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Volume 4. Juli 1885, Nr. 40

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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Fischcrgebrmiche. 
Unter den zwölf Monaten des Jahres ist der August der 
jenige, in welchem das Glück am öftesten in Wettkämpfen zu 
Wasser und zu Lande versucht wird. In London findet am ersten 
August Wettrudern statt, in Hamburg im selben Monat Wasser- 
wettfahrten des „Allgemeinen Alsterklubs", an den Vorhöhen des 
Odenwaldes der Holzäpfeltanz und im Schwarzwalde im Städtchen 
Hornberg der Hammeltanz, — in Ulm, Augsburg, Donauwörth, 
Regensburg, Leipzig und Halle aber wurden und werden noch 
heutigen Tags zuweilen sogenannte Fischerstechen veranstaltet. 
In den „Württembergischen Jahrbüchern" von 1832 heißt es im 
ersten Heft, Seite 22 ff.: „Am 13. August wurde in Ulm ein 
ihnen ein Gedenkstück an ihren Hauptspeer und läßt den gefüllten 
Becher unter ihnen herumgehen. An der Donau angekommen, ver 
suchen zuerst die lustigen Masken auf ihren Kähnen den Kampf, 
wobei nach alter Gewohnheit in dem ersten Gang des Bauers 
und der Bäuerin der erstere besiegt und ins Waffer geworfen wird, 
beim zweiten Gang aber der Bäuerin das gleiche Loos widerfährt. 
Bei den übrigen Streitenden gilt es in der That stehen zu bleiben 
und den Gegner in das Wasser zu werfen. Den eigentlichen Sieg, 
mit allen Kämpfern mehrere Male zu stechen und von keinem 
überwunden zu werden, errang diesmal Keiner. Das herrlichste 
Wetter begünstigte dieses heitere Volksfest; die ungeheure Menge 
Dir Krypta des Domes zu Srandrntmrg. 
Probedruck aus Bergaus Inventarisation der Denkmäler der Mark. 
„Fischerstechen" gefeiert. Zu dm uralten Gebräuchen der Fischer- von Zuschauern an den beiden Ufern der Donau und der terraffen- 
zunit in Ulm, die sich auch jetzt noch durch Festhalten an alter- förmigen Anhöhe auf der Württembergischen Anhöhe (es mochten 
thümlichen Einrichtungen und Gebräuchen, durch die genauere Ver- ! Wohl acht- bis zehntausend sein) gewährte einen höchst erfreulichen 
bindung ihrer Mitglieder auszeichnet, gehört auch dieses Fischer- und malerischen Anblick." — Einer längeren Schilderung des 
stechen, welches zur Zeit der Reichsstadt alle zwei Jahre in der Schifferstechens zu Ulm in A. F. Reimann's „Deutschen Volks- 
Woche nach dem „Schwörtage" abgehalten wurde. Sechsund- festen" (S. 372 ff.) entnehmen wir: „Von weißgekleideten Ruderern 
zwanzig junge Schiffleute ließen sich diesmal zum Stechen ein- nach Leibeskräften getrieben, stoßen die Kähne, welche die feind 
schreiben. Sie ziehen zu zwei und zwei in Charakterkleidungen lichen Kämpfer tragen, gleichzeitig vom entgegengesetzten Ufer. Der 
mit Speeren bewaffnet unter Trommelschlag und Musik durch die Hauptvortheil ist Schnelligkeit und Stetigkeit im Rudern; das 
Stadt; voran die lustigen und seit uralten Zeiten stehenden Masken Boot darf so wenig als möglich schwanken, denn die Gegner stehen 
des Bauers und der Bäuerin, die Harlekins mit der Schellenkappe auf dem äußersten, nur einen Fuß breiten Hintertheile. Wenn sie 
u. s. w. Auf sie folgen die ernsteren Anzüge, ganz weißgekleidete sich einander nähern, erheben sie langsam die Waffm (lange 
Fischer (Weißfischer genannt), dann Masken im Geiste der neueren hölzerne Speere) und stoßen sich auf die linke Brust; dann muß der 
Zeit. Den Zug schließen eine Anzahl Mädchen in weißer Klei- Speer schnell zurückgezogen werden, weil nicht nur der Stoß des 
düng. Vor den Häusern von Bekannten hält der Zug, man hängt Gegners, sondem auch der Gegendruck des eigenen Stoßes aus
	        
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