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Volume 28. Februar 1885, Nr. 22

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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iesige Bücher - Antiquarius Herr Christian Noack seit 
25 Jahren mit vieler Mühe und großen Kosten gesammelt hat. 
Selbige besteht aus fünfzigtausend wohlkonditionirter und 
chön gebundener Bücher aus allen Theilen der Gelehrsamkeit, 
>er Künste und Wissenschaften in verschiedenen Sprachen. Ich 
muß gestehen, daß ich unter diesen Büchern nicht nur viele alte, 
ehr selten zu findende Schriften, sondern auch die neuesten und 
berühmtesten Werke (ohne die Bücher aus der mittleren Zeit zu 
rwähnen) angetroffen habe." 
„Alle diese Bücher, welche der Besitzer derselben noch täglich 
r ennehret, sind um einen billigen Preis zu verkaufen, und werden 
euch wöchentlich oder monatlich für 8,12 und 16 Groschen 
zum Lesen verliehen. Auswärtige können sich, wenn sie das 
Porto bezahlen und Sicherheit stellen, ebenfalls derselben bedienen. 
Die 7 gedruckten Berzeichniffe von diesen Büchern sind für 2 Thaler 
u haben. Man kann auch selbige zum Durchlesen geliehen be 
kommen." 
„Bei gedachter Bibliothek befindet sich auch eine schöne 
Bildersammlung von Portraits, Landschaften, Reiß- und 
Zeichenbüchern, Land- und Seekarten und andern merkwürdigen 
Kupferstichen." 
So der „Berlinische Zuschauer" (25. Stück) vom Jahre 1769. 
Dieser Ankündigung von der nachweisbar ersten Berlinisch en 
Leihbibliothek ließ besagter Christian Noack, welcher im 
Sprögcl'schen Hause neben der St. Petrikirche wohnte, bald darauf 
in derselben, ebenfalls bei ihm zu beziehenden Wochenschrift, „den 
gcehrtesten Lesern und Leserinnen guter Bücher, zur Ergötzlichkeit 
und zum nützlichen Unterricht," eine allgemeine Uebersicht der mit 
so vieler Mühe und Kosten gesammelten Bibliothek folgen. Sie 
bestand „aus einer großen Anzahl älterer und rarer, mittlerer und 
ganz neuen historischen, moralischen, satyrischen, philosophischen 
und theologischen, juristischen, mathematischen, astronomischen, 
physikalischen und ökonomischen so wie von allen möglichen Künsten 
und Wisi »schäften in allen Theilen der Gelehrsamkeit handelnden 
Bücher. Im gleichen von allgemeinen Welthistorien; Länder-, 
Städte- und Reisebeschreibungen; See- und Landreisen; Entdeckungen 
der neuen Welt, von Christoph Columbus an bis auf die 
jetzigen § 'chifffahrer durch alle Kaiser- und Königreiche und Re 
publiken. Staats-, Lebens-, Regierungs-, Kriegs-, Sieges- und 
)eld?ngeschichten; curiösen Avantüren, manichfaltigen Begebenheiten, 
Robinsen , Romanen, Gesprächen, Gedichten und Tragödien; 
Vielen in sie schönen Wissenschaften und freien Künste einschlagenden 
und on: n gemeinnützigen Schriften, nebst verschiedenen klassischen 
Schrr sie ern, Autoribus classicis und andern Schul- und 
Rechend ichern in teutscher, französischer, englischer, holländischer, 
italienischer, spanischer, schwedischer, böhmischer, polnischer, russischer, 
lateinischer, griechischer, syrischer, hebräisch - chaldäischer u. a. 
orientalischen Sprachen." 
In der That, ein Bücherschatz, um den jeder Bibliophile 
»lscrn Christian Noack beneiden konnte! 
Ob die Berliner von diesem „Avertiffement" den gewünschten, 
usgiebigen Gebrauch gemacht, erfahren wir leider nicht. Ueber- 
mß an politischer Lectüre und periodischen Berliner Zeitschriften 
' >ar damals freilich nicht vorhanden, da das eigentliche literarische 
.eben erst unter Friedrich dem Großen begonnen. Die „Bossische" 
und „Spenersche" brachten wöchentlich zweimal, in Octavsormat, 
t'ie wichtigsten politischen Nachrichten in knappen Umrissen; und 
de einzige, Unterhaltungsstoff bietende Wochenschrift „Der Berlinische 
Zuschauer", erblickte in jenem Jahre (1769) das Licht der Welt. 
Wie seine Vorgänger, fristete auch er nur ein kurzes Dasein, 
rl'gleich es in der „vorläufigen Nachricht an das Publikum" heißt: 
„Der engclische Zuschauer, der teutsche Zuschauer, die 
Zuschauerin und der Leipziger Zuschauer haben mir bei 
denen weitläuftigen Entwürfen, welche sie sich zu ihren Wochen 
blättern macheten, noch so viel Stoff übrig gelassen, daß ich, wenn 
nicht etwan der Ruf des Ewigen die ernsthafte Stunde bald herbei 
winket, in welcher der Todt mir die Feder aus der Hand nehmen 
wird, diese Wochenschrift einige Jahre hindurch fortsetzen 
kann . . . Um nicht der Welt mit einer unnützen oder eckelhasten 
Schrift beschwerlich zu fallen, werde ich mich äußerst bemühen, den 
Inhalt eines jeden Stückes so einzurichten, daß der Leser nicht 
durch allzu lange oder trockene Abhandlungen eingeschläfert werden 
soll. Daher werde ich theologische, moralische, philo 
sophische und physikalische Beobachtungen und poetische Ge 
danken mit einander abwechseln lassen . . . Zuletzt würde ich noch 
die Absichten berühren, um welcher willen ich diese Wochenschrift 
herausgebe: Wenn meine geneigte Leser und Leserinnen durch meine 
Blätter in der Liebe zur Religion und Tugend bestärket werden, 
wenn sie aus selbigen Nutzen und Vergnügen schöpfen, wenn ich 
zur Beförderung der Gelehrsamkeit etwas beitragen kann, so habe 
ich meine Absichten erreicht! Ein guter Vorsatz kann unmöglich den 
Tadel der Vernünftigen verdienen, und was müßte man sein, wenn 
man das Urteil der Thoren nicht verlachen könnte?" 
Eine gleiche Tendenz verfolgten die, ebenfalls nach englischem 
Muster zugeschnittenen, Vorläufer unseres „Zuschauers." Den Reigen 
derselben eröffneten in Berlin schon Anno 1708 „Der von 
Sr. König!. Majestät in Preußen allergnädigst privi- 
legirten curieusen Natur-, Kunst -, Staats- und Sitten 
Präsenten, Erster Jahrgang von MDCCV11I. Durch R. Oe. 
Zum Nutzen und Ergötzen. Berlin in der Dorotheen - Stadt, 
druckts Johann Vessel." 
Während bei den nachfolgenden Wochenschriften die Heraus 
geber überhaupt nicht oder unter fingirten Namen genannt sind, 
so verbirgt sich hinter dem R. Oe. unserer ersten Berlinischen Wochen 
schrift der literarisch gebildete Capitain der Cavallerie und 
Mitglied der Societö royale, R. Oelven. Die „Präsenten", 
welche der Verfasser in Briefform an eine Dame richtet — er nennt 
sic „Madame la Phantasie,“ — geißeln die Putzsucht der Frauen 
und die Abgeschmacktheit ihrer Toiletten; in einer, 24 Quartseiten 
umfassenden Nummer ziehen sie gegen den Genuß des Kaffee's zu 
Felde, der damals auch zuerst in Preußen eingeführt worden war. 
Wir gewinnen daraus ein Bild von der Leidenschaftlichkeit, mit 
welcher die höchsten und niedrigsten Kreise dem Genuffe dieses 
neuen und kostbaren Reizmittels sich hingaben. Der erste Jahr 
gang der „Präsente", welcher zugleich auch der letzte war, ging 
übrigens aus drei verschiedenen Buchdruckereicn hervor; er umfaßt 
262 Quartsciten und kostete 2'/- Thaler. 
Erwähnen wir in der Kürze noch der nachfolgenden Berlinischen 
Wochenschriften, so war es zunächst das „Moralische Fernglas," 
welches 1732 erschien, bald darauf aber wieder einging. Der 
seit Beginn des Jahres 1741 „wöchentlich an's Licht gestellte 
Weltbürger" erfreute sich nur ein Jahr lang seines Daseins. 
Vier stattliche Jahrgänge dagegen bilden, von 1747 bis 1750, die 
uns vorliegende „Berlinische Bibliothek", worinnen von neu 
herausgckommenen Schriften und anderen zur Gelahrtheit gehörigen 
Sachen kurze Aufsätze und Nachrichten mitgetheilt werden." Gedruckt 
bei Christian Friedrich Voß. 
In dem letztgenannten Jahre (1750) erfolgte dann durch die 
Haude- und Spener'sche Buchhandlung an jedem Freitag die Heraus 
gabe eines gelehrten Wochenblattes: „Critische Nachrichten aus 
dem Reiche der Gelehrsamkeit." Empfohlen wurde das Blatt 
allen denen, welche die Gelehrsamkeit liebten, da die Recensionen 
mit Ueberlegung gemacht seien, und die Kritiker in ihren Arbeiten 
Kenntniß der Sachen, Aufrichtigkeit und Menschenliebe bewiesen. 
Zwei andere Wochenblätter: „Der deutsche Sokrates" und 
„Die Druiden" erschienen im März deffelben Jahres in der 
vorgenannten Buchhandlung. „Sokrates hat das Lob einer aus 
nehmenden Weisheit sogar von dem Orakel erhalten, und die Druiden
	        
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