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Periodical volume 22. August 1885, Nr. 47

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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daß ein tüchtiger Kerl aus ihm wird. Ich hab' einen jungen 
Freund da am Hofe; ich will schon sorgen, daß er in gute 
Hände kommt." 
„Ach, Ehrwürden, wenn Ihr das wolltet!" 
„Gewiß, Mutter Hartung." Und die Frau drängte sich 
vergnügt durch die Menge zu ihrem Manne, dem, gleich ihr 
durch die ermuthigenden Worte des Pfarrers ein Stein vom 
Herzen genommen schien. 
Nunmehr traten auch Andere zu dem Geistlichen heran, 
und für jeden hatte er ein beruhigendes Wort. 
„Recht habt Ihr ja, Meister Schmied," hieß es hier, aber 
an Eurer Stelle würde ich mich nicht auf die Geschichte ein 
lassen. Ihr habt hier Euer gutes Brod, und einem Manne, 
der sich offen bei der Klage betheiligt, kann der Markgraf die 
Schmiede nicht lasten. Das müßt ihr einsehen." 
Der Schmied nickte zustimmend: „Das hab' ich mir 
schon selber gesagt, Ehrwürden. Ich kann's für meinen Theil 
schon noch mit ansehen, und wenn Ihr meint ..." 
„Gewiß, beschlafts nur erst. Die guten Gedanken kommen 
über Nacht!" Und der Geistliche trat weiter zu einem alten 
Mütterchen heran: „Ach was, Mutter Krüger, laßt Euch nichts 
weiß machen! Euren Jungen kriegt Ihr von den Soldaten 
doch nicht frei, und der Junge darf als Soldat die Bittschrift 
dem König schon gar nicht übergeben. Es steht harte Strafe 
darauf, — ich hab' erst heute ein langes Schriftstück darüber 
gelesen. Bringt Euren Jungen nicht in's Unglück! Und sagt , 
selbst, steht ihm die schmucke Uniform nicht gut? Die bei der 
gemeinen Reiterei kriegen schon monatlich drei Thaler Sold, 
und die vom Leibregiment, bei dem Euer Junge steht, gar 
noch eine Extra-Zulage vom König. Wie kann er das hier 
im Dorfe verdienen?" 
„Er hat mir auch schon manchen Thaler geschickt, — es 
ist nur, daß ich ihn nicht bei mir habe auf meine alten Tage." 
„Nun, ewig bei Euch bleiben könnte er doch nicht. Es 
ist eine Ehre, Soldat zu sein! Jeder preußische Prinz muß 
in den Soldatenrock hinein; der Soldatenstand ist der erste 
Stand im Staate, und wenn ich nicht Prediger wäre, ich 
wüßte mir nichts Lieberes, als meinem König zu dienen!" 
Der alten Frau standen die Thränen in den Augen. 
„Ehrwürden", sagte sie, „wenn man so mit Euch redet, dann 
hört sich alles ganz anders an, als von dem da drinnen!" 
damit deutete sie auf die Schenke. 
„Ja, der hier hat gut zum Frieden reden!" murrte einer 
der Umstehenden. „Das ist Prediger-Handwerk so! Nicht 
einmal von den Söhnen der Pfaffen braucht einer Soldat zu 
werden!" 
Der Geistliche drehte sich schnell um: „Da habt Ihr ein 
wahres Wort gesagt, Weber Rühr, — ich meine, betreffs des 
zum Frieden Redens. Aber auch Ihr könntet Euch ein Beispiel 
daran nehmen- Seht, wenn Ihr auf Eurem Webstuhl die 
Fäden alle kraus durcheinander ziehen wolltet, so würde auch 
nichts Gescheidtes daraus. Glaubt Ihr denn," — und die 
Stimme des Geistlichen drang nun klar und vernehmlich durch 
die Menge, — „glaubt Ihr, wir Geistlichen Hütten von den 
Launen des Markgrafen nicht zu leiden, wie Ihr Alle? Ja, 
mehr noch! Aber er ist unser Herr, und der Obrigkeit sollen 
wir Unterthan sein- Lernt doch warten und Euch gedulden, 
Mann! Da droben am großen Webstuhl sitzt mich Einer, 
der sein Werk gar wohl versteht, der in kluger Berechnung 
seinen Einschlag gemacht hat und nimmer leiden wird, daß 
eine leichtfertige Hand ihm sein künstlich Gewebe verderbe. Es 
kommt auch ohne unser Zuthun Alles, wie er es in seinem 
stellen. 33 ) De Mann teil 37 ) de Fr» rinna in 'n graten Sool.") An de 
Wand rümma hünge all de Billa 33 ) va de Frimuaras, de unna dissen 
Stohlmeista stünn. *°) „Wekkat 37 ) is unna all dis Billa ähn Mann?" 
säd de Stohlmeista. De Fru sökt 3 -) un fund richtig ähan Mann rut. 
De Stohlmeista fach dät Bild bedröwt an un säd: „Nä, mi leew Fru, 
dän kann ick nich losgewen, dät is ena va mi best Muaras!" 
Don öwast 377 ) würd de Fru gros un höhnt ’n düchdig wat ut. As 
seen so recht rumma reten") un utfilzt hat, säd a: „Na, wen» se niüd, 
denn kenn't ok geschehn! — Fru. komms hia hea, un peeks 33 ) met dis : 
Nägnotel") dörch ähe Mann si Bild, denn is he va uns utscheid't." De 
Fru däd dät; as se öwast nu to Hus kam, was äha Mann dodt: se 
hadd'n metten") Säbel gerod dörcht Härk 33 ) stoken. — So schwea höllt't, 
va de Frimuaras los to kommen; dräm rad ich Jeden, he gewa sich . 
nich unna. 33 ) — 
Ein anderes Mal erzählte die Frau: 
„Was mo enz 33 ) en Puppenspela, 37 ) de reist in de ganz Umgegend 
unihea un mokt för Geld allalei Kunststücka. Was gerad to Sommatied 
doa was a ens in e Dörp, un as si Spell to Enn was, nögta si Tokikas 
all ruta ut de Kragstuw not Strot. 377 ) Hia wulla äha noch en ganz 
apart Kunststück sehn loten. Hee grecp") sich nu doan Hohn 33 ) upt 
Strot un bund en an'n groten Kehnbohm 33 ) an, de doa fort b' Döa lag. 36 ) 
Nu flerrat 37 ) de Hohn los, üm sich lostoriten, 33 ) künn öwast nich los 
kommen, Wiel he met ehn Fot 33 ) ganz fest an den Kehnbohm anknippat 33 ) 
wia. As nu de Hohn Gewalt brukt, treckt e met dän ganzen Sogblock 37 ) 
as. De Lüüd alltohoop 3 °) lachten doaöwa un wunnaten 33 ) sich, lachten 
3 6) ihm di« Sache vorzustellen. - - 7 ) läßt. — -») Saal. — -»> Bilder. — -«> unter 
diesem Stuhlmeister standen. — <>) Welches. — <>) sucht und sand. — 3 3) Da aber. — 
3«) heruntergerissen. — <s) hielt, sticht. — 3 «) Nähnadel. — < 7) mit dem. — ««) durchs 
Her,. — «») er begebe sich nicht unter sie. — - °) einst. — »>) Puppenspieler. — -») heraus 
aus der «rugstube aus die Straße. — » 3 ) griff- — 3 «> Hahn. — - e, Kienbaum. — 3 °) vor 
der Thür lag. — 6 7) flattert. — »») loszureißen. — »») einem Fuß. — 60) angeknüpft 
war. — 6 1) Sägeblock. — o i) alljusammen. — 63) verwunderten. 
UN juchten öwa dit Kunststück hinna dän Hohn hea. Doadörch würd disia 
schu 33 ) und treckt ümma fix« met sin Block fuat. 33 ) 
Nu kam doa gerade e Mäken 33 ) in't Dörp-Enn rinna, 37 ) de hadd 
en Dracht Klewa 33 ) uppn Rüggen. 33 ) 
„Lüüd," säd dät Mäken, „wat Häg 73 ) ji ju da so gefährlich? Wat 
issa da los?" 
„Mäken," säden de Lüüd, „sähst du da dät nich, dät ju Hohn doa 
wetten groten Sogblock ümhea schleppt?" 
„Wo da?" frag dät Mäken. 
„Jo doa!" kreg 77 ) se to Antwort. 
„Mein ji 73 ) dän Hohn doa, dera sich ümma met dän Strohhalm 
ümhea schleppt?" 
So streden 73 ) sich de Lüüd met dät Mäken rüm: se fache 73 ) en 
Strohhalm und se segen Sogblock; äha Ogen wian vablendt, un dät 
Mäken äha nich. Wohea kam öwa dät, dät dät Mäken äha Ogen nich 
verblendt wian? Dät mok, se had in äha Dracht Klewa ’n — viablädrig 
Klewablatt. 73 ) 
As de Puppenspeala gewoha würd, dät dät Mäken met dät Dracht 
Klewa de änna Lüüd dät upklärt, zaubat 73 ) he äha geschwin'n grot 
Schlott 77 ) and Muul, dät se nich en Woat meha 73 ) reden künn. Dän 
ganzen Nomiddag müßt se nu met äha Schlott ännen tom Spott 
ümhea lopcn. As endlich de Gesellschaft no Huus lopen wull, nahm 
de Puppenspeala 'n Schlötel 73 ) un schlott äha dät Schlott as va 
äha Muul. 
Ein eigenes Lächeln umspielte die farblosen Lippen der alten Frau, 
als sie mich mit diesem „Batellsel" von der „Ogenvablendniß" 377 ) erfreute. 
6 3) scheu. — 6 5) fort. — 6 6) Mädchen. — 6 7) in's Dorfende herein. — 6 8) Dracht Klee. 
— 6,) Rücken. — 7«) habt, geberdet. — 7 >> kriegt, erhält. — 7 s) Meint ihr. — ' 3> stritten. 
— 7«) fagt. — 7 5) ein vierblitttriges Kleeblatt. — 7 6) zaubert. — 7 7) großes Schloß 
an's Maul. — 7 6) Wort mehr. — 7«) Schlüssel. — i«) Erzählung, Geschichte vom Augen 
I verblenduiß.
        
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