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Periodical volume 23. August 1884, Nr. 48

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Luchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 50 pst 
X. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Catalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. 23. August 
Nr. 48. Verlag von Gebrüder Paetcl in Berlin W. 1884. 
Joachim II. und feine Zeit. 
Historische Erzählung von Sarl föMifj. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 70. 
7. 
Die Fastenzeit war vorbei, auch das Osterfest in beiden 
Städten bereits gefeiert worden. 
Die Spree hatte ihre winterliche Eisdecke längst gesprengt 
und fluthete lustig zwischen Berlin und Köln an der kurfürst 
lichen Burg vorbei, der grünen Wiesenfläche zu, die in weiter 
Ferne von jenem dicht 
bewaldeten Höhenzugc 
begrenzt wurde, hinter 
welchem das stark be 
festigte Spandau lag. 
Die Burg von 
Spandau war die 
Residenz der Mutter 
des Kurfürsten Joa 
chim, der vcrwiltweten 
Kurfürstin Elisa 
beth, einer geborenen 
PrinzessinvonDä- 
nemark. 
Kurfürstin Elisa 
beth hatte bei Leb 
zeiten ihres Gemahls, 
Joachim des Ersten, 
einst Berlin bei nächt 
licher Weile als Flüch 
tige verlaßen müßen, 
da sie als heimliche 
erste Bekennerin des 
Lutherthums im 
Schloße von Berlin nicht mehr ihres Lebens sicher gewesen war. 
Joachim der Erste, ein fanatisirter Anhänger des Katholicismus, 
wollte seine Gemahlin mit eigener Hand todten, als ihm bekannt 
geworden, daß dieselbe in seinem eigenen Schloße zu Berlin ihre 
Religionsübungen in der freisinnigen, lutherischen Form ge 
halten hatte und sogar mit dem großen Reformator Doktor 
Martin Luther in Wittenberg in geheimem Briefwechsel stand. 
Nur durch die Flucht konnte die Kurfürstin Elisabeth dem 
sie bedrohenden Verderben entgehen. Sie hatte dann eine 
Zuflucht in dem Schloße Lichtenburg in Sachsen gefunden, wo 
sie eine Reihe von Jahren als Verbannte lebte, denn Joachim 
der Erste hatte sie nach ihrem Uebertritt zum Lutherthum als 
Gemahlin verstoßen und ihr die Rückkehr nach Berlin unb in 
die Mark Branden 
burg überhaupt für 
immer uirtersagt. 
Als Joachim der 
Erste im Jahre 1535 
gestorben und seine 
Leiche seiner Bestim 
mung gemäß im Kloster 
von Lehnin beigesetzt 
worden war, hatte der 
jetzt regierende Kur 
fürst feine Mutter mit 
den größten Ehrenbe 
zeigungen sogleich aus 
ihrer Verbannung zu 
rückgeholt. Aber die 
greise Fürstin war 
nicht zu bewegen ge 
wesen, ihren Aufent 
halt wieder im Schloße 
zu Berlin zu nehmen. 
Sie hatte von ihrem 
Sohn die Burg in 
Spandau als Wohn 
sitz erbeten und residirte nun schon seit mehreren Jahren dort 
in größter Abgeschiedenheit, die nur durch die Besuche Joa- 
chüns des Zweiten, welcher seine Mutter vergötterte, ab und 
zu unterbrochen wurde. 
Die große Heerstraße, welche von Berlin nach Spandau, 
dem Wittwensitze der Kurfürstin Elisabeth, führte, nahm an 
dein Spandauer Thor der erstgenannten Stadt ihren Ansang. 
wrangellrrunnen im Thiergarten.
        
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