsern General Feldmarschall den Grafen von Wartensleben deshalb 
ergangenen Verordnung, allergnädigst zugeeignet und durch den Major 
Ger lach nach dem von ihm übergebenen Plan anweisen, auch darüber 
gehörigen Schein unterm 9 ejusdem ertheilen lassen; Gestallt denn der 
vorberührte Kauf-Contra-t bei Unserer LehnS Lanzelev in original! pro- 
duciret und hiernach stehend also lautet: Nachdem Uns Endcsunter- 
schriebenen dreien Gebrüdern von Danckelmann aus der Erbschaft 
unsers seeligen Herrn Brudern, des weyland Königl. Preußischen wirk 
lichen Geheimten Etats Rath und General Krieges Commissarii der 
hinterlassene Garten in der Theilung zugefallen, als haben Wir sothanen 
Garten, wie derselbe auf der Dorotheenstadt, in der dritten Gasse, zwischen 
dem Herrn Geheimten Rath von Kraut und dem französischen Hospital 
in seinen Grenzen und Scheidungen belegen, sammt Gebäuden und Per- 
tinenzien auch allen darin befindlichen Obstbäumen Lust und Garten 
gewächsen, Blumentöpfe, und Gartengeräthe, Hinwider an den Königl. 
Preußischen wirklichen Geheimten Etats Rath, Hofkammer Präsidenten 
und Ritter des Preußischen Ordens Herrn Ernst Bogislas von Kamelen 
Excellenz erb und eigenthümlich vor und um zweitausend fünfhundert 
Thaler verglichener Kaufsumma zugeschlagen und verkaufet »c. 
Und ist demnach dieser Contraet in duplo ausgefertiget, welches des 
Herrn Käufers Excellenz eigenhändig von Seiten derer Herren Verkäufern 
aber, von ihren respectiven Schwiegersohn und Schwager, den Königl. 
Preuß. Hof- und Legations Rath Herrn August Leopold von Wülknitz 
Kraft habender Vollmacht bis auf erfolgter Ratifikation unterschrieben 
und besiegelt worden. Wan» es auch nöthig, soll darüber Königlicher 
oder sonst obrigkeitlicher Consens und Confinnation auf derer Herren 
Verkäufer Kosten ausgebracht werden. 
So geschehen Berlin, den Neun und zwanzigsten January 1711. 
(Unterschriften) 
und Uns nun beim Antritt Unserer Königlichen Landes Regierung der 
Käufer Unser Geheimter Etats - Rath, der von Kamecke sowohl um Er- 
theilung Unserer gleichmäßigen allergnädigsten Confinnation über solchen 
erkauften Garten und der vormals darauf gelegten Freiheiten, daß die 
selbe, wie vorhin geschehen, auch aus den übrigen angewiesenen Platz 
extendiret und ihm zugleich Unser Privilegium real»! über die gesammte 
Gartenstelle ausgefertigt werden mögte, allerunterthänigst angesuchet und 
gebeten, daß Wir solcher seiner an uns gebrachten allergehorsamsten Bitte, 
in unsern geheimten Rath allergnädigst deferiret und statt' gegeben. Thun 
demnach dasselbe als Churfürst und Landesherr, oonfirmiren und bestäti 
gen nicht allein obinserirten Kauf Contract und die darinnen enthaltene 
erbliche Alienation des gemeldeten Gartens auf der Dorotheenstadt, so 
mit der darauf hastenden Exemption die Wir gleichfalls auf den übrigen 
ihm angewiesenen Platz extendiren und selbig« von dem gesammten 
Garten und darin erbauten Hause verstanden haben wollen.
        
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