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Periodical volume 10. Januar 1885, Nr. 15

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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Jahre — so schreibt die Vofs. Ztg. — steht Dr. Koner im Dienste der 
hiesigen Bibliotheken, er ist Senior aller ihrer literarischen Beamten. 
Er war seit den vierziger Jahren zugleich Kustos an der königlichen, wie 
an der Universitätsbibliothek, welch' letztere damals in einem sehr simplen 
Lokale über dem Durchgang von den Linden nach der Neuen Wilhelm 
straße untergebracht war. Pertz war auch der Universitäts-Oberbibliothekar, 
Theodor Mundt war (seit 1850) Bibliothekar, der aber vom „Technischen" 
des Bibliothekfachs so gut wie gar nichts verstand, nur daß er für seine 
damalige Schriftstellerei, „die Gesellschaft" k., Gelegenheit fand, alle 
möglichen Bücher einzusehen. Georg Waitz bemerkt in einer Rezension 
(1852), daß die Gelehrten so manches wichtige Buch ungelesen lassen, 
aber „der Literat" (nämlich Theodor Mundt) kennt unsere Bücher alle. 
Was damals von Beamten in der königlichen Universitätsbibliothek ge 
leistet wurde, leistete allein der treffliche Wilhelm Koner. Das biblio 
graphische Orakel der Studenten, und der Bibliotheksdiener mit dem 
großen Gedächtniß — ein Barbier, der nebenbei alte Kunden, wie Karsten, 
Klug u. A„ immer noch rasirte und L. v. Buch einmal rasirt hatte, aber 
er war ein in seiner Art gelehrter Mann. Wünschte ein Student Bähr's 
„Römische Literaturgeschichte", so sagte der Barbier: „Verliehen! Aber 
nehmen Sie lieber Bernhardy, der gilt jetzt mehr. Bähr ist überholt!" 
Sein Gedächtniß war staunenswerth, und Dr. Koner selbst wußte manch 
unterhaltsames Stückchen davon zu erzählen. Leider nahm der alte 
Bibliothekdiener (Hartwig, wenn wir nicht irren, war sein Name) kein 
gutes Ende. Unregelmäßigkeiten, die in der Bibliothek durch seine Ver 
günstigung vorgekommen waren, kosteten ihm seine Stelle. Von der Uner 
müdlichkeit, die Dr. Koner damals in der königlichen Bibliothek ent 
wickelte, macht man sich keinen Begriff mehr. Was für die Aelteren 
Pinder war — „Du bringst uns Alles auf dem halben Weg entgegen," 
sagte Trendelenburg bei dessen Einführung in die Akademie der Wissen 
schaften — war für die Jüngeren Koner. Tausende ehren sein Andenken, 
>vir getrauten uns mehr denn hundert Schriftsteller zu nennen. Aber er 
selber hat als Schriftsteller das Seine gethan, und zumal gilt es Hilfs 
dienste der Wissenschaft, ohne die dieselbe nicht weiter kommen und die 
nur ein Bibliothekar einer größeren Bibliothek, der da sitzt wie ein 
Vöglein im Hanfsamen, leisten kann. Koner's Repertorium der historischen 
Aufsätze in Vereins- und Zeitschriften, leider nicht fortgesetzt, hat unver 
gänglichen Werth, er ist vielleicht der erste Kenner der Gelehrtengeschichte 
Berlins, sein mit Guhl herausgegebenes Werk über Kunst und Leben der 
Alten ist Tausenden lehrreich gewesen, feine Thätigkeit als Bibliothekar 
und Redakteur der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde steht musterhaft 
da. Die Auszeichnung, die er so gewann, ist noch keinem preußischen 
Universitätsbibliothekar, der nicht zugleich akademischer Lehrer war, ge 
worden. Wir wiffen nicht, ob sie, wie behauptet wird, ein Schmerzens 
geld dafür sein soll, daß Dr. Koner zu der Stelle, die ihm nach An- 
ciennetät turd Verdienst von Rechtswegen zustehen würde, als Oberbiblio 
thekar der Königlichen Bibliothek, wegen vorgerückten Alters nicht mehr 
gelangen durste. 
Hßon einer kindlichen Meujaiirs-Hvation für den Kronprinzen 
berichtet ein Mitarbeiter den, Berl. Tagbl. Vorgestern Nachmittag machte 
der Kronprinz in Begleitung seiner Gemahlin und seiner zwei jüngsten 
Töchter, der Prinzessinen Sophie und Margarethe, einen Spaziergang 
durch den Thiergarten. In der Nähe des Luisendenkmals begegnet den 
kronprinzlichen Herrschaften eine Schaar Knaben im Alter von 5—8 
Jahren, an deren Spitze ein sechsjähriger pausbackiger Junge mit um 
gehängter Trommel marschirte. Sobald die kleine Schaar der kronprinz 
lichen Familie ansichtig ward, kommandirt der Trommler „t'Achtung" und 
begann, die Augen stramm auf den Kronprinzen gerichtet, aus Leibes 
kräften zu trommeln, während seine Spielkameraden im taktmäßigen 
Schritt marschirten und militärisch salutirtcn. Der Jüngste, der den 
Nachtrab bildete und keine Mütze, sondern ein rundes Hütchen trug, warf 
dem Kronprinzen, statt des militärischen Grußes, Kuhhändchen zu. Diese 
reizende Scene erregte das Wohlgefallen unseres Thronerben in so hohem 
Grade, daß er lächelnd und mit der Hand winkend den kleinen wackeren 
Burschen dankte und dann, in überwallendem Gefühl froher Erregung, sich 
zu seiner Gemahlin niederbeugte und sie auf die Wange küßte. Die 
kleinen Prinzefsinen machten Halt, sahen der abmarschirenden Knaben 
schaar längere Zeit lächelnd nach und eilten dann wieder zu ihren Eltern. 
Pie sämmtkichen technischen ^Lehranstalten, welche bisher unter 
dem Kultusministerium gestanden haben, also die technischen Hochschulen, 
die Baugewerksschule, die Handwerkerschule Hierselbst rc., werden vom 
nächsten Etatsjahre ab aus das preußische Handelsministerium 
übergehen. Der Geheime Oberregierungsrath Lüders macht, wie wir 
hören, die Wanderung mit, Herr Geheimrath Dr. Wehrenpsennig 
dagegen, der bei der Reorganisation der technischen Lehranstalten bekannt 
lich stark bethciligt gewesen ist, verbleibt bis auf Weiteres im Kultus 
ministerium Ob jeire Schwenkung für die gedachten Anstalten ein Vor 
theil ist, wird abgewartet werden müssen. 
Berliner Adreßbuch für 1885. Unter Benutzung amtlicher Quellen 
redigirt von A. Ludwig. Verlag von W. & S. Löwenthal hier. 
Denjenigen, welchen seit einer Reihe von Jahren das Buch unentbehrlich 
geworden ist und welche Gelegenheit hatten, den stets zunehmenden Inhalt 
auf seine Genauigkeit zu prüfen und den riesigen Fleiß anzuerkennen, 
welcher in dem Werke steckt, dem wird wohl die einfache Anzeige vom 
Erscheinen des neuen Jahrganges genügen. 
Ein probates Wittel. Als Fenelon Hofkaplan Ludwigs XIV. war, 
fand dieser an einem Sonntag nur eine sehr kleine Anzahl Zuhörer in 
der Kirche. „Was hat das zu bedeuten?" fragte der König, und die 
zögernd ertheilte Antwort lautete: „Monsieur Fenelon hat das Gerücht 
verbreiten lassen, Ew. Majestät würden heute die Kirche nicht besuchen, 
damit Sie sähen, wer hierher komme, um Gott zu verehren, und wer 
hierher komme, um dem König zu schmeicheln." 
Aussicht. Auf dem Schlöffe Stolzenfels am Rhein war ein früherer 
Potsdamer Unteroffizier Castellan. Ein Reisender, dem er die Burg zeigte, 
meinte: „Wie glücklich müssen Sie sich fühlen, hier in diesem romantisch 
gelegenen Schlosse, wo aus jedem Fenster sich Ihnen eine andere, köstliche 
Aussicht bietet!" — „Ach, du lieber Gott", antwortete der Unterosfizier, 
„Aussicht! Wenn Sie Aussichten lieben, da sollten Sie mal in meine 
Heimath kommen. Ich bin nämlich aus Teltow. Ich sage Ihnen, da ist 
Aussicht. Zwei Meilen weit sehen Sie über die Rübenfelder weg. Aber 
hier, da hat man ja immer Berge dicht vor der Nase!" 
Inhalt. 
Ephraim und Gotzkowskh, historischer Roman in drei Bänden von 
W. Weyergang (Fortsetzung); Die Memoiren eines Kaisers von Ma 
dagaskar, herausgegeben von Oskar Schwebe! (Fortsetzung); Die Ber 
liner Industrie-Ausstellung im Jahre 1849 (mit Illustration); Die Pa- 
rochialkirche zu Berlin; Die Ausgabe des Jntelligenzblattes (mit Illustration); 
DieKönigscolonnaden; Prinzeß Wilhelm; Brockhaus' Conversations-Lexikon; 
Terrainverkäufe der Diskonto-Gesellschaft; Die sogenannten Kleinen Müggcl- 
j berge; Baurath Carl Schwatlo; Die Unterführungsarbeiten der Blücher- 
! stratze; Hobrecht und Roßpatt; Dr. Wilh. Koner; Kindliche Neujahrs-Ova- 
! tion für den Kronprinzen; Technische Lehranstalten; Berliner Adreßbuch 
für 1885 rc. Inserate. 
Für eine Mark gründlich geheilt! 
Bralitz bei Oderberg Bralitz (Brandenburg). Bezugnehmend ans 
Ihr sehr geehrtes letztes Schreiben erwidere Ihnen ganz ergebenst, 
dass ich Ihre sogen. Schweizerpillen gegen ein Magenübe] angewendet 
habe, woran ich etwa % Jahr lang litt. Da las ich von Ihren sogen. 
Schweizerpillen und liess mir 3 Schachteln aus der Apotheke zusenden. 
Bei Verbrauch einer halben Schachtel, wovon ich täglich früh 
2 Pillen nahm, verspürte ich Linderung, als ich die Schachtel gänzlich 
entleert hatte, wusste ich nichts mehr von meinem Leiden. Hoch 
achtungsvoll A. Haue. Man achte genau darauf, dass jede Schachtel 
als Etiquett ein weisses Kreuz in rothem Grund und den Namenszug 
R. Brandt’s trägt. 
Carl Gust Gerold 
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Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin IV. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin IV. — 
Truck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
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