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Periodical volume 1. Juli 1884, Nr. 40

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Wein zum Schlaftrunck 
Solle endtlichen abgeschafft sein, alleine den Cammer Junckern 
sol man ein grossen Becher zum Schlaftrunck geben. 
Zu dem alle Wochenn 
xij Stubichen koch wein 
vj Stubichen Weinessig 
iiij Stubichen Meffe wein. 
j Quart In dj Capel zu Hof Meßwein 
vj Stubichen Fülle wein. 
Ordnung des Bernawischen Biers. 
Der Fürsten Tisch ist für sich selbs. 
Aus der Reihe tisch, souil sie des getrinken mögen. 
Auf der Jungsrawtisch, souil sie des getrinken mögen. 
Auf der letzten tisch durchaus Bernawisch bier. 
Auf den Cantzlej tisch 
In vnser Cammer durchaus Bernawsch Bier, 
Ordnung des Hausbiers vnd des Schlastruncks. 
xij Stubichen In den Marstal zu Morgen Broth, Mittage vnd 
Schlaftruncke, Jedesmal iiij Stubichen. 
ij Stübchen dem Marschalck 
ij Stubichen Eustachius von Schlieben. 
j Stübchen dem Hofmeister, 
iij Stübchen beyden Weinmeistern, 
viij Stübchen auf die Schulen, 
iij Stübchen In Spittal, 
ij Stübchen dem Teichmeister, 
ij Stübchen dem Badtstuber. 
j Stübchen Docktor Funcken. 
viij Stübchen den Wagenknechten 
vij Stübchen den Tag! vber auf die Jeger. 
Ordnung des Brots. 
Wir wollen auch, das vnser Hauß vnd Speißkeller, was Ir 
Jeder an Speiß vnd Schnittbrotten einnemen vnd empfangen 
werde, daffelbige teglich seines einnemens, außgebens vnd bestands, 
wes zu Suppen abspeisen, dinstleutten, vnd aus jede maltzeiten. An 
Rcyen vnd Schnit, auch Hunde brotten, angewerden, eine klare 
vorzaichnus, Rach dem abspeisen, vnserm marschalck, oder Haushof 
meister zustellen. Es soll auch daffelbige broth, nyedert anderst, den 
wir solches verordent, hinne gegeben, vnd auch zu jeder Zeit vom 
Haußkeller, sampt den Schnidt brotten nach Rehen Zoll, berechen 
werden», 
Ordnung der Semmeln. 
So soll auch vnser Haußkeller fleiffig vsacht geben, das die 
Semmeln zum treulichsten an die orth, dahin sie verordnet, aus 
geben werden, teglichen mit fleiß vorzeichent, wieviel Rehen Semmel 
er einnymbt, wieuel er zue Suppen, In die bindtucher, und am 
jede Mallzeit vorspeiße, so soll er auch in die kuchen, den tagk drei 
Rehen Semmel geben, vnd nicht mher, wes also vnd dergestalt 
von Jnne auf jede Zeit außgeben, solle er auch gleich andern, eine 
klare vorzeichnus alle abendt dem marschalk oder Haushofmeister 
zustellen, und vberreichen. Es ist von nothen, eine ordnungk den 
Semmeln, wenn man die speisen solle gemacht werden. 
Dergestalt und nicht anderst, soll es mit dem speisen des 
Landtweins, Bernawischen, Ruppinischen, und Hausbiers gehalten 
werdenn. Es solle aber vnser Hauskeller, alle vnd Jede diese ge- 
ordente Becher Weins, vnd ab wes auf vnsenr beuelch weither 
vorspeiset, daffelbige klar gemacht werden, wes einenn Jeden tag, 
einem Jeden zur Morgensuppen, auch zum morgen- und abentmal, 
auch zum schlaftrunck gegeben wirdt, auffchreiben vnd solche vor 
zeichnus solle alle abendt nach dem abspeisen dem Marschalck vnd 
Haushofmeister zugestellt vnd vs den Sonnabcndt In die Wochen 
Rechnung gebracht werden. 
Zu dem auch, vnd zu vorauß, wes an suffcn ond stembden 
weinen, auch Mummen, vnnd andern fteinbden Bieren, auf vnsern 
tisch gespeiset worden. Wir wollen auch, das vnser kellerknecht, so 
auf vnsern tisch wartet, die Flasshen auf einen freyen tisch setzen, 
vnd sich domit hintter den kleinen Schencktisch nicht verkriechen, 
; damit wir sehen mögen, wie vor vns geschenckt. So solle er auch 
nicht einen Jeden vber vnsere flaschen lauffen lasten, vnd vnser 
getrenck vor alle Welt schencken. Darauf vnser marschalk ein fundn 
acht gaben solle. 
Wir wollen auch, sobaldt wir vnsern schlaftrunck holen lasten, 
das dan der keller gesperret, vnd darnach sonst nyemandts nichts 
gegeben werde. Das sich dj Im keller alsdann selbst auch schlafen 
j legen, 
Solchs alles vnd Jedes, wollen wir bey vormaydung vnser 
straf vnd ungnade wie obstet gehalten haben. D. 
(Schluß folgt.) 
Misrcüen. 
Me ersten Alanen. Das (spätere Puttkammerschc) Husarenregiment 
Nr. 4, über dessen Schafspelze wir kürzlich eine Mittheilung gebracht 
haben, wurde von Friedrich dem Großen im Sommer 1741 als das 
erste Ulanenregiment ganz neu formirt, nachdem schon unter dem 
Großen Kurfürsten das erste Kürassierregiment (1666), unter Friedrich I. 
(Friedrich III.) das erste Dragonerregiment (1690) und unter Friedrich 
Wilhelm l. das erste Husarenregiment 1721 gebildet worden. Die Ueber- 
legenheit der östereichischen Kavallerie hatte darauf gebracht, in Polen 
hauptsächlich fünf Eskadrons leichter Reiterei zu werben, die in Polnischer 
Art gekleidet und mit langen Piken bewaffnet waren. Friedrich hatte 
große Freude an dieser schönen Truppe und ertheilte ihr alsbald den 
Auftrag, in der Nähe von Grottkau ein kleines Korps Oesterreicher zu 
überfallen. Unter Oberst v. Natzmer ging der Angriff vor sich, verlief 
aber in Folge großer Jugend und vor Allem der Ungeübtheit der Reiter 
in der neuen Waffe so unglücklich, daß nur Zielen, den man vor 
sichtiger Weise in der Nähe postirt hatte, die gänzliche Vernichtung der 
„schönen" Ulanen verhinderte. Der König war über diesen Mißerfolg so 
verstimmt, daß er — wohl etwas übereilt — das Korps aufhob und 
die Ulanen sofort in Husaren umwandelte. Der alte Fritz wollte von 
Ulanen nun Nichts mehr wiffen und ihr Name taucht erst 1807 wieder 
auf, zu welcher Zeit er dem Regiment der Towarzysz beigelegt wurde. 
Jene ersten unglücklichen Ulanen sind durch ihre Nachfolger längst 
rehabilitirt; wie gut sie jetzt mit der Waffe anzugehen wiffen, hat 
Mancher schon zu seinem Schaden erfahren müffen. P. W. 
Friedrich Wilhelm IÜ und der Adel. Nach dem Tode des 
Regierungspräsidenten von Tevenar zu Magdeburg (1797) wurde dem 
Könige Friedrich Wilhelm III. als Nachfolger desselben der bürgerliche 
Regicrungsdirektor Vangerow vorgeschlagen und zugleich dessen Erhebung 
in den Adelstand beantragt. Der König antwortete darauf, wie folgt: 
da Ihr Mir den Regierungsdirektor Vangerow in Eurem Berichte vom 
10. dieses als einen sehr tüchtigen, rechtschaffenen und thätigen Mann 
schildert, welches Mir auch von anderer Seite bestätigt wird, so trage 
Ich kein Bedenken, seine Anstellung zum Präsidenten der Magdeburgischen 
Regierung zu genehmigen rc. Seine Erhebung in den Adelstand aber, 
die Ihr Mir zu gleicher Zeit vorschlaget, hat mit der Stelle gar 
Nichts zu thun und kann unbedenklich ausgesetzt bleiben rc. 
— Kurze Zeit nachher besuchte der König den Ball eines Staatsministers 
und bemerkte eine Dame bürgerlicher Herkunft, die von Niemandem zum 
Tanz aufgefordert wurde. Sofort tanzte er persönlich mit derselben, um 
zu zeigen, daß Geburt nie zurücksetzen könne, der Werth des Menschen 
vielmehr auf höheren Dingen beruht. Er handelte hier in dem Sinne 
seines großen Ahnen Friedrich II., der in dem Testamente von 1769 
seinem Nachfolger alle seine Anverwandte zu ehren befahl mit dem 
Zusatze: „das Ungefähr welches bei der Bestimmung der Menschen ob 
waltet, bestimmt auch die Erstgeburt, und darum, daß man König ist, 
ist man nicht mehr werth, als die Uebrigm." 
Königliche Bibliothek. Einen intereffanten Abriß der Geschichte 
der Königlichen Bibliothek in Berlin, dem beherzigenswerthe Be 
merkungen über die Abstellung der mancherlei dem Institute anhaftenden 
Mängel hinzugefügt sind, publizirt Heinrich von Treitschke in den „Preu 
ßischen Jahrbüchern." Es ist ein anspruchsloses, aber lehrreiches Stück 
preußisch-deutscher Geschichte. Die Entwickelung des preußischen Staates 
und der Charakter jedes einzelnen seiner Fürsten spiegelt sich in den Schick 
salen dieser Sammlung treulich wieder; viele der großen Namen unserer 
Annalen, Männer des Lagers und des Rathes, Dichter und Denker hälfe» 
ihren Bücherschatz mehren. Wie spät und mühsam hat die zarte Pflanze 
der Wissenschaft Wurzeln geschlagen in dem jungen Kolonialboden der 
Marken; wie viele Schätze gelehrten Wiffens lagen schon aufgespeichert 
in den Büchereien der romanischen Klöster, als an der Havel noch die 
Wenden hausten. Im Jahre 1659 beginnt die Geschichte der Berliner 
Bibliothek. In einem Augenblicke schwerer Sorge, drängender militärisch» 
und diplomatischer Arbeit, erließ Friedrich Wilhelm aus seinem Haupt-
        
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