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Periodical volume 4. April 1885, Nr. 27

Full text: Der Bär Issue 11.1885

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und pollanstaltcn für 2 Mark 50 Pf. 
XI Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm postzeitungs-katalog eingetragen unter Nr. 2455 bcn 4 2lpril 
Nr. 27. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1885. 
1. April 1785 
1. April 1815 
2. April 1798 
4. April 1709 
4. April 1785 
Gedenktage. 
Johann David Erdmann Preuß, Biograph Friedrichs 
des Großen, geboren zu Landsberg a/W. 
Otto Ed. Leop. Fürst von Bismarck, geboren. 
August Heinrich Hoffmann, Dichter, geboren zu 
Fallersleben (Hannover); stirbt 19. Januar 1874. 
Generallieutenant Hans Karl von Winterfeld, ge 
boren zu Vanselow in Vorpommern (f 8. Sept. 1757). 
Bettina von Arnim, geboren zu Frankfurt a/M. 
5. April 1797 
6. April 1884 
7. April 1874 
8. April 1835 
9. April 1762 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. II. VI. 70. 
Karl August Devrient, geboren in Berlin. 
Emanuel Geibel stirbt (geboren 18. Oktober 1815). 
stirbt Wilhelm von Kaulbach, Schöpfer der Fresken 
des Neuen Museums zu Berlin, 
stirbt Karl Wilhelm von Humboldt in Tegel bei 
Berlin (geboren 22. Juni 1767 zu Potsdam). 
General Kleist von Nollendorf (so genannt nach dem 
Siege über die Franzosen am 30. August 1813) geboren. 
Ideale. Novelle von K. Rinhart. I. 
„So beharrst Du wirklich auf Deinem Entschluß?" fragte 
Graf Roden, mit völlig verständnißlosem Ausdruck sein Auge 
auf das vor ihm stehende junge Mädchen richtend. 
„Ja, lieber Onkel", anwortcte diese kühl- 
„Du schlägst also definitiv die Hand meines Sohnes 
aus?" Es ward ihm offenbar 
schwer, diese Thatsache zu faffen; 
als aber seine Nichte, ohne zu 
zögern abermals die Frage in sehr 
bestimmter Weise bejahte, stieg die 
Nöthe des Zornes ihm in die 
Stirn. „Du kannst kaum darüber 
im Zweifel geblieben sein, daß ich 
keine Neigung für Botho empfinde", 
sprach Edith« jetzt, die Augen furcht 
los zu dem Grafen aufschlagend. 
„Thörichte Sentimentalität!" 
entgegnete er gereizt. Du kannst 
auch ohne diese überspannte Art 
von Liebe glücklich werden. Be 
denke, welche Vortheile Bothos 
Stellung —" 
„Bitte, Onkel, sprich nicht mehr 
davon", fiel Edith« ihm in das 
Wort. „Ich könnte Bothos Frau 
aus vielen Gründen niemals werden, 
auch wenn ich nicht — wenn ich nicht 
gewählt hätte." 
Es war heraus! Das blühende junge Gesicht von tiefem 
Roth übergössen, stand sie hochklopfenden Herzens vor dem 
Major Gtto Friedrich von der Grüben. 
Kommandant der Festung Groß - Friedrichsburg. 
schon anderweitig 
Grafen, der mit emporzogenen Augenbrauen und offenem Munde 
auf sie niederstarrte. 
„Ich habe den heutigen Tag, den Tag meiner Mündig 
keitserklärung, abgewartet", sprach sie schnell weiter, indem sie 
tapfer den blonden Kopf wieder zu ihm emporhob, „um Dir 
mitzutheilen, daß ich mich in kurzer 
Zeit verheirathen werde." 
„Mit wem?" kam es endlich über 
seine Lippen. Er stand noch immer 
da — ein einziges großes Erstaunen. 
„Mit Doctor Erich Gunthart." 
„Du scherzest!" rief der Onkel. 
„Es ist mir heiliger Ernst," 
entgegnete sie. 
Eine peinliche Stille folgte, 
dann fiel die Faust des Grafen 
wuchtig auf den Tisch nieder, neben 
dem sie standen. „Editha, Du bist 
von Sinnen!" rief er mit Stentor 
stimme. „Du wolltest Dich an einen 
obscuren Bürgerlichen wegwerfen. 
Du — eine Freiin von Arnhoff! 
Unmöglich! Ich dulde es nicht." 
Sie war sehr blaß geworden. 
„Ich habe dies erwartet, Onkel," 
entgegnete sie mit einer ein wenig 
zitternden Stimme und darum habe ich Dir bis jetzt nichts 
von dieser Verlobung gesagt, die mein ganzes Lebensglück in 
sich schließt. Von heute an — bin ich frei, und kann mein 
Schicksal in meine eigene Hand nehmen."
        
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