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Volume 17. Januar 1885, Nr. 16

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

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Lustgarten und Museum (Zu der Illustration 245.) Der 
hiesige Lustgarten milsamnit der Museumsinsel war in alter Zeit ein 
wüster und morastiger Platz, an der äußersten Grenze Altköllns und vor 
dessen Stadtmauer gelegen, im Winter und Frühjahr mit dem Wasser 
der ausgetretenen Spree bedeckt und im Sommer ein großer Sumpf. 
Als aber vor nun rund dreihundert Jahren der sparsame Sohn des ver 
schwenderischen Joachim, als Kurfürst Johann Georg sein Schloß durch 
Hans Raspell fertig ausbauen ließ, da dachte er auch daran, das große 
versumpfte Terrain, das ani Schlosse lag, auszunützen. Er erbat sich 
1573 von dem Grafen von Schönburg-Glauchau den Gärtner Desiderius 
Cordianus und ertheilte ihm den Auftrag: 
„insonderheit llnns allhier hinder unserm Schloß am Thiergarten einen 
neuen Lustgarten, daraus Wir allerlei Unser Küchen Nodtdurft haben 
mögen, mit allem möglichen undt besonderen Fleiß zu erbauen undt 
zuzurichten." 
Gärtner Cordian ließ den Platz „von de» Wasserflüssen räumen", 
ließ ihn ebnen und erhöhen und schuf dann hier einen großen Lust- und 
Küchengartcn für den Brandenburgischen Hof. In der Unglückszeit des 
17. Jahrhunderts, in de» Wirren des 30jährigen Krieges verwilderte der 
Garten und wurde erst wieder 1645 durch Me mm har dt und den Lust- 
gärtner Michael Hanff neu hergerichtet. SechSzig Jahre später kam 
wieder ein Verwüster über den Garten. Der Sparkönig ließ Sand über 
die gesamnite Herrlichkeit fahren und schuf hier einen Erercierplatz. In 
dieser traurigen Gestalt blieb der ehemalige Garten bis zum Bau des 
Museums. Zwar wurden im Jahre 1803 Pappeln und Kastanien an 
gepflanzt, die wir auf dem Bilde noch schauen und von denen die 
Kastanienbäume noch heutigen Tages di« stimmungsvolle Ecke an der 
Schloßapothele bilden helfen. Im wesentlichen aber blieb der Garten 
bis zum Jahre 1828 öde. Seit dieser Zeit, seit der Eröffnung des Mu 
seums, der Errichtung der große» Schale und der Wasserwerke hat sich 
der Garten von Jahr zu Jahr als ein Vorgarten der prächtigen Mu- j 
seumsbauten schön entwickelt, insbesondere seit der Errichtung des Denk 
mals König Friedrich Wilhelms 111. 
Seinen Charakter als zum Schloß gehöriger Lustgarten hat er in 
dessen vollständig eingebüßt, seit 1803 der große Platz vor dem Schloß 
Pflasterung erhielt. Und dies wird noch mehr hervortreten, wenn die 
Fortsetzung der Lindenstraße, die Kaiserwilhelmstraße und Brücke nach 
hier den großen Wagenverkehr zwischen Berlin-Ost und West vermitteln 
wird. D. 
Aus unserem Spreemakde. (Zu der Illustration S. 241.) Wie 
in unsere» Landdörsern die Grundstücke von Heckenzäunen eingeschlossen 
werden, so ziehen sich in den Wasserdörfern des Spreewaldes vielgestaltige 
Kanäle um dieselbe». Diese Kanäle sind die Dorsstraße» des Spree 
waldes, auf denen aller Verkehr stattfindet. Die Höfe selbst sind in ihren 
Grundlagen meistens gleich. Dicht an der Spreestraße steht das Wohn 
haus, ziemlich nahe daran liegen die Stallgebäude, während klafterweis 
aufgeschichtetes Erlenholz als schützender Kreis um das Jnselchen herläuft. 
Obstbäume und Düngerhaufen, Blumenbeete und Fischkasten theilen sich 
im übrigen in das Terrain und geben eine Fülle der reizendsten Bilder. 
Das Wohnhaus ist jederzeit ei» Blockhaus mit kleinen Fenstern und einer 
tüchtigen Schilfdachkappe. Seine Schönheit aber besteht in seiner reichen 
und malerischen Einfassung von Blatt und Blüthe. Die Spreewald- 
Gondoliere lenken ihre Gefährte, indem sie aufrecht am Hintertheile des 
Kahnes stehen, ganz nach der Weise der Lagunen-Gondoliere von Venedig. 
Aus der Schkafstuöe des neuen Tlnugeleh-Entwurfs bringt das 
Berl. Tagbl. eine erfreuliche Mittheilung, von der wir nur hoffen wollen, 
daß sie wahr und daß endlich einmal auf diesem Gebiete etwas geschehe, 
nachdem viel zu lange und zum Theil zum direkten Nachtheil der 
baulichen Entwickelung Berlins damit gezögert ist. Der Entwurf 
der »eilen Baupolizei-Ordnung für Berlin — so schreibt das Blatt — 
welcher, wie wir mittheilen, durch das Polizei-Präsidium im Aufträge des 
Ministers der öffentliche» Arbeiten, des Ministers der Unterrichts- und 
Medizinal-Angclegenheiten und des Ministers des Innern dem Magistrat 
zum Beitritt vorgelegt worden ist, ist von diesem einer Kommission, j 
Besorgung u.\erwBrthuna 
, ijljA.'l BRANDT CiviUnganiMt- 
Väs-vSlKoniggräber Str.131. BERUH. * 
onewka, Album. 
6 Silhouetten. Erfunden und 
geschnitten von Paul Konewka. 
Achte Auflage. Preis 3 Mk. 
Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin. 
1 Carl Gust. Gerold ( 
Cigamn-Import, Fabrikgeschäft 
(gegründet 1804) 
BERLIN W. 64. Unter den Linden No. 24. 
‘3 
empfiehlt sein Oeschäftslocal zu geneigtem Besuch. 
VJ Preislisten stehen ans Wunsch franco za Diensten. ^ 
bestehend aus den Mitgliedern Stadtsyndikus Zelle, Stadtbaurath 
Blankenstein, Stadtbaurath Rospatt und den Stadträthen Weber, 
Voigt, Friede! und Meubrink zur Begutachtung überwiesen worden. 
Die Herren haben bereits mehrere Abend- oder richtiger gesagt Nacht- 
Sitzungen zu diesem Behufe abgehalten, da bei der andauernden Arbeits 
häufung im Magistrat keine andere Zeit für die viele Stunden sich 
hinziehenden Berathungen erübrigt tverden kann. Binnen 14 Tagen 
hofft die Kommission dem Magistrat Bericht erstatten zu können. In 
zwischen wird, wie wir weiter konstatiren können, die neue 
Bauordnung von fürsichtigen Bauunternehmern insoweit 
eskomptirt, als sie massenhaft Anträge auf Prolongation 
der bereits eingereichten Baugesuche bis zum 1. April oder 
1. Juli d. I. einbringen. 
Me innere Ausschmückung des Ilathhaules. Die gemischte De 
putation für die innere Ausschmückung des Rathhauses, welcher von den 
Kommunalbehörden die Vollmacht zur deflnitiven Entscheidung ertheilt worden, 
ist in Bezug auf die Auswahl der Bilder, auf die Malweise, auf die 
Ausschreibung der Concurrenz, die Festsetzung der Preise und Bestimmung 
der Honorare für die eingereichten prämiirten Skizzen, hielt neuerdings 
eine mehrstündige Sitzung unter Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters 
von Forckenbeck ab; Referent war Bürgermeister Geh. Regierungs-Rath 
Duncker. Für das große Wandgemälde im Treppenhause des großen 
Einganges zum Rathhause, welche die Wiedererrichtung des Deutschen 
Reiches und die Erhebung der Stadt Berlin zur Hauptstadt des Reiches 
darstellen soll, wurde ein Flächenraum von 292 gm bestimmt. 'In Bezug 
auf die Malweise ist man von der früher beabsichtigt gewesenen Oel- 
malerei aus Leinwand abgekommen und ist nunmehr destnitiv Malerei 
direkt auf die Wand und zwar mit Casein-Farben gewählt worden. 
Für diese Malmeise haben sich auch die Sachverständigen, die Direktoren 
Schöne und Dr. Jordan, ausgesprochen. In Bezug auf die Ausschreibung 
der Concurrenz ist zu erwähnen, daß die deutschen Maler aufgefordert 
werden sollen, sich an derselben zu betheiligen durch Einreichung von 
Skizzen, welche bis ult. dieses Jahres resp. Anfang nächsten Jahres über 
mittelt werden sollen. Es wurden drei erhebliche Preise hierfür aus 
gesetzt. In Bezug auf die Gemälde in der Vorhalle des Sitzungssaales 
des Magistrats und in dem daran anschließenden Korridor, für welche 
ebenfalls Wandmalerei in Casein-Farben gewählt ist. werden noch näher 
gestimmt werden, indessen sind die schon von der Stadtverordneten-Ver 
sammlung definitiv bestimmten Bilder 1 bis 6 und 12 auch von der De 
putation endgiltig festgesetzt worden und zwar für Bild 1 auf der Supra 
porte über dem Eingang zum Magistrats-Sitznngssaal«: Vereinigung der 
Räthe von Berlin und Kölln zu einer gemeinschaftlichen Verwaltung (im 
Jahre 1307); für Bild 2: Der Rath von Berlin-Kölln hält Gericht über 
Thyle-Wardenberg (um 1380); für Bild 3: Niederwerfung des Raub 
ritterthums in der Mark durch Kurfürst Friedrich I.; für Bild 4: Die 
Räthe von Berlin und Kölln nehmen (am 2. November 1539) das Abend 
mahl in beiderlei Gestalt; für Bild 5: Kurfürst Friedrich Wilhelm der 
Große nimmt die Französischen Refugies auf; zu Bild 6: Verherrlichung 
Schlüters und zu Bild 12: Verherrlichung Schinkel's. Die Bilder 
1 bis 5 sollen je einem Maler zur Ausführung übertragen werden. In 
der nächsten Sitzung werden die Sachverständigen, die Direktoren Schöne 
und Dr. Jordan, zugezogen werden. B. B. C. 
Inhalt. 
Ephraim und Gotzkowsky, historischer Roman in drei Bänden von 
W. Wehergang (Fortsetzung); Die Parochialkirche zu Berlin (Schluß); 
Die Memoircn eines Kaisers von Madagaskar, herausgegeben von Oskar 
schwebe! (Fortsetzung); Der Blumenthal von W. Sternbeck; Specifi- 
catio.r; Niederlegen alter Gebäude; Berliner Kanalisation; Tempelhof; 
Der Norden Berlins; Die Senkung des Spreewasserstandes; Die ehemaligen 
Kaoettenhaus-Grundstücke; Die Erweiterung des Hamburger Bahnhofes; 
Hoffestlichkeiten; Aus dem hohen Norden Berlins; Vom deutschen Theater; 
Bismarck-Jubiläum; Lustgarten und Museum (mit Illustration); Aus 
unserem Spreewalde (mit Illustration); Baugesetzentwurf; Die innere Aus 
schmückung des Rathhauses. Inserate. — 
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«erkanf-lotal und siabril Kos gernbetn. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin IV. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
	        
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