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Periodical volume 27. Dezember 1884, Nr. 13

Full text: Der Bär Issue 11.1885

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 50 Pf. 
XI. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm Postzeitungs-Latalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. den 27. Dezember 
Nr. 15. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1884. 
Ephraim und Gshkowsky. 
Historischer Roman in drei Bänden von W. Meyngang. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 70. 
XVI. 
Graf Tottleben hat am 12. Oktober richtig Berlin ver 
lassen und ist in der Befürchtung, daß König Friedrich, der 
sich der Hauptstadt naht, ihn überfallen könne, mit seinen 
Russen nach Frankfurt an der 
Oder marschirt, während die 
Oestcrreicher sich nach Sachsen 
gewandt haben. Wenn bei dem 
übereilten Abmarsch auch mancher 
lei noch unerledigt geblieben ist 
— nur 700 000 Thaler sind 
außer den in der Kapitulation 
bestimmten Douceurgelder baar 
gezahlt — und über 1 Million 
Thaler hat die Kaufmannschaft 
Wechsel in zwei Monaten in Du 
katen ü 4 Thaler zahlbar ausge 
stellt — so herrscht doch größere 
Ruhe und Freude in der Stadt. 
Aus Gotzkowsky's Hause sind 
allmählig die Werthsachen, die man 
dort untergebracht, in die eigenen 
Häuser zurückgeholt worden, und 
nur die Gemälde, die er im 
Aufträge des Königs für diesen 
angekauft hat, lagern in seinen 
Gewölben; wohl ist schon seit 
1755 der Anfang mit der Auf 
führung der neuen Bildergalerie 
in Sanssouci gemacht, aber noch 
immer haben dieselben dorthin 
nicht übergeführt und die 100 000 Dukaten, die Gotzkowsky 
für ihren Ankauf verauslagte, ihm nicht zurückerstattet werden 
können. Wenn auch größere Ordnung, größere Ruhe herrscht 
drum nicht in Gotzkowsky's Hause. Deputation auf Deputa 
tion naht sich demselben, vom Magistrat, von der Bürgerschaft, 
portal des Domes zu Berlin. 
(Nach einer Skizze die Andreas Schlüter zugeschrieben wird.) 
von den Zeitungsredaktionen, von den Verwaltungen der 
öffentlichen Gebäude, selbst von der Judenschaft, ihm Dank 
zu sagen für den Schutz, den er durch seine einflußreiche 
Fürsprache ihnen uneigenützig erwirkt hat. 
Goldene Becher und Dosen, 
selbst ein goldener Eichenkranz 
werden ihm von den Deputationen 
überreicht, und selbst aus sremden 
Städten kommen Dankadressen, 
die ihn als den ersten und wacker 
sten aller Bürger preisen. 
Solche Zuschriften und Liebes 
gaben trägt er bereitwilligst in 
Clara's Zimmer, die, nachdem 
die Macht der Krankheit gebrochen, 
sich unter Jrie's Pflege schnell er 
holt, damit auch sie und Jrie sich 
d'ran fteuen. 
„Sogar von einer Dame bin 
ich heute besungen worden" scherzt 
er eines Tages, indem er seiner 
Frau ein langathmiges Lobgedicht 
überreicht. Die Dichterin fragte, 
ob es ihr vielleicht vergönnt sei, 
auch dich zu sehen und dir zu 
deiner Genesung Glück wünschen 
zu dürfen?" 
„Die Karschin?" sagt Jrie 
zögernd. 
„O bitte, laßt sie herein," 
bittet Clara, „ich habe schon immer 
gewünscht, sie kennen zu lernen." 
Unter Jrie's Einfluß hat sich das Verhältniß unter den 
Gatten zu einem freundlicheren gestaltet. In der weicheren 
Stimmung, die allmälige Genesung bringt, erkennt Clara jede 
Aufmerksamkeit dankbar an.
        
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