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Volume 23. August 1884, Nr. 48

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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erschöpft zu haben. Schon bei dem Jahre 1656 äußert sich Nikolai 
über Platen folgendermaßen: 
„Der Kurfürst entwarf jetzt einen ordentlichen Militair - Etat, 
welcher der Anfang des jetzigen ist, und legte die ersten Grundlagen 
zur Erhaltung und Verpflegung eines beständigen Heeres. Diese 
wichtige Arbeit gab besonders dem während des ganzen Feldzuges 
äußerst thätig gewesenen Geheimen Etatsrath Klaus Ernst von 
Platen viel zu thun. Dieser wichtige Mann seiner Zeit dirigirte 
während der kriegerischen Operationen in Preußen und Polen das 
Generalkommisiariat, und opferte bei den vielen Geschäften, so er 
dabei fand, und durch den überall bewiesenen Eifer, seinem Herrn 
zu dienen, seine Gesundheit auf." — Ich füge dem hinzu, daß 
Platen wie Knesebeck und Schwerin nur 1000 Thaler Gehalt 
hatte! — Es ist ganz bewundernswerth und doch noch niemals 
genügend hervorgehoben worden, welche Opfer dem großen Kur 
fürsten von seinen höheren Beamten inländischen Ursprungs 
gebracht worden sind! Sein Feuereifer hatte die lodemde 
Flamme der Begeisterung fürs Vaterland bei Hoch und Niedrig 
geweckt! 
Trotz seiner angegriffenen Gesundheit lebte Platen, wie wir 
sahen, noch bis 1669. Das Aufsteigen der Siegessonne von Fehr- 
bellin, die Bewährung der von ihm geschaffenen Heereseinrichtungen 
im Kampfe gegen Franzosen, Schweden und Türken, erlebte er nicht 
mehr! Dank aber und Ehre seinem Andenken! — Was ihn be 
sonders ausgezeichnet hat, ist die Energie des Willens gewesen; 
in seinem zähen, ordnungsmäßigen Beharren gegen Sparr's 
Willkür steht er da, wie ein ächter Vorläufer preußischer „Schnei- 
digkeit". 
Und nun bergen die Gewölbe deffelben Gotteshauses den 
Staub der beiden erbitterten Gegner Sparr und Platen. Wenn 
der Freund der vaterländischen Geschichte aber in diesem lieben 
und hehren Gotteshause Alt - Berlins das berühmte Marmor 
denkmal des ersten brandenburgischen Feldmarschalls bewundert, 
welches aus der Meisterhand und aus dem ftommen Geiste eines 
Artus Quellinus hervorgegangen ist, so möge er auch nicht theil- 
nahmslos vorübergehen an der oben geschilderten Trophäe, welche 
dem ersten vaterländischen General-Kriegs-Kommissar gewidmet ist! 
— Und wie sonderbar! Im Leben standen sich diese Männer 
feindlich gegenüber! Nach ihrem Tode aber ward von der Gruft 
des Einen das herrliche Gitter abgenommen, um des Anderen 
schlichteres Denkmal zu schützen! — Bedeutet das die Versöhnung 
oder ist es eine höhere Gerechtigkeit, welche hier ihr Walten uns 
zeigt? — 
Hans Kuck van Belitz. 
Eine noch sehr unsichere, halb der Mythe, halb der Wirklich 
keit angehörende Stellung nimmt während des letzten Dritttheils 
des 15. Jahrhunderts in den Geschichten der Mark ein böhmischer 
Söldnerführer ein, über deffen Persönlichkeit und Schicksale wir 
gerne die historische Forschung anregen möchten. 
Bekanntlich hatte der Kurfürst Albrecht Achilles gegründete 
Ansprüche auf das Erbe des Herzogs Heinrich von Krossen-Glogau, 
des letzten Fürsten dieser Linie des Piastenhauses. Jndeffen wurde 
ihm die Erbfolge in Kroffen durch mehrere Prätendenten streitig 
gemacht, unter welchen der Herzog Johannes II. von Sagan durch 
die Abenteuerlichkeit seines Lebens und seiner Schicksale eine trau 
rige Berühmtheit erlangt hat. 
Während des Kroffen'schen Erbfolgekrieges hat Herr Hans 
von Sagan zu wiederholten Malen der Mark sehr unliebsame Be 
suche gemacht. Zwar mußte er stets vor den wohlbefestigten und 
tapfer vertheidigten Städten des Landes umkehren; die Frauen selbst 
goffen eifrigst von den Mauern den verhaßten „heißen Brei" auf 
Hansens Krieger herab, so daß, als der Herzog später im Exil in 
einem kleinen Häuslein zu Frankfurt an der Oder „vor der Mauer" 
eine Zufluchtsstätte fand, die Gaffenbuben ihm zum Spotte 
sangen: 
„Herzog Hans ohne Leute und Land 
Hat sich bei Drossen das Maul verbrannt!" — 
Aber verheerend waren die Züge des tollen Herzogs doch 
ganz außerordentlich! Im Jahre 1478 eröffnete er den Feld 
zug gegen Brandenburg wiederum sehr glücklich damit, daß er 
einen böhmischen Parteigänger, den Söldnerhauptmann Hans 
Kuck, wahrscheinlich einen Hussiten, in die Mittelmark und in die 
Zauche sandte. 
Diese dunkle Persönlichkeit möchten wir gern etwas heller be 
leuchten. Allein unsere Nachrichten sind nur sehr dürftige, wenn 
auch charakteristische für die Zeit und die dermalige Art der Kriegs 
führung. 
Hans Kuck soll sich nämlich im Frühlinge 1478 km sonst so 
stillen Städtchen Belitz in der Zauche genähert haben, begleitet 
von über 200 Reisigen. Nun war gerade Jahrmarkt in Belitz; 
das erfuhr Hans Kuck schon auf der Landstraße, und darauf baute 
er seinen Plan, das Städtchen zu überrumpeln. Er sandte — 
eine Kriegslist, welche der Ueberlieferung nach sehr häufig gebraucht 
worden ist, — mehrere Wagen voran, in welchen unter der Fracht 
Reisige von ihm versteckt waren. Sie bemächtigten sich, wie dies 
z. B. auch einmal zu Garz in Pommern geschah, der Thore, und 
ließen dann den böhmischen Hauptmann ein. 
Hans Kuck soll nun eine Art Schreckensregiment in dem um 
mauerten Ackerstädtchen eingeführt haben. Er verjagte die Ein 
wohner und befestigte den Ort, so gut er irgend konnte. Zwar 
kamen sofort die brandenburgischen Reisigen herbei, und mit ihnen 
der Adel der Zauche, die Bürger vom getreuen Brietzen, aber sie 
konnten gegen den kriegserfahrenen Mann nichts ausrichten. Die 
Belagerer sahen sich schließlich genöthigt, den Kurprinzen Johannes 
Cicero von Frankfurt gegen den kecken Kriegsgesellen herbeizurufen; 
er folgte der Bitte und lagerte sich mit den Märkern vor Belitz 
am Mühlenthore. 
Mit Zähigkeit indessen behauptete Hans Kuck den errungenen 
Besitz. Die Chronik von Angelus erzählt, daß sich die Feinde 
heftig gewehrt haben und gar viel aus der Stadt herausschössen, 
auch endlich der vornehmen Räthe des Markgrafen Einen erlegten 
an der Stelle, wo jetzt und vor dem Haidethor die steinerne Ma 
riensäule steht. Dadurch soll Herr Johannes sehr erzürnt worden 
sein, so daß er beschloffen, das Städtlein Belitz mit Feuer zu ver 
brennen, lieber denn viel anderer guten Leute mehr davor zu ver 
lieren. Er sagte, er wolle lieber der Städtlein eins oder mehrere 
verlieren, denn noch solch einen Mann. — Wer freilich dieser 
Rath gewesen ist, steht nicht fest. — „Also warf man des Donners 
tags vor Pfingsten 1478 Feuer in das Städchen und beschoß end 
lich den sogenannten „Kopenhagenthurm" am Haidethor. Auf 
selbigen aber stand ein Mönch, der wollte die Schüsse des Mark 
grafen ihm zum Spotte mit einem Fuchsschwänze abkehren; er 
wurde aber durch den dritten Schuß mit denen, so bei ihm waren, 
herabgeworfen, so daß sie einen guten Weg in die Gaffen hinein 
flogen. Also brannte das Städtchen aus und verdarben wohl 
an die 50 Feinde. Die anderen aber, so die Ausflucht gesucht, 
wurden eines Theils erschlagen, andern Theils gefänglich hin 
weggeführt, die gen Brandenburg und die gen Berlin. All 
da ist auch Hans Kuck behalten wordm, und nachdem er 
einmal aus dem Gefängniß entronnen, aber wieder einge 
fangen worden, sagt man, er sei heimlich in demselben umge 
bracht worden." 
Nach änderen Nachrichten ist Hans Kuck zu Berlin hingerichtet 
worden, was indessen kaum glaublich ist, da alle städtischen Quellen
	        
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