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Periodical volume 11. Juli 1885, Nr. 41

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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Heinrich Mente zu Braunschweig (1508 Tangermünde). Hervor 
ragend von den Broncegüssen des XVI. Jahrhunderts ist die Taufe 
der Marienkirche in Salzwedel, als deren Verfertiger ein Hans von 
Köln zu Nürnberg genannt wird. — Die ältesten inschristlich 
datirten Glocken reichen bis in das XIII. Jahrhundert zurück ! 
(St. Katharina zu Brandenburg 1287). Der Schmuck der Glocken 
besteht in Inschriften, Ornamenten und figürlichen Darstellungen, 
später aus lateinischen Reimen, Bibelsprüchen und Versen, von ! 
denen auch besonders zu diesem Zweck gedichtete vorkommen. Den 
Glocken folgen die Grabplatten aus Stein, aus Thon (Branden 
burg. Frankfurt, Mohrin) und aus Bronce; unter Letzteren das 
des Bischofs Johannes von Deher (ff1455) im Dome zu Fürsten 
walde und das früher in Lehnin befindliche Vischer'sche Grabmal 
Johann Ciceros (jetzt im Dome zu Berlin). Den Beschluß dieses 
Kapitels bilden Nachrichten über Epitaphien, Grabdenkmäler 
und Särge. 
Was in zwölf Zeilen über die Rathhäuser gesagt wird, ist 
bei der Bedeutung ihrer Anlage für die bauliche Entwickelung der 
Städte etwas dürstig und steht nicht im rechten Verhältniß zu der 
umfangreicheren Behandlung des Bauernhauses der Mark, das 
im ganzen doch keine so große Rolle in diesem Inventar spielen 
kann; auch die Entwickelung des städtischen Wohnhauses wird 
eingehender berücksichtigt und dabei Schinkels Einfluß auf eine 
organische Gestaltung und auf die Verwendung echten Materials 
hervorgehoben. In der Zusammenstellung der Adelsitze und 
Schlösser ist dafür, daß die Burg Friedrichs II. als eine Zwing 
burg gegen Berlin und Cöln aufgeführt worden, als Quelle ein 
Buch von Fr. Kl öden (Andreas Schlüter) angeführt, während 
das Sachverhältniß aus Riedel wohl auch zu ersehen wäre, wenn 
überhaupt hier dieser Umstand von Wichtigkeit ist. Ebenso wird 
Kl öden als Bürge dafür angegeben, daß Friedrich I. das Schloß 
seit 1698 durch Schlüter habe umbauen lassen. Von dem Schlosse 
Sanssouci wird gesagt, daß es von Friedrich II. „nach eigenem 
Entwurf" erbaut worden; es mußte wohl heißen „nach eigener 
Idee", denn der Antheil Dietrichs und der vom Könige selbst (in 
dem Eloge de Knobelsdorff) zugestandene Knobelsdorffs, sowie 
derjenige Boumanns überwiegen doch bei weitem die wenigen 
Striche, die der alte Fritz als erste Skizze auf einen Streifen 
Papier geworfen. Im Einzelnen ist sicher Vieles an dem ! 
Schlöffe ganz nach seinen Bestimmungen gemacht; ihn aber 
dafür selbständig als den Architekten von Sanssouci hinzu- 
stellen, möchte man doch an dieser Stelle nicht vertreten. Ist aber ! 
schon gesagt worden, daß das Inventar als solches unter allen ! 
Umständen für den Verfasser die Hauptaufgabe bleiben mußte, so ! 
muß doch auch Werth darauf gelegt werden, daß ein Werk, das 
seinerseits als Quelle angesehen wird, auch in weniger wichtigen 
Dingen durchaus korrekt bleibt. Die Untersuchung über jene Autor- 
schalt ist freilich noch lange nicht abgeschlossen, wenn aber in | 
diesem Werke eine solche Behauptung ausgestellt werden soll, 
müffen auch die Beweisstellen beigefügt werden. Völlig exakte 
Studien aber darüber, wie über so viele wichtige kunsthistorische 
Punkte liegen zur Zeit nicht vor, so daß dem Herausgeber auf 
Schritt und Tritt Verlegenheiten jeder Art erwachsen mußten. 
Der Ausschluß der Denkmäler rc. der Stadt Berlin trägt vor 
allem Vieles dazu bei. Bei den Gemälden wird die Thätigkeit 
des Willem von Honthorst am Hose zu Berlin berichtet und nach 
den alten Verzeichnissen des Hosmarschallamtes angegeben, daß auch 
im Jahre 1698 im Schlosse zu Potsdam 352, zu Köpenick 92, 
Oranienburg 353, Charlottenburg 245 Gemälde vorhanden waren. 
— Bei den Wehrbauten sind die Befestigungen von Spandau 
besonderer Aufmerksamkeit gewürdigt worden und als Bau 
meister Chiaramelle, Peter Niuron und Rochus zu Lynar 
genannt. (Christoph Römer wäre wohl hinzuzufügen.) Für 
die Rolandsäulen nimmt Bergau die Erklärung von Zöpfl 
auf, wonach der Name auf König Otto II. (Rutilus) zurück 
zuführen wäre. (Otto II., der Rothe, Sohn Otto des Großen, 
starb 983.) Der Charakter einer Gerichts st ätte, den sie alle 
haben, wird dadurch nicht berührt; doch mag die Bedeutung des 
Namens noch eine offene Frage sein, da derartige Standsäulen 
gewiß noch weiter wie in das X. Jahrhundert zurückgehen und 
mit den slavischen Swantewitbildern (Kopf nach vier Seiten 
als Sinnbild der alles schauenden Sonne) vielleicht noch zusammen 
hängen. Uebrigens finden sich — was hier beigefügt sein mag — 
auch außerhalb der angegebenen Grenzen Rolandsäulen, so z. B. 
vor dem Rathhause zu Ragusa in Dalmatien, aus einer Zeit aller 
dings, da dort Kaiser Sigismund die Oberhoheit hatte. 
Das letzte Kapitel der Bergauschen Uebersicht über die Kunst 
geschichte der Provinz Brandenburg gilt den neben den Grabmälern 
vorkommenden Ehrendenkmälern. Als das älteste wird die 
Reiterstatue des großen Kurfürsten auf der Langen Brücke an 
gegeben; es ist dies insofem richtig, als es das älteste unter den 
in Berlin vorhandenen Ehrenmälern ist; vor jenem Reiterstandbild 
ist durch Schlüter die Statue Friedrichs des Dritten ge 
schaffen worden, die 1728 auf dem Molkenmarkte stand und nach 
mannigfachen Schicksalen schließlich zum alten Eisen in das Arsenal 
und nach Spandau gerieth. Heute steht dieselbe in Königsberg. 
(In den durch Alfieri im „Bär" veröffentlichten Briefen des Doktor 
Klose von 1731 ist dieselbe ebenfalls erwähnt.) — Die Aufzählung 
der Ehrendenkmäler ist bis auf die neueste Zeit mit Strack's 
Siegessäule auf dem Königsplatze und Stier's Denkmale auf 
dem Marienberge bei Brandenburg ausgedehnt. 
Hiermit schließen die Abhandlungen, die von Rektor Schill- 
mann und Proseffor Bergau dem eigentlichen Inventar vorauf 
gesandt worden sind. Im Folgenden geben wir noch einige Mit 
theilungen über dieKunstgegenstände selbst, über ihre Aufnahme, ebenso 
über ihre Reproduktionsart und Beschreibung. (Schluß folgt.) 
Misrellen. 
Minister Ariedrich von Ancillon. (Mit Portrait.) Johann Peter 
Frievrich Ancillon, Sohn des Predigers Ludwig Friedrich Ancillon, 
ist am 30. April 1767 in Berlin geboren. Er üudirte in Genf Theologie, 
wurde 1790 Prediger der Französischen Werderschen Kirche und bald 
nachher Professor der Geschichte an der Militärakademie. Im August 1810 
fiel auf ihn die Wahl als Erzieher des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.), 
er trat 1814 unter Hardenberg in das Ministerium des Aeußeren und ward 
1832 gelbst Minister des Aeußeren. In Folge seines Werkes „Tableau des 
revolutions du Systeme Politique de l’Europe depuis le XV. siede“ 
wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und königlicher 
Historiograph. Eine seiner ersten Schriften führt den Titel: „Sermons 
pour l’amour de la patrie“ (1793). — Er starb am 19. April 1837 
kinderlos in Berlin. Wiewohl als Politiker einer der Verfechter der 
unabhängigen Monarchie, entwickelte er in seinen Schriften einen edlen, 
milden und versöhnlichen Geist. Sehr geschätzt sind seine Schriften: 
„Souveränetät und Staatsverfassung" (1816), „Essais philosophiques“ 
(1817), „Staatswiffenschaft" (1818), „Zur Vermittelung der Extreme der 
Meinungen" (1838), „Pensees sur i’homme“ (1829). — Er war im 
ganzen ein geistvoller, gemüthvoller Mann, der lieber Prediger geblieben 
wäre, und oft genug bedauerte, in die staatsmännische Laufbahn sich haben 
hineinziehen zu laflen. 
K. von Polin-Dotleller ff. Am 29. Juni starb inmitten feiner 
erst vor wenigen Jahren übernommenen ehrenvollen Thätigkeit, der 
Konservator der Kunstdenkmäler in Preußen, Professor und Geheimer 
Regierungsrath Heinrich von Dehn-Rotfelser. Der Verewigte, ein 
Nachkomme des berühmten kursächsischen Baumeisters Hans von Dehn- 
Rotfelser in Dresden, war 1824 geboren und trat Ende der vierziger 
Jahre in den kurhessischen Staatsdienst. Als nach dem Tode des im 
März 1877 verstorbenen Konservators von Quast, welcher Jahrzehnte 
lang sich mit einer Organisation der Erhaltung der Denkmäler abgemüht 
hatte, die Nothwendigkeit sich herausstellte, für jene so wichtige Aufgabe
        
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