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Periodical volume 20. November 1884, Nr. 9

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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unseres Kaisers die Bestrebungen zur Wiederaufrichtung der niederge 
worfenen Macht Preußens und die Kämpfe des Befreiungskrieges, an 
denen in ihrem weitern Verlauf auch Prinz Wilhelm an der Seite seines 
königlichen Vaters theilnimmt. Obwohl die großen geschichtlichen Er 
eignisse möglichst eingehend geschildert werden, so hat der Verfasser doch 
sein Augenmerk hauptsächlich der scharfen Charakterisirung der Haupt 
personen zugewendet: des Königs Friedrich Wilhelm III., der Königin 
Luis« und des Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig, des spätern ersten 
Kaisers des wieder geeinten Deutschlands, 
Möge dieses Werk durch dm Vergleich der Machtstellung des deütschen 
Volkes mit de» Zeiten der tiefm Erniedrigung, die in die ersten Lebens 
jahre unseres Kaisers fallen, ein Scherflein dazu beitragen, daß der hohe 
Werth der Errungenschaften des Jahres 1871 in den iveitesten Kreisen 
richtig gewürdigt werde und die Liebe zu Kaiser und Reich immer tiefere 
Wurzeln schlage, 
berliner Iombaii. Die abermalige Einstellung aller Arbeiten für 
Dom und Fürstengruft, derm Förderung von der beschlossenen Durch 
legung der Kaiserwilhelmstraße sicher erwartet wurde, gibt zu folgenden 
historischen Notizen Anlaß, Als König Friedrich Wilhelm III. den Dom in 
seiner jetzigen Gestalt im Jahre 1817 herstellen ließ, wußte er sehr wohl, 
daß das kein Bau sein würde, der seinen ursprünglichen hohen Absichten 
entsprechen konnte. Der Umbau durch Schinkel mußte aber damals ge 
nügen, denn die Mittel zu einem rechten und echten vaterländischen Gottes 
hause, einem würdigen evangelischm Dome, waren nicht vorhanden. Bei 
der Einweihung sagte der König „fünfzig Jahre wird der Bau wohl 
halten." Er hat nun fast siebzig Jahre gehalten, ohne daß die Absicht 
des Königs sich erfüllt hätte, wiewohl mancherlei geschah, um den Dom 
durch einen würdigeren Bau zu ersetzen. Schon am 12. Januar 1642 
erließ Friedrich Wilhelm IV. eine Cabinetsordre, die mit den Worten 
beginnt: „Schon längst habe Ich beschlossen, den Dom in Meiner hiesigen 
Residenz abbrechen und an dessen Stelle einen neuen würdigen Dom von 
größerem Umfange erbauen zu lassen, worüber bereits mehrere Pläne an 
gefertigt sind." Es wurde damals ein Kommission für diese Angelegenheit 
ernannt, welcher Beuth, Olfers, Stüler und Krausnick angehörten. 
Im Jahre 1849 wurde ein Anschlag auf 20 Millionen Mark vorgelegt; 
Eine Million wurde verbaut; Cornelius machte Skizzen für das Cam- 
posanto — und dann blieb Alles liegen. Die Coneurrenz von 1867 
blieb ohne Resultat. Hoffentlich stehen wir bald vor einer neuen. 
(Sitte merkwürdige H>okizeiverordn»ng. Am 16. Februar 1796 
erließ das Berliner Polizei-Direktorium das folgende Publikandum: 
„Um dem Unfug zu steuern, welchen die Höker auf hiesigen 
Märkten zum Druck des Bürgerstandes und des Publikums überhaupt 
treiben, sind in älteren und neueren Zeiten die heilsamsten Verordnungen 
ergangen; es kommt nur auf deren pflichmäßige Ausübung an, um den 
durch solche beabsichtigten wohlthätigen Zweck zu erwirken. Dem Polizei 
direktorium ist es nicht unbekannt geblieben, daß unzeitige Nachsicht, 
Nachlässigkeit und Durchstechereien der Polizeioffizianten selbst, welchen 
die Aussicht der Märkte anvertraut ist, einen großen Antheil an dem 
noch immer fortdauernden Unfug haben. Das Polizei-Direktorium hat 
sich deshalb veranlaßt gesehen, die ernstlichsten Maßregeln zu treffen, um 
die Polizeioffizianten selbst auf ihre Pflicht und Schuldigkeit aufmerksam 
zu machen, sie zu selbiger nicht allein anzuhalten, sondern sie auch mit 
Verweisung aus die gesetzlichen Strafen vor Plackereien zu warnen, es 
wird dasselbe auch wissen, seinen Verordnungen den gesetzlichen Nachdruck 
zu geben, um sie zur Ausführung zu bringe». Bei dem Umfange seiner 
Geschäfte aber ist dasselbe schlechterdings außer Stande, alles selbst zu 
sehen und zu hören, was diesem zuwider dennoch vorgehen, und wie man 
diese heilsame Absicht vereiteln dürste; es fordert daher hiermit jeden 
gutdenkenden, redlichen und an dem öffentlichen Wohl theilnehmenden 
Bürger auf, die Polizeioffizianten selbst unter schärfste Kon 
trolle bei Ausübung ihres Dienstes zu setzen und Alles, was 
ihnen von Nachlässigkeiten und Plackereien, sowie von Nachsichten in 
Ausübung ihres Dienstes bekannt wird, dem Polizei-Direktorio ohne 
Scheu anzuzeigen: dasselbe wird alsdann ohne Schonung diejenigen 
Polizeioffizianten, welche sich Nachlässigkeiten zu Schulden kommen, sich 
bestechen oder sich sonstwie von ihrer Pflicht abwendig machen laffe», so 
wie auch diejenigen, welche diesen Schleifweg zur Bedrückung ihrer Nebcn- 
menschen einschlagen, auf das rigoureuseste Anderen zur Warnung be 
strafen." 
Diese Verfügung, die damals alle Berliner Blätter zum Abdruck 
brachten, ist nun schon fast hundert Jahre alt; sie hat für uns nur ein 
historisches Interesse. 
Ziriedrich Wilhelm III. (Zu dem Portrait S. 129.) Das bei 
folgende Portrait: Friedrich Wilhelm III. in Civilkleidung, entstammt 
dem Nachlaß des geistvollen Malers F. Krüger (f 1852), der zumeist 
unter der Bezeichnung „Pserdekrüger" bekannt ist. Seine Studien zu 
größeren Gemälden und Militärstücken, denen auch das angeführte Por 
trait angehört, bildeten den werthvollsten Theil einer Sonderausstellung 
der Kgl. Nationalgaleiie im Jahre 1881. Da die Köpfe in ihrer vor 
trefflichen charakteristischen Manier bekannte Persönlichkeiten aus dem Ende 
der dreißiger Jahre vorführen, so werden Manche unserer Leser sich noch 
derselben — wenn auch aus deren späterem Leben — erinnern. Friedrich 
Wilhelm III. ist so dargestellt, wie er sich in seinen letzten Lebensjahren 
im Thiergarten zu zeigen pflegte; diese Zeichnung dürfte somit als eines 
der letzten Portraits desselben anzusehen sein. 
„Wißt ihr, was ich meine"! Kinderbilder von Heinrich Braun 
(Berlin, Franz Lipperheide). — Ein reizendes Büchlein, das mit seinem 
drolligen Humor den früher erschienenen Jugendschriften des gleichen Ver 
lages ebenbürtig zur Seite steht. Die altm guten Sprüchlein, Zählreime 
und Scherzfragen, die in ihrer schlichten Naivetät unerreicht sind und in 
ihrer ewigen Jugend stets das Ergötzen der kleinen Welt bilden werden, 
hat der Künstler zum Gegenstände der 'Illustration gewählt. Dem Geiste 
der echten Volkspoesie entsprechen seine launigen Bildchen, welche in ihrer 
Eigenart gleichfalls den Beweis liefern, daß oft die einfachsten Mittel 
die wirksamsten sind. In der Form der Halb-Silhouette erscheinen die 
Bildchen nur in drei Farben, schwarz, weiß und roth; aber wie lustig 
harmonirt diese einfache Ausführung mit dem Geiste der herzigen Kinder 
reime, der schalkhaften Räthsel-Aufgaben. Die Ausstattung des prächtigen 
Büchleins ist von jener Gediegenheit, welche alle Werke des Verlages 
auszeichnet. 
Inhalt. 
Ephraim und Gotzkowsky, historischer Roman in drei Bänden von 
W. Weyergang (Fortsetzung); Die Memoiren eines Kaisers von 
Madagaskar, herausgegeben von Oskar Schwebe! (Fortsetzung); Kur- 
brandenburgische Tagebücher und Korrespondenzen aus vornehmer Welt; 
Aus Kaiser Wilhelms Jugendzeit (mit Illustrationen); Berliner Dombau; 
Eine merkwürdige Polizeiverordnung: Friedrich Wilhelm III. (mit 
Portrait); „Wißt ihr, was ich meine"? Inserate. — 
Im Verlage der Kgl. Hofkunstanstalt von 
Edrn. Gaillard in Berlin erschien soeben 
folgendes, für Götheverehrer, Jtalienreisende 
rc., hochinteressante Prachtwerk: 
Eöthk'sttlliirnlschkWjk, 
Mag am (Briir. Melrl. finliii. 
Der Soden nnd sein Zn- 
iUustrirt von Julie von Kahle. 
Tertrevision und Einleitung von Professor 
Dr. Heinrich Dnntzer. 
Mit 100 Vollbildern und 218 Halbbildern in 
Lichtdruck in obiger Anstal: ausgeführt. 
Folioformat Prachtband mit Goldschnitt. 
Preis in Calico 75 M., in Saffian 100 M. 
Ihre Majestät die Kaiserin - Königin 
Augnsta haben Allergnädigst geruht, die Wid 
mung dieses Werkes anzunehmen. 
sammrnhang mit der Oirsund- 
fteit dr» Menschen. Von Max 
von Pettcnkofcr, o. ö. Prof, der 
Hygiene an der Universität München. 
Zweite Auflage. 8". Eleg. geheftet 
Preis 1 Mark. 
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Herausgeber und Verantlvortlicher Redakteur: Emil Dominik in 
Druck: W. Mörser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. 
Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
— Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
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