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Periodical volume 27. September 1884, Nr. 53

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Miscellen. 
Das Botanische Museum. (Zu der Illustration S. 753). Nahe der 
Südwestecke des botanischen Gartens erhebt sich, die Front nach dem 
Wilmersdorfer Wege gewendet, der stattliche Bau des botanischen 
Museums. In der Parterreetage befinden sich das Arbeitszimmer des 
Direktors, sieben Arbeitszimmer für Beamte und Benutzer des Museums. 
In der ersten Etage befinden sich die Herbarien, in der zweiten Etage 
die Holz- Frucht-Samen- und andern Sammlungen. 
Der südlich gelegene Saal, dessen Längsansicht auf dem beigegebenen 
Bilde dargestellt ist, enthält in seinem unteren Raume und der Galerie 
das zweite Drittel der Dikotyledonen. An der Fensterseite befinden sich 
drei Tourniquets, große Ständer mit je zwölf drehbaren Rahmen. Das 
Tourniquet vorne links ist mit Abbildungen von Pflanzen und brasilia 
nischen Vegetationsbildern, das mittlere mit Durchschnitten von Hölzern 
und das hinterste auf der rechten Seite mit Photographim von Kiesel- 
Algen, Diatomeen und Abbildungen sowie natürlichen Exemplaren von 
Pflanzenkrankheiten erzeugenden Pilzen ausgestattet. 
Die beiden großen Tafelkästen rechts enthalten eine systematisch ge 
ordnete Sammlung von Pflanzenabbildungen. Die Platten derselben 
sind auf unserem Bilde mit verschiedenen größeren Früchten belegt worden. 
Vorn liegt eine Gliederhülse von Eutaäa Gigalobium, davor eine Frucht 
der brasilianischen Röhren-Cassie; in der Mitte des Tisches befindet sich 
ein mächtiger Porenschwamm, Polyporus, aus den Tropen, dahinter ein 
zelne Affenbrodfrüchte, sowie die großen Maldiven-Nüsse von Lodoicea 
sechellarum; auf dem zweiten Tafelkasten besonders eine geöffnete Topf 
frucht, Eeoythis. 
Die städtischen Bark- und Gartenanlagcn repräsentiren nach einer 
kürzlich aufgenommenen Inventur — außer dem hier nicht in Betracht 
gezogenen Grund und Boden — folgende Werthe: 
1) Gehölze 2 823 977.70 Mark, 
2) Gitter und Barrieren . 89 040.— „ 
3) Wasserleitungen 155 870.— „ 
4) 1321 Sitzbänke 63 528.— „ 
5) 432 Schutzkörbe 8 981. - „ 
6) Pflanzen in den Gewächshäusern des Hum 
boldthains 16 300.— „ 
7) Pflanzen in der dortigen schulbotanischen 
Abtheilung 2 250.— „ 
8) Geräthschaften 50 750.— „ 
in Summa 3 210 696.70 Mark, 
wobei wir noch zu Position 1) bemerken, daß in den Baumschulen Ge 
hölze im Werthe von nicht weniger denn 1 266 800.70 Mark vorhanden 
sind. Die ganzen Summen sind überraschcnv stattlich und bekunden, daß 
die städtische Park- und Gartenverwaltung nicht mehr so ganz, wie häufig 
angenommen wird, das Stiefkind der Kommunal-Verwaltung ist. 
Berliner Koffcstlichkeitcn vor 150 Jahren. Im Winter des 
Jahres 1733 erschien folgende königliche Ordre: Demnach S. K. M. in 
Preußen, unser allergnäd. Herr, wollen, daß die gehabten Assambleeu 
wieder ihren Anfang nehmen sollen, Sie aber bey denen bisher gehaltenen 
Assambleeu wahrgenommen, daß viele in ihren Häusern den erforderlichen 
Raum nicht gehabt. Es Ihnen überdem auch viele lucommoäite verur 
sacht, und an ihre Meubles Verlust erlitten. Alß haben Sr. Kgl. Maj. 
in Gnaden resolviret, daß Karl von Eckenberg Entrepreneur der Assam- 
bleen seyn und zu dem Ende solche in dem Fürstenhaus« wöchentlich 
zweymal, nehmlich Dienstags und Freytags halten, wozu er Holtz, Licht, 
Spieltische und 2 Chor Hautbois fourniren, dahingegen ihm diejenigen, 
welche laut anstehender Liste Assambleeu zu halten, als: Herr von 
Seckendorf, Herr von Jaguschinski, Herr von Praetorius, Marquis de Ia 
Chetardie, (diese 4. wenn es ihnen beliebig ist, da sie frembde Ministers 
und Gesandten seyn) ferner die Excellenzen: Herr von Fink, von Borck, 
von Grumbkow, von Schlippenbach, von Görne und von Podewills, als 
dann: Herr von Schlieben, von Viereck, von Thulmeyer, von Viebahn, 
von Cocceji, von Happe, Ober - Stallmeister von Schwerin, von Prosch, 
von Riedel, von Geuder und von Vernezobre, dreißig Thaler geben und 
davor den ganzen Winter frei hingehen und dabei Lake, Thee, und Cho 
kolade und Limonade umsonst haben, diejenigen aber, so tmter der Liste 
nicht begriffen, vor das Entree 8 Groschen, Kaffe, Thee, Chokolade und 
Limonade ü part, und die, so spielen, 16 Groschen Kartengeld bezahlen, 
die Capitains und Subalternen aber von allem diesen befreit seyn sollen. 
Friedrich Wilhelm. — Man sieht, Eckenberg, der „starke Mann" und be 
sonderer Liebling des Königs, war ein glücklicher Spekulant, denn von 
ihm war die Idee dieser Assambleeu in Entreprise ausgegangen. Für 
720 Thaler Fixum ließen sich schon einige Portionen Thee und Limo 
nade verabreichen. Diese Assambleeu kamen außerordentlich in Flor, 
zumal der König selbst mit den Prinzessinen oft erschien, unter den Gästen 
sich bewegte und sehr heiter war. Eckenberg, der Komödiant, war damit 
ein wichtiger Mann geworden. Der höchste Adel verkehrte mit ihm, der 
König hatte für ihn große Leutseligkeit und der „starke Mann" that auch 
sei» Möglichstes, durch Musik, kleine theatralische Ausführungen, Jongle- 
rieen und Eskamotagen diesen Assambleeu höchsten Reiz und Abwechse 
lung zu geben. Das Fürstenhaus, welches ihm für diesen Zweck ein 
geräumt wurde, und dessen äußere Faqade noch heute erhalten ist, befindet 
sich an der Ecke der Kurstraße und des Werdec'schen Marktes gerade der 
Mündung der Jägerstraße gegenüber. Seine Rückseite stößt an die 
Münze. Ursprünglich das Palais des Ministers Friedrich's !., von 
Dankelmann, der es sich erbaut hatte, nahm bei dessen Sturz der Fiskus 
dasselbe in Beschlag; es wurde zur Aufnahme freniden hohen Besuchs 
bei Hofe eingerichtet und demgemäß das „Fürstenhaus" genannt. — 
Heinrich Giers. 
Edelmut!) Friedrich Milhclm's UI. König Friedrich Wilhelm HI. 
hatte im Jahre 1828 das Unglück, den Fuß zu brechen, und war in 
Folge dessen längere Zeit ans Krankenbett gefesselt. Um dieselbe Zeit 
verbüßte ein Oberst von Massenbach eine längere Festungsstrafe in Glatz 
lvegen seiner schriftlichen Angriffe auf den König. Eines Morgens erhielt 
der Kriegsminister plötzlich die Meldung von dein Kommandanten jener 
Festung, daß eben dieser Oberst von Massenbach in folge einer eingegange 
nen Kabinetsordre auf freien Fuß gesetzt und bereits nach seine» Gütern 
abgereist sei. Der Kriegsminister wußte hier von nichts °, er war sehr er 
staunt tmb vermuthete eine gefälschte Ordre. Er eilt sofort zum Könige 
und erzählt ihm den Fall. Friedrich Wilhelm, noch bettlägerig, lächelte 
und sagt: „Es hat seine Richtigkeit so. Vor einiger Zeit lag ich hier 
des Nachts und konnte vor Schmerzen an meinem Fuß nicht schlafen. 
Da dachte ich: wer inag dir wohl im Leben am feindlichsten begegnet 
sein, dich am bittersten gekränkt haben? Dem möchtest du wohl vergeben 
und ihm eine Freude machen! Massenbach fiel mir ein, und ich befahl, 
ihn auf freien Fuß zu setzen." M. M. 
Inhalt. 
Joachim II. und seine Zeit, historische Erzählung von Karl Görlitz 
(Schluß); Wie man vor 200 Jahren in der Mark Brandenburg fuhr 
(Illustration); Berlin im Jahre 1617, mitgetheilt von Fr. v. M. (Schluß); 
Notizen aus den Akten der Königlichen Berliner Armen-Direktion des 
vorigen Jahrhunderts (Schluß); Das Brandenburger Thor und seine 
kunstgeschichtliche Bedeutung, von Ferdinand Meyer; Auf dem Kapellen 
berge, von A. Trinius; Das Botanische Museum; Di« städtischen 
Park- und Gartenanlagcn; Berliner Hoffestlichkciten vor 150 Jahren; 
Edelmuth Friedrich Wilhelms III. Inserate. 
An unsere Arermde! 
Mit der vorliegenden Nummer schließt der zehnte Jahrgang unserer „Jllustrirten Berliner Wochenschrift". Wir fügen derselben In Halts- 
verzeichniß und Titel für diejenigen Leser bei, welche sich die Zeitschrift einbinden lassen wollen. 
Wieviel des Interessanten und Belehrenden die Jahrgänge des „Bär" enthielten, das wird unter anderem das Gesammtinhalts- 
verzeichniß erweisen, das im Laufe dieses Jahrgangs erscheint. Die Grundsätze aber, welche sich in dem ersten Dezennium des Bestehens unserer 
Zeitschrift bewährt haben, werden wir auch in dem kominenden festhalten. Die Gesainmtbände unseres Blattes bieten die 
umfang- und inhaltreichste Lhronik der Rcichshauptstadt, 
das getreueste Spiegelbild des alten und neuen Berlin. 
Ueber die Reichhaltigkeit des kommenden, eisten Jahrgangs theilen wir unseren verehrten Lesern Folgendes mit: 
Von Zlomanen und Erzählungen bringen die ersten Nummern eines dreibändigen historischen Romans „Ephraim und G otzkowsky" 
von W. Weyergang; daran wird sich eine Erzählung von K. Rinhard schließen, des Verfassers von „Was wird sie thun?" unter dem Titel 
„Ideale". Im Ferneren bringt der Jahrgang eine Erzählung „Die Vettern von Brandenburg-Schwedt" und ein hochinteressantes, umfang 
reiches Tagebuch „Die Memoiren eines Kaisers von Madagaskar", eine Brandenburgische Geschichte, herausgegeben von Oskar Schwebe!. 
Die ersten Nummern enthalten bereits den Anfang der Memoiren. 
Don größeren Aussätzen nennen wir: Berlins Entwickelungsgeschichte (mit zahlreichen Karten); Vom Brandenburgischen 
Hofe des 16. Jahrhunderts; Kunkel von Löwenstern, Geheimer Kammerdiener und Alchymist des Großen Kurfürsten; Drei Tage aus 
der Umgebung Friedrich Wilhelms I.; Die geistige Atmosphäre und die bildenden Künste zu Berlin im 16. Jahrhundert; Heinrich 
von Kleist in Berlin; Der Uhrmacher Naundorf, der Chef der französischen Prätendentenfamilie; Berliner Klubs und Gesellschaften; Die 
Entwickelungsgeschichte von Berlin-West; Vom Esse» und Trinken unserer Voreltern; „Wir sind so klug, und dennoch spukt's in Tegel";
        
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