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Periodical volume 11. April 1885, Nr. 28

Full text: Der Bär Issue 11.1885

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 50 Pf. 
XI Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm postzeitungs-liatalog eingetragen unter Nr. 24SS &en n 
Nr. 28. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1885. 
10. April 1492 
10. April 1741 
10. April 1813 
11. April 1796 
12. April 1772 
Gedenktage. 
Johann Agricola Generälsuperintendent der Mark *. 
Friedrich der Große siegt bei Mollwitz. 
Joseph Louis Lagrange, bedeutender Mathematiker, 
1766 —1787 Direktor der mathematischen Klasse der 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin P zu Paris 
(. 25. Januar 1736 zu Turin). 
Karl Wilhelm Ramler f zu Berlin. 
Johann Friedrich Ferdinand Delbrück, Erzieher Frie 
drich Wilhelms IV. und Kaiser Wilhelms I. *. 
13. April 1784 
13. April 1799 
14. April 1745 
15. April 1802 
16. April 1780 
17. April 1741 
18. April 1866 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. II. VI. 70. 
Generalfeldmarschall Graf Wrangel *. 
Ludwig Rellstab * (-j- 27. Nov. 1860). 
Grundsteinlegung des Schlosses zu Sanssouci. 
Wilhelm Grabow, Präsident der Nationalversammlung, 
1862—1866 Präsident des Abgeordnetenhauses ». 
General Rühle von Lilienstern, Direktor der Kriegs 
schule zu Berlin *. 
Komponist Johann Amadeus Naumann » zu Blasewitz. 
Grundsteinlegung zum Siegesdenkmal. 
Ideale. Novelle von K. Rinhart. 
2- „Ueber alle Begriffe e,nanzipirt und unweiblich," rief der 
Graf, mit dem Fuß auftretend. „Ich wußte das nicht so, 
sonst hätte ich meine Vormundsrechte geltend gemacht." 
Editha zuckle ironisch lächelnd die Achseln. „Ein rein 
geistiger Austausch von Gedanken 
scheint Dir unweiblich; — wenn 
aber die Mädchen ihre Zeit in 
leeren Vergnügungen vergeuden, 
wenn sie koquettiren und sich in 
Liebeleien einlassen, das thut der 
Weiblichkeit keinen Abbruch." 
„Ich denke, Du hast das 
Letztere ebenfalls nicht verschmäht," 
meinte er mit häßlichem Lachen. 
„Wie falsch Du unser Ver 
hältniß beurtheilst!" vertheidigte 
sich Editha enöthend- „Ich habe 
ihn ja nie gesehen! Ich redete 
zu ihm, wie zu dem Priester im 
Beichtstuhl; meine innersten Ge 
danken offenbarte ich ihm — daß 
er aber ein junger Mann sei mit 
glühendem Herzen, und daß er « stJ0 itoni und 
mich liebe, das ahnte ich lange Originalskizze von Maler 
nicht, und bestimmt erfuhr ich es 
erst nach der Großmama Tode vor wenigen Monaten- Ich 
schrieb ihm, daß ich in Dein Haus übersiedeln müffe, bis alle 
geschäftlichen Angelegenheiten geordnet seien, und ich mein 
einundzwanzigstes Jahr zurückgelegt habe. Das Anerbieten, 
! Hofdame zu werden, wolle ich nicht annehmen, dagegen mich 
auf eine andere Weise selbständig zu machen suchen —" 
„Du wußtest danials noch nicht, daß Botho Dich liebte," 
| unterbrach der Graf sie eifrig. Es schien ein Hoffnungsschimmer 
in ihm aufzuflackern. 
Editha schwieg. „Nicht wahr. 
Du wußtest es nicht, sonst hättest 
Du -" 
„Eben weil ich es fürchtete, 
wollte ich Deine Gastfreundschaft 
nicht länger in Anspruch nehmen, 
als unumgänglich nothwendig 
war," erwiderte sie. „Nun ja, 
da bot mir Gunthart seine Hand. 
Er schrieb, er habe es nicht eher 
gewagt, der vornehmen Familie 
wegen, er habe gefürchtet, abge 
wiesen zu werden; nun aber sei 
ich frei, und sein Haus solle mir 
Heimat sein, nicht die kalte Welt 
da draußen." 
„Und statt dem frechen Bur- 
1831 scheu heimzuleuchten, wie er's ver- 
Franz'Krüge'r (j- 1857). diente, sagtest Du ja, ohne ihn 
nur zu kennen!" rief der Graf. 
„So wird er uns wohl nächstens die Ehre seines Besuches zu 
Theil werden lassen! Prächtig, prächtig! Er soll nur kommen! 
Ich werde ihm einen Empfang bereiten, der seiner — und 
Deiner — würdig ist!"
        
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