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Periodical volume 5. Juli 1884, Nr. 41

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Ablaßschacher begann seine Triumphe zu feiern. Während Dietrich 
v. Quitzow mit Feuer und Schwert Straußberg bezog, war es 
zu gleicher Zeit sein Bruder, Henning v. Quitzow, Nuntius des 
hlg. apostolischen Stuhles, welcher den beschränkten Einwohnern 
von Reetz auf 120, sage einhundert und zwanzig Jahre voraus, 
Ablaß gegen enorme Summen verlieh. Die Zeit unter Jobst 
von Mähren war mit die kläglichste Epoche unserer Mark. 
Straußberg, kaum wieder aufgebaut, ward an den liebens 
würdigen Mordgesellen Dietrich v. Quitzow, „vor virhundert 
behmischer groschen", wie es in der Urkunde heißt, verpfändet, 
„das er Friheit haben sol, vngehind Berneholtz zu hawen zu siner 
Notdurft in den Holtzen", ebenso „ein Sloß zu bawen an derselben 
vnsere Stat Strußberg, an welche orte er kyset vnd erkennet, do 
es allernutzest ist." — 
Der Zerstörer der Stadt sollte nun ihr Beschützer fortan sein. 
Dennoch scheint es, als hätten die muthlosen Bürger, trotz Groll 
und Feindschaft, mehr Vertrauen in seine tollkühne Waghalsigkeit 
gesetzt, als in die schwache Regierung des fern in Böhmen weilen 
den Landesherrn. Zum Schloßbau ist es indeß niemals gekommen. 
Erst mit dem Eintreffen des neuen Herrschers, Burggrafen zu 
Nürnberg. Grafen von Hohenzollern, Friedrich, schien die Stunde 
der Erlösung zu schlagen. 
Für 100,000 Goldgulden war ihm vom Kaiser Sigismund 
die Mark verpfändet worden. 1412 traf er in der Mark ein, 
um am 27. Juli bereits in Straußberg die Huldigung der Stadt 
entgegen zu nehmen und ihr wieder sämmtliche alten Privilegien 
zu bestätigen. Aber erst ein Jahr später, nachdem der Burggraf 
gelegentlich des Konzils zu Konstanz, wobei Huß den Scheiter 
haufen besteigen sollte, dem Kaiser neue Summen vorgeschossen 
hatte, kam die Mark käuflich an ihn. Aus dem Pfandinhaber 
ward nun ein Markgraf von Brandenburg, der Begründer der 
Hohenzollern-Dynastie. Inzwischen hatte Straußberg wieder genug 
des Unbills erfahren. Pommern und Quitzow's hatten wieder 
tüchtig mit Brandfackel und Schnappsack Umschau gehalten. Kaum 
war die frische Wunde vernarbt, als die Hussiten fröhlich in den 
Barnim einbrachen, Angst und Entsetzen überall verbreitend. 
Rauchende Feuersäulen kündete den Weg an, welchen diese ver 
tierten Gesellen gezogen warm. Auch in Straußberg loderten 
Flammen auf. Dann wandte sich der Zug nach Bemau. 
Straußberg ward angesichts solcher schweren Schäden, aus 
sechs Jahre von dem Markgrafen aller Abgaben enthoben, auch 
ordnete er an, daß „die Stadt, die solichen gröblichen Schaden, 
als die von der verdampten keczer wegen lehder entpfangen vnd 
genommen", auch späterhin noch gewiffe Erleichterungen gewährt 
erhalte. 
Kaum waren die Hussiten fort, da schritt die Pest wieder 
grinsend durch die Thore. Zwei Jahre 1438 bis 1430, würgte 
sie wieder zahllose Opfer in der Stadt. Erst spät konnte sich die 
letztere von den schweren Schicksalsschlägen erholen. Rach und 
»ach kehrte dann auch wieder Ruhe und einiger Wohlstand zurück. 
Die Landesfinanzen waren freilich arg zerrüttet. Johann Cicero 
versuchte auf alle mögliche Weise neue Einnahmequellen der er- 
fchöpsten Staatskasse zu eröffnen. So führte er unter anderem 
auch die Biersteuer ein, 12 Pfennige Ziese auf jede Tonne. 
Doch immer wieder legten sich neue Schatten auf das heimge 
suchte Land. 
1496 brach die Pest wieder wie ein Raubthier in die Mark 
«n. In Cottbus allein fielen damals an 2000 Menschenleben 
der furchtbaren Seuche anheim. Kaum hatte sich dieser unheim- 
liche Gast entfernt, als 1521 ein großer Brand fast ganz Strauß 
es m Asche legte. Mit allen Mitteln war Joachim 1. bemüht, 
auch diesen neuen Schicksalsschlag heilen zu helfm. Das vom 
Brande verschont gebliebene, aber sehr baufällige Rathhaus ward 
"un auch vom Grund aus neu aufgeführt. 
Zu jener Zeit hielt sich Kurprinz Johann, Johann von 
Küstrin späterhin genannt, oft und lange in Straußberg auf. Er 
trieb Fischerei und Jagd mit Leidenschaft und Straußberg war 
ganz der Ort dazu. Seine Wohnung nahm er stets im Kloster, 
die Kosten der Verpflegung aber fielen immer der Stadt zu. Glicht 
genug damit. Entweder ergötzte er sich auf dem Herren-See mit 
Fischfang, wobei Stadt- und Haideknechte vom Morgen bis zum 
Abend unausgesetzt in Athem gehalten wurden, oder aber er setzte 
eine große Jagd an, wozu dann die gesammte Bürgerschaft als 
Läufer und Treiber angestellt wurde. Man fuhr mit einem von 
der Stadt gestellten Leiterwagen nach dem Blumenthal, wilde 
Schweine zu jagen, mitunter aber auch über Kagel nach Hangels- 
berg hinüber, in welchem Forste damals noch starke Rudel Wölse 
sich aufhielten. Trotz aller Kosten und Mühen scheint der Kur 
prinz dennoch äußerst beliebt bei der Bürgerschaft gewesen zu sein. 
Jedenfalls trug er viel dazu bei, der Stadt wieder das alte Ge 
präge bunter Beweglichkeit zu verleihen. 
Joachim II., der gewaltige Türkenbezwinger, hatte den Thron 
bestiegen. Die Stunde der geistigen Befreiung schlug jetzt auch 
für die Mark. Was in Aller Herzen längst schlummerte und nur 
des zündenden Funkens harrte, schlug jetzt in lichten, hellen 
Flammen auf. Die Reformation brach an. Die Lehre des 
schlichten Augustiners zu Wittenberg riß wie eine gewaltige Fluth 
alles nieder, was Pfaffenthum und Kirchentyrannei aufgebaut 
hatte. Die Tage des Klosters am Strauß waren gezählt. Die 
Stadt, ohnehin nicht sonderlich mit den „Schwarzen" befteundet, 
hatte bereits in einer Bittschrift an den Kurfürsten gebeten, die 
Dominikaner aus Straußberg zu verweisen. Doch noch ein Jahr 
sollten sich die Mönche ihrer Ruhe erfreuen. Erst 1540 ward 
eine Commission nach Straußberg gesandt, welche die Aus 
hebung des Klosters auf kurfürstlichen Befehl anordnete. Kloster 
und Grundstücke sollten dem Landesherrn zufallen, baares Ver 
mögen wie Werthgegenstände zur Tilgung landesherrlicher Schulden 
verwandt werden, den Mönchen aber sollte es unbenommen bleiben, 
in beschaulicher Eintracht, jedoch mit Enthaltung jeder Ordens 
regeln, soweit sie die Oeffentlichkeit anlangten, bis zu ihrem Tode 
im Kloster zu verbleiben. 
Die Dominikaner unter Anführung ihres letzten Priors, 
Georg Fürstenberg, waren weit davon entfernt, Demuth und 
Unterwerfung zu zeigen. Rur eine Autorität erkannten sie an, 
ihren Ordensgeneral. Es kam zu Zwistigkeiten, endlich zur Ge 
walt. Eine Kämmereirechnung von 1540 enthebt uns jedes 
weiteren Commentars. Darinnen heißt es: 
„II gr. gegeben dem Kleinschmide so ebr di schlosse in 
Kloster hat aufgeschlossen, so man hat lassen iuuentiren 
das silberwerk.“ 
Freilich allzuviel fand die Commission nicht mehr vor. Außer 
Meßgewändern, verschiedenen Silbergegcnständen, Haus- und 
Wirthschaftsgeräthen, sowie nur 33 Büchern, war bereits alles 
klug bei Seite geschafft worden. Aber nicht genug mit der Auf 
hebung und Ausplünderung des 'Klosters. Eines Tages legte 
man sogar in die leer stehenden fürstlichen Räume einen jungen 
protestantischen Geistlichen mit seinem holden Weibchen und dem 
gesegneten Kindertrotz. Zugleich jagte man die in Ehren ergraute 
Köchin und Wirthschasterin des Klosters aus den Mauern. Das 
war zu viel. Georg Fürstenberg protestirte energisch und der 
Kurfürst in einer gnädigen Anwandlung verfügte denn auch die 
Entfernung der protestantischen Pfarrersfamilie. 
„Was aber die kochinn — heißt es weiter — so die Bruder 
bey sich haben, betrifft, wollen wir so ferne sie vnberuhigt vnd 
zuchtigeß wandelst Ware, daß sie den Brudern gelassen werde, 
were es aber sah daß sie ein böse gerucht vnd sich deß hurenlebcnß 
gefliffen hatt, ist vnser Beger, sie von stundt an von Inen wegkzu- 
thun. Welches wir euch also vnangetzeigt nit haben wollen laffen."
        
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