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Periodical volume 11. Juli 1885, Nr. 41

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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nicht von „&olne" oder sonst einem wendischen Worte abzuleiten 
ist, sondern von Köln am Rhein, das in den gleichzeitigen 
Chroniken Kollne oder Cöllne heißt. Der Beschreibung des Landes 
folgt eine Würdigung der einzelnen Städte und ihrer Bedeutung, 
dann behandeln die folgenden Abschnitte in ebenso vortrefflicher 
Weise die Erweiterungen der Mark durch Albrechts Nachfolger 
um Ruppin, Teltow und Barnim, Teupitz, Zossen, Lebus u. s. w. 
Hier sind überall die besten Quellen benutzt und von dem Ver 
fasser eigene Forschungen und Bemerkungen beigefügt, die beson 
ders die Geschichte der Niederlausitz betreffen. Die Kämpfe der 
ersten Zeiten, die wechselreichen Besitzverhältnisie der Mark, die 
späteren Kriege und die Religionszwistigkeiten sind der Entwicke 
lung der Kunst nicht günstig gewesen; der Kraft des Hohenzollcrn- 
stammes ist es zu danken, daß vom Hose aus zu allen Zeiten An 
regungen für Kunst und Wissenschaft ausgegangen sind. Schill- 
manns Arbeit hat das große Verdienst, durch gute Darstellung 
für den historischen Stoff zu erwärmen und den Leser bei diesem 
Thema zu fesseln. 
Die nun folgende Uebersicht über die Kunstgeschichte der 
Provinz Brandenburg von Professor Bergau bemerkt in der 
Einleitung mit Recht, daß über den Besitz der Mark an Kunst 
werken seit mehr wie 50 Jahren durchaus irrige Ansichten ver 
breitet sind. Professor Johann Dorninicus Fiorillo, Aufseher der 
Gemäldesammlung in Göttingen, war der erste, der 1804 sich an 
eine Bearbeitung der Denkmäler der Mark Brandenburg heran 
machte und eine Reihe werthvoller Bemerkungen darüber in dem 
zweiten Bande seiner „Geschichte der zeichnenden Künste in Deutsch 
land" veröffentlichte; ihm folgte Karl Seidel, der den Werth 
der heimischen Denkmäler erkannte, selbst aber nur wenig darüber 
publizirte*). In den Jahren 1822—1830 bereiste Minutoli die 
Mark, zeichnete einen großen Theil jetzt nicht mehr vorhandener 
Denkmäler und ließ auch die erste Lieferung eines größeren, von 
ihm geplanten Werkes bald nachher erscheinen, das über werthvolle 
Skulpturen, Backfteinbauten und Erzarbeiten Abbildungen brachte. 
Franz Kugler, Strack und Meyerheim, Essenwein, j 
Schnaase und Otte haben nachher dieselben Pfade betreten und j 
das Material über die alten Kunstreste beträchtlich erweitert. Die | 
größte Aufmerksamkeit aber widmete den theuren, früher so wenig 
geachteten Kunstwerken der 1877 verstorbene Konservator Ferdi- 
nand von Quast in seiner „Charakteristik des Ziegelbaues der 
Mark Brandenburg" (1850) und in seinen „Denkmälern der Bau 
kunst in Preußen" (1852). Im VII. Bande des Correspondenz- 
blattes der deutschen Geschichtsvereine gab er eine ziemlich um- ! 
fastende Uebersicht über die noch vorhandenen Denkmäler. Neben 
Adler's architektonischen Untersuchungen sind als belebend für das 
allgemeine Jntereffe die Aufsätze und schriftstellerischen Arbeiten 
Fontane und Schwebe! noch erwähnt. Professor Bergau be 
schließt seine Einleitung mit der Bemerkung, daß eine zuverlässige 
und systematische wirkliche Kunstgeschichte der Provinz Brandenburg 
bei der Unvollständigkeit des Materials und der Quellen eine Un- 
Möglichkeit sei, weil vieles zerstört und ebenso vieles von außerhalb 
eingeführt worden. Das Buch beansprucht daher nicht, eine kri 
tische Untersuchung der einzelnen Gegenstände zu liefern, sondern 
zunächst ein möglichst reichhaltiges Material für bisher 
noch fehlende Studien in dieser Richtung zu bieten. Es ist 
das ein Satz, der vielen Einwänden die Spitze abbrechen muß, 
die sich auf die historische Beglaubigung einzelner Gegenstände, 
sowie auf die kunsthistorische Bedeutung derselben beziehen. Das 
Inventar soll also der Hauptsache nach ein Sammelwerk sein, 
bei besten Benutzung der Kunstfreund nicht Alles ohne Weiteres 
übernehmen, sondern selbst noch lichten und sichten und prüfen soll. 
*) Er schrieb u. 31.: „Die schönen Künste in Berlin" (1828) und 
„Miscellaneen zur vaterländischen Kunstgeschichte" (1828). 
j soweit Ergänzungen der bisher bekannten Angaben sich finden lasten, 
j Das Buch fordert also im gewissen Sinne alle Freunde der vater 
ländischen Kunst und Geschichte aus, an einer Vervollständigung 
des sachlichen, historischen und kritischen Materials mitzuwirken, 
wozu bei der Ausdehnung der Aufnahme auf Bauten und Gegen- 
j stände jeder Art und aller Zeiten, selbst bis in das laufende Jahr 
hundert hinein sich sicher vielfach Gelegenheit bieten wird. 
Bevor nun die Aufzählung und Beschreibung der Denkmäler 
selbst beginnt, sendet Profestor Bergau noch einige vorhistorische 
' Betrachtungen, sowie kurze Angaben über das Baumaterial 
voraus, aus denen der bedeutende Einfluß des Vorhandenseins 
von Ziegelstein oder Sandstein auf ganze Striche hervorgeht. 
Unter den kirchlichen Bauwerken werden zuerst diejenigen 
j aus Granitquadern, als die ältesten, behandelt und — nach Adler — 
die Bauten zu Leitzkau, Loburg, Burg, Salzwedel und Arneburg 
i genannt. Die Plandisposition der kleineren Backsteinkirchen ist eine 
! sehr einfache. Bei Anwendung eines größeren Schemas tritt die 
dreischiffige Basilika immer mehr in den Vordergrund. Nach Auf- 
! zählung der ältesten Kirchen auf dem linken Ufer der Elbe (Diesdorf, 
Schönhausen, Werben), wird die Klosterkirche zu Jerichow 
aus dem Jahre 1149 bis 1159 erwähnt; die also ebenfalls nach 
Adler datirt wird. Man sieht daraus, daß das Werk zu Anfang 
dieses Jahres schon zu weit vorgeschritten war, als daß die im 
„Centralbl. d. Bauv." erfolgte Auseinandersetzung des Profestors 
Adler mit Professor Karl Schäfer, der der Kirche ein geringeres 
Alter zuweist, noch in Rücksicht gezogen werden konnte. Gerade 
das Alter der Kirche von Jerichow aber ist so wichtig, daß man 
in einem Nachtrage vielleicht noch die Hoffnung haben möchte, in 
einer solchen Streitftage Bergaus Ansicht zu vernehmen. 
Die anschließende Entwickelung des Kirchenbaues in der Mark 
bis in die neueste Zeit hinein ist sehr interestant, sie geht bis zur 
Periode Carl Friedrich Schinkels, dessen Verdienste um den evan 
gelischen Kirchenbau rühmlich anerkannt werden, während auch die 
Thätigkeit Friedrich Wilhelms IV. und sein Einfluß auf die künst 
lerische Durchbildung der unter ihm errichteten Bauwerke zu voller 
Geltung gelangen. Bei dem Kapitel der „Deeoration der Kirchen" 
werden die Kapitelle in der Krypta des Domes zu Branden 
burg erwähnt, die schon 1235 in Magdeburg gearbeitet sein 
sollen. Bei solchen Beispielen schon liegt die Frage nicht ganz 
fern, wo die Grenze für den Zweck des Werkes zu suchen sei. 
Das ist sicher schwer zu sagen. Die Kapitelle der Krypta gehören 
aber dahin, weil sie nun einmal in Brandenburg sind und weil 
sie ganz bestimmt, wenn auch von auswärtiger Arbeit, doch ihrer 
seits wiederum von Einfluß auf einheimische Kunstbildungen ge 
worden sind. Es handelt sich aber — das muß man immer 
wieder festhalten — nicht um eine kritische Kunstgeschichte, deren 
Abfassung mehrere Jahrzehnte erfordert haben würde, sondern um 
eine Sammlung Alles dessen, was noch vorhanden und was 
einigermaßen wenigstens auf irgend eine Bedeutung Anspruch er 
heben kann. Von diesem Gesichtspunkt aus folgen reichhaltige 
weitere Mittheilungen über die Sculpturen der Kirchen, über Mo 
saiken, Glasmalerei, Wandmalerei und Arbeiten aus Schmiede 
eisen, denen sich für die Ausstattung die Altäre, Taufbecken, Kan 
zeln, Gestühle und Geräthe anschließen. Nicht unbedeutend sind 
die Reste des Bronzegustes; es werden allein auf den Becken 
namentlich noch folgende Meister des XIV. und XV. Jahr 
hunderts aufgezählt: Meister Arnold 1376 (Frankfurt); Johannes 
Justus 1376 (Angermünde); Ludwig, Gropengheter aus Braun 
schweig 1434 (Salzwedel); Hinrik von Magdeburg (1434 
St. Petri in Berlin); Titrich Molner aus Erphort (1440 
St. Katharina zu Brandenburg); Volcker von Mundt (1446 
Osterburg); Hans Vamenaus 1449 (Neuruppin); Hannen Bornstede 
1475 (Perleberg und Werben); Heinrick, Grawere von Braun 
schweig 1483 (Lenzen); Nicolaus von Helmstedt (1489 Werben);
        
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