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Periodical volume 21. Februar 1885, Nr. 21

Full text: Der Bär Issue 11.1885

die Arnims, der Oberstwachtmeister Georg Wilhelm von Nochow Jahre 1714 an den Freiherrn Gerhard Bernhard von Pöllnitz, 
und endlich der kurf. Rath Seidel Besitzer gewesen, von dem kurs. Oberstallmeister und Großvater des bekannten Kammcrherrn. 
Staatsminister Joachim Ernst von Grumbkow (geb. 1637, gest. 1690) Seine noch heut wohlerhaltene Mumie, die einen Säbelhieb aus 
erworben ward. Nach einer lateinischen Inschrift über der Ein- weist, enthält ein schwerer eichener Sarg in der Gruft der pitto- 
gangsthür der Kirche war er der Erbauer des jetzigen schmuck- resken Kirche, welche der Minister v. Biereck in den Jahren 1726 
losen Gotteshauses und die mit einem Grabstein bezeichnete Gruft und 1727 von dem Berliner Baumeister Dietrichs in griechischer 
in ihm verwahrt die Asche des in der brandenburgischen Geschichte Kreuzform erbauen ließ. Ihr lichtvoller, reich geschmückter Jnnen- 
berühmten Mannes. Ueber Schildow, einst denen von Hoppen- 
rade, dann dem Hans Brakow, seit 1546 dem Kloster Lehnin ge 
hörig, worauf es mit den übrigen Gütern desselben bei der Kirchen- 
resormation dem Kurfürsten zufiel, gelangen wir nach Schöner- 
linde, das seinem Namen alle Ehre macht, denn im Sommer 
giebt die dicht mit Lindenbäumen besetzte Dorfstraße dem Orte 
ein gar liebliches Gepräge. Auch von ihm besaß das Kloster 
Lehnin alle gutsherrlichen Rechte und Hebungen. Gegenüber dem 
ganz und gar von Epheu berankten Schulhause des Orts führt 
eine Chaussee nach der neben diesem alten Dorfe von Friedrich 
dem Großen im Jahre 1754 neuangelegten Spinnerkolonie, der 
er (muthmaßlich nach dem damaligen Oberamtmann) den Namen 
Schönwalde gab. Eine muntere Einwohnerin Schönerlinde's, 
den hier allgemein getragenen sogen. „Helgoländer" auf dem 
Kopfe, — auch die elegant gekleidete Dame, welche vom Pfarr- 
hause her über den kleinen Friedhof um die von grünem Gebüsch 
umgebene Kirche schreitet, trägt ihn — weist uns den Weg nach 
Buch. Zunächst giebt uns auf der Weiterfahrt die Mark eine 
Probe ihres trefflichen Sandes, dann lenken wir in die Kiefern- 
und Fichtenhaide ein, der ein prächtiger Laubwald folgt. Hell 
schimmern die weißen Stämme der Birken am Waldesrande im 
Sommersonnenstrahle und dahinter prangen zahlreiche Lärchen 
bäume in stischestem Grün. Jetzt geht's am stillen Försterhaus 
in lauschiger Waldesstille vorbei über den Bahndamm, und bei 
der nächsten Biegung des Weges blicken wir in den herrlichen 
Park von Buch, gleich dem Schloßgarten von Schönhausen ein 
vielbesuchter Wallfahrtsort der Künstler. Zwischen Kastanien und 
Buchen zeigt sich uns das schmucklose Schloß des Grafen Boß, 
ein einfacher, neuerdings renovirter Flügelbau aus dem vorigen 
Jahrhundert. Tief in das melancholisch dahinfließende Wasser 
der Panke — wir befinden uns hier im Pankethal — neigt die 
Buche, der bevorzugte Liebling dieses stillen märkischen Edelsitzes, 
ihre Zweige, dort wölben sie sich wie Kirchenschiffe zu dunklen 
Gängen und hier führt uns eine hohe gewölbte Rüsternallee zu 
einem von jungen Edeltannen umschlossenen Plätzchen, in deffen 
Mitte sich ein kleines Monument erhebt. „Nata 5. Juli MDCCLXVi 
obiit 25. März MDCCLXXXIX", lesen wir auf der einen Seite 
desselben, „Soror optima, amica patriae“ auf der anderen, und 
den Engel des Todes, der eine Sterbende mit lächelnd verklärtem 
Antlitz in sein Gewand hüllt, zeigt die dritte. Es ist ein Denk 
mal der schönen Julie von Boß, welche sich Friedrich Wil 
helm II., der „Vielgeliebte", unter dem Namen einer Gräfin 
v. Jugenheim an die linke Hand antrauen ließ. Sie war eine 
Tochter des Geh. Justlzraths und ehemaligen Gesandten am 
dänischen Hof, Friedrich Christoph Hieronymus v. Boß, der das 
Gut von seinem Schwiegvater, dem Staatsminister von Viereck, 
erbt«. Als der erste Hohenzoller in die Mark kam, saß in Buch 
die Familie von Röbel, zur Zeit der Reformation der kurbranden- 
burgische Rath Hans v. Röbel, der, wie sein Sohn Joachim nach 
mals Feldmarschall in kaiserlichen Diensten (gest. 1570), in freund 
schaftlichen Beziehungen zu Philipp Melanchthon stand, welcher 
zwei Kinder Joachims über die Taufe hielt und der Kirche zu 
Buch die X Thomas Wittenbergenses Lutheri schenkte, in deren 
zehnten Band der Reformator einen Paulinischen Spruch aus 
dem Briefen der Kolosser (3, 16), mit der Jahreszahl 1559, 
eigenhändig eingetragen hat. Der letzte Röbel auf Buch, Bickhol zu. 
Karow starb als Gouverneur zu Berlin; er verkaufte Buch im 
! raum mit sich mehr und mehr verjüngenden Kuppelaufsätzen ruft 
! einen wohlthuenden Eindruck hervor, der durch den alten, reich 
I geschnitzten eichenen Altar, durch eine treffliche Kopie der Rubens- 
j scheu „Auferweckung des Lazarus" und das prachtvolle Marmor- 
! denkmal des Erbauers der Kirche noch vermehrt wird. Bor dem 
i Altar ruht in einer gemauerten Gruft Julie von Boß. 
Es fällt einem schwer, sich von dem stillen und doch so vor 
nehmen Buch zu trennen, doch wir müßen weiter. Ueber die Ort 
schaften Schwanebeck, ein äußerst stattliches Dorf, und Birk 
holz geht's nach Blumberg. Am Eingänge in den Ort dehnt 
! sich die Straße zu einem weiten Platz aus, an dem ein großes 
j Gasthofsgebäude liegt, und erscheint so fast wie ein Landstädtchen, 
j Und in der That war es ein solches und wird noch 1464 in 
j einem Lehnsbriefe „Städtlein" genannt. Wahrscheinlich von den 
Bischöfen von Brandenburg an der Stelle einer slavischer Nieder- 
| lassung gegründet und bis 1551 in ihrem Besitz, waren hier die 
[ Löben, sowie die in der Mark einstmals so reich begüterten 
Krummensees Herren des Orts, dann der unter dem großen 
Kurfürsten lebende Geh. Rath und Dichter Rudolf von Kanitz. 
Blumberg war sein Tuskulum, wo er nach seinen diplomatischen 
Missionen ausruhte, seinen Kohl baute und das geliebte Pfeifchen 
schmauchte, denn er war ein großer Verehrer des edlen Tabaks 
und hat ihn mehrmals in seinen ehemals vielgelesenen Gedichten 
besungen. Sein Besitzthum vererbte er aus den „Obersten der 
Gensdarmes" von Kanstein, welcher im spanischen Erbfolgekrieg 
in dem deutschen Heere gegen die Franzosen kämpfte und am 
11. September 1709 bei Oudenarde siel. Seine „hvchbetrübteste 
Wittwe" setzte ihm ein in Italien gefertigtes, noch wohlerhaltenes 
Marmordenkmal, das seine von reichen kriegerischen Emblemen um 
gebene Büste zeigt, in der Blumberger Kirche, die, in neuester 
Zeit in gothischem Stil renovirt, es wohl mit der in Buch auf 
nehmen kann. Durch die buntgefärbten Glasfenster fällt das 
Sonnenlicht auf die zahlreichen in der Kirche befindlichen Gemälde, 
auf die Trauerfahnen der Herren v. Löben, das Porträt der 
„Obcrkammerherrin" von Burgsdorf, der Großmutter des Dichters 
Kanitz, auf das lebensgroße Bildniß der Wittwe Kanstein's, später 
verehelichten Frau v. Hagen, dessen Rahmen von in Alabaster ge 
schnittenen Wappen adeliger Familien gebildet wird; sie war eine 
Wohlthäterin Blumbergs, stiftete ein Predigerwittwenhaus, ein 
Hospital und eine Kirchenbibliothek. Neben dem Eingang zur 
Gruft der Gräflich von Arnim'schen Familie, in deren Besitz sich 
Blumberg seit 1836 befindet, erblicken wir auch ein Werk Scha- 
d ow's, die Marmorreliefs des Präsidenten v. Goldbeck und seiner 
Gemahlin, welcher 1803 das Gut von den Schulenburgs kaufte. 
Ein Mitglied dieser Familie, der Minister Alexander Friedrich 
Georg, legte um Blumberg prächtige Baumalleen an und führte 
das Neue Gesangbuch ein. Er konnte nicht ahnen, daß später 
ein Geistlicher des Orts es durch den „alten Porst" mit seinen 
mittelalterlichen Poesie- und geistlosen Liedern wieder verdrängen 
wollte, und dadurch zu Ende der sechsziger Jahre unseres Jahr 
hunderts einen bösen „Kirchenstreit" im Dorf hervorrief, der alle 
Bewohner desselben dem Gotteshaus entfremdete, bis der streit 
bare und hartköpfige Pastor seinen Hirtenstab weitersetzte. Jetzt 
herrscht hier Friede und auch in dem schönen gräflichen Park, an 
deffen Eingang das von Schinkel erbaute Schloß, der Wittwen- 
sitz der Gemahlin des vor einigen Jahren verstorbenen Flügelad- 
jutanten des Kaisers und Kommandeurs der Garde-Kürassiere,
        
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