Path:
Volume 22. August 1885, Nr. 47

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

659 
übrigen Provinzen aber wurden vorzugsweise die Torflager der 
Domäncngrundstiicke ins Auge gefaßt, um übertriebenen Ent- 
schädigungsfordcrungcn von Privat - Grundbesitzern möglichst aus 
dem Wege zu gehen. 
Das mit prciswürdigem Eifer begonnene Werk gelang. Noch 
ehe Friedrich II. zu den Unsterblichen einging (1786), konnte er mit 
Genugthuung die beträchtliche Ausdehnung, welche die Torfge 
winnung bis dahin genommen hatte, begrüßen. Die oft preußischen 
Torfmoore lieferten bereits jährlich 7 0-8, die lithauischen 
11118 Fuder. In Pommern hatte man einen Aufseher und 
geschickte ostriesische Torfgräber angestellt, die jährlich 39 Millionen 
Stück Torf — der Wirkung nach 27 857 Klafter Holz gleich — 
ausstachen. Der Betrieb wurde durch eine Torf-Inspektion, welche 
ihren Sitz i» Cöslin hatte, geleitet. In Schlesien stand die 
Lomnitzer Torfgräberci bei Hirschbcrg seit 1751 im Betriebe. Vier 
Meister und 18 Arbeiter förderten dort jährlich an eine Million 
Stück „Tone" (800 Stück — 1 Klftr. weich Holz). Außerdem 
gab es Torfstiche zu Fischbach, bei Schmiedcberg, Conradswalde 
und Nimkau. — Besonders nützlich erwiesen sich die Torfmoore zu 
Schadeleben, Westerhausen und Ummcndorf für die Einwohner des 
Fürstenthums Halver st adt und des Herzogthums Magdeburg, 
welche Landstriche unter dem Mangel an Holz erheblich zu leiden 
hatten. Es wurden daselbst jährlich 5 748 000 Stück regelrecht 
gestochen, was einer Holzersparniß von 6 387 Klstrn. gleichkam. 
Auch im Fürstenthum Minden und in der Grafschaft Ravens 
berg, zu Hartum und Petershagen gab cs beträchtliche Tors- J 
moore. Dieselben waren verpachtet und gaben jährlich über 5 000 
Fuder oder 180 000 Berliner Scheffel Tori. — Was endlich die 
Kur- und Neumark anlangt, so hatte man in den Gegenden > 
von Frcienwalde und Niederfinow guten Torf entdeckt, desgleichen 
im Amte Königshorst (6 Meilen von Berlin) und im Schievel- 
bcinschen Kreise. Diese „Torsbrücher" lieferten damals bereits 
2 186 000 Stück Torf jährlich (600 Stück — 1 Klftr. Buchenholz; 
450 Stück — 1 Klftr. Kiehnholz). Andere Torfmoore, w.lche 
man in der Kurmark bereits kannte, sollten zwar zunächst noch 
eingehender untersucht werden, immerhin aber konnte Heinitz an 
der Hand der bisher gewonnenen Erfahrungen dem Könige bereits 
im Jahre 1785 die tröstliche Versicherung aussprcchcn, daß diese 
Torfmoore für die Haupt- und Residenzstädte Berlin und Potsdam 
eine große Hülfsqucllc gegen d.n immer mehr einreißenden Holz- 
mangel abgeben würden und daß überdies der Landmann beträcht 
liche Strecken ausgetrockneten guten Landes zur Bctvirthschaftung 
erhalten werde. 
Zu einer derartigen „großen Hülfsquclle" sind die märkischen 
Torfmoore denn auch thatsächlich geworden. Um jene Zeit lief 
die Oktroi der seit 1766 thätigen „Brennholz-Gesellschaft für Berlin 
und Potsdam" ab; in Folge dessen wurde im Jahre 1785 die 
„Königliche Haupt-Brennholz-Administration" zu Berlin 
errichtet; der Holzhandel wurde Monopol des Landesherr»; außer 
der Brennholz-Administration und der Prinzlichcn Gesammtkammcr 
durste nun in Berlin und Potsdam Niemand mehr mit Brennholz 
handeln. Die Folgen machten sich bald genug fühlbar. Um den 
Nachtheilen des Monopols möglichst zu begegnen, durften die 
Bauern hinfort zwar jährlich 4 000 Fuder Brennholz gegen Pässe 
einführen, allein das solchergestalt vermehrte Angebot hinderte 
nicht, daß der Haufen Eichenholz, welcher vor der Einführung des 
Monopols in Berlin 8 Thaler gekostet hatte, nach derselben mit 
20 Thlrn. bezahlt werden mußte, und daß das Föhrenholz von 
6 auf 18 Thlr. im Preise stieg.*) Unter solchen Verhältnissen 
wurde die Torfgewinnung zu einer Wohlthat für die Bevölkerung 
und blieb es lange Zeit hindurch. 
Nach dem Tode Friedrichs II. nahm das Torfwesen, wie alle 
*) Vergl. Preuß, „Friedrich d. Gr.," Bd. 3 S. 67. 
Schöpfungen des großen Königs aus dem Gebiete des Berg- und 
Hüttenwesens, einen weiteren erfreulichen Aufschwung. König 
- Friedrich Wilhelm II. gab demselben eine festere Organisaiion, 
indem er kurz nach seiner Thronbesteigung für sämintliche Provinzen, 
mit Ausnahme Schlesiens, die „Königliche Torf-Admini- 
■ stration" zu Berlin einsetzte. Diese Behörde stand unmittelbar 
unter dem Bergwerks- und Hütten-Departemcnt; sie wurde aus 
sachkundigen Berg Beamten*) gebildet und erhielt die Ausgabe, 
noch mehr zum Torfstich geeignete Moore ausfindig zu machen 
i und die darauf etwa anzulegenden Gräbereicn im Sinne der 
Wöllner'schcn Vorschläge zu leiten. Auch die Tors-Administration 
! sollte ihr Augenmerk noch vorzugsweise auf Domänen- und Forst- 
grundstücke richten, deren Ausbeutung alsdann für königliche 
Rechnung erfolgte. Heinitz beabsichtigte damit dem verderblichen 
Selbststechen der Domäncnpächtcr und der Bauern Einhalt zu 
thun, und Grund genug hierzu gaben ihm allerdings die Vor- 
kommniffe in Pommern und Preußen, wo die Privat-Torfgräbereien 
dargethan hatten, daß man bei der befolgten Raubnutzung nicht 
allein die Hüllte des Torfes stecken gelaffcn hatte, sondern wo auch 
„viele tausend Morgen Moorland auf beständig verdorben worden 
waren." Er fuhr also fort, „auf die beste und solideste Weise 
Werke anzulegen und zu behandeln und auf diese Weise dem 
imblico als Normal-Gräbereien darzustellen." 
Die Torf-Administration richtete unter anderem im Jahre 1787 
die für die Mark Brandenburg so bedeutsamen und werthvollen 
Rhin-Torfgräbercien ein. Am 5. und 30. Juni ergingen bereits 
zwei Anweisungen an die Kurmärkische Kammer, nach welchen zu 
Gunsten des Absatzes der Herteselder bezw. Linumer Torfgräbereicn 
bei Fehrbcllin die Brcnnholzverkäufe an die Unterthanen ein 
geschränkt werden sollten. Zugleich wurden die Forstämter an 
gewiesen, „gedachten Einsassen kein Brennholz aus der Ursache 
ferner zu verkaufen, weil solches zum eigenen Bedarf der Re- 
sidenzicn angewandt werden müsse." Dagegen sollten die Einsassen 
von nun an ihren Winterbcdarf an Torf vov den Torfgräbereicn 
rechtzeitig abholen. Ob wohl dem von Natur gegen jede Neue- 
| rung voreingenommenen „kleinen Manne" diese Maßregelung behagt 
j haben mag? Indessen — Noth lehrt allezeit beten — die Sache 
| nahm guten Fortgang; auch in den „Residenten" bürgerte sich 
j der Torfbrand immer mehr ein; der ehemals so gering geachtete 
! Torf wurde allmählig ein beliebtes Brennmaterial in breiten Be- 
völkerungsschichtcn und ist es geblieben bis auf unsere Tage. 
Zur Gewinnung eines erfahrenen Arbeiterstammes, an welchem 
j es noch immer mangelte, wurden im Jahre 1788 „Torfgräber" 
! aus dem Lingcu'schen und „Torfmädchens" aus Westerhausen 
; (Fürstenthum Halberstadt) herangezogen, und in demselben Jahre 
(am 2. Mai) genehmigte der König, daß zu weiterer Ausdehnung 
der Torfstecherei 10 000 Thlr. gegen 4 Prozent Zinsen von der 
Bank entnommen und bis zum Ablauf des Etatsjahres 1788/89 
wieder abgestoßen werde» sollten. Wie dringend nothwendig die 
umfasicndste Beförderung des Torfwesens damals sein mochte, er 
kennen wir aus der nachfolgenden, an Hcinitz gerichteten Kabinets- 
Ordre vom 6. Mai 1789. „Mein lieber pp." — so schreibt 
Friedrich Wilhelm II. — „Eure ganze Torfwirthschast gefällt mir 
nicht, da Ich aus Einem Bericht des Ltats-Klmistro Grafen 
von -4rnim — des Chefs der Forstverwaltung — ersehe, daß Ihr 
für die Städte Berlin und Potsdam nur eine so geringe (juaotitaet 
Torf aus diesen Winter liefern wollet, wodurch Ihr ihn in die 
Nothwendigkeit setzet. Mich um die Erlaubniß zu bitten, 4200 Hau'en 
Brennholz über den Forst-IRat der Churmark, dis Jahr schlagen 
zu lasien, wodurch aber alles vollends ruinirt werden 
würde. Daraus kann also nichts werden, und da Ihr cs lange 
*) Namentlich der Oberberg- und Baurath Mönnich war ein her 
vorragendes Mitglied derselben.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.