Path:
Volume 14. März 1885, Nr. 24

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

370 
an Theilnahme ausgegeben werden. Neuerdings hat man sie wieder 
abgehalten, und sie tragen ebenso sehr zur Erhöhung des Kunst 
verständnisses bei, wie die ziemlich regelmäßig wiederkehrenden 
Sonderausstellungen im Lichthofe des Museums, zu deren 
Hervorragendsten die der Ehrengeschenke zur silbernen Hochzeit des 
Kronprinzenpaares und zur Vermählung des Prinzen und der 
Prinzessin Wilhelm gehört haben. Dieser Lichthof bildet bei solchen 
Anlasten den Sammelplatz der vornehmen und gebildeten Kreise, 
und von nah und fern strömen Neugierige und Freunde der 
heimischen Kunst herbei, sich an den bequemen und zweckmäßig 
aufgestellten Zeugnisten alter und neuer Meisterschaft zu freuen und zu 
bilden. Da sehen wir denn, daß zehn Jahre rastlosen Schaffens und 
Wirkens ausgereicht haben, das Kunstgewerbe in Ausnahme zu 
bringen, so daß Hoch und Niedrig nicht mehr müßig und des guten 
Aussehns halber, sondern mit Liebe und Stolz durch diese von dem 
höchsten Glanze erfüllten Räume hindurch wandern. Ueberall 
trifft das Auge nur Schönes, nur Anregendes, nur Festelndes. 
Die Sammlung zählte im Jahre 1867 nur zweiunddreißig 
Gegenstände. Zunächst traten hinzu Ankäufe aus der Pariser Ausstel 
lung von 1867; es waren dies meist orientalische Kunstwebereien und 
moderne venetianische Gläser und Mosaiken; bald nachher gab die 
Bauakademie eine Auswahl von Glasgemälden her, die Gewerbe 
akademie eine solche von werthvollen Spitzen; auch die keramische 
Sammlung der Porzellanmanufaktur wurde hier aufgestellt und 
leihweise aus dem Besitze des Kronprinzlichen Paares gar manches 
kostbare Geräth eingereicht. Erworben wurden nachher die kunst 
gewerbliche Sammlung des Freiherrn v. Minutoli um 
150000 Mark (1869), das berühmte Rathssilberzeug der 
Stadt Lüneburg um 660 000 Mark (1874), die Sammlung 
deutscher Trinkkrüge aus dem Nachlaß des Kammermusikus 
Hanemann, Erwerbungen aus der Wiener Weltausstellung 
für 67 000 Mark, dann die schon erwähnten bis zum Jahre 1600 
nachweisbar zurückgehenden Theile der in der Kunstkammer und 
dem Musuem bewahrten Gegenstände. Es waren dies an neun 
tausend Stück, darunter hauptsächlich vertreten venitianische Gläser, 
Majoliken, Edelmetallarbeiten und einzelne Stücke von sehr bedeu 
tendem Werthe, wie beispielsweise der Pommersche Kunstschrank. 
Von sonstigen Vermehrungen sind besonders zu erwähnen die Nach 
bildung des E i s e n h o i t'schen Altarschmuckes, die kostbaren Stoffe und 
Stickereien der Sammlung Schnitzen, die seltenen japanischen und 
chinesischen Arbeiten der Sammlung Brandt. Ueberdies gestattete 
die Erhöhung des regelmäßigen Staatszuschusses und die wieder 
holte Gewährung außerordentlicher Mittel die wichtige theilwcise 
Ergänzung des Bestehenden in erfreulichster Weise. Geschenke gingen 
in großer Zahl alljährlich ein und brachten ebenfalls einzelne 
geradezu unersetzliche Stücke. Zu den Wohlthätern in dieser Hinsicht 
zählen Seine Majestät der Kaiser, dann Kronprinz und Kronprin 
zessin, die Prinzen Karl und Adalbert, Banquir Ed. Jacques, 
Castellani in Rom, Albert Katz in Görlitz. 
Das Gebäude des Kunstgewerbemuseums, das in dem Reich 
thum seines Aeußeren schon die Pflege der Kleinkunst plastisch und 
malerisch zur Geltung bringen will, enthält außer den ausgedehnten 
Sammlungen noch eine reichhaltige Bibliothek und eine große Zahl 
von Ateliers und Unterrichtsräumen, in denen unter der Oberleitung 
des Profestors Ewald durch vortreffliche Lehrkräfte die Jugend 
zum Verständniß und zur Pflege des Kunstgewerbes herangebildet 
wird. Die gesammte Verwaltung des Museums mit allem Zubehör 
untersteht dem seit Gründung der Anstalt daran thätigen verdienten 
Architekten Carl Grunow. — 
Der große Lichthof, dessen Abbildung wir heute geben, ist einer 
der schönsten und ansprechendsten Festräume, die wir überhaupt zur 
Verfügung haben. Leicht und luftig wird die Decke von schlanken 
Pfeilern auS tiesgrünem Syenit getragen, auf welchem die broncirten 
Gurte und Kapitelle sich wirkungsvoll abheben. Die langen Gänge 
mit ihren reichen Gewölben bilden imposante Perspektiven und 
wechselvolle Durchblicke; freundlich darüber spannt sich, wie ein 
Velarium, die auf kühnen Gurten schwebende Glashülle. Das reich 
durchbrochene Gitter, das schützend zwischen den Pfeilern sich hin 
streckt, ist ein unübertroffenes Meisterstück deutscher Gießerei, es 
setzt sich im Modell aus nahezu 300 Stücken zusammen, die durch ihre 
tiefe Unterscheidung das Aeußerste erreichen, was in dieser Technik 
geleistet werden kann. Die große Voute unterhalb des Oberlichtes 
ist mit einem mächtigen über hundert Meter langen Friese ge 
schmückt, der von Geyer und Hundrieser modellirt und nachher 
durch Schaller in lichten Tönen bemalt wurde. Der Fries stellt 
die Ueberbringung von Festgaben aller Zeiten und Völker an die 
thronende Borussia dar. Die bei der Einweihung des Museums 
veröffentlichte Denkschrift giebt über die einzelnen Gruppen Er 
läuterungen, die als zuverlässig angesehen werden müsten, da sie 
augenscheinlich von den ausführenden Künstlern selbst herrühren. 
Demgemäß thront an der Nordseite des Hofes (also über dem 
Eingänge) eine Ruhmesgöttin, von welcher aus nach rechts 
hin Griechen mit Dreifuß und Waffen hinter musizirenden 
Jünglingen und Jungftauen vorschreiten, ihnen voran Römer zu 
Roß im Geleite einer ehernen Wölfin. Weiter folgen Mönche 
mit Kirchenmodellen, Kreuzfahrer, Künstler aus gothischer 
Zeit, Buchdrucker, Peter Bischer neben dem Sebaldusgrab, 
Dürer, Holbein, Zünfte, endlich Gestalten aus der italienischen 
Renaissancezeit mit Majoliken, Glasgeräth, Bronzen und Kirchen 
schmuck. — 
Zur Linken der Ruhmesgöttin folgen aufeinander die Ver 
treter der Stein- und Bronzezeit, dann Aegypter mit der Sphinx, 
ein assyrischer König auf seinem Streitwagen. An der kurzen 
Seite erblickt man die Inder und Perser in malerischer Karavane 
mit den Schätzen des Morgenlandes; Chinesen mit Pagoden, Japa 
nesen mit Porzellangeräth. Es kommen dann Delffter Fayence 
maler, ein Holländer aus der Zeit des Rubens, eine Belgierin als 
Spitzenklöpplerin. Das achtzehnte Jahrhundert zeigt Schlüter mit 
dem Standbild des großen Kurfürsten, ferner Schadow und mehrere 
seiner Zeitgcnosten. Dem Eingang gegenüber schließt der Zug von 
beiden Seiten an die Mittelgruppe, eine auf einem Throne sitzende 
Borussia, umgeben von Gewerbe, Baukunst, Plastik und Malerei. 
Kindergenieen bekränzen die festlichen Kandelaber, Herolde laden 
nach beiden Seiten hin die Nahenden zum Eintritt in das neu be 
gründete Heim. 
Mit ihnen wollen auch wir zwanglos durch die geöffneten 
Säle wandern, vor Allem dem kunstliebcnden Leser auch das 
Historische hervorragender Werke zu bringen und soweit dies thun- 
lich, durch Illustrationen zu veranschaulichen.*) 
Für heute fügen wir die Darstellung dreier seltenen Stücke 
bei: zweier Majoliken des XVI. Jahrhunderts aus Urbino und 
einer Silbersontäne des berühmten Christoph Jamnitz er. Erstere 
zeigen die Wappen der Nürnberger Familien Schmidmayer und 
Paumgarten von Hohenstein, die nach einer Mittheilung des 
Direktorialassistenten A. Pabst („Zeitschrift f. bild. Kunst" 1884) 
von dem Löwen der Jmhof bekrönt erscheinen. Sie stammen 
aus der Fabrik der Herzöge von Urbino in Urbino, deren Arbeiten 
ebenso, wie die der Fabrik zu Pesaro durch figürlichen Schmuck 
ausgezeichnet waren. 
Die Silberfontäne in Gestalt eines Elephanten gilt als 
eine Arbeit des Christoph Jamnitzer aus Nürnberg. Friedrich der 
Große, der dieselbe im Besitz hatte, ließ eine zugehörige pracht 
volle Silberplatte mit dem Namen des Meisters einschmelzen, um 
Kriegsgelder daraus zu gewinnen. Dieses zählt zu den schönsten 
Beispielen profanen Prunkgeräths aus Edelmetall, von 
*) Später sollen auch aus dem Postmuseum, dem Rauchmuseum, dem 
Alten Museum und dem Schinkelmuseum weitere Beiträge solgen.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.