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Periodical volume 17. Januar 1885, Nr. 16

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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uns und lassen Sage und Geschichte mit all' ihren reichen Bildern 
vor unseren Augen vorübergehen. 
Ist es wahr, was uns die römischen Schriststeller von den 
alten Deutschen erzählen, daß sic ihre Gottheiten nicht in enge 
Tempel eingeschlossen, sie sich solche nicht durch menschliche oder 
thierische Abbildungen vorgestellt haben, weil sie es gegen die 
Würde und Majestät des höchsten Wesens hielten; das dichte, mit 
hohen Eichen besetzte schattige Haine ihre Tempel, ihre heiligen 
Versammlungsplätze bildeten, in denen bei besonders feierlichen 
Gelegenheiten nicht blos Thier-, sondern auch Menschenopfer dar 
gebracht wurden; ist es wahr, daß unsere Altvorderen bei Leichen 
verbrennungen vornehmer Personen diesen nicht blos Pferde, 
Waffen, Weib und Gesinde auf dem flackernden Holzstöße folgen 
ließen, sondern auch zur Versöhnung ihres Kriegsgottes Odin ge 
fangene Feinde von Priestern und Prieflerinnen (Druiden) aus einem 
s Steine im Haine schlachten ließen, was hindert uns, den auf der 
; Stadtstelle im Blumenthal liegenden sogenannten „Marktstein" als 
einen Opserstein der alten Deutschen zu erkennen und den nicht 
weit davon befindlichen Begräbnißplatz, sowie all' die koloffalcn 
Steine, die da im Laufe der Jahrhunderte von dem Platze weg 
getragen und auf der Grenze aufgeschichtet worden sind, mit ihm 
in Verbindung zu bringen?) 
Wir wiffen von den Sueben, welche das Land zwischen der 
Elbe und Oder bewohnten, daß sie alljährlich ein allgemeines Ver 
söhnungsfest an einem Orte, in einem großen Eichenhain feierten, 
zu welchem sämmtliche Stämme Gesandte sendeten. Ist etwa die 
Stadtstelle diejenige Stelle gewesen, wo sie ihre feierlichen Zu 
sammenkünfte gehalten, welche sie gewöhnlich mit einem Menschen 
opfer eröffneten? 
Man wird mit Recht einwenden, daß ja den Berg hinunter 
untrügliche Beweise von Bauwerken lägen, daß aber die alten 
k Deutschen weder Tempel, noch Städte oder Dörfer gehabt hätten. 
Wohl, solche besaßen aber die Wenden, denn ihr Julin, Stettin, 
v Vincta, Schörlitz, Rhetra sind Beweise dafür. Ihr Götter 
dienst war auch anderer Art, denn sie bildeten sich Gottheiten aus 
Holz, Stein und Metall, bewahrten solche auch in Tempeln auf, 
sonst aber war ihr Religions-Kultus eine Vermengung mit dem 
der Deutschen. Nimmt man doch auch gewöhnlich an, daß nicht 
alle Semnonen diese Gegend verlassen, sondern viele zurückgeblieben 
! und sich mit den hereinströmenden Wenden vermischt hätten Kann 
! da nicht auch der alte Götterhain der Semnonen von den Wenden 
! in Anspruch genommen worden sein; können sie nicht das berühmte 
Rhetra hier aufgebaut haben, von dem bis zur Stunde noch 
Niemand zu sagen weiß, wo dieser Ort, der den größten wendischen 
Götzentempel enthielt, eigentlich gestanden hat? 
Und wie wird es wieder den Wenden ergangen sein. Wissen 
wir doch, daß keiner es bester verstanden hat, als die christlichen 
Priester, heidnische Gewohnheiten in das Christenthum aufgehen 
zu lasten, christliche Dome an heidnischen Opferstätten zu errichten. 
Nicht roh und wild ist man zugefahren, nicht ohne Erbarmen hat 
man dem Volke die alten liebgewordenen Gebräuche genommen, 
j sondern sie mit den christlichen vermengt und es den bekehrten 
j Heiden auch gar nicht übel genommen, wenn sie bei ihren Festen, 
wie sonst dem „Wodan" oder der „Freya", dem „Herrn Christus" 
oder der „Jungfrau Maria" feierlich zutranken. 
Die christlichen Priester werden auch hier aus der Stadtstellc 
an dieser, den Heiden seit vielleicht mehr als einem Jahrtausend 
j vorher heiligen Stätte dem Christengotte einen Dom erbaut haben. 
[ Wie dieser Ort aber geheißen, darüber schweigt Sage und Geschichte. 
Den Namen „Stadtstelle" aber wird er noch lange behalten und 
viele Geschlechter werden noch über ihn hinwegwandeln, ehe er 
ganz verschwindet. 
* 
* * 
Der herrliche „Blumenthal" wird jetzt oft von tüchtigen 
! Fußgängern von Straußberg nach Freienwalde durchwandert, ins- 
j besondere sind es Turner- und Schülerzüge, die diesen Weg wählen. 
Ihnen Allen rathen wir, die geheimnißvollc Stadtstelle nicht un- 
! besucht zu lassen. 
MisccUcn. 
Specifikation, waß die Stadt Berlin, von Amu, 1638 bis im 
August Anno 1640, dosieder S. Chur. Durch!. Vnser gnedigster Herr, in 
Preußen gewehsen, an Contributionibus ausbringen müssen. 
. dem Herrn Obristen von Borgstorff, im Januario 
Ao. 1638. 
Im Februario Ao. 1638. 
zur Krieges Munuition. 638. 
den 5 Monat Werbegelder, 
dem Herm Obristen Burgstorfs im Martio. 
Im Monat April. 
Im Monat Maio. 
Dem Herrn General Klitzing. 
vff das Alt-Krachtsche Regiment im Junio. 
Dem Herrn Obristen von Borgstorff, bey seinem Auf 
bruch, zur Löhnung vnd Resta. 
zum Proviant dem Herrn Obristen von Borgstorff. 
Dem Herrn Obristen Krachten zum Proviant, 
zue Tuch Vndt Schuch, de» Churfl. Soldaten. 
Dem Herrn General Klitzingen. 
Vom 22 November bis 22 December Anno 1638, auf 
des Herrn Stadthalters Assignation, an des Herrn 
Obristen Dietrich Krachts Regiment und ferner an 
dasselbe: 
Vom 22 December bis 22 Januar Ao. 1639. 
Vom 22 Januar Anno 1639 bis 22 Februar ejusd. ai. 
vom 22 Februar Ao. 1639 bis 22 Marty. 
Vom 22 Marty Ao. 1639 bis 22 Aprilis. 
2952 thl. 
11 
2952 
11 
964 
- 
21 
1555 
7 
2952 
- 
>1 
3566 
- 
17 
2366 
- 
17 
600 
- 
— 
1948 
15 
1988 
- 
— 
! 346 
18 
129 
— 
800 
- 
— 
1000 
— 
2711 
16 
2711 
- 
16 
2711 
- 
16 
2711 
- 
16 
2600 
- 
16 
*) Leider ist eine im Jahre 1880 von dem Verfasser und einigen 
anderen Personen stattgehabte Ausgrabung des Terrains um den geheimniß 
vollen Stein durch starken Regen gestört worden, sonst wären wohl Beweise 
darüber zu Tage gefördert worden. 
700 thl. 
1955 - 
1400 - 
400 - 
1400 - 
400 - 
1800 - 
1533 - 
1533 - 
2100 - 
2100 - 
2100 - 
2100 - 
2100 - 
412 - 
445 - 
2100 - 
1350 - 
1362 - 
— gl. vom 22 Aprilis Anno 1639 bis 1 May. 
3 - vom 1 May Ao. 1639 bis zum 1 Juni, darunter die 
Uebertragung der Stadt Bernau mit stecket. 
— - vom 1 Juny Ao. 1639 bis zum 1 Ju*y, Berlin vor 
sich selbst vndt 
— - zur Uebertragung von Bernau. 
— - vom 1 July Ao. 1639. bis zum 1 Augusti, Berlin vor 
sich selbst, vndt 
— - zu Uebertragung von Bernau. 
— - Vom 1 Augusti Ao. 1639 bis zum 1 Septbr. darunter 
wiederumb die Uebertragung der Stadt Bernau stecket. 
— - Vom 1 Septembri Ao. 1639 bis 1 Octob. mit Uebcr- 
tragung der Stadt Bernau. 
— - Vom 1 Octob. Ao. 1639 bis 1 Novemb. mit Ueber 
tragung der Stadt Bernau. 
— - Vom 1 Novemb. Ao. 1639 bis 1 Decemb. worunter 
400 thl. wegen Uebertragung der Stadt Bernau. 
— - Vom 1 Decemb. Ao. 1639. bis 1 Jan. 1640 mit 
Uebertr. der Stadt Bernau. 
— - Vom 1 Jan. Ao. 1640 bis 1 Febr. 1640 mit Ueber 
tragung der Stadt Bernau. 
— - Vom 1 Februar Ao. 1640 dis 1 Mart, mit Ueber 
tragung der Stadt Berna». 
— - Vom 1 Martio Ao. 1640 bis 1 Aprilis, Mit Ueber 
tragung der Stadt Bernau. 
20 - Zum Proviant vor die Churs. Völker im Februario 
Ao. 1640. 
19 - Zu Uebertragung der Rester, von vorigen Monaten. 
— - Zum Monat Aprilis, mit Uebertragung der Stadt 
Bernau. 
— - Zum Monat Majo, mit Uebertragung der Stadt 
Bernau. 
— - Zum Monat Junio, mit Uebertragung der Stadt 
Bernau.
        
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