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Periodical volume 14. März 1885, Nr. 24

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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Entwürfe publizirt und hat jetzt in einer besonderen Brochüre des 
Ingenieurs und Stadtverordneten 58. Wieck eine sehr sachgemäße und 
ausführliche Besprechung erfahren. Die kleine Arbeit, die durch Figuren 
erläutert ist und an einigen praktischen Beispielen darthut, wie sehr 
Giundbesitz und Steuerzahler durch einzelne Bestimmungen benachtheiligt 
werden, kommt zu dem Endresultat, daß einzelne der vorgelegten Para 
graphen für die Stadt ganz unannehmbar seien. Gerne wird darin an 
erkannt, daß Vieles in dem Entwürfe enthalten sei, das zur Verbesserung 
der sanitären Verhältnisse beitragen werde; doch sind im ganzen die per 
sönlichen Rechte sowohl, wie die individuellen Bedürfnisse der Bewohner 
Berlins viel zu wenig berücksichtigt. Auch den feuerpolizeilichen Bedenken 
ist anscheinend viel zu sehr Rechnung getragen worden, da mit den an 
erkannten Fortschritten der Berliner Feuerwehr allmälig eine Herabminde 
rung der bezüglichen Anforderungen erwartet werden dürfte. Die Belege 
für die rapide Ausdehnung der Stadt, für die Entwcrthung des Grund 
besitzes re. werden in klarer Weise geboten. Den Verlag der Arbeit, die 
auch den Wortlaut der Bauordnung enthält, hat Julius Bohne (Wilhelm- 
straße 36) übernommen. W. 
Werkiner MrKundenpcrganient. Die bedeutendste Urkunde der Neu 
zeit, die Generalakte der afrikanischen Konferenz, ist am Donnerstag, den 
26. Februar in 14 Exemplaren auf Pergament ausgefertigt worden, das 
in engerer Konkurrenz von der Firma Oechsle Hierselbst geliefert worden 
ist. Bei Uebertragung des Druckes dieser völkerrechtlich hervorragenden 
Urkunde an die Kaiserliche Reichsdruckerei wurden bezüglich der Güte des 
dort vorhandenen Pergamentes Bedenken laut, auf Grund deren der Di 
rektor der genannten Druckerei, Geheimer Regierungsrath Busse, eine Be 
werbung des In- und Auslandes ausschrieb um ein Material von der 
selben Güte, wie es 1878 die Wiener Staatsdruckerei zur österreichischen 
Ratifikationsurkunde des Berliner Vertrages gestellt hatte. Der Druck 
der 14 Vertragsexemplare erfolgte in Tertia-Elzevirschrift in französischer 
Sprache. Die gewöhnlichen Buchstaben haben die Größe eines Centi- 
meters, die Namen der Souveräne sind in Versalien, die Kapitelüber 
schriften in Media-Schrift ausgeführt. Die Deckel bestehen in rothem 
Samniet mit Futter aus seidenem Rips. Sie gingen hervor aus dem 
Atelier des Hofbuchbinders Demuth. Die Staaten unterzeichneten ganz 
so, wie beim Vertrage von 1878 in alphabetischer Reihenfolge: Allemagne, 
Autriche-Hongrie, Belgique, Dänemark, Espagne, Etats-Union, France, 
Grande-Bretagne, Italie, Pays-Bas, Portugal, Russie, Suede et Norwege, 
Turquie. Es ist eine besondere Liebenswürdigkeit der französischen 
Sprach«, daß sie dazu beiträgt, Deutschland in allen Verträgen an dre 
Spitze zu bringen. 
500 Ialsrc Mcrkincr Geschichte. Das unter diesem Titel erschienene 
bekannte Werk von Adolf Streckfutz (vom Fischerdorf zur Weltstadt) ist, 
wie man uns mittheilt, in den Verlag von Albert Goldschmidt 
(W. Köthenerstr. 35) übergegangen. 
Dncllstrafen int vorige« Jahrhundert. In den von dem Lehrer 
Horn in Brandenburg publicirten handschriftlichen Notizen des Pastor 
Loesccke aus Plaue über sonderbare Vorgänge in der Stadt Brandenburg 
im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts heißt es laut Jahresbericht 
des historischen Vereins daselbst über ein Duell, wie folgt: „Im Jahre 
1726 den 24. Juni, Sonnabend Abends, forderte in Brandenburg ein 
Kapitän, v. Lüderitz, einen Andern, den Joh. Dan. Cramer zum Duell. 
Sie begaben sich vor das St. Annenthor, und wo drei Wege auseinander 
gehen, nahmen sie ihren Fechtplatz. Da Lüderitz nicht will aufhören, 
obgleich er blessirt, wird er darauf tödtlich blessirt und auf einen von 
ungefähr kommenden Bauerwagen in die Stadt gebracht; da er alsbald 
gestorben. Er wurde, nachdem er etliche Tage in einem Altstädtischen 
Keller gestanden, an den Ort, wo er duellirt, auf einen Mühlenwagen 
hinausgefahren und daselbst begraben. Der Andere hat sich gleich zu 
Pferde nach Sachsen fortgemacht, ist auf Rekommandation des Königs 
durch Seckendorf als Kaiserlicher Lieutenant nach Italien gekommen. 
Sein Brustbild ward auf dem Markt in der Neustadt am Galgen auf 
gehängt mit dem Namen darunter; seine Sachen sind aber öffentlich ver- 
auktionirt worden." ' 
Der Warne Msmarili. Gewiß ist manchem Leser des „Bär" die Her 
kunft des Namens unseres verehrten großen Staatsmannes nicht völlig klar; 
er weiß eben nur, daß es ein Schloß Schönhauscn und vielleicht ein Gut 
Bismarck giebt, oder es haben wohl geistreiche Witzmacher das Wort „Bis 
marck" als „Doppel" aus dem Lateinischen, bi«, zwei Mal und Mark als 
„Kraft" erklärt. Die Deutung ist ganz hübsch und deckt sich mit dem Sprüch- 
wort: „noinen omen". Aber vor der Wortforschung kann diese Deutung 
doch nicht bestehen. Der Name „Bismarck" hat vielmehr folgende Ab 
leitung. Seitdem von Kaiser Heinrichs Zeit im 16. Jahrhundert an die 
Sachsen energisch die Wenden, die bis über die Saale vorgegangen waren, 
zurückdrängten, nannte man die Grenzdistrikte gegen letztere häufig 
„Marken"; diese nannte man aber wieder zur Unterscheidung unter ein 
ander nach Merkmalen wie „alt", „neu" re. Eine der frühesten Marken, 
noch ivestlich der Elbe, nannte man nach einem Bach, der sich aus dem 
Gardebener See bildet und „Bise" hieß (der Name ist in Kieperts Atlas 
nicht mehr zu finden), die „Bisemarck". Das Wort „Bise" bedeutet 
aber im Niedersächsischen einen schmalen Strich; so durchzog oder umgab 
der Bach also wie ein schmaler Strich — eine Bise — jenes Grenzland, 
deren Herren wohl die von Bismarck gewesen sind. In einer Karte von 
Ortelius vom Jahre 1588 ist sowohl die Bise als auch die Bisemarck zu 
lesen. Es ist jedenfalls ein eigenthümliches Zusammentreffen, daß, wie 
vor 900 Jahren die Bisemarck und ihre Herren eine Schutzwchr gegen 
das Slaventhum waren, so auch heut wieder ein BiSmarck dasteht, um 
den überschäumenden Slaven ein Halt an Deutschlands Ostgrenze zuzu 
rufen. 
L. A. — i. 
sin Wrachlschild, als Kaiserpreis für den Wndcrlllnb ist in 
jüngster Zeit in dem Atelier des Bildhauers Otto Lessing vollendet 
worden. Dasselbe hat eine ovale Form, ist am Rande von einem sehr 
schönen Figurenfries mit allegorischen Darstellungen umrahmt und zeigt 
in der Bütte das ziemlich große Porträt des Kaisers in Bas-Relief um 
geben von Friedensgenien, die Kranz und Palme des Sieges spenden. 
An dem Rande sitzen in kleinen Medaillons Wappen mit dem Berliner Bär, 
dem Reichsadler, dem Preußischen Adler und den Abzeichen des Ruder 
klubs. Die Verbindung zwischen Mitte und Rand bildet eine Auflage in 
Form eines reichdekorirten Kreuzes, dessen Arme von schuppenartigen 
Bändern mit glänzenden Buckeln begrenzt sind. Die figürlichen Darstel 
lungen in dem genial komponirten Randfriese sind von der höchsten Voll 
endung; sie dürfen kühn den besten italienischen Arbeiten an die Seite 
gesetzt werdeit. Das gaitze Schild ist in Kupfer und Eisen getrieben in 
einer höchst schwierigen, hier sonst so gut wie unbekannten Technik, die 
Otto Lessing durch Heranziehung italienischer Arbeiter erfreulicher Weise 
bei uns hier wieder eingeführt hat. — Aus dem gleichen Atelier, eben 
falls als Rennpreis, ist ein prachtvoller Pokal in vergoldetem Silber 
hervorgegangen. 
Me Dauer der Konzession für die Wserdeöahnkinicn, welche das 
königliche Polizei-Präsidium ertheilte, war bei den einzelnen Linien bis 
jetzt verschieden. Auf Antrag der Großen Berliner Pferdebahngesellschaft 
hat das Polizei-Präsidium nun darin gewilligt, daß, entsprechend dem 
Nachtragsvertrage zwischen der genannten Gesellschaft und dem Btagistrate 
vom 6./17. November 1881, die Enddauer sämmtlicher Pferdebahn-Kon 
zessionen aus den 31. Dezember 1911 festgesetzt wird. 
450 Jahre werden es in diesem Jahre, daß der Magistrat zu 
Berlin und Köln die dem Johanniterorden gehörigen Dörfer Tempel 
hof, Marienfelde, Mariendorf und Nixdorf käuflich an sich brachte. 
Die Veranlassung dazu gab ein zwischen dem Ordenskomthur, dessen Sitz 
Tempelhof war, und Köln ausgebrochener Grenzstreit, welchen der Orden 
mit dem Schwerte auszufechten gedachte. In Gemeinschaft mit den Bauern 
der genannten Ortschaften zogen in Folge dessen 200 geharnischte Reiter 
vor die Stadt und berannten die Thore, wurden aber energisch zurückge 
wiesen. Um sich in Zukunft gegen die mögliche Wiederkehr derartiger 
unliebsamer Besuche zu sichern, hielten Berlin und Köln es für rathsam, 
: die erwähnten Dörfer voin Heermeister des Ordens für den Gesammt- 
preis von 4449 Schock und 40 Groschen im Jahre 1435 zu erstehen, 
j Das Hauptgut Tempelhof wurde zwar wieder veräußert, kam indeß im 
Jahre 1603 für 6000 Thaler abermals in den Besitz des Magistrats von 
Köln, der 1621 den größten Theil des Gutes an einen gewissen Liebert 
Müller zum Preise von 7000 Thalern und den Reit im Jahre 1717 an 
den Kriegsrath Scharden für 2500 Thaler abtrat. Die gutsherrlichen 
Rechte über Marienfelde und Mariendorf, in denen Magistrat kein Grund 
stück eigenthümlich besaß, veräußerte er im Jahre 1833 für 2000 Thaler. 
Bon Rixdorf, urkundlich früher auch Richardsdorf genannt, erwarb König 
Friedrich Wilhelm I. anno 1737 das Lehnschulzengut, um auf den dazu 
gehörigen 5 Hufen 18 böhmischen Kolonisten di« Ansiedelung zu ermög 
lichen. Es bildeten sich 2 Gemeinden: Deutsch- und Böhmisch- Rixdorf, 
deren Vereinigung zu einer Gemeinde neueren Datums ist. In der 
Rittergutsmatrikel wurde Rixdorf 1655 gelöscht, 7 Jahre vorher war ein 
großer Theil desselben niedergebrannt. Durch Einführung der Kreis- 
: ordnung vom 13. Dezember 1872 wurde dieser Nachbarort ein eigener 
Amtsbezirk. Die Patronatslasten hat Berlin aber auch jetzt noch zu 
tragen. 
Kammcrtzerr von Auch. Kürzlich las man die Nachricht von dem 
Tode des alten Kammerherrn von Buch. Als ich es las, trat mir lebhaft 
eine Begegnung mit demselben vor Augen, deren Umstände interessant genug 
sind, um im „Bär" aufbewahrt zu werden. — Es war zur Zeit der 
Ausgrabungen auf dem Schloßplatz. Man hatte einige Tage zuvor einen 
der dankbarsten Funde, das Denkmal des 1608 (?) gestorbenen Kriegs 
obersten von Buch und darunter im Gewölbe auf schwarzer Asche, wie 
auf Sammet gebettet, seine Knochen und das Schlachtschwert gefunden.') 
Da wurde ich eines Nachmittags, da der Bauführer nicht anwesend war, 
nach dem Schloßplatz erbeten: „ein Verwandter von einem Ritter da 
unten", wie der Bote sagte, wäre da. In der That stellte sich mir dort 
der jüngst verstorbene Kammerherr von Buch mit seinen beiden Söhnen 
vor, der auf die Nachricht von jenem Funde nach der Ausgrabung ge 
kommen war und den Wunsch, Näheres über seinen Vorfahren zu hören, 
äußerte. Das Hautrelief des Denksteins war eine vorzügliche Arbeit, 
tief hatten sich mir der schöne kräftige, mit einem Schnurrbart gezierte 
Kopf des mit dem Panzer dargestellten Kriegsobersten eingeprägt, die 
kühn gebogene Nase, die starken Augenwulsten und die dicken Lider waren 
Der Denkstein ist der Familie von Buch aus deren Ansuchen überwiesen worden, 
doch besitzt das Märkische Provinzialmuseum — leider in seiner Leichenkammer — davon 
einen Abguß.
        
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