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Periodical volume 2. August 1884, Nr. 45

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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daß ein jüngst aufgetauchtes Projekt, denKupfergrabenzuzuschütten 
und die jetzige Museumsinsel mit dem westwärts gelegenen Terrain, 
aus dem jetzt die Artilleriekaserne steht, zu vereinigen, eine gewisse Aus 
sicht hat. Hier auf dem Terrain zwischen „Weidendamm", „Friedrichs- 
•irapc", „Georgenstraße" und „Kupfergraben", auf welchem sich die 
Artilleriekaserne, das „Montirungsdepot" und das „Hofbaudepot" breit 
machen, ist der geeignetste Raum für die Erweiterung rmserer Universitäts- 
inftitute; hier kann auch nach der Zuschüttung des Kupsergrabens für die 
Erweiterung der Museumsbauten der Platz gewonnen werden, der auf 
der jetzigen Museumsinsel nicht recht zu finden ist. — 
Sin Aktenstück üver die Gründung der Bauakademie in Berlin. 
Unter diesem Titel publizirt P. Walle in dem „Wochenbl. für Ingen, u. 
Architekten" das Nachstehende: 
„Der bevorstehende Umzug der technischen Hochschule von Berlin 
nach Charlottenburg erweckt zur Zeit eine größere Theilnahme für die 
Ansänge dieser Anstalt, die als Hochschule als die älteste der gleichartigen 
Akademien angesehen werden muß. Diejenigen, die sich dem Baufache 
widmen wollten, hatten um die Mitte des vorige» Jahrhunderts in 
Preußen keine Gelegenheit, sich auszubilden, so daß vielfach Ausländer zur 
Ausführung von Staatsbaute» herangezogen werden mußten, überhaupt 
aber das gesammte Bauwesen sehr im Argen lag. Erst das „Oberbau 
departement", welches 1770 als eine besondere Abtheilung des so 
genannten Generaldirektoriums gebildet wurde, betrachtete die bessere 
Pflege des Bauwesens als eine seiner Hauptaufgaben. 
Am 24. Juni 1773 erschien eine Verordnung, wonach allen, die sich 
zu den Stellen der Baukonduktcure meldeten, die Erlernung der nöthigen 
Wissenschaften anbefohlen wurde: diese umfaßten zunächst Alles, was zum 
Feldmesser erforderlich war, Rechenkunst, Geometrie, Trigonometrie, 
„Wasserwägen", Zeichnen, „Handschrift" und Uebung im schriftlichen Vor 
trage: ferner aber Mechanik, Hydrostatik, Hydraulik, Aörometrie, Civil- und 
Wasserbaukunst. Die Aneignung dieser Kenntnisse war indessen nur auf pri- 
«atem Wege zu erlangen, je nachdem sich Jemand bereit fand, über diese 
Gegenstände zu lesen. So werdeir beispielsweise im Jahre 1784 folgende 
Prioatlehrer genannt: Achard, Mitglied der Akademie, liest Chemie 
und Experimentalphysik; Prediger Burja, praktische Geometrie, Archi 
tektur, Fortifikation, Mechanik und Mathematik; Geh. Bergrath Gerhard, 
Mineralogie und Experimentalchemie; Professor Gleditsch, Forstwisfen- 
schasten; Hofrath Herz, Experimentalphysik und Elektrizität; Professor 
Mich elfen, Arithmetik, Geometrie und Trigonometrie; Oberbaurath 
I. C. Schulze, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, reine und an- 
getoandte Mathematik, Hydraulik, Mechanik, Aörometrie und Optik. Unr 
auch für Architektur und Schönbau zu wirken, setzte Oberhofbaurath 
Christian Friedrich Bechercr 1788 die Einrichtung einer besonderen 
architektonischen Lehranstalt durch, die 1790 die Genehmigung 
und Unterstützung des Königs erhielt und unter Becherer als Direktor, 
mit der Akademie der Künste in engster Verbindung stand. Diese, einer 
Organisation durchaus entbehrenden Verhältnisie führten in Verbindung 
mit den mangelhaften Besoldungen zu immer erneuten Beschwerden über 
Mißstände im Bereiche der Bauverwaltung, zu deren Beseitigung endlich 
>m Februar 1798 eine Vorstellung der Oberbauräthe Gilly, Riedel 
und Eytelwein eingereicht wurde, worauf folgende Kabinetsordre er 
gangen ist: 
Eure Klagen über den durchgehends stattfindenden Mangel an guten 
Baubedienten sind sehr gegründet, und die Abhelsung dieses Mangels 
ist von dem größten Gewicht. Ihr habt daher mit Recht di« Ursache 
dieses Mangels aufgesucht, und ich pflichte Euren Urtheilen darüber bei. 
Daher habe ich auch, was den schlechten Zustand der Baubedienten und 
der übrigen Cameralsubalternen in Ansehung ihrer Besoldung betrifft, der 
slinanz-Kommission aufgegeben, auf Mittel zu dessen Verbefferung zu 
denken, und dabei Euren Vorschlag in nähere Erwägung zu ziehen. 
Roch wichtiger aber als dies ist die Veranlassung eines Instituts nach 
Eurem Vorschlage, worin theoretischer und praktischer Unterricht in der 
C ekonomie und Baukunst ertheilt werde. Ich glaube cs wohl, daß die- 
bei der Akademie der Künste befindliche Lehranstalt, da sie den Pracht 
bau zum Hauptgegenstande hat, in ihrer jetzigen Gestalt dazu nicht 
geschickt ist, darum kann ich mich aber doch nicht zu einer ganz neuen 
Anstalt entschließen. Die Fundamente der Pracht- und Oekonomie- 
Vaukunst sind dieselben, und da diese schon in der Lehranstalt der 
Akademie gelehrt werden, so bedarf es dazu nicht neuer Lehrer mit 
neuen Gehältern; sondern es wird nur darauf ankommen, einige neue 
Lehrstellen für die Oekonomie und den Landbau dabey zu errichten, die 
dazu erforderlichen Instrumente, Modelle re. anzuschaffen, solchergestalt 
die schon bestehende Anstalt zu erweitern und einen zwecknräßigen 
Plan für den Unterricht zu machen. Hierüber habt Ihr Erich mit dem 
Etatsminister Freiherrn von Heinitz, — welcher schon damit beschäftigt 
ist, die Art und Weise, wie die beiden Institute miteinander verbunden 
werden können zu untersuchen — zu vereinigen und mit denselben gemein 
schaftlich fernere Vorschläge zu thun, die aus der von Euch geäußerten 
Besorgniß, daß die zum Bau eines neuen Hauses für diese Anstalt 
ausgemittelte bequeme Stelle Euch entgehen möchte, nicht übereilt werden 
dürfen, weil das erforderliche Emplacement allenfalls durch Aussetzung 
einer zweiten Etage auf der halben Fronte des Akademiegebäudes ge 
schafft und also auch das Geld für einen anzuschaffenden Platz erspart 
werden kann. Ich bin u. s. w. 
Berlin den 15. December 1798. 
Friedrich Wilhelm. 
An 
die königlichen Oberbauräthe 
Riedel, Gilly, Eytelwein. 
Fast gleichzeitig hatte das Kuratorium der Akademie der Künste einen 
Bericht abgelassen, worin dasselbe der Anschauung Bechere r's beitritt, 
daß die bestehende architektonische Lehranstalt (früher Bauunter 
richtsanstalt) mit der zu organisirenden Anstalt in Verbindung gesetzt oder 
was gleich ist, zu dem „vorhabenden Zweck" nur auszudehnen sei — 
was 1794 bereits Gilly ausgesprochen hatte. Zu den Kommissaren, 
die die ganze Angelegenheit zu prüfen hatten, gehörte außer den Genannten 
noch Geh. Finanzrath Baumann, Kriegsrath Langhaus, Hofrath 
Hirt, Hofbildhauer Schadow und Architekt Genelly. Ein Haupt 
förderer war der Minister von Schrötter, auf dessen Bericht vom 
II. März der König Friedrich Wilhelm III. am 18. März 1799 die 
Einrichtung einer königlichen Bauakademie genehmigte, deren 
im Einzelnen ausgearbeiteter Organisativnsplan vom 30. März 1799 die 
königliche Zustimmung bereits am 13. April 1799 erhalten hat. Die 
Eröffnung der Anstült erfolgte am 21. April 1799 und zwar, wie P. Lud 
wig im Jahrgang 1882 des „Bär" angiebt, mit nur zehn Schülern. 
Als Stiftungstag der Bauakademie ist demnach der 18. März 1799 zu 
betrachten. Der Beginn der aus dieser und der Gewerbe-Akademie her 
vorgegangenen Hochschule geht aber bis zum Ansang der architek 
tonischen Lehranstalt zurück, deren Erweiterung sie bildete, also bis 
zum Jahre 1788. Etwas Näheres über den Plan derselben muß sich in 
dem Berichte des Oberbaudepartements vom Februar 1799 befinden, der 
jedenfalls in den Akten des Arbeitsministeriums vorhanden ist. Das 
ausführliche Verzeichniß der Vorlesungen und Lehrer des ersten Jahres 
der königlichen Bauakademie hat Eytelwein in den „nützlichen Auf 
sätzen aus dem Bauwesen" veröffentlicht. Charakteristisch an dem Ge- 
sammtplan ist die außerordentlich enge Verbindueg aller Vorlesungen mit 
praktischen Uebungen auf der Baustelle und die Beschäftigung der Zög 
linge der Anstalt während des Sommers bei allen Arten von Bauten in 
der Residenz und den Provinzen. Die vorstehend kurz mitgetheilte Ka 
binetsordre ist für die Geschichte der bedeutendsten technischen Hochschule 
in Deutschland immerhin wichtig genug, um zur Kenntniß aller ihrer 
Freunde an dieser Stelle gelangen zu dürfen. 
Terrain-Barkäufe Im Westen Berlins sind in letzter Zeit mehr 
fach Terrains von potenten Käufer» erworben worden. Das zwischen 
dem Nollendoif-Platz und der Kurfürsten-Avenue belegene Hornemann'sche 
Terrain in einer Größe von ca. 500 Qu.-Ruthen, das einer Rheinischen 
Firma gehörig gewesene in der Kurfürstenstraße, dicht an der Kurfürsten- 
Avenue, ferner ein Terrain an der Verlängerten Maaßenstrahe und ein 
anderes in der Keithstraße haben die Besitzer gewechselt. Die angelegten 
Preise variiren je nach Lage und Form der Bauparzellen zwischen 600 bis 
1500 M. pro Qu.-Ruthe. 
Inhalt. 
Joachim II. und seine Zeit, historische Erzählung von Carl Görlitz 
(Fortsetzung); In der Zauche, von I)r. R. B.; Berlin vor hundert Jahren, 
von A. Trinius; Gottfried Wilh. v. Leibniz (mit Portrait); Die Kon 
kurrenzentwürfe zur Bebauung der Museumsinjel (mit Illustration); Ein 
Aktenstück über die Gründung der Bauakademie in Berlin; Terrain- 
Verkäufe. Inserate. 
Ellern und Lehrern 
angelegentlich empfohlen. 
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Ferienkolonie 
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oder 
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Segen der Liede zur Mutter 
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Eine Erzählung 
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lür Kinder von 9—12 Jaliren. 
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Von 
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Dr. Karl IPilz 
Redakteur der „Cornelia“. 
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Mit 29 Text-Abbild, u. Buntbild. 
1 
Verlag von Otto Spanier 
Leipzig und Berlin. 
7 ‘ Deutsche Rundschau. T 
Herausgeber: Julius fitobenberg. Verleger: Mcbrüdcr Pactcl in Berlin. 
' Das soeben erschienene Angustkseft bat solgcnden Inhalt: 
I. Gelb. Novelle von Karl Frcnzel. II. (Schluß,. II. Was sich der Wald j 
' erzählt. Ungeschriebene Lagebuchblätter, zwischen den Zeilen gelesen. Bon Gustav zu 
] Pulli». III. Ein Novellist des modernen Italiens. lSaivatore Aarina). Bon 
' Siegfried Lamosch. Tv. Kreta. Reise-Erinnerungen von Hcrmann Areiherrn von 
, Malva». V. Bilder aus dem Berliner Lebe,» Bon Julius Mövenberg. Das , 
Werden und Wachsen unsrer Sladt. VI. Eine Reise nach Ostindien. Bo» Pros. , 
” Jul. Jolly in Würzburg. V. Im Himalaya. VII. Lydia. Einaktige Plauderei von | 
. Otto Franz Gensichen. VHI. Politische Rundschau. IX. Neuere Roma»e. , 
(Stella. Bon Fanny Lcwald. Di- Payierprinzesstn. Bon Rudolf von Gottschall.) Bon , 
, Albert Weigert. X. Literarische Notizen. XL Bibliographie. 
• Probehefte i S Mark sendet aus Verlangen jede Buchhandlung, sowie die > 
. Verlagsbuchhandlung von - 
Gebrüder Partei in Kerlin w., Liihowftr. 7. 
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Verlag von 
Gebrüder Partei in Berlin. 
Dichtungen 
von 
Alfred Meißner. 
Zwölfte Anfinge. 
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elegant gebunden ä 5 Mark.
        
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