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Volume 20. September 1884, Nr. 52

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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landläufig Fersengeld gegeben et die weritarebberc» die ti-assero 
Iv calci« al vento et die fossero impicienti; daß sie dahin zur 
Arbeit geordnet sollten werden, und 8t. Rapino opfern, zu welchem 
Ende auch allberait von Hamburg und aus Holland allerley 
Handwerker verschrieben waren; als aber S. Churs. Durch!, un 
verhofftes Tods verblichen, ist es verbliben. 
Diese Stadt hat drei Thore, ains wird das Spandoischc das 
andere das St. Georgen; und das dritte das Stralische Thor ge 
nannt. Das Spandowische hat den Namen wegen der Vestung Span- 
dow, weil man dadurch dahin reiset; das St. Georgen vom Spital, 
so hart am Thor bei der Vogelstangen ligt; das Stralische vom 
nechsten Dorf, so Stralen heißt, '/- weil darvon ligt. 
Der Kürchen seien vier, zwei Haupt-Kirchen. Weil Berlin in 
zwei Theil getheilt, auch alle Sonn- und Werk-Tage evangelisch 
darin gepredigt wird, hat jedwede ihr sünderliche Prediger. Die 
aine, so auf dem neuen Markt steht, heißt Marien Kirch, hat drei 
Prediger; die andere, so auf dem Fischmarkt, heißt St. Nicolaus 
Kirch, hat vier Prediger; die dritte ist im Kloster, wird auch 
wöchentlich darin gepredigt. Die vierte liegt am Spandoischen 
Thor in der Stadt, gehet bis in die heilige Geist-Straße, bei deren 
ein Spital, daran ein Kirchhof, auf welchem drei Linden stehn, so 
artig gepflanzet, daß sie denselben ganz und gar bedecken, unter 
welchen im Sommer Sontags und in der Wochen durch ainen ai- 
gcnen Priester gepredigt wird, und ich mich erinnere, daß in Jtalia 
auf den Dörfern ich wol auch sehen unter stehen Himmel predigen, 
und erzehlt worden, daß ein Pfaff ain mahl auf ainem Baß ge 
standen, so vast (sehr) darob gesticuliret, und eben geprediget: Ueber 
ein kleines werbt ihr mich sehn, und aber über ain kleines werbt 
ihr mich nit sehn, bis das dem Baß der Boden ausbrochen, und 
er hineingefallen, da man ihn dann ein kleines nit gesehn, bis das 
er wieder heraussen gezogen worden. Gott der Herr ist sonß an 
keinen Ort gebunden, sondern die Kirche an sein heiliges Wort; 
wie dann Christus der Herr „auch nit nur im Tempel, sondern auch 
in der Wüsten, auf Berg und Thal, zu Wasser und Land ge 
predigt hat. 
In dieser Stadt Berlin ist Christoff Frischmann Churs. 
Brandenburg. Bottenmeister, bei deme ich mich am 31. August 
morgens stue durch meinen Diener anmelden lassen, mit mir etlich 
Stund herumspaziert, sein neuerbaut Haus und Garten, (so zwar 
jetzt nur leer stehet, sintemal Ihre Kurs. Durch!, ihm ain Haus 
zu Cöln an der Sprew nahe bey Hof eingeben haben,) gezeigt, mich 
auch gen Hos geführt, alda mich die Princessin von Haidelberg, 
und die andere Herren bei der Tafel behalten wöllen; weiln ich 
aber dem Frischmann zu Ehren selbs in der Herberg was zurichten 
taffen, so hab ich mich entschuldigt. Ueber der Mittag Malzeit al 
8»Iitc> gar gnädigste Brief von Ihrer F. D. aus Pommern, dar 
bet ein Contcrfeit von ainem Hirschgeweihe, so nur ein Stangen, 
und von Ihr F. D. selbs geschlagen, empfangen darbey ein Ge- 
sundtrinklin mit Freuden herum gehen lassen. 
Nach der Malzeit sein wir in der Stadt Cölln herumgegangen; 
dann als vor Zeiten des Volks zuviel worden, ist neben Berlin 
noch aine Stadt, welche die Sprew underschaidet, und Coloniam, 
oder Cölln genant (als wir sonst Coloniensis ain Bauern legen) 
erbauet worden. Ueber die Sprew gehen zwei Brücken, von einer 
Stadt zu der andern; die aine beim Schloß; die andere aus dem 
Mühlendamm, allda zu beiden Seiten stattliche Mühlinnen, so der 
Herrschaft gehören, und nit allein in das Hoflager alles Brodt, 
sondern noch einen ansehnlichen Ueberschuß geben. Was übrig, 
wird aus Mühlenhos, darauf der Churs. Brandend. Mühlenhaupt 
mann, ainer von Adel wohnet, aber in Berlin ligt, und ain 
großes altes gebew ist, ausgeschüttet. Dahin wird auch alles von 
Aemtern, was man an Victualien und sonsten zu Hose benöthiget, 
gebracht, und hernach gen Hofe verschafft. In dieser Stadt sein 
zwei Kirchen, die aine ist der Thumb, jetzt zur heiligen Dreifaltig 
keit; die andere St. Peter genant mit drei Predigern und einer 
Schuel und vier Preceptorn versehn. Der Thum liegt hart am 
j Schloß, aine hübsche große lichte Kirche, aus welcher alle Altär, 
Tasten, Bilder und Crucifix geraumet sein, und jetzo ganz weiß ist, 
außer der gruenen Gettern und Teppichen, darin auf den voor 
Kürchen die Fürsten - Personen und Hofhaltung stehn. In dieser 
Kirchen prediget vr. Fiselius und M. Menzelius auf „reformirtc 
Art, mit Eingang des Lobwassers Melodey in den Psalmen". Da- 
hero es jetzt wegen zweierlei Religionen under den Eiferern immer 
Pique und haimblichen Neid abgibet; welcher ohne das in Klöstern 
geborn, bey Hof erzogen und im Spital endlich begraben wird. 
Und wol ein starker Magen sein muß, der mehrerlei Religiones 
verdauen kann, und derjenige wol ein beschwerts Gewissen hat, der 
seine Seele umb des Zeitlichen willen auf die Vberthür setzet, den 
Mantel nach dem Wuendt henget, und seinem Herrn zu lieb, umb 
mehrer Besürderung und größerer Besoldung wegen, von der er 
kannten und bekannten Wahrheit, wie wurmstichig Obs, abfellt; und 
an solchen wol wahr wirdt, die laseia la via verckica et vera, pro 
la nuova, alla fine ingannato si ritruova. An dieser Kürchen 
Ware ain Kloster, da jetzo das Consistorium und Kammergericht ist, 
welcher Ort auf den ersten Platz des Schlosses siehet. Dieser Platz 
auf zwei Seiten gar lange Altanen, zwei Gaden Höhe hat auf 
deren obristen Gaden man in die Kürchen gehet, und an den 
Pileren und. ob den Fenstern allerhand schöne hübschgefaßte Hirsch- 
und Reh-Geweihe in großer Menge hangen hat. In dem ainen 
underen Gaden sein Stallungen, im andern außwärts der Soldaten 
Wohnungen; daran noch ain absunderlich haus für ihre Capitain 
und Befehlsleut ist. 
Vor Zeiten, ehe dieses Schloß gebauet, haben die Marggrafen 
auch nur in der Stadt Cölln gewöhnet, wie dan ihre damalige 
Wohnung noch in der Breiten Straßen stehet; hernach als das 
Schloß verfertiget, die Kanzlei daraus gemacht, und forts einem 
Kaufmann Voßenh oll vom Herrn Churfürsten verehrt ist worden, 
aus daß er das ganze Hoflager mit notdürftigen Wahren umb ain 
leidenliches versorgen, auch sonsten an anderen Sachen, so in das 
Hoflager an Victualien und sonsten in Seestädten zu bekommen, 
versehen solle. 
Ueber Cölln oder Coloniam (welches zwar von andern Cölln 
auch kann und mag verstanden werden) hat ainer eine Avertenz 
vielleicht nur scherzweis gegeben und gesagt: 
Hüte Dich vor Tedesco negro, 
Italiano rosso, Spagnuolo bianco, 
und vor Männern von Cölln, 
sie haben Farben, wie sie wölln. 
In der St. Peters Kürchen steht ein Stein eingehauen ain 
büldt vom Könige Zalekeo als derselbe wegen des Ehebruchs ainen 
legem sancieret, daß so ainer den begienge, dem beide Augen 
ausgestochen werden sollten; als aber sein Sohn darwieder ge- 
peeeieret, und die für den Vatter gebracht, und den legem doch 
gehalten haben wöllen; hat er ihnen das aine, und dem Sohn 
das andere Auge ausstechen lassen. Scheint von ferne als Wan 
es venerische Sachen waren, weilen der Henker in Verrichtung seines 
Ampts gegen den Strafleidenden sich ungepertig stellet; deswegen 
auf dieses Bild von den Resormirten Ware gepredigt worden, daß 
die Evangelischen solche Bilder litten. Aber ohngefähr vor zwei 
Jahren ist ein solcher Lermen entstanden, daß der resormirten Pre 
diger Haus darüber ist gestürmet worden. 
Nach Besichtigung der Kirchen sein wir wieder gen Hos 
gangen und habe ich in die zwei Stunden mit Herrn Grasen Casimir 
von Lynar geeonversiret, forts sollen zur Tafel kommen; weiln 
aber der Frischmann mich srue zu sich geladen und zurichten lassen, 
hab ich abermal um Entschuldigung gebeten, und mit dem Frischmann 
in sein Haus gangen, bey ihm eine gar stattliche Malzeit eingenommen 
| bei Hof aber versprochen am Zurückkehren wieder einzusprechen.
	        
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