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Volume 21. Februar 1885, Nr. 21

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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auff die geschossenen Span guttc anfacht haben sollen, vnd was 
nu solche sechs Personen sehen vnd befinden werden, dabey sol es 
verbleibe», vnd darüber durchaus kein Span gcldten, beblasen oder 
gegeben werden. 
Zum Anderen, sol mit den Büchsen oder Schirmröhren sie 
seind glat oder gezogen, so gutt einer weiß oder damit auf den 
Plan kommen kan, jedoch aus freier Faust vnd schwebendem Arm 
ohne alles vorthel vnd auflegen mit schlecht ronden Kugeln, nach 
einem Manne von gewöhnlicher grosse auf einem Löwen sitzende, 
von Berg zu Berg vber den Thal 300 Elen weit geschaffen werden, 
zu welchem jeder drey Schüsse thun soll, der nu unter solchen dem 
Zweck in des Mannes Hertz am ncchsten kömbt der sol zum Ritter 
schuß haben neben zugehöriger Fahnen einen Silbern vergoldten 
Becher 20 Reichsthaler werth, Diejenigen aber, so ihre Schisse 
alle drey erhalten, sollen sich nach einer ronden gewöhnlichen 
Scheiben vmb ein Silbernen vergoldeten Becher Funfftzig Stück 
oder Reichsthaler wert, sambt zugehöriger Fahnen, dem Löß nach 
abgleichen, vnd sol auf Zusammenkunft vnd vnterredung der 
Herren Schützen, was die Zulage vnd Abtheilung der anderen 
Cleinotcr betrifft, ein gewiffes geschloffen vnd verordenet werden, 
damit bald Montages die Zulage vnd Dienstages solch Büchsen- 
schisscn angefangen vnd schleunig vollbracht werde, Sonsten aber 
sol alles vnd jedes gewöhnlichem Schützcnbrauch nach, wies bis- 
hero auf den Freyschisscn im Armbrust vnd Büchsen gehalten 
worden, verbleiben, vnd da hierüber einiger Kummer sürsibe, sol 
cs neben Zuziehung etlicher fremden Herren von Schützen, auff 
vnseres Mittels vnd anderer hierzu verordneten Personen erkänd- 
nüß stehen, vnd Jedcrman diß widerfahren was die Hitzigkeit vnd 
das Schützcnrecht vermag. Und in Summa alles Nachbarlich, 
freundlich vnd ausfrichrig zugehen, Jnmaffen wir dann auch mit 
sonderem ernst all den Vnsrigen anbefohlen sich aller gutten Ord 
nung, vnd daß abes förderlichsts fortgehen möge, zu befleißigen, 
auch mit bequemen tauglichem Vorgelholtz sich vorgewifferen zur 
Wahl fürzulegen, damit die srembden Herren Schützen wieder jhrcn 
willen nicht auffgehalten, sondern alles je ehe je besserer vnd 
lengstes, do möglich, in acht tagen zu ende gebracht werden 
möge. 
Ersuchen also hiermit E. G. die Herren vnd Euch, welchen 
diß vnser offenes Patent fürbracht wird, mit dienst- freund- vnd 
nuchbarlicher Bitt, Sie wolten zu dieser ongcsteltcn Bbung vnd 
kurtzweil, der obgedachten Schiffen, vnd was etwan nach gelegen- 
heit der zeit mehres hierzu angeordnet werden möchte, auf obcn- 
angedeutcten Tag zu rechter zeit sich hierhero verfügen, bald nach 
gehaltener Mittagspredigt solches helfen ansahen, zu guttem ende 
vollbringen, vnd was einem Jedem seine Kunst vnd das Gelück 
fügen wird gewertig sein. Das seind wir hiewieder dienst-freund- 
vnd nachbarlich zu verschulden bereitwillig. Gebe» vnter vnserem 
der Stadt Jnsiegcl den l5. Monatstag Julii des 1615 Jahres." 
Miscellcn. 
Der Weiße Saat im Schroffe ;u Merlin. (Zu der Abbildung 
Seite 325.) Bei den hervorragenden Staatsaktionen der letzten Jahr 
zehnte ist wohl kein Festsaal des Continents so oft genannt worden, 
keiner zu solcher historischen Bedeutung gelangt, wie der Weiße Saal 
des Königlichen Schlosses zu Berlin, der bei der Eröffnung des Reichs 
tages und der Kammern, bei dem Festmahle des Krönungs- und Ordens 
festes und an den Gallatagen des Kaiserhauses die erlauchtesten und be 
rühmtesten Männer, Feldherren und Staatsmänner, Künstler und Gelehrte 
mit dem Oberhaupte des Reiches und dem ganzen Hofe zu vereinigen 
pflegt. Krystallkronen und silberne Kandelaber senden dann ihren feier- 
iichen Schein in dieses Chaos der farbenprächtigen Menge, deren bunte 
goldglänzende Uniformen sich scharf auf der spiegelglatten weißen Wand 
fläche abheben. Der Saal führte von jeher nur die Bezeichnung der 
Weiße Saal, weil er hauptsächlich durch völlige Farblosigkeit von den 
sonstigen Königlichen Gemächern der Schlüterschen und Eosanderscheu 
Zeit sich unterscheiden mochte. Diese Farblosigkeit ist wahrscheinlich 
keineswegs beabsichtigt gewesen; weder findet man sie in den übrigen 
Sälen unseres Fürstenhauses noch auch entsprach sie der bevorzugten 
Lage des stattlichen Raumes zwischen der Bildergallerie und dem groß 
artigen Treppenaufgang an der Schloßfreiheit neben dem den Bogen des 
Konstantin nachahmenden großen Hauptportal. In dieser Hinsicht ist es 
nöthig, den Nachfolger Schlüters, den Freiherrn von Eosander einigermaßen 
in Schutz zu nehmen, nachdem er nicht ohne llnrecht seit Nicolais Zeiten 
von den meisten Schriftstellern als unbefähigt und mißgünstig hingestellt 
lvird. Zu seiner Zeit freilich hatte für den Saal nicht viel geschehen 
können, weil er bald nach Vollendung des Schloßportals sich veranlaßt 
sah, den Hof Friedrich Wilhelms I. zu verlassen, um in schwedische Dienste 
zu treten. Die Verbindung der Prinzessin Friederike Louise mit dem 
Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Ansbach gab erst 1728 Ver 
anlassung, den weißen Saal, der durch eine Spiegelthür mit der Eosan- 
derschen Treppe verbunden war, für den Fackeltanz und andere Feier 
lichkeiten in Stand zu setzen. Den Hauptschmuck bildeten sechzehn Mar 
morfiguren des holländischen Bildhauers Bartholomäus Eggers, welche 
ie zwölf brandenburgischen Kurfürsten seit Friedrich I., und die Kaiser 
Konstantin, Karolus, Rudolf II. und Justinian darstellten. Die jetzige 
roßartigere Gestaltung in künstlerischer Beziehung zum Treppenhause er- 
ielt der Saal durch den Oberbaurath Stüler, nachdem der kunstsinnige 
Friedrich Wilhelm IV. durch die Cabinetsordre vom 24. Juli 1844 rund 
anderthalb Millionen Mark für den Ausbau des Schlosses und der 
Kapelle an der Freiheit aus eigenen Mitteln bewilligte. Er würbe bei 
dein Krönungsfeste des Jahres 1848 zuerst wieder in Benutzung genommen 
und hat nachher hunderte bedeutsamer Feste und ebenso die Aufrichtung 
des neuen Reiches erlebt, da dessen sichtbares Haupt, Wilhelm der 
Deutsche, den ehernen Sitz der alten Kaiser aus der Pfalz zu Goslar 
wieder einnahm. 
Der Saal ist hundert Fuß lang, fünfzig Fuß tief und fast vierzig 
Fuß hoch. An der kurzen Seite wiederholen die korinthischen Säulen 
mit den Statuen zwischen rundbogigen offenen Arkaden ein glanzvolles 
Motiv der Außenarchitektur, das von Andreas Schlüter au dem Ost- 
portal des großen Jnnenhofes bereits verwandt wurde. Der freie 
Durchblick von dem Saale aus über die prächtige Treppe giebt eine 
höchst malerische Bereicherung des Gesammteindruckes, zu dessen Steigerung 
nur an der Decke die Verivendung von Farben stattgefunden hat. Die 
Wiederholung der Bogengänge in halber Höhe und die Ausschmückung 
der mächtigen Voutcn durch die allegorischen Darstellungen der einzelnen 
Provinzen erhöhen wesentlich die festliche Erscheinung des Raumes. Als 
eines Tages das Tafelsilber des Prinzen Wilhelm in einer endlosen 
Fülle hier aufgebaut war, da empfand nian für die Umgebung desselben 
ein größeres Farbenbedürfniß und den Mangel wärmerer Töne in dem 
ganzen Raume. Die bloße Weiß heit ist für einen solche» Saal kein 
großer Ruhm. 
Mscrdevahn ,,Zoologischer Garten-Lcltow" Die Herren Bau 
meister Havestadt und Contag, welche die Konzession zum Bau einer 
Straßenbahn von der Station „Zoologischer Garten" der Stadtbahn durch 
die Straße Nr. 20 des Bebauungsplans, über Wilmersdorf und Frie 
denau nach Steglitz nachgesucht haben, sind auf das betreffende Gesuch 
von dem königlichen Landrath des Teltower Kreises abschläglich beschiede» 
worden. In dem Bescheide wird dem „B. B. C." zufolge mitgetheilt, 
daß ihnen ein Anderer zuvorgekommen und bereits für dieselbe Strecke 
die Konzession nachgesucht habe. Dieser habe die technischen Vorarbeiten 
ausgeführt und deren Resultate der Behörde vorgelegt. Wir berichteten 
kürzlich, daß dem Gutsbesitzer Sabersky auf Seehof die Erlaubniß 
zur Anfertigung von Vorarbeiten für eine Straßenbahn von Teltow 
über Seehof nach Groß-Lichterfelde ertheilt sei. Derselbe beabsichtigt 
aber bis zur Station „Zoologischer Garten" weiter zu bauen. 
Kroll's Etablissement hat Mitte Februar das Jubiläum seines vierzig 
jährigen Bestehens gefeiert. Abweichend von der Jubiläumstradition, das 
erst anbrechende Jubeljahr festlich zu begrüßen, schreibt man dem 
„Berl. Börs. Cour.", ist hier das bereits zurückgelegte vierzigste 
Jahr gefeiert. Der Begründer des Instituts, Josef Kroll, hat dasselbe 
am 15. Februar 1844 eröffnet, freilich nicht als Theater, sondern als 
Vergnügungslokal allgemeinerer Art. Das sünfundzwanzigjährige Jubi 
läum des Instituts ist im Februar des Jahres 1869 begangen worden. 
Berlin hat die Entstehung des Kroll'schen Etablissements vor allem der 
Protektion des Königs Friedrich Wilhelm kV. zu danken, der bei einem 
Besuche Breslau's den alten Kroll, den damaligen Inhaber eines ähn 
lichen dortigen Lokales, zur Uebersiedelung nach seiner Residenzstadt er 
munterte und ihn durch Gewährung von Grund und Boden (im Thiergarten 
am Exerzierplätze, bei „Meherbeer's Villa") in seinem neuen Werke 
wesentlich unterstützte. In die Reihe der Berliner Theater ward das In 
stitut erst nach dem Eintritte des jetzigen Eigenthümers in die Direktion 
desselben, gefügt, welche nach Krollt Tode in die Hände seiner Tochter 
Auguste, seit 1853 verehelichte Engel, übergegangen war. Josef Karl 
Engel aber, geboren den 4. März 1821 in Pest, war kurze Zeit nach dem
	        
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