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Volume 24. Januar 1885, Nr. 17

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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damals in besonderem Ruf stehenden Handelsstädten Breslau und 
Hamburg und die Schiffbarmachung der Elbe, Oder und Spree 
gab er dem kommerzirenden Theil seiner Unterthanen einen 
Schwung in ihren Geschäften. Die Tuchmachereien waren gänzlich 
in Verfall gekommen; er half diesem Hauptzweig des vaterlän 
dischen Fleißes theils durch eingeborne, theils durch ins Land ge 
zogene Weber wieder auf, vermehrte die Schafzucht, und ver 
hinderte die Ausfuhr der 
Wolle durch vielfältige und 
den Zeitumständen ange 
messene Verordnungen. 
Der Gartenbau und 
die Baumzucht waren ganz 
verwildert. Die für die 
kurfürstliche Tafel nöthigen 
Küchengewächse, welche jetzt 
gemein und zu Jedermanns 
Gebrauch im Ueberfluß da 
und um einen geringen 
Preis zu haben sind, 
mußten mit großen Un 
kosten auf der Post von 
Hamburg, Braunschweig, 
Erfurt und Leipzig ver 
schrieben und hergeschafft 
werden. Mit einem Worte, 
es herrschte bei den Bran 
denburgern eine große 
Trägheit. Man überließ 
mit in den Schooß gelegten 
Händen der Natur, was sie 
hervorbringen wollte od?r 
nicht, war zu unaufgelegt 
und kenntnißlos, um durch 
Fleiß und Mühe dem 
Boden das Nützliche, was 
er durch fleißige Bearbei 
tung gern giebt, abzulocken. 
Der Kurfürst, der auf seinen 
jugendlichen Reisen man 
nigfaltige Kenntnisie ge 
sammelt und eingesehen 
hatte, wie nützlich und 
angenehm zugleich der 
Gartenbau sei, legte, seinen 
Unterthanen zum Beispiele, 
verschiedene Baum-, Blu 
men- und Küchengärten an, 
ließ geschickte Gärtner kom 
men, die ihre Kunst aus 
üben mußten und war in 
eigener Person bei der Ar 
beit, in der er sich gern 
überraschen ließ. Die bei 
den Gemahlinnen Luise und 
Dorothee thaten eben dies, 
und dadurch wurden die Personen, welche den Hof ausmachten, 
aufgefordert, gleiche Versuche zu unternehmen.*) Hierauf folgten 
Medaille für dir Grundsteinlegung der Gensd'armrnthürme ;u Scrltu. 
(S. Seite 272.) 
*) Johann Sigismund Clßholtz in seinem Gartenbau oder 
Unterricht von der GärMerei auf das Klima der Kur-Mark Brandenburg 
eingerichtet, Kölln an der Spree 1672. 4. hat S. 4 u. s. die Personen 
genannt, welche nach dem Beispiele des Kurfürsten schöne Gärten in der 
Mark Brandenburg angelegt haben, als: 
nach und nach die Bürger und die Landwirthe, wodurch sich 
denn bald die Nützlichkeit dieser Bemühungen einleuchtend machte. 
Diese glücklichen Veränderungen des Bodens machten sich beson 
ders im Jahre 1679 bemerkbar. Nachmals mußten Verordnungen 
das gebieten, wozu der Wille sich zu träg bezeigte. 1686 befahl 
Friedrich Wilhelm, daß jeder Eingesessene oder Unterthan, 
sowohl in den kleinen Städten und Flecken, als besonders auf dem 
platten Lande, sich hinter 
seiner Wohnung einen 
Platz abhegen, solchen in 
zwei Theile absondern, und 
den einen mit Obstbäumen 
besetzen, den andern aber 
zu einer Pflanzschule von 
Eichen einrichten mußte. 
Die Amtsdörfer wurden 
befehligt, damit den An 
fang zu machen, und Nie 
mand ward kopulirt, es 
mußte denn der Bräutigam 
nachweisen, er habe zum 
wenigsten sechs Obstbäume 
gepfropft und eben so viel 
junge Eichen angepflanzt. 
Es wurden überall, wo es 
nur angehen wollte, Alleen 
und Lustgänge angelegt. 
In Berlin sind die soge 
nannten Linden, der Wei 
dendamm und der Lust 
garten Beispiele gewesen, 
wie eifrig der Kurfürst für 
Verschönerungen besorgt 
war. Er und der vortreff- 
Der General - Feldmar 
schall Otto Christoph Frei 
herr vonSparrzuPrenden. 
Der Geheimrath und 
Stadthalter des Fürstenthums 
Halberstadt, Christian Al 
brecht Graf und Burggraf 
zu Dohna zu Schönhausen. 
Der Ober - Präsident 
Otto Freiherr von Schwe 
rin, zu Alt-Landsberg. 
Der Geheime Etatsrath 
Johann Friedrich Frei 
herr von Löben zu Schen- 
kendorf. 
Der Geheimrath und 
Amtskammerpräsident R a - 
ban von Canstein zu 
Lindenberg. 
Der Geheime Kriegsrath 
und Generalmajor Gerhard 
Bernhard Freiherr von 
Pöllnitz zu Buch. 
Christoph Caspar Freiherr 
Der Geheimrath und Kammerherr 
von Blumenthal zu Stavenau. 
Der Kammerherr und Amtshauptmann Zacharias Friedrich 
von Götzen zu Rosenthal. 
Der Oberfchenk Ernst Gottlieb von Börstel zu Hohen-Finow. 
Der kurfürstl. Rath und Ober-Cämmerer Christian Sigismund 
Heydekampf zu Rudow und 
der Hof- und Kriegsrath Franz von Meinders vor dem Stra- 
lauer Thore zu Berlin.
	        
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