Path:
Volume 6. Juni 1885, Nr. 36

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

531 
in Schrift und Bild für alle Zeiten zu einem Werke vereinigt bleiben 
könnten. Vielleicht genügt es, einen solchen Gedanken anzuregen. 
Indem am Schluffe nochmals hervorgehoben werden mag, daß die 
Arrangements, an deren Leitung hauptsächlich Professor Reuleaux, 
Regierungsbaumeister Wex, Möbelfabrikant Max Schulz und 
Architekt Franz Jaffö betheiligt waren, viel zum Gelingen der 
Ausstellung beitrugen, lassen wir noch den Wortlaut der vielge 
nannten, von dem Oberbürgermeister von Forckenbeck unterschrie 
benen Adresse der Stadt Berlin folgen, die sinnig und poetisch 
erfunden ist. Sie lautet: „Dem Ausdruck der Verehrung zum 
willkommenen Anlaß weihte den siebzigsten Geburtstag ein 
unvergessener Gesang*) im Ansang jener Zeit, die deutschen Gefühles 
Innigkeit im Dichterwort zum späten Erbtheil prägte. Heute weckt 
der siebzigste Geburtstag Euer Durchlaucht die Segenswünsche einer 
dankbaren Nation. Sie gelten dem deutschen Mann vom eisernen 
Kerne der Vorwelt, der für des Vaterlandes Sehnen den Weg 
zu ruhmreich vollendeter That fand; sie gelten dem weisen und 
kühnen, dem unermüdlichen Staatsmann, durch dessen Kunst der 
Schwerpunkt des europäischen Friedens bei dem Kaiserthron des 
deutschen Reiches liegt. 
Eure Durchlaucht bitten wir auch unseren ehrerbietigsten Glück 
wunsch freundlich aufzunehmen; wir bringen ihn dem großen Ehren 
bürger, der mit dem Lande des Königs auch der Stadt des Königs 
zu neuer Größe half; bringen ihn dem genialen Erforscher der ge 
staltenden Kräfte des Staatslebens, der redegewaltig streitend prüft, 
um Geprüftes zu schätzen. Geschätztes in seine Pläne einzureihen. 
Den deutschen Männern, die in unseres allergnädigsten Kaisers 
Zeit die Höhe der Menschheit erstiegen, leuchtet Gottes Sonne zu 
langem glücklichem Tage; sie bestrahle noch lange Eurer Durchlaucht 
volle Freude an einem weltgeschichtlichen Lebenswerke." 
Miscellen. 
Bernhard von Lepel f. Der märkische Dichter Bernhard 
von Lepel, dessen Portrait und kurze Biographie wir erst in der Aus 
gabe vom 9. Mai dieses Jahres gebracht haben, ist, wie wir einer Mit 
theilung seiner Wittwe, Anna von Lepel geb. von Heydebeck, entnehmen, 
leider kurz nachher, am 17. Mai in Prenzlau einer schmerzhaften Krank 
heit erlegen. Er hatte sich bei der Parade am 22. März eine sehr 
heftige Erkältung zugezogen, die schließlich eine Herzanämie nach sich 
zog. Der letzte Klang seiner Leier galt der Feier des Geburtsfestes 
seiner Majestät des Kaisers. Wie alljährlich, so hatte er auch diesmal 
dem Tage ein sormvollendetes tiefempfundenes Gedicht gewidmet, das den 
Titel trug: „Der Schutzgeist aus der Höhe." Der Dichter führt uns 
darin in die traurigste Zeit unseres Vaterlandes, da der König fast ver 
zagen will, die Königin Louise aber auf den verwegenen Eroberer zu 
Gunsten Preußens einzuwirken sucht; auch nach ihrer Verklärung wacht 
sie weiter über die Ihren auf Erden. 
„Dort kniet sie nun mit brünstigem Fleh'» im Strahl des 
Lichtgewandes, 
Dort betet sie um Aufersteh'» des blutenden Vaterlandes. 
Erhabener Schutzgeist! ja von dort sahst du auf uns hernieder, 
Als neuen Geistes Flammenwort einschlug in uns're Glieder. 
Du sahst herab auf blutige Flur und grüßtest unsere Fahne, 
Indeß dein Feind gefesselt fuhr zum fernsten Oceane. 
Dein Segen war's, der schuf uns Bahn im mörderischen Treffen, 
Als wir nun dräuend vor uns sah'n des großen Oheims Neffen. 
Dein Auge, vom fernen Wolkenrand, wie ruht es auf deinem Sohne, 
Als dort er ernst im Glanze stand der neuen heiligen Krone. 
Ja Alles was der Zeiten Schooß so lang, so lang verhüllet 
Siehst hohe Mutter du nun groß und herrlich nun erfüllet. 
Streckst heut dem Sohn — in der Enkel Schaar — deine Mutter 
arme entgegen, 
Heut wo er acht und achtzig Jahr genoß dm göttlichen Segm. 
Umschwebe du ferner das hohe Haupt, breit' über den Stamm die 
Hände, 
So rag' er hoch von Ruhm umlaubt bis an der Zeiten Ende!" 
Moritz Hermann Jacobi. Moritz Hermann Jacobi, Bruder des 
Mathematikers Karl Gustav Jacob Jacobi (ft 1851), ist geboren zu Pots- 
dani am 21. September 1801. Anfangs studirte er Baufach und ward 
nachher Zeichenlehrer in Königsberg, von wo aus er Gelegenheit fand, 
eine Anstellung in Rußland zu finden. Seit 1835 war er als Professor 
der Baukonstruktwn in Dorpat thätig und wurde 1837 Mitglied der 
Petersburger Atademie der Wissenschaften. Er beschäftigte sich vielfach 
mit chemischm Versuchen und physikalischen Experimenten und entdeckte 
1838 gleichzeitig mit Spencer (in Liverpool) die Galvanoplastik. Die 
russische Regierung zahlte ihm für seine Erfindung 25 000 Rubel und 
veranlaßte seine Erhebung in den Adelstand. Er gilt auch in Band VIII 
des „Buch der Erfindungen" als der Entdecker der Anwendung des 
Elektromagnetismus als bewegende Kraft und führte zuerst den, schon von 
Wach um 1830 gehegten Gedanken aus, das am negativen Pol sich 
niederschlagende Kupfer über bestimmte Formen wachsen zu lassen. Er 
starb am 10. März 1874. Von seinen Schriften seien erwähnt: „Die 
Galvanoplastik" (1840), „blvmoire sur I »pplieation >1e le i'eleetro-mag- 
netisme au mouvement des machines“ (1835). Seiner früheren Thätig 
keit entsprangen die Uebersetzung von Buchanans Mühlenbau (aus dem 
Englischen 1825) und von Normands „architektonischen Ordnungen" (aus 
dem Französischen 1830). Er ist durch und durch ein Deutscher gewesen 
und wird als Erfinder mit Unrecht den Russen beigezählt. 
Ein ^oliak kür den Prinzen Wilhelm. Im Kunstgewerbemuseum 
brachte die XII. Sonderausstellung neben einem vom Grasen Harrach ge 
*) „Der siebzigste Geburtstag" von Johann Heinrich Voß wird ge 
meint sein. 
zeichneten Krystallservice und den Nachbildungen des Altars im Dome 
zu Schleswig einen prächtigen goldenen Pokal, den der Hofjuwelier 
Gabriel Hermeling in Köln im Auftrag der Rheinischen Stände für 
den Prinzen Wilhelm gefertigt hat. Das Gefäß umgeben die Personi 
fikationen der Städte Köln, Aachen, Düsseldorf, Barmen, Elber 
feld, Creseld, Coblenz und Trier. Flußgötter und Putten zieren 
den Hals des Pokals, und die alten Burgen und die alten Sagen des 
Rheinlandes sind auf Gemmen und Reliefs jeder Art zur Geltung gebracht. 
Eine gleich phantasievolle Durchbildung kehrt unterhalb der Städtefiguren 
wieder aus einem Bande von nur wenigen Centimerern Höhe, das in 
kleinen Abständen von Edelsteinen gesäumt wird; es ist darauf die Vollen 
dung des Domes zu Köln dargestellt und die Erbauung des Aachener 
Münsters durch Karl den Großen; hier sieht man den Begründer des 
alten Kaiserthums auf einem Throne sitzend, dort steht Kaiser Wilhelm in 
ganzer Figur, die Urkunde der Vollendung entgegenzunehmen, beides höchst 
lebensvolle Bildchen. Zwischen ihnen hat der Künstler zwei historische 
Vorgänge von größerer Ausdehnung anzubringen verstanden: einmal 
Caesar, wie er, den Rhein überschreitend, die Germanen vom User zurück 
drängt, deren Priester mit ihrem Götzen entsetzt in die tiefen Wälder zurück 
flüchten; vor dem gewaltigen Römer ziehen einher die Furien des Krieges. 
Auf der andern Seite aber ist Blüchers Uebergang bei Caub zu sehen; 
ihm voraus eilen die Genien des Friedens, während am linken Ufer des 
Rheines die Bevölkerung freudig herandrängt, den ersehnten Befreier zu 
begrüßen. Außerordentlich geschickt ist die Wahl dieser Stoffe, die, fast 
zweitausend Jahre auseinander liegend, die historische Vergangenheit jener 
gesegneten Provinz umfassen. Der Schaft des Pokals ist von blau email- 
lirten Delphinen gehalten, zwischen deren Flossen ein birnenähnlicher Knauf 
hervorwächst, den redengeschmückte Hermen mit Schalksköpfen abwechselnd 
umgeben. Auf den schmalen Flächen zwischen den Delphinen erscheinen 
die Burgen Sonneck, Rheinstein, Stolzenfels und Drachensels. Am Fuße 
des Pokals treten kleine sitzende Figuren vor: Baukunst, Handel, Kunst 
gewerbe, Eisenindustrie, Ackerbau, Musik, Wissenschaft und Bildhauerei; 
auf dem Friese dahinter sind außerordentlich minutiöse Reliefs noch wahr 
zunehmen, unter denen Poesie, Malerei, Viehzucht und Schifffahrt durch 
Schönheit der Composition sich auszeichnen. 
Ebenso kunstvoll ist der durch translucides Email hervorragende 
Deckel, dessen Einzelheiten, wie sämmtliche Skizzen zu den Reliefs u. s. w. 
vom Maler Fritz Röber in Düsseldorf herrühren. —IV.— 
Hehälter der preußischen Wikitärärzte während des XVIII. Jahr 
hunderts. 
1721 erhielt Regimentsfeldscheerer Brandhorst monatlich 45 Mark. 
Die Feldscheerer erhielten Zulage für Seife, Seifegroschen. 
1723. Generalchirurgus Holtzendors jährlich 900 Mark. 
1725. Regiments-Feldscheerer bei der Kavallerie monatlich 318 Mark. 
Davon erhielt jeder Eskadrons-Feldscheerer 18 Mark und es 
mußte noch von ersterem der Arzneikasten und die Jnstruniente in 
Ordnung gehalten werden. Regiments-Feldscheerer bei der Jnsanterie 
erhielt als Stabstraktement monatlich 36 Mark, von jeder Kom 
pagnie 30 Mark, wovon er jedem Feldscheerer der Kompagnie 
10 Mark geben und den Arzneikasten rc. in Stand halten mußte. 
1726. Regiments-Feldscheerer der Jnsanterie 33 Mark, dazu Kompagnie- 
zulage 24—30 Mark und Medicingeld pro Mann 10 Pf. circa 
180 Mark, Summa monatlich 237—243 Mark. Kompagnie- 
Feldscheerer dagegen 12 Mark 30 Pf. und durfte nicht mehr, wie 
vorher, beim Civil prakticiren. Regiments-Feldscheerer bei der 
Kavallerie 13 Mark 40 Pf., Medicingeld 180 Mark, Scbwadrons- 
Feldscheerer 19 Mark 40 Pf. 
Unter Friedrich dem Großen blieb das Gehalt das gleiche, wie früher, 
aber die Medicingelder wurden höher, da die Regimenter vergrößert 
wurden. Der Oberchirurg bei der Artillerie erhielt monatlich 45 Mark, 
der Generalchirurg Theden jährlich 1 500 Mark. 
H. S-n.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.