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Periodical volume 13. Juni 1885, Nr. 37

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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sohnes, floh ich voll Entsetzen, denn nicht in diesem meinte ' 
ich mein Ideal zu finden-" 
Nach einer Pause sprach sie leise und wie beschämt weiter: 
„In vollem Glauben an mein gutes Recht, enttäuscht, ver 
letzt, wandte ich mich ab und wies jede Gemeinschaft mit dem 
Gegenstand meiner Schwärmerei von mir. Allein die Ideale 
sind stärker, als wir Menschen. Da es sich nun nicht mehr 
beglückend zu ihr nieder neigte, da hungerte und durstete die 
arme Seele nach ihm wie zuvor- Einsam im fremden Leben 
stand sie da — unfähig sich zurechtzufinden in der Fülle 
der Erscheinungen ohne ihn, der das Dunkel ihr gelichtet, 
der sie durch äußere und innere Wirrnisse sicher hindurch 
geleitet hatte. Jetzt erschien ihr Alles fehlerhaft und unvoll 
kommen ; sie sah die Sonne vor Flecken nicht mehr; die Welt 
entgötterte sich ihr gänzlich. Eine feindselige Stimmung gegen 
diese Welt ergriff sie, vor Allem aber ward sie ihrer selber 
überdrüssig, ja sie haßte sich, denn sie erkannte klar, wie 
thöricht und selbstsüchtig sie gehandelt, und daß sie der un- 
wichtigen Aeußerlichkeiten wegen, den Einzigen von sich ge 
stoßen, der wirklich groß und rein und gut war und der 
darum doch das wahre Ideal ihres Herzens blieb." 
Immer leiser hatte Edith gesprochen, den Blick in das 
Weite gerichtet, als beichte sie dem Ewigen selbst ihr ge 
heimstes Fühlen. Jetzt hob ein tiefer Seufzer ihre Brust. 
Der Blaun da vor ihr aber wagte kaum zu athmen, als 
fürchte er, die geringste Bewegung schon könne den Zauber 
stören, der ihn umfangen hielt. Daruin preßte er die Lippen 
nicht auf die schlanken Hände, die da gefaltet vor ihm lagen, 
sondern blickte nur still, ganz still in das klare schöne Antlitz 
seiner einstigen Verlobten. 
„So irrte ich durch die öden Jahre," fuhr diese lang 
sam und feierlich fort, „und that Buße. Jene Zeugnisse eines 
unaussprechlichen Glückes aber, Ihre Briefe, waren mir ge 
blieben, und an ihnen richtete meine im Finstern tappende 
Seele sich wieder empor. Sie lehrten mich, das Unvergängliche 
im vergänglichen Treiben des Tages zu suchen und an dem 
Ewigen festzuhalten, trotzdem meine trüben Augen es oft nicht 
zu erkennen vermochten!" 
Abermals hielt Editha inne- Als werde es ihr schwer, 
dem Worte zu leihen, was sie zu sagen hatte, kam es endlich 
noch leiser, fast wie scheues Flüstern über ihre Lippen: „Da 
sagte man mir, auch er, an den ich geglaubt wie an ein 
Evangelium, sei gesunken — verloren im Staub. Ich ver 
lachte die Leute; ich glaubte ihnen nicht. Als sie es jedoch 
in eines Meisters-Hause, so ihm von denen Meistern angewiesen 
wird, machen und verfertigen. 
6. Wan nun die vier Stücke verfertiget sind, mus der Geselle den 
Meistern Zwölffgroschen erlegen, und Sie allesambt zur Besichtigung 
sodern lassen, und seine gemachte Stücke in des Altmeisters Haus 
auffweisen, die dan nach ihren Gewissen darüber judiciren sollen, 
ob Sie tüchtig sindt oder nicht, Wan Sie tüchtia befunden werden 
sol der Geselle, Wan Er die Zehen Thaler nach Churfürstlicher Ver 
ordnung erlegt hat, zum Meister ausf- und angenommen, ihm auch 
Gesellen zu forders Jungens zu lehren frey gegeben werden. 
7. Wan aber ein Geselle die ihm auffgegebene Meisterstücke nicht tüchtig 
gemachet hat, undt das Churfürstliche Laboratorium mit seinen Ra 
kete» und Schwermerstöcken nicht Kan versehen werden, die andern 
Stücke auch vor untüchtig erkandt, sol der Geselle schuldig sein an 
dere tüchtigere Stücke zu machen, wo Er allhier Meister werden wil. 
8. Wan ein Geselle seine Meister Stücke tüchtig gemachet hat undt zum 
Meister erklehret ist, der mus sofort Bürger werden. 
9. Wan es sich zutragen solle, daß ein Meister des Drechseler-Handt- 
wercks außerhalb deren Residenten sich allster wolle setzen undt das 
Meisterrecht gewinnen, derselbe inus sich allen diesen vorgeschriebenen 
Articuln gemes bezeigen, undt dasselbe thun, was ein Geselle zu 
thunde schuldig ist, außer daß Er nicht auff das Jahr arbeiten darfs. 
10. Ein Meisters Sohn, wen Er allhier Meister werden will, mus 
gleichergestalt vorherr Drey Jahr gewandert haben, ehe Er zum 
Meister Recht gelaßen werden Kan, von dem Müht Jahre ist Er 
besreyet, die Meister-Stücke aber muß er machen gleich einem Frembden 
und der Lade entrichten was gebräuchlich ist. 
11. Ein Frembder Geselle, Wan Er eines Meisters Wittib oder Meisters 
Tochter heyrahtet, derselbe hat das halbe Müht Jahr frey, undt 
erleget in der Lade Fünff Thaler. 
12. Wann auch ein Meisters Sohn eine Meisters Wittib oder Meisters 
Tochter heyrahtet, derselbe sol nur Fünff Thaler in die Lade geben. 
13. Keine unehrliche Person Kan in diesem Handtwercke gelitten werden, 
wer eine solche heyrahtet, sol des Handwercks verlustig sein. 
14. Wan ein Meister einen Lehrjungen annehmen will, sol der Junge 
dem Handtwercke Sechs groschen, undt in der Lade vor das Ein 
schreiben zwölff groschen erlegen, auch dabey zwene Bürgen auff 
zehen Thaler stellen, daß Er nicht entlauffen wolle, undt so der 
Junge entlauffen würde, sollen die Bürgen die Zehen den Meistern 
zu erlegen schuldig sein, Undt Wan ein Junge ausgelernet hat, mus 
Er wieder so viel als er bey dem annehmen entrichtet hat dem 
Handtwercke undt in der Meister Lade geben, undt als dan Kan Er 
losgesprochen werden, muß aber persönlich zugegen sein. 
15. Es sol auch Kein Lehrjunge unter Drey Jahren das Drechseler 
Handtwerck zu lernen angenommen werden weil Er sonsten in der 
Frembde nicht fort Kommen kan, Ein Meister aber Kan seinen Sohn 
lehren, so lange er will. Jedoch mus er denselben, wie gebräuchlich, 
bei dem Handtwercke einschreiben und wieder lossprechen laßen. 
16. Wan ein Meister mit tode abgehet, undt sein Lehrjunge hatte die 
Helffte Lehrzeit erreichet, sol die Wittib, wan Sie das Handwerck 
treibet undt Gesellen fodert, den Lehrjungen behalten, hatte aber der 
Lehrjunge noch nicht die Helffte Zeit ausgestanden, sol Er bey einem 
andern Meister gebracht, undt von demselben die Lehre bekandt werden. 
17- Alle Jahr und zwar den tag nach Johannis sol ein neuer Altmeister . 
erwehlet werden, undt nach der Ordnung wie Sie Meister geworden 
seindt, von dem ältesten bis zu den Jüngsten herumb gehen, Der 
jüngste Meister aber Kan die Lade nicht bekommen, Er sey dan zuvor 
von seinem Jungmeister Ambte abgelöset, Der Altmeister sol auch die 
andern Meister durch den Jungmeister alle Quartal (Jedoch auff 
Keinen Son- oder Festtage) Zusammen sodern lassen, undt eine 
ordentliche ümbfrage mit denselben halten, damit wan Handtwcrcks- 
streit unter Ihnen were vorgegangen, cs geschlichtet werden Könne, 
Undt sol ein jedweder Meister alle Quartal Einen groschen in der 
Lade legen. 
18. Es ist auch notorium und im gantzen Römischen Reiche ruchtbar, daß 
die Drechseler in den Seestädten, als zu Hamburg, Lübeck, Rostock 
undt dergleichen mehr, Keinen unserer Gesellen, wan Er gleich drey, 
vier oder mehr Jahre gelernet hat, und sein Handtwerck wol ver 
stehet, das Meisterrecht bey Ihnen zu gewinnen wollen verstatten, 
wo er nicht zuvor bey Ihnen auch noch drey Jahr gelernet, also sol 
es alhier in diesen Churfürstlichen Residentz Städten auch mit den 
Seestädtern gehalten werden, wan einer das Meisterrecht hier ge 
winnen wil, mus Er vorhero bey einem hiesigen Meister Drey Jahr 
in der Lehre stehen undt nachdem denen Articuls Brieffen gemes, das 
Meisterrecht erlangen. 
19. So sollen auch Keine Meister aus anderen Städten sich unternehmen 
(außer denen ordentlichen Jahrmärkten) mit verfertigter arbeit in 
hiesigen Residenten zu kommen, undt dieselbe weder heimlich noch 
öffentlich zu verkauffen, viel weniger soll einen Holtz Krähmcr oder 
einen andern Handtwercksman vergönnet sein, mit Drechseler- es sey 
gleich geschnitzte, gepapte, oder gemahlete Arbeit, wie die immer 
Nahmen haben mag, zu handeln oder hausieren zu gehen, Wer da- 
wieder handelt, der sol erstlich gewarnet werden, hiervon abzustehen, 
Wirbt aber einer sich ferner betreffen lassen, dem sollen, ist es auff 
dem Biühlendam, durch des Herrn Müllenhauptmans Befehl, ist es 
in den Residentz Städten, durch eines jeden ohrtes Obrigkeitdiener 
die Waaren gar genommen werden, weil der Handel solcher Waaren 
Keinen andern als denen Drechslern, wie an andern öhrtern auch 
gebräuchlich, zukömmet. 
20. Es soll auch Kein Fuscher, so wol alhier in diesen Dreyen Residenten 
als in den Vorstädten auch auff dem Lande auff zwey Meilen herumb 
geduldet werden. 
21. Weil auch zum öffteren einige Tischler undt Stelmacher die zu ihrer 
Handthierung benötigte Drechselerarbeit, allein zu machen undt nebst 
ihrer arbeit mit zuverkauffen sich unterstanden, undt also dadurch 
große Fuscherei unserm Handtwercke zum Nachteil verursachet, die 
sollen nun hinfüro alle Drechslerarbeit, so Sie zu ihrer Handthierung 
nötig haben, bey uns Meistern des Drechseler Handtwercks verfertigen 
laßen, wer dawieder handelt, dem sol durch Hülffe der ordentlichen 
Obrigkeit das Handtwerckszeug, womit er gefuschert, weggenommen, 
undt in der Obrigkeit Straffe verfallen sein. 
22. Es soll auch kein Meister seinen Gesellen den Lohn ohne erhebliche 
Ursache vorenthalten, sondern unweigerlich geben, undt es bey der 
alten Ordnung als Achtgroschen Wochelohn bewenden laßen, Hin 
gegen sollen auch die Gesellen verbunden sein, wan Sie lust zu 
wandern haben, ihren Meistern die Arbeit Vierzehen tage vorher 
aufzusagen, damit der Meister, wan er nöhtige Arbeit hat, andere 
Gesellen werender Zeit anschaffen Kan, undt nicht in bloßen stehen
        
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