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Periodical volume 4. October 1884, Nr. 1

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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rath Grieninger. — Grieninger hatte im Anfang mit vielen 
Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ihm die Fabrikation fremd war 
und richtige Grundsätze sowohl in der Verwaltung als bei der 
Preis- und Lohnberechnung fehlten. Die technische Abtheilung 
bedurfte vor Allem der Verbesserungen. Der von Reichard kon- 
struirte Porzellanofen ergab zu viel Ausfall, da feine Verhältnisse 
nicht richtig gewählt waren, und dadurch, daß Reichard drei ver 
schiedene Piaffen und Glasuren in demselben Ofen verwandte, leichter 
und strengerflüssige, je nachdem die Waare weiter von dem An 
griffspunkte des Feuers im Ofen stand. Ein Arbeiter der Wegely- 
schen Fabrik baute dann einen Ofen, der beffere Resultate lieferte. 
Die damals zur Porzellanfabrikation üblichen Oefen waren liegende, 
von halbcilinderischem Querschnitte, mit den Feuerungen au? der einen 
und dem Schornsteine aus der anderen geraden Seite; ähnliche 
Oefen werden heute noch von Töpfern verwendet. Besondere 
Schwierigkeiten machte die Herstellung der Farben; bald hatten 
nach Ansicht der Laboranten das Wetter, bald die Zuthaten die 
Schuld, daß die Farben mißriethen. Im Winter konnte wegen 
der Kälte kein Pur 
pur und im Sommer 
wegen der Wärme 
keine hochrothe Farbe 
hergestellt werden. 
Die chemische Lite 
ratur, aus der die 
Laboranten Rath 
holen konnten, war 
damals gering; die 
Farbenrezepte und 
Anleitungen, die zu 
der Zeit zu kaufen 
waren, waren da 
mals auch ebenso 
wenig werth, als 
solche allgemeine 
Vorschriften noch 
heute sind, da die 
verschiedenen Mate 
rialien nach ihrer 
Art abweichende Ver- 
hältniffe in der Zu 
sammensetzung ver 
langen, um brauch 
bare Resultate zu erzielen. Durch angestrengten Fleiß hatten 
die Laboranten es aber doch bald so weit gebracht,^ daß Gotz 
kowsky Friedrich dem Großen in seinem derzeitigen Haupt 
quartiere zu Leipzig ein paar geschickt gemalte Taffen überreichen 
konnte, die deffen Beifall und den anderer Sachkenner fanden. 
Wenn Engelhardt sagt, daß Friedrich II. mehrere Wagenladungen 
Porzellanmaffe von Meißen nach Berlin habe schaffen lassen, so 
übertreibt er. Grieninger sagt in seinen Aufzeichnungen, die über 
alle Vorgänge während seines Direktoriums genau berichten, er 
habe einmal ein kleines Fäßchen Erde als Probe aus Sachsen er 
halten, die ein viel weißeres Porzellan geliefert habe, als das der 
Gotzkowskhschen Fabrik. Die Porzellan - Erde bezog die Fabrik 
über Regensburg aus Paffau, wie außer Meißen die meisten 
Fabriken Deutschlands. Die übrigen Zuthaten, Feldspath, Sand, 
Gyps u. s. w. lieferte die Umgegend; der Kapselthon kam aus der 
Nähe von Halle. Die Porzellane dieser Periode sind grau oder 
gelblich, da der verwendete Kaolin nicht rein sondern eisenhaltig 
war; sie sind zum Theil durch ein großes lateinisches 6 am 
Boden kenntlich; jedoch hat ein großer Theil nachweislich aus der 
Gotzkowsky'schen Fabrik stammender Sachen kein Fabrikzeichen. Es 
existiren auf der Königlichen Porzellan-Manufaktur noch Modelle 
aus dieser Zeit, kleinere, figürliche Gegenstände, die sehr sauber 
ausgeführt sind. 
Gotzkowsky fehlte es durch seine weitverzweigten Geschäfte 
während des Krieges öfter an baaren Mitteln, sowohl die Löhne 
und Gehalte, als die Lieferanten rechtzeitig zn bezahlen; nach und 
nach kam er in seinen Vermögensverhältnisien zurück; die neue 
Anlage kostete viel Geld und brachte Anfangs verhältnißmäßig 
wenig ein; außerdem verbrauchte Gotzkowsky für seine Person viel, 
da er einen außergewöhnlichen Aufwand machte. Im August 
1763 stellte Gotzkowsky seine Zahlungen ein, und bot die Fabrik 
Friedrich dem Großen zu Kauf an, der sie an, 8. September 1763 
als sein Eigenthum für die Summe von 225 000 Rthlr. erwarb, 
welche im Depositorium des Kammergerichts niedergelegt wurde. 
Nach den Aufzeichnungen Grieningers ist der wirkliche Werth der 
Fabrik inclusive der Materialien und Waarenvorräthe ungefähr 
ein Drittheil dieser Summe gewesen, die Friedrich der Große 
auch wohl nur aus dem Grunde bezahlt hat, um den Gotz 
kowsky, der sich sehr verdient gemacht hatte, in den Stand zu 
setzen, den Verpflich 
tungen gegen seine 
Gläubiger nachzu 
kommen; der Kö 
nig der persönlich 
Gefallen an guten 
Porzellanen und der 
Porzellanfabrikation 
hatte, wollte auch 
wohl die Fabrikation 
eines so wichtigen 
Artikels wie echtes 
Porzellan in seinen 
Landen nicht wieder 
eingehen laflen. 
Gotzkowsky rich 
tete hierauf in seinem 
Hause ein Labora 
torium zu alchimisti 
schen Zwecken ein 
und kam durch Mit 
hülfe von Betrügern, 
die den Stein der 
Weisen zu besitzen 
vorgaben, um den 
Rest seines einst glänzenden Vermögens. 
Schon am 11. September kam der König in seine neue Fabrik, 
die bei der Uebergabe ein Personal von 146 Köpfen inclusive 
11 Beamte beschäftigte; er besichtigte sie eingehend und ließ sich 
die Materialien und Apparate zur Porzellanbereitung genau er 
klären und zeigte ein reges Jnterresse für Alles. Die übernommenen 
Beamten beließ der König in ihren Funktionen; Grieninger behielt 
die Direktion mit der Bestimmung, seine Berichte und Anträge an 
den König selbst zu richten, der somit oberster Chef der Manufak 
tur in Allerhöchsteigener Person war. Um die Fabrik zu ver 
größern, neue Arbeitsräume und Brennöfen anzulegen, ließ der 
König bei der Kurmärkischen Landschaft eine Anleihe von 140 000 
Thaler aufnehmen, die aber von der Generalpostkaffe in lauter 
Zweigroschenstücken gezahlt ist, und von den Ueberschüffen der spä 
teren Jahre zurückgezahlt wurde. Im Jahre 1771 beschäftigte die 
Fabrik schon ein Personal von 400 Personen und hatte zehn Oefen 
zum Porzellanbrrnnen im Betrieb. 
Der Absatz 3 des Kaufkontraktes sagt über diesen Punkt: 
Das Arcanum wurde auch jetzt noch streng geheim gehalten. 
Alle Geheimniffe, Wiffenschaften, Künste und Handgriffe, worauf 
sich diese Fabrique gegründet, müffen Sr. König!. Majestät 
Qas Schlemmen der Erde. 
Bilder aus der Königlichen Porzellan - Manufaktur. 1.
        
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