Path:
Periodical volume 21. Juni 1884, Nr. 39

Full text: Der Bär Issue 10.1884

546 
Söhne, Wenzel als deutscher Kaiser und König von Böhmen, 
Sigismund als König von Ungarn und Kursürst von Branden 
burg. Beide waren aber schwache Regenten, die sich wenig um 
die Wohlsahrt ihrer Lande kümmerten. Es wurde der Markgraf 
Jobst von Mähren (lodoous) als Verweser der Mark Branden 
burg und Markgraf der Niederlausitz eingesetzt. Dieser war aber 
eben so schwach und unfähig, das Land gegen das Raubritter- ! 
Unwesen zu schützen, das bei der herrschenden Unordnung recht zur 
Blüthe gelangt war. So nahm der Uebermuth der Raubritter 
immer mehr überhand. Fest ummauert saßen sie auf ihren Burgen, 
von denen sie den Kaufmann, der friedlich mit seinem schwer- 
beladenen Wagen seinen Weg zog, überfielen, ihm seine Habe 
raubten und ihn dann leer mit Spott und Hohn von dannen 
ließen. So allgemein wurden Raub und Diebstahl begangen, daß 
nian in starker bewaffneter Begleitung reisen, oder von den Herren 
der Umgegend um schweres Geld sich ein sicheres Geleit erkaufen 
mußte, um nicht sein Hab und Gut, ja sein Leben zu verlieren. 
Vergebens waren die Drohungen der weltlichen und geistlichen 
Macht gegen den herrschenden Geist der Gewaltthat. Kaum hielt 
man die Beraubung des Wanderers für Unrecht. Aber nicht nur 
der einzelne Wanderer oder Kaufmann hatte unter dieser Noth zu 
leiden, sondern die ganze Gegend, Dörfer und Städte, waren in 
beständiger Furcht und Aufregung vor den Raubrittern. 
Der Hauptsitz dieser Landbeschädiger in der Niederlausitz war 
Drebkau. Von hier aus wurden Raubzüge unternommen durch 
die ganze Nicderlausitz, ja bis in die Oberlausitz hinein. Die 
Lage der Raubburg war für die auszuführenden Räubereien außer 
ordentlich günstig. Mitten inne zwischen Kottbus, Spremberg, 
Finsterwalde und Kalau an der alten sog. Königsstraße von 
Schlesien nach Meißen, konnten die Wegelagerer keinen passenderen 
Schlupfwinkel zum Aufpassen imb zum Ausführen ihrer Streifereien 
finden. Wenn der Burg auch der sonstige Vorzug der Raub- 
schlöffer, nämlich die Anhöhe zur Warte fehlte, so ward dieser 
Mangel ausgeglichen durch den Vorzug der Nähe von Schlesien 
und der Oberlausitz, der Verborgenheit in Wäldern (Drebkau, 
wendisch Drewk, d. i. Gehölz vgl. „Bär" IX. Jahrg. Nr. 15. 
Beiblatt) und u. a. auch durch den Umstand, daß gerade in diesem 
kleinen Landstrich von jeher verschiedene Landeshoheiten, ja sogar 
streitige Gerichtsobrigkeiten walteten. 
Die von Drebkau aus geleiteten und vollführten Plackereien 
hatten um 1400 ihren höchsten Punkt erreicht; denn es wurde 
endlich auf die vielfältigen Klagen von Seiten der Landesherrschast 
zur Beseitigung dieses Gebrechens ernstlich vorgegangen. Im Jahre 
1401 machte Jobst von Mähren den ersten Versuch, Drebkau ein- 
zunehmen; denn nur er kann gemeint sein, wenn Muscovius, 
wendischer Pfarrer zu Kottbus, berichtet: „Im Jahre 1401 hat 
ein Markgraf Barba, insgemein Markgraf Barth genannt, Drebkow, 
die benachbarte Stadt bei Kottbus, belagert." Engelbert Wusterwitz 
aber, Clericus zu Brandenburg, erzählt, daß Markgraf lodoous 
Drebkow belagert habe und „fast den ganzen Sommer mit merk 
lichen Unkosten und großer Beschwerung der Städte in der Mark 
gelegen und doch wenig ausgerichtet hat. Um St. Katharinentag 
(25. November) ist der Markgraf von der Belagerung des Schlosses 
Draukow wieder abgezogen und gen Berlin kommen." Durch diese 
glückliche Vertheidigung wuchs den Raubrittern der Muth und sie 
trieben ihr unedles Handwerk ärger, denn je zuvor. Endlich traten 
aus den Rath des Markgrafen Jobst von Mähren und mit Ge 
nehmigung des Königs Wenzel von Böhmen die Städte der Ober 
und Niederlausitz zusammen, um diesem und anderen Naubnestern 
ein Ende zu machen. 1407 sammelte der Markgraf Jobst um 
Guben ein Heer, wozu jede Stadt ihr Aufgebot nebst Rüstwagen 
stellte. Die Burg Drebkau hatte hohe und starke Mauern, die 
schon oft den plumpen Angriffsmaschinen, deren man sich damals 
vor dem Gebrauch des Schießpulvers bediente, getrotzt hatten. 
Sie würden auch diesmal Stand gehalten haben, wenn nicht die 
Städte, welche in ihrem eigenen Interesse bei der Belagerung 
halsen, schon großes Geschütz besessen hätten, das mit Pulver ab 
gefeuert wurde. Das Pulver kam bei dieser Belagerung 
von Drebkau zum ersten Male in der Lausitz zur An 
wendung. Denn so erzählt Johann Magnus in seiner hand 
schriftlichen Chronik der Niederlausitz: „Hier hat sich der Krieg, 
aus Armbrüsten zu schießen, gewendet, und sind bei der hiesigen 
Drebkowschen Belagerung zum allerersten die Büchsen (Donner 
büchsen, Kononen) mit großen Feldstücken, mit Pulver geladen, 
gebraucht worden. Also hat man in unserer Lausitz als ein un 
gewöhnlich Ding das Summen und Brummen, den Knall und 
Schall zum ersten gehöret, welcher gegangen aus den großen Kar- 
thaunen und Mauerbrechern." Bekanntlich waren diese Geschütze 
weit größer, als unsere heutigen, und konnten auch nur täglich 
einige Male abgefeuert werden, da man sie noch nicht so recht zu 
gebrauchen verstand. Aber sie halsen doch, das Schloß Drebkow 
ward im Herbst 1408 erobert, mit jenen großen Stücken eingeschossen 
und die Raubritter wurden daraus mit Gewalt vertrieben. Der 
eigentliche Besitzer der Burg wird nicht genannt, hat auch aus 
anderweitigen Quellen bis jeßt nicht ermittelt werden können. — 
Im Jahre 1657 hat Magnus noch einen Rest der alten 
Burg, einen hohen Thurm, der von früherer Festigkeit zeugte, bei 
dem Schlosse gesehen, jetzt fehlt aber jede Spur; ein styl- und 
reizloses Gebäude, welches auch „Schloß" genannt wird, steht an 
der Stelle. 
Noch im Jahre 1408 wurden Poppo und Nykel, Gebrüder 
von Köckeritz zu Glaubitz und Wildenau, ferner ihre Vettern Konrad 
auf Saathain, Nyckel der Alte, Walter von Köckeritz auf Alt-Döbern 
und Hans von Köckeritz zu Senftenberg „mit der Stadt und dem 
Schlöffe Drebkow, allen Rechten, Gerichten und Zubehör, als 
rechtes gesammtes Mannlehen" durch Jobst von Mähren beliehen. 
(Vgl. Riedel, Nov. cod. dipl. Brdbg. IV pag. 32. 33.) 
Paul Schulze. 
MisceUen. 
Kaiser-Mkhekmlkraßc. Seit beinahe fünfzehn Jahren hat Berlin 
seine Peripherie in ungeahnter Weise ausgedehnt und auf allen Gebieten 
des öffentlichen Lebens ungeheure Fortschritte gemacht. Nur das Centrum 
der Residenz, der Stadttheil „Alt-Berlin", ist in der Entwickelung zurück 
geblieben. — Enge Straßenzüge, Sackgaffen, schlechtes Pflaster, schlechte 
Beleuchtung, Mangel an Pferdebahnen bewirkten, daß die Nachfrage nach 
Wohnungen von Jahr zu Jahr abnahm und die Miether, namentlich aber 
die Inhaber größerer Geschäfte in großer Zahl in die bester bedachte 
Friedrichsstadt auswanderten. Die einzige noch belebte Straße, die 
Königstraße, konnte den Verkehr kaum bewältigm. Dadurch wurden 
Polizeimaßregeln erforderlich, die den Last- und Fracht-Wagenverkehr be 
schränkte» und die großen Geschäfte bestimmten, ihr Domizil nicht länger 
in der Königstraße zu behalten. Eine völlige Umwälzung dieser Verhält 
nisse erhoffte man von dem Projekte der Kaiser-Wilhelmstraße. Die Ver 
längerung der Straße „Unter den Linden", der schönsten Berlins, sollte 
dem Stadttheil „Alt-Berlin" Luft und Licht schassen und das Centrum 
Berlins in den Zustand versetzen, welcher in den angrenzenden Stadt 
theilen längst hergestellt war. Mit der Errichtung der Kaiser-Wilhelm 
straße projektirte man gleichzeitig die gänzliche Beseitigung der Königs 
mauer. Das Projekt wurde von sachkundiger Seite freudig begrüßt; 
denn es lag auf der Hand, daß die neue Straße eine würdige Umge 
staltung der anliegenden Straßen und des ganzen Stadttheils nach sich 
ziehen würde. Seit dem Auftauchen des Projekts der Kaiser-Wilhelm 
straße ist mehr als ein Jahrzehnt verflossen, ohne daß die Ausführung 
durchgreifende Fortschritte gemacht hätte. Wohl haben die städtischen 
Behörden ihr Möglichstes geleistet. Die Königsmauer ist geräumt, ein 
zelne Grundstücke sind abgerissen, die Straße ist von der Kloster- bis zur 
Münzstraße freigelegt. Weiteres durchzusetzen, war den Behörden bisher 
nicht möglich. Das bisher Geschaffene hat eine Verbesserung der Situation 
kaum herbeigeführt. Denn nirgends hat sich eine erhebliche Bauthätigkeil
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.