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Periodical volume 9. August 1884, Nr. 46

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und postanstaltcn für 2 Mark 50 Pf. 
X. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Latalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. ben g. August 
Nr. 46. Verlag von Gebrüder Partei in Berlin W. 1884. 
Joachim II. und seine Zeit. 
Historische Erzählung von Tarl Görlitz. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gesez v. 11. VI. TO. 
5. 
Die Dämmerung wich bereits der früh einbrechenden 
Winternacht, die Sterne blinkten am Himmel und leichter 
Frost hatte die Plätze llnd Straßen Berlins fest und bequem 
gangbar gemacht. 
Ueberall herrschte reges Leben, dessen heitere Kund 
gebungen sich namentlich auf dem Domplatz zeigten. Die 
Bewohner beider Städte bereiteten sich vor, am heutigen 
Fastnachtsabend den 
lustigen Karneval mit 
lärmenden Gelagen 
und tollem Mummen 
schanz für dieses Jahr 
zum letzten Mal zu 
feiern. 
Martin Straube 
hatte den Verkaufs 
tisch seiner Bude mit 
bunten Heiligenbil 
dern belegt, kleine 
roth geschnitzte, mit 
grellen Farben be 
malte Statlietten der 
Jungfrau Maria 
standen dazwischen 
und von oben hingen 
an quergezogenen 
Schnüren geweihte 
Kerzen und parsü- 
mirte Rosenkränze 
nieder, welche den 
schönsten Wohlgeruch ausströmten. Alle diese Herrlichkeiten 
waren, um die Kauflust der Volksmenge dafür anzuregen, 
durch glänzeilde Beleuchtung ins rechte Licht gestellt. 
„So, nun wär' ich init dein Aufputz fertig," — sagte 
Martin, indem er eine kleine Laterne an der Seitenwand im 
Innern seiner Bude befestigte, — „das letzte Lichtlein brennt 
und wirft seinen Schein ftöhlich in den Faftnachtsabend 
hinaus!" 
Elsbeth, welche bei ihrem Vater war und den Ellenbogen 
auf den Verkaufstisch gestützt, den Kopf in die Hand gesenkt 
hatte, seufzte laut auf: — 
„Ach, Licht und Fröhlichkeit herrschen heute überall, nur 
in meinem atmen Herzen ist's dunkel und sieht es traurig aus!" 
Martin wandte sich nach seiner Tochter um. 
„Ei, Dirne, laß 
das Lamentiren," — 
dabei bog er sich über 
den Ladentisch hin 
aus, faßte Elsbeth 
unter das Kinn und 
hob ihr Gesichtchen 
hoch, — „blick mich 
einmal gerade an! 
Fürwahr, Du hast 
Dir Deine hübschen 
Aeuglein schon roth 
geweint; zieh' die 
Stirn nicht kraus, 
sie nennen Dich sonst 
nicht mehr Straube's 
schöne Else,, worauf 
ich immer stolz bin!" 
„Ach," - fuhr 
das Mädchen klagend 
fort, — „wie kann 
ich heiter sein, da 
mir die Mutter den 
ganzen Tag kein freundliches Gesicht mehr zeigte? Ich habe 
ihr so viele herzliche Worte gegeben, aber sie blieb trotzdem 
stumm und finster gegen mich! Ich bin so sehr an die Liebe 
von Euch beiden gewöhnt, daß es mir fast das Herz abdrückt, 
wie alles plötzlich nun so anders wurde!" 
Martirr zuckte phlegmatisch die Achseln. 
Dir Zchasgrabcndrücke, jetzige Potsdamer Drücke, im Jahre 1775. 
Zu dem Artikel „Vor dem ehemaligen Potsdamer Thor." S. 647.
        
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