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Periodical volume 16. August 1884, Nr. 47

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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streng und hoheitsvoll richtete er an ihn die Frage, — „denn 
wer giebt in diesem Lande außer mir Befehle?" 
Ein höhnischer Zug des Triumphes zuckte über das 
Antlitz des Bischofs; er hatte die Antwort bereit, daß er mit 
Wißen und Genehmigung der Kurfürstin Hedwig auf Beweise 
von Martin Straube's Schuld, welche die Ruhe des Landes 
in Gefahr gebracht, gefahndet und diese Beweise soeben auch 
gefunden hätte. 
Der kluge Fürst, welcher 
die ganze Sachlage durch die 
von seiner Gemahlin erhobene 
Anklage kannte, mochte wohl 
die Antwort des Bischofs vor 
aussehen, denn als dieser stolz 
und zuversichtlich die Lippen 
öffnete, um die Kurfürstin als 
seine hohe Auftraggeberin zu 
nennen, gebot der Fürst ihm 
Schweigen. 
„Bei meinem schwersten 
Zorn," — rief Joachim, — 
„kein Wort weiter, da ich 
nicht wiffen will, wen bei 
diesem Frevel noch die Mit 
schuld trifft!" 
Der Bischof preßte die 
Lippen zusammen; durch das 
unverinuthete Dazwischentreten 
des Kurfürsten kehrte sich die 
Spitze der Gefahr, die gegen 
Martin Straube gerichtet ge 
wesen, nun gegen den Bischof 
selbst. 
„Ihr habt," — fuhr der 
Fürst, zum Bischof gewandt, 
etwas ruhiger fort, — „die 
Freuden des Kamevals, der 
sich heut endigt, in unserer 
Stadt genoffen! Beim Beginn 
der Fasten ist Eure Gegenwart 
wohl auf dem Schloß von Lebus 
erforderlich, um dort in Eurer 
Diözese in würdiger Weise das 
Ostern vorzubreiten! Begebt 
Euch noch in dieser Nacht auf 
Euren Bischofssitz und wünschen 
wir wieder Euch bei uns hier 
in Berlin zu sehen, so werden 
wir es Eurer Hochwürden nach 
Lebus wiffen laßen!" 
Der Kurfürst winkte nach 
diesen Worten entlastend mit 
der Hand und wandte sich dann nach dem Handelsmanne um, 
welcher durch das heimliche Feilhalten der Wittenberg'schen 
Bücher den Anlaß zu diesen Tumulten am Fastnachtsabend 
gegeben hatte- 
Mit der äußeren Ruhe des Hofmannes und hohen 
Kirchenfürsten, aber mit geheimem Grimm im Herzen, ver 
neigte sich der Bischof von Lebus vor dem Kurfürsten und 
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Ein alter Eaurszcllel der Srrtiner Sö'rfr. 
Zum Aufsatze S. 662. 
entfernte sich mit seinen bewaffneten Dienern, während Sieg 
mund Rohr bereits vorher, so wie er den Kurfürsten erkannt, 
im Volksgewühl verschwunden war. 
Der Bischof von Lebus war in Ungnade gefallen und 
mit ihm die festeste Säule des Katholicismus in Brandenburg 
gestürzt. — 
Hatte der Kurfürst dem Bischof wie ein zürnender Gott 
gegenüber gestanden, so zeigte 
er sich jetzt gegen Martin 
Straube als gütiger Landes 
vater. Das Fürstliche hatte 
das Strenge verloren und 
wurde jetzt durch freundliche 
Herablassung gemildert. 
„Beruhigt Euch, mein 
Freund," — sprach der Kur 
fürst den Berliner Krämer leut 
selig an, — „Ihr steht unter 
meinem Schutz und sollt 
keine Verfolgung zu befürchten 
haben!" 
Martin, durch die Gegen 
wart des hohen Herrn ver 
wirrt, stotterte einige unver 
ständliche Dankesworte, wäh 
rend Elsbeth dem Kurfürsten 
zu Füßen fiel und unter strö 
menden Dankesthränen, in der 
Freude ihres Herzens, ihren 
Vater gerettet zu sehen, die 
Hand des Fürsten küßte. 
Joachim zog Elsbeth in 
die Höhe. 
„Steh' auf, mein schönes 
Kind," — sagte er freundlich 
mit jener vertrauenerweckenden 
Leutseligkeit, welche ihm die 
Herzen der Menschen so leicht 
gewann, — „wenn Du einst 
eine Bitte haben solltest, so 
wende Dich getrost an mich. 
Der Kurfürst von Branden 
burg ist Dir wie allen seinen 
braven Unterthanen väterlich 
gesinnt!" 
Die Milde, welche Joa 
chims männlich schönes Antlitz 
verklärte, wich zwar nicht von 
demselben, doch machte sich 
neben ihr noch ein anderer 
Ausdruck geltend, als der 
Fürst seine Augen, wie suchend, 
im Kreise umherschweifen ließ. 
Beinahe schalkhaft war das Lächeln des Kurfürsten, als 
endlich seine Blicke auf den Schwanenwirth haften blieben. 
Als letzterer die Aufmerksamkeit des Kurfürsten auf sich 
gerichtet sah, bogen seine Kniee sich immer mehr, seine ge 
drungene Gestalt wurde noch kleiner- 
„Jetzt, mein guter Schwanenwirth, zu Euch!" — —
        
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