Path:
Volume 11. October 1884, Nr. 2

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue11.1885 (Public Domain)

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 50 Pf. 
XI. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm Postzeitungs-Latalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. den 11. «Vctober 
Nr. 2. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1884. 
Ephraim und Gohkowsky. 
Historischer Roman in drei Bänden von NI. Wn>eigLi>g. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 70. 
Des Polen unwillige Erregung bemerkend, wendet er sich 
zu diesem: 
„Laßt mich Eure Waaren sehen, vielleicht daß ich etwas 
davon gebrauchen kann, Euch mit dieser Begegnung auszu 
söhnen." 
Der Alte steht zaudernd. 
Die Aussicht auf den kleinen 
Verdienst, dcffen er so drin 
gend benöthigt scheint, kämpft 
mit seinem Unwillen. Wie 
fragend blickt er zum Himmel 
auf und glaubt, wie bleich 
er sich auch vom blauen 
Gezelte abhebe, den ersten 
Stern zu erkennen. 
„Scholem Aleihem! — 
Gut Schabbes, Sarah!" 
sagte er leise. „Geht in's 
Haus, Frau; ich schau noch 
ein, um wegen der Wais- 
leins mit Euch zu redend — 
Unser Schabbes hat begon 
nen, Herr," wendet er sich 
zu dem Fremden, „um alles 
Gold der Welt dürst ich am 
Schabbes kein Geld be 
rühren; — komm es selbst 
- von einem Gojim, wie Ihr," 
setzt er leise murmelnd hinzu. 
„So weis ich dieses 
eldstück in Euren Kasten 
nd Ihr nehmt's heraus, wann's Euch beliebt- Für die 
schwarze Kette da, schätz ich, macht es Euch bezahlt;" und der 
kleinen Ine die schwarze Perlenschnur in die Händchen legend, 
die sie spielend darnach ausgestreckt hat, setzt er gleichmüthig 
seinen Weg fort. 
Professor Wilhelm Stier. 
Originalzeichnung zum Aufsatz Seite 25. 
„Was habt Ihr gethan, Sarah?" wehklagt der Alte der 
Frau nach, die bereits auf den Stufen ihres Hauses steht. 
„Ein katholischer Priester war's, und das Zeichen, das er 
schlug, war — das Segenszeichen seiner Kirche! Wie ein 
Unstern mag es über dem 
Mägdlein walten. Weh, 
wenn es nun eine Tochter 
würd' des Baal!" 
„Ihr zürnt ohn' allen 
Grund," beschwicktigte die 
Frau; „daß die Jrie unserm 
Glauben abwendig werd', 
damit hat's keine Noth; und 
das bischen Segen kann 
unser Eins gebrauchen! Wo 
her er kommt, von oben 
kommt er immer; — aber 
da läutet die Marktglock; 
schließt Euren Kasten, Ben 
Abraham, daß Euch der 
Marktvogt nicht in Straf 
nimmt." 
Mechanisch hat der Alte, 
sein Kästchen unter dem Arm, 
sich zum Gehen gewandt. 
„Weh! ist denn auch sie 
schon Eine geworden die 
freier denkt? Woher soll 
Segen für uns kommen, 
als daß wir festhalten am 
heiligen Brauch und Glau 
ben!" Leise Sprüche murmelnd, schaut er der behaglichen 
Frauengestalt nach, wie sie im Rahmen der Thür verschwindet- 
„Ja, bei denen drinnen scheint Segens die Fülle, wenn Reich 
thum Segen ist! Und er ist's; denn Armuth mag zu Boden 
drücken, wie ein Fluch."
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.