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Periodical volume 17. Januar 1885, Nr. 16

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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großen Philologen und Philosophen Englands stand Jablonski in 
regem Verkehr; er übersetzte Richard Bentley's „Traktat von der 
Unvernunft des Atheismus", Woodwards „Berichte über die gott 
selige Gesellschaft in London", Burnet's „Untersuchungen über die 
Prädestination". Von der Gemeinde der mährisch-böhmischen und 
polnischen Brüder ausgegangen und selbst Sohn eines Bischofs 
derselben, bewahrte er sich in der gefühlsarmen Zeit eine erfreu 
liche Wärme seines Temperamentes und seines Glaubenslebens. 
Ihn selber schmückte später auch der bischöfliche Titel der Brüder 
gemeinden. Darum hat Daniel Ernst Jablonsky in Berlin auch 
einen Kandidaten der Theologie geweiht, — einen Tübinger Stu 
diosus, welcher eine glänzende Stellung in der Welt aufgegeben 
hatte, um ein armer Diener Christi zu werden: das war der Graf 
durch „Oeuils de Boeuf" erhellten Gewölbe schlafen zahlreiche be 
rühmte Persönlichkeiten den ewigen Schlaf, Diplomaten wie die 
Bartholdi und die von Prinzen, hohe Verwaltungsbeamte, wie die 
von Sturm, die Mieg, von Hessig und der Berliner Stadtpräsidcnt 
von Neuendors. Hier wurde eine Schweizer Gräfin von Erlach 
beigesetzt, welche „sich zu Berlin zu Tode gefallen hatte." Genauere 
Nachrichten über diesen Unglücksfall fehlen mir. Ich möchte den 
Leser indesien nur an einige wenige dieser Grüfte führen. Hier 
ruht Jmbert Rolaz du Rosey, General-Major von der Kavallerie, 
General-Adjutant Friedrichs I. und Hauptmann der Hundert 
Schweizer des Königs, — ein Schweizer selbst! Hier steht der 
Sarg Henriettens von Pöllnitz, der Tante des berühmten und 
berüchtigten Memoirenschreibers! Sie ruht hier aus nach einem 
Lustgarten und Museum. 
Zeichnung von F. Schröder für die „Chronik von Berlin und Potsdam" 1841. (S. Seite 256.) 
von Zinzendorf, der glühende Verehrer seines Heilandes, der 
Stifter der Herrenhuter! Diese Stellung, welche Jablonsky als 
Bischof der Evangelischen in Böhmen, Mähren, Polen und Ungarn 
bekleidete, versetzte ihn einmal freilich in eine sehr kritische Lage! 
Durch ihn nämlich hatte der bekannte Betrüger Clemens Zutritt 
bei Hofe gefunden, um hier seine Märchen von der Verschwörung 
des Wiener und des Dresdener Hofes gegen das Leben des Kö 
nigs von Preußen vorzutragen. Der Fürst Leopold von Anhalt 
aber deckte den frechen Betrug auf. Jetzt fiel dem Dr. Jablonski, 
dem Patron des Fremden, eine sehr schwere und unliebsame Auf 
gabe zu: er selbst mußte nach dem Haag reisen, um den ent 
wichenen Schelm nach Berlin zu locken, woselbst Clemens hin 
gerichtet wurde. — 
Doch nun zu den Grüften der Parochialkirche! In dem luftigen. 
vielbewegten Leben, auf welches es sich wohl verlohnt, einen Blick 
zu werfen! — 
Mit den ftanzösischen Reformirten begab sich auch manch' ein 
Katholik, welchem es unheimlich wurde daheim im schönen Frank 
reich, nach den Staaten des großen Kurfürsten. So auch der 
römisch-katholische Graf Francois du Hamel, ein Edelmann von 
Ruf und Vermögen. Der Kurfürst gab ihm ein Regiment, welches 
du Hamel auch bis zum Jahre 1702 behielt. Unterdessen hatte 
der Graf das Fräulein Henriette von Pöllnitz geheirathet und sich 
so auch mit den Schoening's in Tamsel verschwägert! Er gestattete 
zwar seiner protestantischen Gemahlin die völligste Gewisiensfreiheit, 
fand es indessen doch gerathen, sich im Jahre 1702 als Genera 
lissimus in den Dienst der Republik Venedig zu begeben. Bald 
aber starb er, — wie man behauptet, an Gift, — auf Morea,
        
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