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Periodical volume 30. August 1884, Nr. 49

Full text: Der Bär Issue 10.1884

schwere Reiterei der Sachsen nur äußerst schwer zu besiegende 
Grenzlinie. An der Ruthe selbst aber ragten die Burgen: Trebbin, 
Beuthen, Saarmund, Neuburg (die heutige Burgfischerei) auf und 
endlich auf einem Werder, gegenüber der hier in die Havel fallenden 
Ruthe, die Veste Potsdam, gerade dort, wo am östlichsten Ende der . 
heutigen Altstadt sechs Jahrhunderte später Friedrich Wilhelm I. 
1726 eine dem heiligen Geiste geweihte Kirche erbauen ließ. 
Die Nutheburgen sind längst verschwunden, nur kümmerliche 
Reste haben sich noch hier und da erhalten; dennoch haben ihre 
fast sagenhaften Stätten auf Forscher wie Freunde märkischer Ge 
schichte und Landschaft bis heute eine eigenthümliche, reizvolle An 
ziehungskraft ausgeübt. Roch heule theilen sich die Meinungen, 
ob diese steinernen Warten ehemals slavische oder deutsche Be 
festigungen gewesen sind. Rur soviel steht fest, daß sämmtliche 
Burgen auf der linken Seite der Ruthe standen. Burgen aber baut 
man nur zur Vertheidigung, nicht zum Angriff. Anzunehmen ist 
fernerhin, daß das Gebiet der Zauche nicht bis hart an das Ufer 
der Ruthe trat, in welchem Falle dann allerdings sämmtliche 
Burgen auf deutschen Ursprung zurückzuführen seien, daß vielmehr 
die damals noch durch keine Abzugskanäle und Regulirungsanlagen 
trocken gelegte, breite Niederung in Folge ihrer sumpfigen Be 
schaffenheit eine natürliche Grenze für die Deutschen bildete und 
somit jener steil aufragende Höhenzug, jenseits des Thals, das Ge 
biet der Zauche nach dem Teltow hin abschloß. Ferner sprechen 
nicht nur die Namen der Nutheburgen für diese Annahme, welche 
bis auf die Neuburg wendischen Ursprungs sind, auch Trebbin und 
Saarmund als Städte werden noch 1375 im Korolinischen Land 
buche zum Teltow, nicht zur Zauche gerechnet. 
Auf den Höhen des Fläming entspringend, unweit des 
historischen Dennewitz bei Jüterbog, ist der Laus der Ruthe anfangs 
nach NNO gerichtet, von da ab bis zu ihrer Einmündung in 
die Havel nordwärts. Die Gesammtlänge des Wasserlaufes beträgt I 
etwas mehr als 8'/- Meilen. Mit den unter Friedrich dem Großen 
begonnenen Regulirungsarbeiten hat man versucht, die Niederung 
möglichst trocken zu legen, sowie das Flüßchen selbst schiffbar zu 
machen. — In seltsamen Windungen, mit Nebenarmen und Seen 
erweiterungen, zieht sich die Ruthe durch Wiesen, Sumpf und stille 
Moorstrecken melancholisch und einsam hin und nur wenige Ueber- 
gänge vermitteln den Verkehr zwischen hüben und drüben. Kultur 
und Weltgetümmel scheinen hier weit hinter den dunklen Höhen 
zügen der Zauche, den schweigsamen Kiefernforsten des Teltow zu 
liegen. Unsagbare Einsamkeit liegt auf dieser so seltsam flimmern- j 
den, leise verschleierten Landschaft, über welche, wenn der Abend 
sich nicdersenkt, die Nebel brauen und wie spukhafte Schatten ein- j 
herschicken. Schwermüthig zieht sich der Fluß zwischen Schilf und 
Weidengestrüpp hin. Zahlreiche, tiefe mit Wasser angefüllte Erd- > 
löcher hemmen zuweilen unsere Schritte; todte Wafferarme erschweren 
das Finden der Richtung in diesem launisch verschlungenen Fluß 
netze. Ueberall schießt junges Schilf auf und der Boden weicht oft 1 
in unheimlicher Tücke zurück, als wolle er uns stumm in die Un- 
tiefe herabziehen, um im nächsten Augenblicke dann wieder elastisch 
emporzuschnellen. 
Die Nutheburgen sind, wie gesagt, dahin, ja selbst die Stätten, 
wo sie sich einst trutzig erhoben, sind in sagenhaftes Dunkel fast gehüllt. 
Rur Schloß Beuthen, eine kurze Meile nordwestlich von Trebbin, 
am Ausgang des Dorfes Klein-Beuthen, hat noch treulich bis aut 
unsere Tage seinen historischen Platz bewahrt. Aus dem Gewirr 
der Gräben und Flußwindungen hebt sich ein von Wellen um- 
spültes, hoch gelegenes Stück Jnselland empor, das noch deutlich 
einen von Feldsteinen hier und da ummauerten Erdwall zeigt, welcher 
die äußere Anlage der ehemaligen Burg erkennen läßt, welch letztere 
allerdings, wie alle märkischen Vesten damaliger Zeit, räumlich 
nicht allzu bedeutend gewesen ist, aber durch die Stärke ihrer Mauern 
und durch das sie rings umgebende Sumpf- und Flußgebiet, zumal 
im Frühjahr, wenn das Wasser meilenweit aus den Morästen steigt 
und wie ein Meer das Land bedeckt, in dem sich Nachts die 
Sterne unheimlich spiegeln, fast uneinnehmbar gewesen sein muß. 
Wann Schloß Buten oder auch Buwten, wie es zuweilen 
ehemals hieß, erbaut worden ist, läßt sich nirgends mehr ermitteln. 
Im 14. Jahrhundert, nachdem der Teltow bereits 200 Jahre im 
Besitze der Deutschen war, hatte das „Haus" Buten seine Bedeu 
tung als militärische Grenzlinie bereits verloren, weshalb es auch 
im Karolinischen Landbuche nicht mehr unter den landesherrlichen 
Burgen aufgeführt wird. In demselben Jahre, 1375, überließ 
Henning von der Groben seine Burg Slawisch-Buten an Betekc 
Dyreken von Rudow, der mit dieser Erwerbung in die Rechte des 
schloßgesessenen Adels der Mark hinauftückte, jener Burggesessenen 
die „bezingelt und bezugbrückt" waren, wie die Sprechweise da 
maliger Zeit sie nannte, um die beschlossenen Geschlechter von den 
unbeschlossenen oder Zaunjunkern zu unterscheiden, welche auf ihrer 
Hufe in unbefestigten Rittersitzen hausten. 
1381 war es Henning von Ziesar, welcher das Schloß käuf 
lich an sich brachte und zugleich einen Revers ausstellte, wonach 
Buten des Kurfürsten stets offenes Schloß sein sollte. Von ihm 
hatte es dann sein Sohn Kuno geerbt. Nur die Tapferkeit und 
den Muth vermochte der Vater ihm nicht erb- und eigenthümlich 
zu hinterlassen. Kuno von Ziesar sollte sich nicht lange des un 
gestörten Besitzes erfreuen. Die fehdelustige Zeit war durchaus nicht 
dazu angethan, trägem Genießen sich hinzugeben. Sie forderte jede 
Stunde ihren Mann und wer es darin versah, der durfte nicht 
klagen, wenn ihn der nächste Morgen ausgeplündert und geschlagen 
sah. Die beiden verbündeten Magdeburger, Ritter Johann von 
Treskow und Heinrich von Isenburg, wackere Spießgesellen Jo 
hann von Quitzow's, hatten dem total verblüfften Kuno auf 
Schloß Beuthen eines Tages die Fehde erklärt. Bei der geringen 
Mannschaft, über welche er verfügte, und dem noch geringeren 
Muthe, fühlte er sehr Wohl, daß er sein Schloß diesen Raubge 
sellen gegenüber auf die Dauer nicht lange würde halten können. 
Nur eins tröstete ihn wenigstens, daß er sein gesammtes Baar 
vermögen wußte Wohl vermauert in dem Thurmkeller der Burg. 
Dies blieb ihm gesichert, bis er sich die Burg wieder eingelöst hatte. 
So übertrug er denn die Vertheidigung einem seiner Leute 
und schickte sich an, mit seiner Frau die Flucht zu ergreifen. Als 
am 14. September 1410 der Wächter vom Thurm verkündete, daß 
die nahenden Feinde in der Richtung von Schiaß her sichtbar 
würden, jagte Kuno mit seinem Gemahl in wilder Hast zum 
Burgthor hinaus auf Trebbin zu, von wo er dann weiter seinen 
Weg fortsetzte. Den andern Morgen begann man denn auch mit 
Sturmleitern die Burg zu ersteigen und nach kurzer Gegenwehr 
ergab sich die schwache Besatzung den beutelustigen Magdeburgern. 
Man zog in's Schloß ein und plünderte nach Herzenslust. Auch 
der geheime Schatz ward entdeckt und triumphirend aus seinem Ver 
steck gehoben. Kuno von Ziesar, so lautete die Abmachung dann, 
sollte nur gegen ein Lösegeld von 700 Schock böhmischer Groschen 
Schloß Beuthen zurückerhalten. Innerhalb vier Wochen mußte 
diese harte Bedingung erfüllt werden, für deren Zustandekommen 
Johann von Quitzow in klug berechneter Weise als Bürge ein 
getreten war. Doch der Schatz war geraubt und umsonst bemühte 
sich der betrogene Burgherr, anderwärts die geforderte Summe 
aufzutreiben. Als der Termin verstrichen war, legte Johann von 
Quitzow als Bürge die Summe nieder, klagte aber auch zugleich 
bei Gericht, daß ihn denn auch in den Besitz des Schlaffes Beuthen 
als Pfandinhaber einsetzte. Der Schachzug des listigen und ver 
schlagenen Quitzow war gelungen. Ohne Schwertstreich hatte er 
sich eine sichere Veste erobert, welche obendrein in Bezug auf 
das weiter flußabwärts gelegene Saarmund, von der größten Be 
deutung für ihn sein mußte. Bevor der schlaue Gewinner nach 
Schloß Plaue zurückkehrte, setzte er einen seiner Untergebenen,
        
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