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Periodical volume 16. November 1884, Nr. 7

Full text: Der Bär Issue 11.1885

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tabilien, Animalien, Mineralien, Metallen, wie auch deren 
wahrhaften Eigenschaften und Scheidung, nebst der Trans 
mutation und Verbesserung der Metalle gehandelt wird. 
Dem Liebhaber natürlicher Wissenschaft zum eigenen Nutzen 
nunmehr endlich mit einem vollständigen Register und Vor 
rede herausgegeben von Job. Casp. Engellender, M. D. 
und Praet., mit K. Pohlnisch. u. Ehurfürstl. Sachs. Privi 
legium. 
Eine selbstständige Arbeit En gell end er's aus K unke l's 
Schriften gezogen. 
8) 1738 dritte Auflage, ebenso wie die vorige. Hainburg bei 
Richter. Dasselbe Bild, Wappen und Umschrift. 
9) Ars vhriaria oder die Glaskunst. Leipzig 1679. 4. 
IO) Obyrnische Brille oder Anmerkungen von den Principiis 
chymicis. Leipzig 1678. 
Die Unterschrift unter seinem Bilde in der Ausgabe seiner 
Schriften von Engellender aus dem Jahre 1722 lautet: 
Quae sunt in Cbimicis naturae absondita pandit 
Thesauroque simul monstrat Kunkelius hisce 
Scriptis rara suis, Sophiae misteria cunctis 
Atque Hermetis opes seu Tertius exhibet Hermes 
Hac monumenta 8»i ingenii, solidique Labores 
Immortale ferent per secula nomen in orbe. 
J. C. Engellender, M. D. 
Sein ebenfalls dort abgebildetes Wappen ist ein quer ge 
theiltes Schild, oben Gold, unten im schwarzen Felde ein auf 
grünem Boden liegender, links gewendeter Löwe, der einen Stern 
in der Pranke hält; so giebt es auch Tyrosf in seinen Supple 
menten. In unserer Arinee haben bis auf die Gegenwart mehrere 
Offiziere dieses Namens gestanden.*) 
Der Redakteur dieses Blattes knüpft an Vorstehendes noch 
einige Zeilen. 
In seinem sehr lesenswcrthen Buche „Chemische Erinne 
rungen aus der Berliner Vergangenheit"**) hat Professor 
Aug. Wilh. Hofmann natürlich auch den „Chymiker" des 
Großen Kurfürsten behandelt; einzelnes Interessante daraus sei 
hier abgedruckt. Das Rubinglas wird danach durch einen Zu 
satz von Gold zu dem farblosen Glassatze gewonnen, und dies 
erklärt dann hinlänglich den hohen Preis dieser Gläser. Kunkel 
erwirbt gegen Ende seines Lebens ein kleines Rittergut, Dreißig 
hufen bei Pernau, woselbst er 1702, nach Anderen 1703 starb. 
Einige Proben von Kunkels gesundem Urtheil wie von seiner 
ausgezeichneten Experimentirkunst führt Hofmann an. Ein Phan 
tom, schreibt er, dem die Alchymisten seit langem nachjagten, war 
der Alkahest, das Lösungsmittel, dem kein Körper widersteht. 
Mit Kunkels einfacher Frage: „Wie haben denn die glücklichen 
Besitzer dieses allgemeine Lösungsmittel aufbewahrt?" hatte die 
Suche nach dem Alkahest ihre Endschaft erreicht. 
Eine höchst interessante Episode in Kunkels Geschichte ist die 
Wiedcrentdeckung des Phosphors. Gleichzeitig mit Kunkel 
suchten viele Andere nach der golderzeugenden Tinktur. Zu diesen 
gehört ein heruntergekommener Hamburger Kaufmann, der den 
Doktortitel angenommen hat. Dr. Brand sucht den Stein der 
Weisen im Menschenharne; er findet ihn nicht, aber er entdeckt den 
Phosphor. Merkantile Interessen veranlassen ihn jedoch, die 
Methode der Darstellung ängstlich geheim zu halten. Kunkel hat 
den Brandschen Phosphor zu sehen bekommen, und alsbald erwacht 
in ihm der Wunsch, diesem Körper nachzuspüren. Seine Be 
mühungen sind nicht erfolglos. In kurzer Frist hat er das 
Räthsel gelöst, und nun gelangen die ersten genauen Nachrichten 
*) v. Ledebur. AdelS-Lexikon I. 490. 
**) Erschien im Verlage von Aug. Hirsch wald hier. 
über den Phosphor zunächst 1676 durch Professor Kirchmair und 
zwei Jahre später durch Kunkels „öffentliche Zeitschrift vom „Phos- 
pboro mirabili“ und dessen leuchtenden Wunderpilulen" zur all 
gemeinen Kenntniß. 
Der Phosphor ist lange Zeit eine Kuriosität geblieben, die 
nur Wenigen zu Gesichte kam. Vergeblich machte man Versuche, 
den merkwürdigen Körper irgendwie zu verwerthen; sie scheitern 
alle an dem hohen Preise des Phosphors, der noch immer nahe 
zu den doppelten Werth des Goldes besitzt. Aber auch der Phos 
phor hat seinen Nutzen. Hören wir eine Anekdote, welche ein 
halbes Jahrhundert nach Entdeckung des Phosphors, also vor 
etwa 150 Jahren, der berühmte Leydener Professor Boerhave 
seinen Studenten in der Vorlesung erzählt. Ein Hofmeister hat 
einen Zögling, der ihm große Noth und Sorge macht. Vergeblich 
ist all' seine pädagogische Kunst aufgeboten worden. Am Ende 
seiner Weisheit angelangt, kommt ihm der luminose Gedanke, die 
Bundesgenossenschaft des Phosphors anzurufen. Er schreibt dem 
Unverbesserlichen mit Phosphor eine Mene Tekel an die Wand. 
Und damit die Geschichte ein erwünschtes Ende finde, erwacht der 
Widerborstige zur rechten Stunde, erschrickt ob der dräuenden 
Flammenschrift an der Mauer, geht in sich und wird fortan ein 
nützliches Mitglied der Gesellschaft. 
In unserem erleuchteten Zeitalter hat der Phosphor seine 
pädagogische Wirksamkeit längst eingebüßt. Seit Einführung der 
Friktionsfeuerzeuge, seit der Phosphor ganz eigentlich der Licht- 
bringcr par excellence geworden ist, gehört, was ftüher eine 
chemische Seltenheit war, zu den bekanntesten Substanzen. Es 
möchte nicht ganz leicht sein, über die jährliche Phosphorproduktion 
etwas Zuverlässiges zu erfahren. Nach einer uns vorliegenden 
Angabe werden jedoch in Frankreich allein jährlich mehr als 
100 000 Pfund Phosphor dargestellt. Thatsache ist, daß die Unze 
Phosphor, welche zu Boerhave's Zeit noch mit 16 Dukaten 
bezahlt wurde, heute kaum mehr als ebensoviele Pfennige kostet. 
Ein schlagendes Beispiel des Riesensortschritts, welchen die chemische 
Industrie seit Meister Kunkels Zeit gemacht hat. — 
Als ich den Mitgenossen Kunkels, den Alchymisten Böttger, 
in diesen Blättern schilderte, da schrieb ich in einer Anmerkung zu 
Kunkel über das bereits oben erwähnte Gut „Dreißighufcn," 
„daß dasselbe bei Klosterfelde am linken Havelufer liegt, heute Vorwerk 
Neudorf heißt, und ehedem zu den Besitzungen des Klosters Lehnin 
gehörte. Auf der Generalstabskarte liegt Neudörfchen zwischeir Prenden 
und Klosterselde, östlich von Oranienburg und westlich von Biesenthal. 
Vielleicht theilt ein Leser d. Bl. aus Klosterfelde oder Biesenthal uns 
mit, ob in Klosterfelde noch ein Grabstein Kunkels erhalten ist." 
Hierzu empfing ich zwei Zuschriften, die ich hier im Wesent 
lichen mittheile. Herr von Pf. schrieb: 
„Ich fand in Neudörfchen, jetzt Vorwerk zu Lanke, dem Grafen 
Redern gehörig, iveder Kirche noch Begräbnißplatz und hörte auch, daß 
ein solcher hier nie vorhanden gewesen, Neudörfchen vielmehr in Kloster 
felde eingepfarrt sei. Ich sah mich dann in Prenden um, wo eine Kirche 
mit Kirchhof ist, fand aber auch hier nichts; habe jedoch die Gutsver 
waltung sowie den Herrn Pfarrer von Klosterfelde gebeten, weitere Nach 
forschungen anzustellen." 
Die zweite Zuschrift des Herrn Th. Sch. aus Klosterfelde 
lautet: 
„Neudörfchen gehörte ain Ende des 17. Jahrhunderts der Familie 
Kunkel von Löwenstern. 1705 wird dort ein Fr ä u l e i n v o n L ö w e n st er n, 
Tochter des seligen Herrn Johann Kunkel von Löwcnstern, gewesenen 
Königlichen Bergraths in Schweden und Erbherrn auf Dreißighusen 
(der alte Name für Neudörfchen) mit einem Dr. medicinae Wirth 
aus der Gegend von Meißen getraut; 1701 stirbt in Neudorf „ein 
Jung, den Herr Kunkel aus Schweden geschickt hat." Es mögen sich 
im alten Kirchbuch wohl noch mehr derartige Notizen finden, eine 
Bestattung des Herrn K. v. L. 1702 oder um diese Zeit herum ist 
in dem, in diesen Jahrgängen sonst vollständigen Kirchenregister nicht
        
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