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Periodical volume 30. Mai 1885, Nr. 35

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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aufgezäumtes braunes Roß ohne Sattelzeug dar, das mit dem 
Zügel an einem Baum befestigt ist. Zur Rechten sitzt ein Adler au? 
einem Felsstück. An dieses Schild knüpfte sich die Sage, daß es 
zum Gedächtniß an einen unschuldig Vcrurtheilten errichtet sei, 
welcher auf dem Gange nach dem Hochgericht vor jenem Hause 
durch den Husschlag eines Pferdes dem schrecklicheren und schmach 
volleren Tode durch Henkershand entrückt worden sei. Der Adler 
aus der Zeit Friedrich Wilhelms des Eisten gleicht allerdings eher 
einem Raben, und daraus entstand, im Zusammenhange mit der 
Nähe des Hochgerichtes, vermuthlich jene Sage. 
Misccllen. 
Schloß Topper. Topper im nordöstlichsten Theile des Kreises Krossen 
<an der Märkisch-Posener Bahn) gelegen, destand schon vor der Mitte des 
XVI. Jahrhunderts aus zwei Gutsantheilen, von denen der eine bis 1583 
dem Kanzler Balthasar Römer, der andere seit 1558 oder 1575 der 
Familie v. Zobeltitz gehörte, die denselben vom Kanzler des Johanniter- 
Ordens zu Sonnenburg für 4500 Thaler erkaufte. 1588 vereinigte 
Christoph v. Zobeltitz beide Antheile in seinem Besitz, doch verkaufte 
fein Sohn Christoph seinen Antheil (II.) 1624 an Sigismund v. Knobels 
dorf, bei dessen Familie derselbe fast 200 Jahre, bis 1817, verblieb, in 
welchem Jahre ihn Herr Hans von Zobeltitz für 40 000 Thaler erkaufte, 
der ihn aber nach kurzem Besitze an den Kaufmann Karl Ritzmann für 
42 000 Thaler wieder veräuherte. K. Rißniann blieb bis 1862 im Besitz; 
nachdem dann das Schloß noch verschiedene Besitzer hatte, kaufte es 1874 
der General-Fcldmarschall Freiherr v. Manteuffel. Antheil 1 blieb in der 
Familie Zobeltitz bis 1866. In diesem Jahre starb Ernst v. Zobeltitz 
kinderlos und der Kaufmann Selig Böhm kam nun in den Besitz des 
selben. Nach dessen Tode 1879 wurde auch dieser Antheil vom General- 
Feldmarschall v. Manteuffel in der Subhastation erstanden. Die oben 
gegebene Ansicht des Schlosses ist von C. Münzend erg in Schwiebus, 
einem Freunde märkischer Geschichte, nach der Natur gezeichnet und für 
den „Bär" zur Verfügung gestellt worden. Ausführliche Mittheilungen 
über Dorf Topper, die auch wichtige historische und genealogische Angaben 
über die von Zobeltitz und von Knobelsdorf enthalten, sind vor einigen 
Jahren von Franz Neumark in Buchenhain im Schwiebuser „Intelligenz- 
blatt" veröffentlicht worden. — b — 
Kriedrich Mkyelm III. am Krankenlager des Kürstcn Alücher. 
Während Blücher's letzter Krankheit war der König Friedrich Wilhelm III. 
gerade in Schlesien; er sandte auf die Nachricht von einer Verschlim 
merung der Krankheit des in Krieblowitz weilenden Patienten am 5. Sep- 
tember den Generaladjutanten v. Witz leben zu ihm, der ihn schon sehr 
schwach fand. Blücher bat diesen, dem Könige feinen Dank für alles ! 
Gute auszusprechen und seine Gemahlin dem Königlichen Wohlwollen zu 
empfehlen. Auch wünschte er ohne alles Gepränge am Wege von 
Krieblowitz nach Kanth unter den daselbst stehenden drei Linden beerdigt 
zu werden. Auf Witzlebens Einwand, er solle doch an den Tod noch 
nicht denken, versetzte Blücher: „Ich weiß, daß ich sterbe, denn ich fühle 
es besser, als die Aerzte meinen Zustand beurtheilen können. Ich sterbe 
gern, denn ich bin nichts mehr nutz. Sagen Sie dem Könige, daß ich 
treu für ihn gelebt habe und treu für ihn sterbe." Am 6. September j 
kam der König selbst mit dem Prinzen Karl zum Besuche, wurde aber 
erst nach einer Weile erkannt. Der König sagte ihm unter mehreren 
wohlwollenden Aeußerungen: „Sie können überzeugt sein, daß niemand 
mehr Theil an Ihrem Wohle nimmt als ich; ich weiß, was das 
Vaterland und ich Ihnen schuldig sind. Geben Sie die Hoffnung auf 
Wiederherstellung nicht auf, aber folgen Sie auch dem Rathe der Aerzte, 
und brauchen Sie die Mittel, die man Ihnen darbietet." Blücher dankte 
dem Könige mit größter Rührung, bezweifelte die Möglichkeit feiner Gene 
sung, wiederholte, daß er gern sterbe und empfahl dem Könige nochmals seine 
Gattin. Blücher starb wenige Tage nachher, am 12.September Abends 10Uhr. 
Charakteristisch für diesen populärsten Feldherrn des Befreiungskampfes 
ist, daß er jede Arznei verschmähte, mit dem Bemerken, daß .„für den Tod 
kein Kraut gewachsen" ist. Varnhagen erzählt folgende beiden kleinen Züge. 
Einstens aus dem Schlafe gerüttelt um die Meldung zu vernehmen, daß 
Napoleon eine unerwartet kühne Bewegung ausführe, antwortete Blücher 
gähnend: „Da kann er die schönsten Schmiere kriegen", gab einige für 
den Fall nöthige Befehle und drehte sich gelassen auf die andere Seite 
zum Weitcrschlafcn. In Namur gab ihm der gute Champagner Anlaß 
zu folgender Rede: „Ist es nicht Jammerschade, daß man gegen ein Volk 
Krieg führen muß, daß einen so herrlichen Trank braut? Man sollte 
denken, das müßten die allerbesten Menschen sein, aber, o Gott, o Gott!" 
Aus dem Teöen des Kaisers. Für unseren Kaiser war das Jahr 
1841 ein wenig glückliches, indem ihm, wie wenig bekannt, mehrere Un 
fälle in demselben zustießen. Zu Anfang des genannten Jahres fuhr 
der damalige Prinz von Preußen in seiner russischen Droschke zu einem 
Offizierreiten nach der Garde-Kürassier-Kaserne vor der Halleschen Thor- 
Kommunikation (jetzt Skalitzerstraße) und beim Hinausfahren aus dem 
Kasernenhofe scheute das Seitenpferd, der Kutscher riß es zwar herum, 
aber das Deichselpferd kam dadurch in Berührung mit der Stadtmauer. 
In Folge dessen brach die Gabeldeichsel, das Gefährt erhielt einen heftigen 
Stoß und der Kutscher ward herabgeworfen. Der Wagen stand jetzt 
einen Augenblick still, den der Prinz dazu benutzte, aus der Droschke 
herauszuspringen, worauf die Pferde mit dem zertrümmerten Gefährt die 
Straße entlang rasten. Glücklicherweise hatte der Prinz keinen Schaden 
erlitten, aber der Kutscher war besinnungslos liegen geblieben und starb 
trotz sorgfältigster Pflege nach vierzehn Tagen an den Folgen des Sturzes. 
— Im April desselben Jahres reiste der Prinz sodann zu den Ver 
mählungsfeierlichkeiten des späteren Kaisers Alexander II. nach Petersburg. 
Es fand eine Besichtigung der Admiralität statt und die hohen Herr 
schaften begaben sich per Boot dahin. Zum Einsteigen war eine Treppe 
am Kai, wo das Boot lag, errichtet; ihr Seitengestell brach zusammen, 
als der Kaiser herabstieg, Prinz Wilhelm verlor das Gleichgewicht und 
stürzte der Länge nach in das Boot, abermals jedoch ohne Schaden zu 
erleiden (und zum Glück auch nicht in die stark strömende Newa). — Im 
September 1841 aber inspizirte der Prinz von Preußen das in der Nähe 
von Alt-Kollin zusammengezogene böhmische Armeekorps unter dem Kom 
mando des Fürsten Windischgrätz. Beim Vorbeireiten vor einer Linie 
ausgeschwärmter, feuernder Tirailleurs zweier Jägerbataillone fühlte 
unser Kaiser plötzlich einen stechenden Schmerz im Schenkel und gleich 
darauf rief der neben ihm reitende Fürst Windischgrätz: „Königliche 
Hoheit bluten ja!" Ein Militärarzt untersuchte das Bein und fand zwei 
ganz kleine Kieselsteine im dicken Fleisch des Schenkels, die durch einen starken 
Druck aus der Wunde entfernt werden konnten. Wahrscheinlich waren di« 
Steinchen beim Abfeuern der Büchsen der in liegender Stellung schießenden 
Jäger von dem Feuerstrahl mit fortgerissen worden. Auch dieser Unglücks 
fall hatte glücklicherweise weiter keine üblen Folgen, Kaiser Wilhelm aber 
nannte sich scherzend den „letzten Verwundeten von Kollin". — S— 
berliner Portraits. Bei Rud. Lepke kommen am 5. Juni inter 
essante Portraits in großer Zahl zur öffentlichen Versteigerung. Von 
denjenigen, die mit der heimathlichen Geschichte mehr oder weniger in Be 
ziehung stehen, nennen wir im Folgenden nur Wenige, indem im Uebrigen 
auf den betreffenden Auktionskatalog (Nr. 530) selbst hingewiesen sei. 
Vertreten sind: Alvensleben, Arnim, Prinz August Wilhelm, Beausobre, 
Blücher, Bülow, Cocceji, Distelmeyer, Fouquet, Friedrich II., Paul 
von Fuchs, Grumbkow, Hardenberg, Kalckreulh, Leopold von Dessau, 
Podewils, Reder, Ribbeck, Schuckmann, Spalding, Zedlitz, Ziethen. 
Kleine Chronik. 13. Mai. Bildhauer Julius Fläschner f. 
Enthüllung der Statue des Naturforschers Linne (von Professor Kjel- 
berg) in Stockholm. — 14. Mai. Eröffnung des landwirthschastlichen 
Etablissements Bienengarten in Pankow. Eröffnung der Gewerbe- 
und Industrie-Ausstellung zu Görlitz durch den Regierungspräsidenten 
Prinz Handjery. Geh. Ober-Baurath a. D. August Ferdinand Flei- 
schinger f. II. Frühjahrs - Festschiehen der Berliner Schützengilde im 
neuen Parke von Schönholz. — 15. Mai. Pokalregatta des Berliner 
Nachtklubs, Sieger: „Elektra" (Besitzer Krüger) und „Müggel" (Be 
sitzer Bernard). Schlußsitzung des Reichstages. Besichtigung des Lehr- 
Jnfanterie-Bataillons in Potsdam durch den Kaiser. Zehnter deutscher 
Schmiedetag in Potsdam. VI. Generalversammlung des deutschen Schutz 
vereins für Papierhandel. — 16. Mai. Ausstellung von Rhododendren 
im Wintergarten des Centralhotels. Fünfzigjähriges Amtsjubiläum des 
Oberlehrers der Luisenschule vr. Ludw. Rudolph (Verleihung des Kronen 
ordens IV. Kl.). Erste Aufführung des BalletS Sylvia im Opernhause in 
Gegenwart des Kaisers, des Kronprinzen und des ganzen Hofes. Feier 
des 150 jährigen Jubiläums der Korbmacherinnung (15. Mai 1735) in 
Keller's Salon, Andreasstraße. — 17. Mai. Drittes Frühjahrs-Meeting 
aus der Rennbahn zu Hoppegarten. Trauerfeier für vr. Nachtigal in der 
Singakademie. 50 jähriges Buchhändlerjubiläum des Kommerzienrath 
Zanke. Geh. Rechnungsrath W. Schwieger, Vorsteher des „Reichs 
und Staatsanzeigers" fi. — 18. Mai. 50 jähriges Geschäftsjubiläum der 
Bauschlofferei von Julius Stahl. — 19. Mai. Beginn des Woll- 
marktes. Zusammentritt der Kreissynode Potsdam I. Vorstellung der 
2. Garde-Jnfanterie-Brigade auf dem Tcmpelhofer Felde. Schadenfeuer 
im Schlosse Monbijou. — 20. Mai. Versammlung des Vereins Berliner 
Kaufleute und Industriellen im Cityhotel; Annahme einer Resolution zu 
Gunsten einer nationalen Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1888. 
Gries- und FragelrasttN. 
Herrn I. C. Thurmstr. Nach der von Ihnen eingesandten Hand- 
skizze liegt der Fundplatz der Pfähle oberhalb des Schafgrabens nahe 
einer Stelle, in dert>> Gegend noch im vorigen Jahrhundert ein kurzer 
Verbindungscanal die dort vorhandene erhebliche Spreecurve abschnitt. 
Der Kanal lief ungefähr parallel der nordöstlichen Verlängerung der 
jetzigen Brückenallee. Daß hier ein befestigter Abschluß geschaffen worden 
sein soll, ist sehr unwahrscheinlich; entweder war es, nach der angegebenen 
Richtung der Pfahlreihen zu urtheilen, eine Ladestelle, oder man hat hier 
bei dem Zuschütten des Canals eine Regulirung des Ufers bewirken 
wollen. Die Möglichkeit endlich, daß hier noch viel früher ein Uebergang 
gewesen ist, scheint nicht ganz ausgeschlossen. Etwas Näheres finden Sie 
am Ersten in G. v. Raumer, „der Thiergarten zu Berlin". 
Herrn Studiosus Ad. W. in C. N.-M. 8. Senden Sie zunächst 
einmal eine oder zwei der gütigst in Aussicht genommenen Arbeiten ein;
        
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