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Periodical volume 4. April 1885, Nr. 27

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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der übrigens schon 1645 die Kolonie Tr ankebar an der Ostküste 
von Vorderindien hatte ankaufen wollen, beraubte die großartige 
Unternehmung ihrer eigentlichen Seele. Friedrich 111., sein Nach 
folger, richtete sein Augenmerk mehr auf die Erwerbung der Königs 
krone für sein Land von kaum anderthalb Millionen Seelen; die 
Eifersucht und die mißgünstige Niedertracht der freundnachbarlichen 
handeltreibenden Nationen thaten das Uebrige, und das unrühm 
liche Ende der Rauleschen Handelsgeschäfte führte den gänzlichen 
Verfall der Compagnie und aller damit zusammenhängenden Ver 
hältnisse herbei?) Von der Sorge dafür los zu sein und Geld für 
seine Soldaten und für nähcrliegende Zwecke zu gewinnen, verkaufte 
Friedrich Wilhelm I. 1720 den gesammten Preußischen Besitz in 
Afrika um 7200 Dukaten und 12 Schwarze an die holländisch 
westindische Compagnie. — 
Major Otto Friedrich von der Grüben, der in Folge des 
Klimas bald zu kränkeln begann, übergab den Befehl über die Be 
setzung der Veste Friedrichsburg dem Capitän Blonk und eilte selbst 
mit seiner jungen schwarzen Gattin an den Hof des großen Kur 
fürsten zurück. Er erhielt als Anerkennung und Belohnung die 
Amtshauptmannschaiten Marienwerder und Riesenburg in Ost 
preußen. Seine Gemahlin wurde getauft und erhielt dabei den 
Namen Marie statt ihres ursprünglichen „Lila."*) **) — 
Auf die Expedition nach Guinea wurden zwei Medaillen ge 
schlagen, beide mit dem Datum des Jahres 1681. Die Eine hat 
aui der Vorderseite die Umschrift: „Feliciter coepta navigatio ad 
oras Guineae an(no) MDCLXXXI“ innerhalb deren ein Neger 
mit einem Korbe voller Goldsand und Elfenbein kniet; auf der 
Rückseite erblickt man einen brandenburgischen Dreimaster mit ge 
schwellten Segeln, umgeben von den Worten: „Oeo duce auspioijs 
Serenissimi Electoris Brandenburgici.“ Außerdem giebt es noch 
eine zweite, in Oelrichs „Medaillencabinet" abgebildete Münze, die 
vorne mit dem Brustbilde des Kurfürsten geschmückt ist, rückwärts 
aber einen Kompaß und eine Flotte auf hoher See darstellt. Der 
Medaillenrand hat dieselbe Inschrift, wie die erste Medaille au 
der Vorderseite „eoepta navigatio u. s. w." ohne den Beisatz 
„feliciter“; auf der Rückseite liest man „Huc naves auro ferrum 
nt Magnete (trahuntur)“, d. h. „hierhin (nämlich nach Guinea) 
werden die Schiffe durch das Gold hingezogen, wie Eisen durch 
Magnet." — 
Wegen naheliegender Vergleiche mit heutigen europäisch-afri 
kanischen Verhältnissen folge hier ein Auszug aus von der Gröben's 
Tagebuch, der den Besuch eines Mohrenfürsten an Bord seines 
Schiffes behandelt, und den auch Köppen in seinem angezogenen 
Aufsatze für mittheilenswerth gehalten hat. 
„Folgenden Tages gingen wir mit der Schaluppe ans Land, 
da fanden wir den König — so sich Peter nannte — am Flusse 
unter einer Negerbaracke sitzen. Selbiger empfing uns höflich mit 
seinen zwei Brüdern und ganzem Senat, nöthigte uns darauf bei 
sich zu sitzen und traktirte uns mit Palmenwein. Wie sie 
nun im Gebrauch haben, alsbald nach der Fremden Namen zu 
fragen, also begehrte auch der König Peter zu wissen, wie ich hieße, 
worauf ich zur Antwort gab: „Peter", (denn ich wollte nicht 
weniger sein, als der König), worüber jener sich sehr erfreute, 
sprechend: „Ich Peter, Du Peter; star mi Mingo (sei mein Freund)." 
„Wir waren eine Stunde bei dem Könige gesessen, da be 
schenkte er uns mit einem Korbe voll Reis und einem Ziegenbocke, 
ließ uns aber eine halbe Stunde darnach um eine Gegenverehrung 
ersuchen. Dieser (sein Bote) brachte seine zierliche Rede also vor: 
„König Pitter mie segge, ick juw segge, König Piter segge mie, 
segge König Piter, Daßje hebbe, mie segge, kike Daßje." Das 
heißt: „Der König Peter hat mir gesagt, ich soll Euch sagen, er 
wolle auch gerne seine Verehrung sehen." Darauf schenkten wir 
ihm eine Stange Eisen, einen kupfernen Kessel und ein Königs 
kleidchen. — Unterdessen kauften wir zu unserer Nothdurft für wenig 
Korallen zwei Fässer Reis und an dreißig Hühner. Damit schieden 
wir von dannen." — 
Das Sterbchaus des Kurfürsten Johann Sigismund in der Poststrastc. 
Von fmitiimmt Älcijcr. 
Kurfürst Johann Georg war im Jahre 1608 zu seinen 
Vätern versammelt, nachdem am 1. Januar jenes Jahres die 
„Weiße Frau" als Todesbotin zum ersten Male im Berliner 
Schlosse sich gezeigt haben sollte. 
Am 1. December 1619 ließ die leidtragende Gestalt in Weißen 
Gewändern***) zum andern Male auf dem kurfürstlichen Schlosse 
„vor Personen allerhand Standes und Alters sich sehen, daß also 
an ihrer Erscheinung nicht zu zweifeln", wie der Hosprediger 
Bergius, überzeugt von dem Dasein des Gespenstes, erzählt. 
Kurfürst Johann Sigismund, zu desten Zeit sich dies 
ereignete, war iin December des vorausgegangenen Jahres in 
Königsberg vom Schlage getroffen worden. Seitdem gelähmt und 
durch eine Fülle innerer und äußerer Bewegungen bestürmt, ver 
mochte der hinfällig gewordene Herr von sonst „stattlicher Leibes 
gestalt", dem die Zeitgenossen Gelehrsamkeit und Großmuth, Staats 
klugheit, Milde und ein entschlossenes Wesen nachrühmten, die 
schwere Last des Regiments nicht mehr zu tragen. Mußte doch 
die Kuriürstin einen Besuch Gustav Adolfs von Schweden aus dem 
Grunde ablehnen: ihr Gemahl sei leidend — sein Geist geschwächt! 
*) Herrmann Vogt hat in Nr. 4 der „Mittheil, des Vereins für d. 
Geich. Berlins" einem lesenswerthen Aufsatze über „die Gründung der 
brandend. Marine u. s. w." eine Uebersicht der besten Quellen beigefügt. — 
**) S. Streckfutz, 500 Jahre Berliner Geschichte, ferner F. Köppen, 
„Brandenburg in Afrika" im Jahrg. III der Zeitschr „Aus allen Zeiten 
und Landen." 
***) Weiß war noch bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts fast 
allgemein die Farbe der Trauerkleidung. 
So legte denn Johann Sigismund am 12. November 1619 
; — also nach einer erst elfjährigen Regierung, in welche die Wirren 
der Jülich-Cleve-Bergschen Erbschaft, der Anfall Ostpreußens, des 
' Kurfürsten Uebertritt zur reformirten Lehre, die Familienzwiste wegen 
der Vermählung seiner Tochter mit Gustav Adolf und der Ausbruch 
des dreißigjährigen Krieges fielen — die Regierung in die Hände 
seines Sohnes nieder. 
Bei dem tiefen, mit einer leicht erregbaren Phantasie ver- 
- bundenen Gemüth des hinfällig gewordenen Fürsten mußte das 
auch ihm zu Ohren gekommene Gerücht von dem Erscheinen der 
„weißen Frau" eine peinigende Erregung bewirken. Er richtete an 
> den vorerwähnten Hofprediger die Frage, ob die Erscheinung wieder 
gesehen worden sei, worauf Jener erwiderte: der Kurfürst hätte sich 
, wegen der weißen Frau nit zu fürchten, sie würde ihm nit schaden 
können. 
Dennoch litt es ihn nicht länger im Schlosse seiner Ahnen, 
j er ließ sich in einer Sänfte nach dem Hause seines Geheimen 
j Kammerdieners Anton Freitag, in der damaligen Heiligegeist-, 
jetzigen Poststraße, überführen. 
Dies Haus, Nr. 4, hatte Freitag im Jahre 1614, als dama 
liger Kammerdiener des Kurfürsten, an sich gekauft, und Johann 
Sigismund verlieh dem Hause, in Anbetracht der „langwierigen 
treuen Dienste", welche der neue Eigenthümer ihm geleistet, die 
Freihausgerechtigkeit. 
Die Ausfertigung dieses, in mehr als einer Beziehung denk 
würdigen Privilegiums befindet sich in meiner Autographen- 
i Sammlung, und lautet wörtlich:
        
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