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Periodical volume 11. Juli 1885, Nr. 41

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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Die Denkmäler der Provinz Srandenbnrg. 
Von Professor Bergau's großem Werke über die Denkmäler 
der Provinz Brandenburg liegen uns jetzt nach sechsjähriger an 
gestrengter Arbeit die zwanzig ersten Aushängebogen vor, die in 
alphabetischer Reihenfolge die Orte Amtietz bis Falckenhagen be 
reits umfassen. Das Werk wird hiernach im ganzen auf etwa 
tausend Seiten anwachsen und damit alle ähnlichen in anderen 
Provinzen vorgenommenen Aufnahmen übertreffen. In dem Buche 
von A. Wussow „Die Erhaltung der Denkmäler", das im vori 
gen Jahre im Aufträge des Kultusministeriums veröffentlicht wurde, 
ist bereits nachgewiesen, daß von allen preußischen Provinzen bis 
her Brandenburg für die Inventarisation und Pflege seiner Denk 
mäler die bedeutendsten Beträge bewilligt hat. Es ist das ein 
hochersreulicher Beweis für die Zunahme historischen Sinnes in 
der Stammprovinz des neuen Deutschen Kaiserthums, welcher man 
früher kaum zuge 
stehen wollte, daß 
sie in kunsthistorischer 
Hinsicht irgend einen 
Anspruch erheben 
dürfe. Und doch! 
ein wie anderes Bild 
gewinnt man beim 
Durchblättern dieser 
mit werthvollen Ab 
bildungen geschmück 
ten Bogen, die Seite 
bei Seite uns einen 
Blick in die Schatz 
kammer heimischer 
Kunstgegenstände 
werfen lassen. Mit 
den sechszigtausend 
Mark, die die Pro 
vinz auf den kost 
baren Band hat 
verwenden müssen, 
um in jahrelanger 
mühseliger Arbeit 
Zeichner und Forscher 
alle Gegenden durch 
streifen zu lasten, um 
dann nach ihren Aus 
nahmen Alles einem 
bestimmten Systeme 
einordnen zu können, jene Summe steht wahrlich in keinem Verhält 
niß zu der Freude an der Vergangenheit, zu der, hierdurch neue 
Nahrung erhaltenden Neigung zur Pflege der Ueberreste einer ehren 
vollen Vergangenheit. Ueber fünfhundert Abbildungen von Kirchen, 
Rathhäusern, Burgen, Städten, Thoren, Figuren, Altären, Kelchen 
und Geräthen, Bildern, Gewändern und Schnitzereien liefern den 
schlagenden Beweis, daß es wohl einmal lohnt, zu sehen, warum 
das Alles so lange Zeit hindurch wenig beachtet wurde und woher 
die ersten Anregungen ausgingen, in einer Zeit, da Pergamon 
und Olympia dem Ruhmeskranze des deutschen Reiches eingeflochten 
wurden, die Provinz Brandenburg zu dem einigen Schutz des 
Erbes der Väter anzuspornen. 
Gar Manches erklärt sich schon aus der territorialen 
Entwickelung der Provinz, die zum befferen Verständniß der 
späteren Erscheinungen in dem Kunstleben der Mark von Rektor 
Rich. Schillmann, dem Autor der Geschichte der Stadt 
Brandenburg, der eigentlichen Ausgabe vorausgesandt wurde. 
Zur Zeit der aufgehenden Macht des alten deutschen Reiches 
zum Schutze gegen die Slaven gegründet, wird die Mark Branden 
burg durch den Gegenstoß dieses tapferen Stammes nahezu um 
die Hälfte ihres Gebietes verringert und behauptet sich während 
des Sinkens der Kaiserlichen Macht mit Mühe im Westen der 
Elbe, ohne ihre eigentliche Aufgabe erfüllen zu können. Albrecht 
der Bär und seine Nachfolger betrieben mit Erfolg die Vorschie 
bung ihrer Grenzen nach Osten und damit die allmählige Mischung 
wendischen und sächsischen Blutes, das noch bis heute der nord 
deutschen Bevölkerung ein bestimmtes Gepräge verliehen hat. Nach 
traurigen Zeiten des Verfalles war es der Stamm der Hohen- 
zollern dann, unter dem sich die alte Macht der Mark wieder 
bewährte und sie der Wissenschaft und den Künsten zu gewinnen 
vermochte. Schillmann beschreibt auf wenigen Bogen in fesselnder 
Weise eingehender die Gründung der Mark unter Heinrich I. und 
beschäftigt sich mit 
dem Namen der 
Stadt Branden 
burg (Brennaburg), 
der schon bei Widu- 
kind von Corvey und 
Thietmar von Merse 
burg vorkommt. In 
einer Stiftsurkunde 
von 949 yeißt die 
Stadt „ Brendan- 
burg". 
In der Folge 
sehen wir Otto's 
Versuche, die Wen 
den dauernd für das 
Reich zu gewinnen; 
die Herrschaft ihrer 
Fürsten ward besei 
tigt. das Land in den 
Burgen mit Deut 
schen besetzt, deutsche 
Kolonisten herange 
zogen und an die 
Spitze ein Mark 
graf gestellt, der 
nur von dem Kaiser 
abhing. Ein fast noch 
wichtigerer Faktor 
war die Christiani- 
sirung des Landes nach Schaffung der Bisthümer Havelberg 
(949) und Brandenburg (946). — Die weitere Geschichte stellt 
klar, wie nach dem Uebersall von Havelberg und Branden 
burg (983) die Mark in Folge der italienischen Züge als Besitz 
thum vernachlässigt wurde, ehe Lothar die Mark an Albrecht 
den Bären vergab, dem die Wiederherstellung derselben zu danken 
ist. In diesem Abschnitt findet sich eine vortreffliche Schilderung 
der Bestrebungen zur Einführung des Christenthums in dem eroberten 
Strich und ebenso der heißen Kämpfe der abgöttischen Wenden gegen 
dasselbe. Die Gestalten des P r ib is la v, des Gemahls der Petriffa, 
des Bischofs Wigger, des Jaczko von Köpenick und Albrechts 
ragen in der Darstellung hervor. Sehr sorgsam ist die Untersuchung 
der Frage nach dem Umfange der Mark zur Zeit Albrechts und 
die Darstellung der gleichzeitigen Colonisationsversuche. Die 
zahlreichen deutschen in den hiesigen Gegenden vorkommenden 
Namen Thalheim (Dalem), Richardsdorf (Rixdorf), Mariendorf, 
Lichtenrade u. s. w. veranlassen Schillmann zu der sehr be- 
merkenswerthen Conjektur, daß auch Köln a. d. Spree vielleicht 
Kirchenstuhl in Zt. Marien zu Ärrnan. 
(Probe-Illustration aus R. Bergau's Werk „Das Inventar der Kunstdenkmäler 
der Provinz Brandenburg".)
        
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