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Volume 13. Juni 1885, Nr. 37

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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Serliner Äriefe vom Jahre 1731. 
Mitgetheilt von I. JlCfirri. (Forts.) 
Item drey silberne Becher, deren einen der König in Pohlen 
Friedr. Augustus der starcke zusammen gerollet und den ander» 
mit der Hand völlig zusammengedrückt, den dritten zu Warschau 
mit Pfeilen durchschoßen. In dem letztem Zimmer ist unter andern 
vielen Kavitäten ein künstlich fabricirtes Bergwerk mit vielerlei) 
Stuffen von Ertz. Item 2 Steine darinnen gediegenes Gold einge 
wachsen. Item ein Strauß sehr schöne außgcstopset. Item ein 
Crocodill, nebst dem 
Ey, darinnen das 
unge stecket. Item 
ein Casuariul. Item 
Agat- und andre 
Steine, worinnen sich 
Köpfe, Insecten und 
andere Figuren re- 
praesentiren. Item 
Allerhand Thiere in 
8piritu Vini. Item 
ein Teller von einem 
Hütte, der einem 
Soldaten, als er zu 
Franekfurt vor des 
Oberst Künemans 
Hause Schildwache 
gestanden, durch 
einen Blitz - Strahl 
ohne Verletzung sei 
ner Gesundheit auf 
seinem Kopfe recht 
mathematisch rund 
abgelöset worden. 
Der 17. Martii 
War ein höchst fata 
ler Tag vor mich. 
Man sagte mir, der 
König Wäre in Pots 
dam, dahero ging 
ich gantz getrost über 
den Parade Platz. 
Diese Sage war aber 
nicht wahr: denn 
der König kam mit 
seiner 8uite gantz 
unversehens auf mich 
zu. Gleich da ich den 
ersten Schritt that 
außzuweichcn und 
rechts umb zu machen, 
kam einOflieier vom 
Olasenappschen Re 
giment aufs mich zu, mit dem Andeuten, der König wolle mit mir 
sprechen. Mir war Angst und Bange, daß ich alß ein kleiner Pix auf 
Frantzösische Art gekleidet, die an diesein Hofe anjetzo verhaßt ist, 
vor so vielen Riesen, die des Königs 8uite außmachte, erscheinen 
solle. „Ich sehe er ist ein Frembder," sprach der König; „was 
ist er vor ein Lands-Man?" „Ihre Maj., ich bin auß Breslau 
gebürtig." „Wer ist sein Vater?" „Einer von den untersten 
Rath-Männern alldar und hat dem hochseeligen Könige in Preussen 
unter den Waffen gegen 2 Jahr gedienet, hat auch von dem 
General Natzmer, unter deßen Compagnie er gestanden, annoch 
feinen Abschied auffzuweisen." — „Hat er studiret?" — „Ja, ich 
habe 3 Jahr in Franekfurt Jura studiret, und vor wenig Wochen 
dlspudiret." — „Also ist er ein doetor Juris?" — „Nein, Jhro 
Maj., sondern ich werde erst, wann ich von Reisen komme, in 
Franekfurt pro gradu disputiren." — Wie heißt et?" — „Klose 
ist mein Nahme." — „Sind viel Schlesier alda?" — Sehr viel 
nach Proportion des dasigen Numeri, indem allein gegen 40 Schle 
sische Edelleute da sind, unter andern Graf Carl von Schönaich." 
— „Das ist mir be 
kannt. Wo logiret 
er?" — „Ich logire 
im Lager-Hause bey 
meinem Vetter Ban 
ge." — „Lebt Ro 
senberg noch?" — 
„Ja, Jhro Maj. 
Es läßt sich starck 
zur Beßerung an, 
wie mir mein Vetter 
heute früh gesaget 
hat." — „Nu, das 
ist mir lieb. Wo 
wil er zuerst hin 
gehen?" — „Nach 
Holland." — „Da 
thut er wohl: So 
grüße er mir die 
Käse Krämer." — 
O wie gerne machte 
ich meine Verbeu 
gung und danckte 
dem Himmel, daß 
dieses Examen ein 
Ende hatte, indem 
mich die Generals 
und Officiers von 
unten biß oben hin 
auf betrachteten und 
umb den König 
mit einer ernsthaften 
Mine wie eine Mauer 
stille stunden. Es 
war aber der H. von 
Rosenberg, nach dem 
der König fragte, 
Director vom Lager- 
Hause und lag dah- 
mals tödlich kranck, 
stund auch bey dem 
König, wie mein 
Vetter mich ver 
sicherte, in gantz besondern Gnaden. 
Kein Comoedien Hauß, kein Opern Hauß, keine König!. 
Kapelle von Virtuosen und anderen Sänger und Sängerinnen, 
keinen Redouten - Saal findet man alhier. Noch weniger sind 
prächtige Lust- und Zier-Gärten, oder auch wilde Thiere, wie an 
andern Höfen alhier anzutreffen. Der König ist allein vor die 
Jagd eingenommen, besonders vor die parforce-Jagd. Die Bauern 
stellen deßwegen viele Klage-Lieder an, indem das Wild Ihnen an 
Äckern und Wiesen unsäglichen Schaden zufüget, absonderlich das 
Schwartz-Wild: dem ohnerachtet darff kein Thier, wo es geheget 
wird, bei Straffe des Festungs-Bau getödtet werden. Man schätzet 
Erscheinung 
weißen Frau im Schlosse 
und ihre merkwürdige Prophezeihung 
kn der Nacht zwischen dem tzi. März und dem I. April dieses Jahres 
mitgetheilt von einem MuSquetier 
der tu jener Nacht die Wache auf dem Schlosse hatte. 
Berlin, » 7 9 9« 
Bit weiße Frau im Jahre 1799.
	        
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