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Periodical volume 27. September 1884, Nr. 53

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Elsbeth war eine glückliche Braut, und wurde eine ebenso 
glückliche Frau', umsomehr sie ihren Vater und ihre Heimath 
nie zu verlassen brauchte. 
Zur rechten Zeit erinnerte sie sich der Worte, welche der 
Kursürst am Fastnachtsabend zu ihr gesprochen hatte: — 
„Wenn Du einst einen Wunsch haben solltest, so 
wende Dich getrost an mich!" 
Diese Bitte der schönen Berliner Bürgerstochter wurde 
durch den Pfarrer an der Petrikirche, Johann Badercsch, dem 
Kurfürsten vorgetragen und von ihm unterstützt. 
Demzufolge wurde der Ex-Dominikaner Severin dem 
Pfarrer Baderesch als Hülfsprediger beigegeben und dadurch 
in den Stand gesetzt, seine geliebte Elsbeth nach so vielen 
Stürmen endlich heimführen zu können. 
Baderesch selbst vollzog am Shlvesterabend des Jahres 
in der für diesen Zweck glänzend crlcnchtetcn Petrikirchc die 
feierliche Trauung des glücklichen Paares. — 
Berlin im Jahre 1617. 
Mitgetheilt von fr. u. SI. 
(Schluß.) 
„Am 10 ten October habe ich etliche meiner Güter aus Leipzig 
zugeschickt, und bin ich mit Dr. Magno gen Hof gegangen, alda 
mich im fordern Hof der Schwindel heftig aitkommen, daß lva der 
Dr. und mein Diener mitgewest, ich niedergesunken werc. Derwegcn 
sic mich in die Höf Apotheke gefuert und der Dr. mir ain Schwindel 
und ander Master angezwehet und eingegeben, auf welches es 
stund hernach was besser worden, und hat er mir Pulver und 
Master alternative des Morgens im Reisen zugebrauchen, mit auf 
den Weg gegeben, und die Apotheken, welche drei Zimmer voll 
Büchsen, Flaschen und Gläser mit allerlei köstlichen Sachen, gar 
in schöner Ordnung, mit hübschen Laboratoriis, guten Kellern und 
Springwastern, auch eine hüpsche Civet-Kaz darinnen umblaufen hat, 
gezeiget, welche die alte Churf. Hochs. Gnaden also geordnet, un- 
wer under.den Officieren, Räthen und Dienern, auch undcr der 
selben Leuten und Dienstboten krank ist, alle aus dieser Kurfürst!. 
Hof-Apotheke gratis succuriert werden, amen geschickten Pharma- 
copeuem mit drei Gesellen darinnen hat, und gleich hinder dem 
langen Gang ist in welcher mir ein Apotheker-Gesell sein Dictum 
crzehlt. 
Daß ohne Gottes-Gnad, Gelt, Zucker 
Honig, Wachs, Oel, Venus und Wein 
kein Apotheker könnde recht 
fröhlich und lustig sein. 
Darauf bin ich zum Prinzen gangen, dessen Frl. Drl. mich bey 
der Hand umbefuert, ihr Glögglen Werk, darauf sie Psalmen 
spilen künden, gczaigt, und forts zur Tafel gangen. 
Nach der Malzeit haben wir mein Stammbuch gesehn, und 
Ihr Frl. Drl. mir auch was darin verspochen. Interim haben 
die Fraw Mutter, die zwei Frawten Schwestern (denn die dritte 
am Fieber krank läge) und dieser junge Herr mir in mein klain 
Reisbüchlein geschrieben, und zu fürsten Personen alle hübsche 
Schrift gemacht; wie denn dieser junge Herr von vierzehn Jahren 
sehr Wohl studiert, und als ich in seiner Schuel gesehn, schon feine 
Argumenta machet, sich zugleich im Schreiben übet. Darnach ist 
der Fechtmeister kommen, im Rapier gefochten, in welchem dieser 
junge Herr auch schon fix ist, sowohl als auch im Reuten und 
andere fürstlichen Exercitiis; in maßen der Hofmeister Claus von 
Reden auf Schwentin und der Preceptor Elias Pückelmeier durch 
die ganze Wochen, Tag und Stunden austhailen, was man immer 
Vorhaben solle, und siehet man bereits, daß es ein wakcrer Fürst 
werden wird, desten Herr Vater auch ein löblicher ftommer und 
ansehnlicher tapferer Churfürst und Herr sein soll Wir würden 
über Tisch ainsen zu reden, der sich schriebe, Joachimus, Hestus, 
Hallandus, Borussus ick est er hieße Joachim Heß aus der Stadt 
Holland in Preußen bürtig. Wir bliben beisammen bis um drei 
Uhren; darnach nahm ich mein Abschied, und gäbe dem Herrn 
von Thonaw in sein Haus auch die Visite, welcher in seiner Stu- 
dier-Stubcn auch einen Hausen fürstlicher Conterset hangen hat, 
und sowohl als der junge Prinz, Wohl hätte leiden mögen, daß 
ich bis zu Ihrer Churf. Drl. Heimkonft, die täglich erfolgen sollen 
gebliben were; weile ich aber vorhin länger als ich vermeint, mich 
in Pommern aufgehalten, und Dresden auch aus dieser Reise gern 
sehen wöllen, hab' ich mich entschuldigt, haimgangen, eingepackt, 
und Dr. Magnum den Abend Wider bei mir behalten. 
Am Ilten October ist Dr. Magnus wider zur Morgensuppcn 
zu mir kommen, und der Rentmeister dem Wirth angezeigt, daß 
er den Zettel, was ich mit meinen Leuten verzehrt, nach Hofe 
mache, dan seine gnädigste Herrschaft mich auslösen wolle, so 
daß ich an diesem Churfürstlichcn Hof, ob ich gleich noch unbe 
kannt und ohne Recommandation hinkam, dennoth sehr geehrt 
und von der Herrschaft und ihren Dienern gnädigst und freund 
lichst existiert worden auf welches ich im Namen Gottes meinen 
Weg nach Dresden genommen. Als ich hinaus für die Stadt 
kommen, ist mir der Prinz mit ain 20 Pferden nachgeritten, er 
und der Hofmeister mir noch einmal die Hand gelaicht und Gluck 
auf den Weg gewünscht. 
Auf den Mittag sein wir in ain Stättlein Mittenwald, auf 
die Nacht gen Bart zu guten alten Leuten, die uns gerauchte 
Fisch von ihr aigen Bett in die Stube getragen, kommen. Die 
Gäste müssen auf den Dörfern in den Herbergen oder Krügen, 
wie sic es heißen, mehrentheils seamnum deelivum oder im Stroh 
liegen, und hat mir die Madratz, so ich auf der Kutschen Ino» 
pulvinnris mitgefuelt, gleich wol gethan. Es ist sonst die Mark 
an ihr selber ain hüpsches und sehr fruchtbares Getraid- und fisch 
reich Land, auch an Wildbreth großer Vorrath; die Leut aber, 
sonderlich in Flecken und Dörfern, sein so ohnanrichtig, daß sie 
ihnen (sich) diese herrliche Gelegenheit nit zu Nutzen machen, und 
hat man mir, per iocum zu Berlin von diesen Leuten volgende 
Macaronische Verse erzehlt: 
Stroodaeh, Knappsaceei sunt hie in Marchia multi, 
Et si videres glancas nostras mulieres, 
Nobiscum flores, si quid pietatis haberes, 
Neque venires ad nos quia sumus in incula Bathmos. 
Notarius würdt auf Deutsch auch Merker genannt, ick est: 
der alles merket und in notam nimpt." 
Rothen aus Akten der Königlichen Berliner Armcn- 
Direktion des vorigen Jahrhunderts. 
(Schluß.) 
1792. Der Stadt Stargard in Westpreußen werden zur Unte 
stützung der Abgebrannten 25 Thaler gesandt. 
1794. Carl Fr. Pfeifer, ehemaliger Konsul zu Festenberg s 
Schlesien, aus Braunschweig-Oels gebürtig, mit dem eh 0 
maliger Hofmeister des Kronprinzen, Geh. Rath Behnis 1 
aufgewachsen „meines Großvaters Bruders Wittib vo 
Palmenkron hatte desten Großmu'Pr Bruder von Rer 
mannsdorff zur zweiten Ehe" „habe im 7jährigen Kriege 
den Lieutenant von Koschützky vom Regiment Prinz 
Ferdinand, Bruder des Obersten dieses Regiments in seiner 
Blestur aus den Händen der Feinde, als sie Breslau
        
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