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Periodical volume 27. Dezember 1884, Nr. 13

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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sonstigen Nebenräumen wird eine immer größere Aufmerksamkeit zu 
gewandt. Breite und gefällig ansteigende Treppen sind ein Haupter- 
forderniß und man muß es sagen, daß diejenigen Zimmergeschäfte, welche 
den Treppenbau als Spezialität betreiben, einen wesentlichen Einfluß auf 
die gute Anlage der Treppen gewonnen haben. Ebenso wird auf breite 
und helle Korridore, luftige Klosets, helle Zimmer für die Bedienung, 
Speisekammern und besonders auf komfortabel eingerichtete Küchen großes 
Gewicht gelegt. Aus alle diese Neuerungen dürfen wir mit berechtigtem 
Stolz sehen. 
Nicht wenig zu dieser sehr regen Bauthätigkeit trägt der geringe 
Zinsfuß bei. zu welchem die Grundstücke belichen werden. 4 pCt. für 
beste, 4 pCt. für gute Hypotheken bilden die Regel. Nach den Berichten 
des Berliner Baumarkts gestaltet sich jetzt das Hypothekengeschäft in fol 
gender Weise: 
I. Hypotheken bester Gegend, >/- der Feuerkasse, 4, 4'/„—4 '/ 4 PCt., 
do. do. % - - 4'/, pCt., 
do. Mittelgegend, bis 3 / t der Feuerkasse, 4 3 / i —5 PCt., 
do. entfernterer Gegend, 5—5'/ 2 PCt. 
II. Hypotheken guter Gegend 5 pCt., 
do. entfernterer Gegend 5»/ 2 —6 '/ 2 PCt., 
do. do. außerhalb der Feuerk. nicht zu 
placiren. 
Amortisations-Hypotheken 4 :, /j—5 PCt. inkl. Amortisation. 
Baugelder 5 pCt. Zinsen, 1—2 pCt. Abschluß-Provision. 
Der Verkauf von neubebauten Grundstücken ist in diesem Herbste 
ein recht günstiger gewesen, da die Kapitalisten schon mit einem Netto 
nutzen von 5 pCt. Häuser erwerben, da ganz sichere inländische Papiere 
ihnen kaum 4 pCt. tragen, während die öprozentigen fremden Papiere 
mit einein gewissen Mißtrauen angesehen werden. Für das Baufach ist ! 
jedenfalls diese Konjunktur recht günstig und man kann wünschen, daß | 
dieselbe recht lange andauert, wenn nicht eine zu große Ueberproduktion 
von Häusern daraus entsteht. — Daß an dem Häuserbau nach wie vor 
eine große Zahl unsolider, ungualifizirter und zum Theil insolventer Leute 
sich betheiligt, ist ein Uebel, welchem selbst die Behörden zu begegnen 
suchen, indem sie verschärfte Vorschriften einführen und strengere Aufsicht 
üben, worunter die soliden Geschäfte natürlich mit leiden müssen. Durch 
diese verschärfte Aufsicht wird übrigens nicht allzuviel erreicht, soweit es 
den inneren Ausbarl anlangt. Oefen, Fußboden, Thüren, Stuck, Wasser 
leitungsgegenstände werden in den Bauten jener Bauunternehmer, welche 
zum Feuerkassenpreise die Häuser verkaufen und dabei einen anständigen 
Nutzen haben, nach wie vor in einer Weise hergestellt, als brauchten diese 
Gegenstände die Fertigstellung des Hauses nicht lange zu überdauern. 
In der That ist ja diese Sorte von Häusern auch schon verkauft, wenn 
sie bis zur Ferrerkafle beliehen ist. Und daß dies geschieht, dafür giebt 
es ja genug Hypothekenbanken, welche nicht wissen, wo mit dem Gelde 
hin und dabei hohe Dividende zahlen sollen. Da wird denn flott darauf 
los beliehen, ohne daß die Bauart der Häuser und die dauernde Rentabilität 
derselben einer ernsten Besichtigung unterzogen würde. Gegen solches Un- 
rvesen, wir wiederholen es, können nur die gewissenhaftesten Abschätzungen 
für die städtische Feuerkasse etwas nützen, denn in Berlin ist nun einmal 
die städtische Feuertare die erste Grundlage für die Beleihung der Häuser. 
Wir behaupten: Die Feuertaxen entsprechen sehr häufig nicht den that 
sächlichst Verhältnissen, weil sie zu sehr nach einer.Schablone und nach 
überschläglichen Annahmen angefertigt werden. Thatsache ist ferner, daß 
die geringwerthigen Bauten im Allgemeinen zu hoch eingeschätzt werden, 
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1 weil die Taxatoren nicht Zeit haben, in genügender Weise von der An 
lage und der Ausführung der Bauten sich zu überführen. Man sollte 
lieber die Taxgebühren entsprechend erhöhen und eingehender den Ver 
hältnissen Rechnung tragen, dann würde dem geringwerthigen Bauunter 
nehmerthum und vielen leichtfertigen Hypothekenagenten, welche letzteren 
doch nur ihre Provision im Auge haben, am besten das Handwerk gelegt 
werden! Wir freuen uns aufrichtig der regen Bauthätigkeit Berlins, aber 
wir dürfen uns dabei nicht verschweigen, daß jetzt unser Grundbesitz zum 
> größten Theil viel zu sehr belastet wird. Was soll daraus werden, 
wenn derselbe einmal durch irgend eine politische oder wirthschaftliche 
' Krisis getroffen wird? — 
Aktor Meihnachtsgevrauch iw der Mark. Vor hundert Jahren 
etwa hatte sich in einzelnen märkischen Städten der Gebrauch noch er 
halten, daß neun Tage lang vor dem Feste die sämmtlichen Hirten 
Abends eine Zeit lang auf ihren Hörnern blasen mußten. Da die 
männliche Jugend, die zur Aushülfe den Hirten gelegentlich beigegeben 
war, auch hierbei mitwirkte, so entstand bei dem Blasen an verschiedenen 
Enden der kleinen Städte ein heftiges, anhaltendes, unharmonisches Ge- 
i räusch. Ueber die eigentliche Bedeutung war schon damals wenig Auf 
klärung zu erhalten. Einzelne hielten dies Blasen für eine alte Ver- 
> pflichtung der Hirten, gegen welche sie von jedem Wirthe zu Neujahr 
einen Küpel zu erhalten gewohnt waren; Andere führten es auf jene 
Zeit zurück, da noch Wölfe in der Umgegend hausten, die vor dem Feste 
' verscheucht werden sollten. Inspektor Bauer zu Zossen, der sich dieser- 
[ halb an einen bejahrten Küster wandte, erhielt die einfache Aufklärung 
„Je nun, sollten die Hirten zu Bethlehem den Heiland so schlechtweg 
empfangen, und nicht bei seiner Ankunft posaunt haben?" — 
Diese Antwort gab es Ende des vorigen Jahrhunderts zu Zossen. 
, Vielleicht existirt dort oder in der Nähe noch heute dieser Gebrauch. 
Um späteren Schwierigkeiten der Bauausführung vorzubeugen, wird 
beabsichtigt, die Fundamentirung des rechtsseitigen Uferpfeilers der Kaiser 
Wikheknis-ZLrückc möglichst bald in Angriff zu nehmen. Nach einem 
Beschlusse der Kommission des Magistrats für die Kaiser Wilhelm-Straße, 
welche unter Vorsitz des Bürgermeisters, Geh. Regierungsrath Duncker, 
eine Sitzung abhielt, soll das dazu Erforderliche schleunigst vorbereitet 
werden. 
Inhalt. 
Ephraim und Gotzkowsky, historischer Roinan in drei Bänden von 
W. Weyergang (Fortsetzung); Der Berliner „Christmarkt" im vorigen 
Jahrhundert (mit Illustration); Die Memoiren eines Kaisers von Mada 
gaskar, herausgegeben von Oskar Schwebet (Fortsetzung); „O du 
fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit," Zeichnung von 
F. Wittig; Altes Recht von R. Lutter, Das Portal des Domes zu 
Berlin (mit Abbildung); Waarenbörse; A. Trinius, Märkische Streifzüge; 
Eine Eröffnung der Pferdebahnlinie; Wegen Anlage einer Brücke über die 
Spree; Betrachtungen über die Bauthätigkeit in Berlin re. Inserate. 
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Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Mörser Hofbuchdrückerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
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