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Volume 31. Januar 1885, Nr. 18

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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von Hessen (1700); die Bürger von Berlin und Köln im Schlosse bei der 
Conferenz der Lutherischen und Reformirten 1614; die Zurück 
führung der Quadriga auf dem Brandenburgerthor. Sehr verdienst 
voll ist es, daß die Casein Malerei für die auszuführenden Gemälde 
gewählt wurde, da dem Vernehmen von mehreren Seiten dem nicht zu 
billigenden Aufbringen großer Oelgemälde aus Leinwand das Wort ge 
redet worden sein soll. — W. 
Der Fremdenverkehr in Werk!« hat nach den neuesten Ermitte 
lungen im vorigen Jahre nicht ganz die Höhe desjenigen von 1883 er 
reicht. Die Zahl der polizeilich gemeldeten Personen betrug vielmehr 
nur 338 303 gegen 351814 (in 1883). Es wäre übrigens unrichtig, 
daraus schließen zu wollen, daß der Verkehr im vorigen Jahre über 
haupt gesunken wäre; es ist vielmehr jenes Deficit, welches nur zwei 
Prozent beträgt, vermuthlich durch die Hygiene ausfiellung zu er 
klären. Auch absolut genommen, bietet die vorstehende Zahl kein zu 
verlässiges Bild von der Zahl aller vorübergehend sich hier aufhaltenden 
Auswärtigen, indem nur die in den Hotels, den Chambre-garnies und 
sonstigen Unterkunstseinrichtungen Angemeldeten aufgezählt zu werden 
pflegen. So heißt cs beispielsweise für Dezember 1884: polizeilich 
gemeldete Fremde 18906, davon in Gasthöfen 12535, in Hotel garnis 
und Chambre-garnies 2316, in sonstigen Anstalten zur Beherbergung 
4055. Die Zahl derjenigen, die jahraus jahrein aus einige Tage bei 
Verwandten einkehren und zu dem Theaterbesuch, dem Absatz hiesiger 
Artikel u. s. w. das ihre beitragen, ist gewiß weit größer, wie diejenige 
in den Gasthöfen. Von dem Belagerungszustand erfährt man ja so wenig, 
daß die Meisten gar nicht daran denken, ihre Besuche anzumelden. 
Mischof Htlo von Uamöerg's Weise durch die Mark Brandenburg. 
Auf seiner zweiten Missionsreise nach Pommern im Jahre 1128 wählte der 
berühmte Pommernapostel, Otto Bischof von Bamberg, nicht wie das 
erste Mal den Weg durch Böhmen und Polen, sondern durch Sachsen, 
die Mark und Mecklenburg. In Merseburg erbot sich Wirikind, ein wen 
discher Häuptling um Havelberg, ihm sicheres Geleit durch sein Gebiet 
zu gewähren. Hier kaufte der Bischof einen stattlichen Vorrath von köst 
lichen Sachen, ließ alles auf Schiffen die Saale hinunter in die Elbe 
bis zur Ausmündung der Havel nach Havelberg führen und von dort 
auf fünfzig Wagen durch das Gebiet der Liutiken weiter schassen. In 
Salzwedel empfing Norbert, seit drei Jahren erwählter Erzbischof von 
Magdeburg und bekannt als Stifter des Prämonstratenser - Ordens, den 
Amtsbruder mit hoher Achtung, suchte jedoch, beschämt, daß der fremde 
Seelenhirt zur Bekehrung der Heiden an die Grenzen seines Sprengels 
sich ausmache, durch die Schilderung der Gefahren den Bamberger abzu 
halten. Aber Otto ließ sich nicht irre machen, sondern zog folgenden 
Tages nach Havelberg. Die blutigen Bekehrungsversuche, welche die Mark 
grafen in der Landschaft zwischen Elbe und Oder unternommen hatten, 
tnüssen aber wohl wenig gefruchtet haben, denn in dem ärmlichen Orte 
hatte sich fast jede Spur des Christenthums so weit verloren, daß am 
Tage der Ankunft des Bischofs die Einwohner das Fest des Götzen Gerovit 
mit großem Gepänge begingen und Otto im Zorn über solchen Gräuel 
die Stadt zu betreten sich weigerte. Wirikind der Christ, an's Thor 
entboten und wegen dieser Duldung gescholten, entschuldigte sich niit seiner 
Machtlosigkeit, verhieß aber dem Bischof den sichersten Erfolg, wenn er 
hier predigen würde. Wirklich fand sich vor dem Thore alsbald eine 
große Menge ein und zeigte sich bereit, den Bischof zu hören; aber er 
lehnte es ab, um nicht Norberts Mißfallen zu erregen und in dessen Amt 
hier einzugreifen. Er beschenkte daher den Wirikind und dessen Gattin 
mit Gold und einem köstlichen Psalter, und machte sich dann getrosten 
Muthes mit seinem langen Wagenzuge zur Fahrt durch die öden Wälder, 
welche sich bis in's heutige Mecklenburg hinein erstreckten. Die heidnischen 
Bewohner dieser Landschaft behelligten seine Reise in keiner Weise. Mit 
Staunen und Ehrfurcht sahen sie sich diesen merkwürdigen Zug Reisender 
an. — Dr. Th. Unruh. 
Aus den« chrtraordinariuni des preußischen Kuktuseiats sind 
folgende Forderungen, von denen die Mehrzahl ein besonderes Interesse 
für Berlin hat, hervorzuheben: Zur Herstellung und Einrichtung eines 
hygienischen Laboratoriums in Berlin (in der alten Gewerbe- 
Akademie) 60 000 Mark. Zur Einrichtung deshygienischenMuseums 
daselbst 58 000 Mark. Zum Bau des naturhistorischen Museums 
(4. Rate) 400 000 Mark (Gesammtkosten 3 870 000 Mark). Zum Er 
weiterungsbau der Berliner Akademie (1. Rate) 120000 Mark. 
Zur Erwerbung eines größeren Terrains für den Neubau der klinischen 
Institute in Breslau 480 000 Mark. Zum Umbau der Sternwarte in 
Göttingen 103 000 Mark. Für Ankauf von Terrain zur Erweiterung 
des Seminars in Heiligenstadt 29 000 Mark. Zum Umbau der Dächer 
des neuen Museums in Berlin (I. Rate) 175 000 Mark (Gesammt 
kosten 250000 Mark). Für die Königliche Bibliothek in Berlin 
100 000 Mark. (Ergänzungen der Bücherbestände, Katalogisirung rc.) 
Bezüglich der Reorganisation der Bibliothek wird bemerkt: „Die Vor 
arbeiten sind im Gange und erstrecken sich sowohl auf die persönliche, 
wie auf die sächliche Seite. Es wird beabsichtigt, nach vorläufiger Fest 
stellung der Grundzüge einheimische und auswärtige Sachverständige zu 
Rathe zu ziehen. Dadurch und durch die Beschaffung des Materials, 
welches zum Theil aus dem Studium der Einrichtungen und Ver 
hältnisse von großen ausländischen Bibliotheken gewonnen werden muß 
werden mancherlei Kosten entstehen, welche auf mindestens 25 000 Mark 
J« veranschlagen sind. Die Königliche Bibliothek steht in ihren Samm 
lungen hinter denjenigen der ineisten anderen großen Bibliotheken noch 
sehr zurück, und es sind namentlich für die Gebiete der Theologie, der 
Geschichte, der deutschen Literatur, der Medizin und der Naturwissen 
schaften zahlreiche Lücken vorhanden. Auch ist die Katalogisirung der König 
lichen Bibliothek für mehrere Abtheilungen noch nicht vollständig durch 
geführt. Zur Beseitigung der drückendsten Uebelstände nach beiden Richtungen 
soll die Forderung dienen." 
Mau der Marlitlialken. Selten hat ein Vorfall die gesammte 
Presse so einmüthig gefunden, wie jetzt bei der plötzlichen Einstellung der 
Markthallenbauten durch den Magistrat, welcher veranlaßt wurde durch 
die ungewöhnliche Forderung der Feuerpolizei, daß die Gangbreite der 
auf dem Hinterlande liegenden Hallen, die zu neun Meter angenommen 
war, in gleicher Breite durch das Vorderhaus bis zur Straße gesührt 
werden sollte. Diese unerwartete Forderung, die eine erhebliche Werthver 
minderung der Hallengrundstücke herbeiführen würde, ist vom Magistrat in 
sehr bestimmter Form jetzt abgelehnt worden, wodurch die Jnhibirung der 
Bauarbeiten sich von selbst ergeben mußte. Die Stadtverordnetenver 
sammlung hat in ihrer letzten Sitzung mit 100 Stimmen gegen 8 dem 
Magistrat den Dank für sein energisches Vorgehen ausgesprochen. — Es 
mag bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden, daß schon vor langen 
Jahren der Stadt Berlin große Markthallen zugedacht waren, und daß der 
frühere Polizeipräsident von Wurmb diesen Projekten in jeder Weise entgegen 
kam, daß aber gleichzeitig mit dem Personalwechsel im Präsidium andere 
Anschauungen zur Geltung kamen, die bis vor Kurzem die Errichtung von 
Markthallen verzögerten. Anders ist die Sachlage nun insofern, als es 
die Stadt ist, welche jene wichtigen Bauten errichtet, nicht aber eine 
private Erwerbsgenossenschaft. W. 
Won der neuen Bauordnung. Die Nachricht, daß die neue Bau 
ordnung noch wesentlich strengere Vorschriften für die Bebauung der 
Grundstücke enthalten soll, als ursprünglich beabsichtigt war, begleitet 
die „Baugew.-Ztg." mit folgenden Bemerkungen: Wenn sich diese Nach 
richt bestätigen sollte, so dürfte im Innern der Sladt, wo Zuerwerbungen 
fast ausgeschlossen sind, die Neubebauung resp. der Umbau der Grund 
stücke mit dem Augenblick abgeschnitten sein, wo die neue Bauordnung 
in Kraft tritt. Aber auch die Vorstädte werden darunter leiden. Die 
Folgen einer allzu großen Beschränkung der Baufreiheit dürsten sich bald 
in einer Wohnungsnoth geltend machen, denn wenn schon jetzt der Häuser 
bau, soweit er von soliden Bauunternehmern betrieben wird, nicht gerade 
rentabel zu nennen ist, wie viel mehr wird dies der Fall sein, wenn 
übermäßige Beschränkungen auferlegt werden. Wenn man einerseits mit 
Recht für inehr Licht und Luft sorgen will, so sollte man doch andererseits 
auch daran denken, daß durch künstliche Erhöhung der Wohnungsmicthe 
den kleinen Leuten ein Theil der Mittel entzogen wird, welche sie zum 
Lebensunterhalt bedürfen. 
Wir bemerken hierzu, daß wir der Meinung der Baugewerkszeitung 
nicht sind. Bewahrheitet es sich, daß die neue Ordnung für mehr Licht 
und Lust sorgen will, so wird die Kosten hierfür der Baustellenschwindler 
zahlen. Die Baustellenpreise werden naturgemäß herabgehen 
müssen, und wir hoffen es noch zu erleben, daß alle die elenden dunklen 
Kasernen, welche ohne Hof in diesen letzten Jahren gebaut sind, als 
„nicht zu veriniethen" ihren Erbauern auf dem Halse bleiben werden. 
Die zum Bau des neuen Bokizei-BrästdiakgeSäudes in Aussicht 
genommenen städtischen Grundstücke Alexanderplatz 4 und Alexander 
straße 3—7 sind zum Theil am 1. Januar d. I. miethsfrei geworden, 
theils steht dies zum 1. April c. bevor. Der Magistrat beabsichtigt 
nunmehr mit dem Abbruch der auf diesen Grundstücken befindlichen Bau 
lichkeiten vorzugehen. 
Jas Wakais des Wrinzen Albrecht (S. 277) ist so dargestellt, wie 
es vor etwa 50 Jahren nach Schinkels Angaben verändert wurde. Der 
erste Besitzer, ein Emigrant, Baron de Vernezobre, für den es 1737 
— angeblich nach einem aus Frankreich stammenden Plane — erbaut 
wurde, führte dasselbe auf Anregung Friedrich Wilhelms I. aus. Nach 
Vernezobres Tode wurde es von den Erben verkauft, diente 1763 dein 
Türkischen Gesandten zmn Aufenthalt und gelangte bald nachher in den 
Besitz der Prinzessin Amalie, die es als Sommersitz einrichtete. 
Während der Freiheitskriege wurden bald die Post, bald Ateliers, Ma 
gazine und Arinenanstalten darin untergebracht, bis der König 1830 es 
zur Wohnung des Prinzen Albrecht von Preußen bestimmte. Die 
prächtige offene Säulenhalle, die auf dem Bilde nicht sichtbar wird, ist 
eine Zuthat Schinkels. Der Preis des Palais betrug 1763 nur 
50 000 Mark, 1769 gar 37 500 und 1772 rund 65 000 Mark. Heute 
ist dieser Platz mit seinem schönen Parke Millionen werth, die aber bei 
den gegenwärtigen Besitzverhältnissen nicht befürchten laffen, daß in der 
Benutzung eine Aenderung eintreten werde. 
Brinzessin Wikhekmine. (Hierzu Portrait Seite 273.) Die Lieb 
lingsschwester Friedrichs des Großen, die als Memoirenschreiberin be 
kannt gewordene Markgräfin von Baireuth, älteste Tochter des 
Königs Friedrich Wilhelm I., zeigt uns unser Bild. Sie und Prinz 
Friedrich hingen von Kindheit an zum Verwundern der Familie mit un 
gemeiner Zuneigung an einander. Es bildete sich so ein Akt von Wahl 
verwandtschaft zwischen den Geschwistern, welche sie beim Spiel und 
Unterricht zusammenführte. Ein schönes Bild von Antoine Pesne stellt 
den dreijährigen Kronprinzen dar, wie er die Trommel schlägt und seine
	        
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