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Volume 18. Juli 1885, Nr. 42

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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steine des Peter von Thüre (1- 1281), des Bischofs D. von Schu 
lenburg, des Bischofs Stephan, der Frau von Barfutz, Theile und 
Perspektive des Kreuzganges. Aus Sankt Gotthard in Branden 
burg ist unter Anderem abgebildet der schöne broncene Tauskessel 
und die bemalte Holzstatuette eines Bischofs, aus St. Katharinen 
die figurenreiche Bekrönung des Altarschreins, Stoffmuster mehrerer 
Beschläge und die Details eines Epitaphs; dann (auf besonderer 
Tafel) das berühmte Schulenburgsche Grabmal. Aus Branden 
burg folgen noch mehrere Portale, ein Privathaus, ein Giebel und 
Details eines Holzhauses, woraus im Ganzen Wohl erhellen dürste, 
daß für die wichtigeren Orte der Schwerpunkt auf die Illustra 
tionen gelegt ist. Sehr gelungen ist die Ansicht der kleinen Kirche 
zu Buch (erbaut von Dietrichs 1731), des Schloßhofes zu Dobri- 
lugk, der Tausstein in der Pfarrkirche zu Drossen, die Perspektive 
der Pfarrkirche zu Eberswaldc (Linienmanier) und der schöne Re 
naissancealtar daselbst vom Jahre 1606. Diese letztere Abbildung 
zeigt, wie wesentlich die zeichnerische Behandlung für die Wieder 
gabe ist und wie groß daher der Antheil der Zeichner, von denen 
auf diesen ersten zweihundert Seiten des Aumahmeverzeichniffes 
Rüdell (Regierungsbaumeister), O. Zimmermann, H. v. K. 
(Hans von Keller) und Regierungsbaumeister A. Körner zu er 
mitteln sind. Die Reproduktion erfolgte durch Gaillard (Berlin) 
und G. L. Strunz-Nürnberg. Beiträge zum Text lieferten 
A. Körner, P. Lehfeldt, E. Wernicke und Lehrer Boigt in 
Königsberg. 
Diese kurzen vorläufigen Mittheilungen werden hoffentlich 
dazu beitragen, dem hochherzigen Unternehmen der Provinz Bran 
denburg überall Freunde zu gewinnen und dem so mühevollen 
Werke die Wege in etwas zu bahnen. Die beste Förderung wird 
ja davon abhängen, daß, wie zu erwarten steht, die noch folgen 
den Bogen mit ihrem Inhalte selbst die wärmsten Fürsprecher 
bilden. 
Miscellcn. 
Die Kresken im Architektenhause. Seit zwei Jahren ist der große 
Saal des Architektenhauses mit einer Reihe von Fresken im großen 
Maßstabe versehen, welche in Folge einer Unterstützung aus den staatlichen 
Kunstfonds auf Grund einer öffentlichen Konkurrenz durch den Maler 
Fr. Prell ausgeführt wurden. Die Theilung der Flächen durch Fenster, 
durch Säulen und Thüren waren einer monumentalen Lösung wenig 
günstig, doch hat der Maler es verstanden, je nach dem gegebenen Raume 
vorwiegend figürliche Darstellungen mit architektonischem Beiwerk in 
einem geschlossenen Cyclus anzuordnen. In dem Felde „egyptische Bau 
kunst" steht eine Figur in dunkler Nacht vor einem Kolossalkopfe einer 
Sphinx, die römische Baukunst wird durch einen reichen Römer mit Ge 
folge dargestellt, der auf einen belebten Platz hinabschaut; das Hauptbild 
zeigt die drei Schwesterkünste Bildhauerei, Malerei und Architektur als 
weibliche Gestalten im Renaiffancekostüme vereinigt; die gothische Periode 
ist durch eine lebensvolle Kirchweihe (Richtefest) vertreten, das Mittelalter 
durch klösterliche Malerei. Der Pfahlbau ist nicht vergessen: ein Kaliban 
sitzt auf einem einsamen Pfahl und stiert, die Beine hochziehend, schreckens 
voll auf ein aus dem Wasser nahendes langgewundenes Ungeheuer. Dieses 
letztere Bild wird vielfach als überflüssig und unerfreulich getadelt, und 
das mit Recht: der Pfahlbau hat mit der Architektur nichts zu thun und 
die beiden Figuren gehören am wenigsten in einen Saal, der sehr oft 
festlichen Zwecken dient. (Hierzu die Abb. „Griechische Kunst" S. 600.) 
Merliner Skizzen. Paul Lindenberg veröffentlicht unter der Be 
zeichnung „Stimmungsbilder" ein viertes Bändchen seiner Arbeiten 
über Berlin, das in Reklams Zwanzig-Pfennig-Bibliothek unter Nr. 2004 
eingereiht wurde. Er schildert darin in kurzen Strichen den „Frühling" 
und „Herbst" in Berlin, dann „Berlin, wie es ißt und trinkt," und hat 
des Weiteren manche der speziell großstädtischen Erscheinungen in eine an- 
muthende erzählende Form eingekleidet. „Eine von Bielen," ist die lehr 
reiche Geschichte eines jungen Mädchens, das im Vertrauen auf seine An 
lagen und einige ältere Bekanntschaften hin auf eigene Hand sich nach 
Berlin wagt, um hier sich durch Musik-Unterricht zu ernähren. Der Kampf, 
den sie hier durchzumachen hat und die Täuschungen, die sie erfährt, 
führen in warnender Weise allmählich zu einem vorzeitigen, nicht mehr 
ungewöhnlichen tragischen Ende. Die Skizzen „Wahl bringt Qual" und 
„Durch die Zeitung" sind keine eigentlichen „Stimmungsbilder;" dagegen 
sind es lustige fröhliche Erlebniffe, wie sie wohl in Berlin schon öfter 
mögen vorgekommen sein. Zwei fernere Aussätze über das „Asyl für 
Obdachlose" und über den „Haushalt der Weltstadt" sind vor Kurzem 
im „Bär" schon zum Abdruck gekommen und haben auch in weiteren 
Kreisen verdienten Anklang gefunden. Lindenberg's Styl ist einfach und 
ungesucht und bei den von ihm gewählten Stoffen wohlgeeignet, ein 
Stündchen angenehm zu vertreiben. — Sein Merkchen „Die Umge 
bung Berlins" — ebenfalls im Verlage von Ph. Reclam — liegt 
bereits in zweiter vermehrter Auflage vor. — 
In der großen Stadt. Unter dem Titel: „In der großen Stadt" 
siegt uns eine Sammlung kleinerer Aussätze von Ernst Otto Hopp vor, 
die im Verlage von Friedrich Nonnemann-Berlin soeben erschienen ist. 
Dieselbe enthält etwa fünfzig Skizzen, deren Gegenstände und Gestalten 
sämmtlich dem Leben und Treiben einer modernen Großstadt entnommen 
sind. Einige derselben, z. B. „im alten Hause," der „kleine Fritz vor 
Gericht," „Bruder und Schwester" sind hübsch und gemüthvoll geschrieben, 
andere wie „Der allgemeine deutche Reimverein" und der „konservative 
Flip" zeugen von gesundem Humor und einer scharfen satirischen Ader. 
Die Mehrzahl der sonstigen Aufsätze spricht für die eminente Beobachtungs 
gabe des Verfassers, verräth aber dabei eine vorwiegende Neigung zur 
Behandlung der weniger erfreulichen Seiten unserer sozialen Verhältniffe. 
Die Gauner und Wahnsinnigen, die Starren und Betrüger, die Verkom 
menen und Ehrlosen, denen Hopp seine Aufmerksamkeit widmet, sind mit 
dem ganzen Beiwerk nackten Elends und sittlicher Verworfenheit treu 
und anschaulich geschildert. Den ernsten pessimistischen Grundton ver 
mag die gewandte Schreibweise nicht zu verwischen. So gerade wohl 
geht es in der Großstadt zu, aber doch nicht nur so, nicht ausschließlich 
so. In einem Buche, das erwarten läßt zu sehen, wie es „in der großen 
Stadt" aussieht, vermißt man zur belebenden Abwechselung gegen den 
tiefen, tiefen Schatten ein wenig von dem überall in der Welt vor 
handenen Sonnenschein. 
Neuer ITan von Merlin. Im Verlage von Alexius Kießling in 
Berlin 8. Brandenburgs^. 64 erschien soeben ein neuer großer Plan 
von Berlin und den nächstgelegenen Ortschaften rm Maßstabe von 
1:15 000 mit Angabe der Weichbildgrenze, des Bebauungsplans, der 
Straßen- und Häuser-Numerirung, der Postbezirke, des vollständigen 
Pferdeeisenbahnnetzes, sowie der Stadt- und Ringbahnlinie nach amtlichen 
Mittheilungen nebst alphabetischem Verzeichniß sämmtlicher Straßen, 
Plätze und Brücken und einem Stundenplan der Sehenswürdigkeiten 
Berlins. In sauberem 5farbigen Druck ausgeführt und cartonnirt 
2 Mark, eleg. gebunden 2>/., Mark, 4farbig 10, Mark, 3farbig 1 Mark. 
Die Märkische Schweiz. Aus dem Verlage von Alexius Kießling, 
Berlin 8. Brandenburgstr. 64, kommt in dritter Auflage: Kießlings 
Spezialkarte von Buckow und Umgegend (sogen. Märkische 
Schweiz) im Maßstabe von 1:12 000 in Farbendruck ausgeführt, Preis 
75 Pfg. Die von Th. Delius höchst sauber gestochene Karte ist vom 
Kartographen G. Müller revidirt und mit allen in den letzten Jahren 
entstandenen Neuerungen versehen worden. In dem Situationsplan von 
Buckow sind die Namen sämmtlicher Straßen, Hotels rc. neu eingetragen, 
so daß die Karte auch Sommerwohnung-Suchenden als bequemes und 
zuverlässiges Orientirungsmittel empfohlen werden kann. 
Professor Mnhers Hoethe-Ausgavc. Die große illustrirte Pracht- 
Ausgabe von Goethe's Werken, welche die Deutsche Verlagsanstalt in 
Stuttgart ihrem „Shakespeare" und „Schiller" angereiht, liegt jetzt mit 
dem Erscheinen der letzten Lieferungen 81—90 vollendet vor, und drei der 
größten Dichterheroen aller Zeiten haben nunmehr ihre würdige Illu 
stration durch die Hand hervorragender Künstler der Gegenwart, durch 
die ersten Werkstätten der Xylographie und der Typographie gefunden. 
Bei einem Genius wie Goethe, der in allen Zweigen der Dichtung sich 
bewegt, war es eine große Aufgabe, immer den richtigen Künstler für das 
einzelne Werk zu finden: aber die reiche Erfahrung, welche Hallberger 
durch seine illustrirten Zeitschriften und die vorangegangenen Werke 
hatte, bot ihm die Mittel, eine nicht minder glänzende Ausgabe Goethe's 
zu veranstalten. Nicht zum wenigsten trägt dazu eine solche Ausgabe bei, 
die dem Worte den Reiz des Bildes verleiht, sie macht den Dichter auch 
Denen noch lieber, die ihn längst gekannt, macht ihn zu einem doppelten 
Schatz unserer Bibliotheken. Dieser Prachtausgabe ist ein Text zu Grunde 
gelegt, der, von der Hand eines der größten Goethekenner, des Dichter 
biographen Heinrich Düntzer, aufs Sorgfältigste ausgewählt und re 
vidirt, dem monumentalen Werke eine ganz wesentlich erhöhte Bedeutung 
verleiht, die sich auch nach der kritischen Seite einer Dichterausgabe ersten 
Ranges erhebt. So ist Alles geschehen, um ein des Dichters würdiges 
Prachtwerk herzustellen, das eine Zierde jeder Familienbibliothek bilden wird. 
Mrandenburgs Amfang öeim Tode des große» Kurfürsten. Der 
Ruhm des großen Kurfürsten und das königliche Auftreten seines Sohnes 
haben oft schon Irrthümer über die Größe des brandenburgischen Staates 
verursacht, der so schwere Kriegszeiten ertragen und doch hinterher zu der 
Bedeutung eines selbstständigen Königreiches gelangen konnte. Nach den 
besten Quellen betrug der Umfang des brandenburgischen Staates bei dem 
Regierungsantritt Friedrich Wilhelms 1482 Quadratmeilen und nach 
Abzug von Ravenstein (8 Q.-M) noch 1474 Quadratmeilen. Dazu erwarb 
Friedrich Wilhelm Cammin, Minden, Lauenburg, Bütow, Halberstadt,
	        
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